4598 Wehrlos
7:26 a.m. Ich schlage die Augen auf, sitze an meinem Arbeitsplatz und habe das vorgebeugte Gesicht des Chefs ganz nahe vor mir, der mich anbrüllt: „Vierzig! Vierzig! Ein Wahnsinn!“ Ich weiß gar nicht, was er meint, nur, dass das wohl die Kündigung ist. Überhaupt weiß ich gar nicht, was ich da arbeite und wo ich bin, nur, dass ich einiges oder alles falsch gemacht habe. Lange noch, als ich schon realisiert habe, dass ich in meinem Bett bin und aus einem Traum aufgewacht, klopft mein Herz heftig und ich zittere am ganzen Körper.
Im Traum vorher habe ich vielleicht in einer Art Jugendherberge gewohnt – ein richtiges Hotel war das jedenfalls nicht – oder in etwas Ähnlichem wie ein Studentenheim, aber komischerweise bin ich schon alt und noch komischer von lauter Wirtschafts- und BWL-Studenten umgeben, die freundlich tun, aber grinsen und mich alten Mann als Kuriosum betrachten und mir dämmert, dass sie ihre Scherze mit mir treiben wollen. Sie drängen sich in mein Zimmer und tun und nehmen und bedienen sich schamlos, grapschen alles an und haben noch Schlimmeres vor, aber ich durchschaue ihre Manöver nicht. Ich verstehe auch ihre Anspielungen, ihre Scherze und ihre Jugendsprache nicht; alle sind sie so geschleckte Karrieristen, geistig beschränkt, glatt, und rücksichtslos und bei Gemeinheiten und ihren Vorteilen einfallsreich. Sie haben defacto mein Zimmer übernommen und holen sich auch Mädchen. Ich kann mich nicht wehren. Sie werden mir noch übler mitspielen, das weiß ich schon. Und ich sitze gelähmt vor meinem Zimmer und bin wehrlos.
(4.9.2026)
©Peter Alois Rumpf September 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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