Dienstag, 30. Dezember 2025

4313 Umblättern

 



2:20 a.m. Ungewohntes buntes Bettzeug. Das mir gefällt. Irgendein gedämpfter Motorenlärm geht durchs Gemäuer. Er ist nicht laut, drückt jedoch physisch auf meine Ohren und scheint in meinem Kopf Schwingungen auszulösen. Jetzt beginnt sich auch noch die Haut am Hinterkopf zusammenzuziehen. Das wird alles vergeblich sein: ich werde nicht gescheiter werden und auch nicht im Lotto gewinnen. Aber umblättern, das kann ich. Das habe ich derlernt. Das eigenartige Geräusch ist etwas abgerückt (obwohl es sich überhaupt nicht verändert hat). Jetzt höre ich wieder hin und somit kommt es etwas näher. Jetzt juckt es an der Schädeldecke, leicht. Und wieder der Druck auf die Ohren. Irgendein Volltrottel aus meinen jungen Jahren fällt mir ein, von einer Molkerei, wo ich Arbeit gesucht und nicht bekommen habe. Und meine Hilflosigkeit dabei. Der Vollhonk von der Personalabteilung – er hat mir unterstellt, ein RAF-Agent zu sein – hat die Grenzen meiner Integrität verletzt und ich – wie immer sofort im Schuldgefühl – war gelähmt und konnte mich nicht wehren. Das habe ich nie können. Eh alles nur verbal (naja, stimmt nicht ganz: immerhin hast du deswegen keinen bürgerlichen oder proletarischen Job bekommen, der deinem Leben eine andere Richtung, mehr soziale Sicherheit und eine höhere Pension, von der man leben kann, verschafft hätte; damals wollte ich wirklich ohne jede Weltverbesserung nur eine normale Arbeit haben – der innere Korrektor). Deswegen fällt mir jetzt meine Welt zusammen? So ein Blödsinn! (Nicht ganz; siehe oben – der innere Korrektor.) Im Nachhinein verwirrt mich auch der letzte Krimi. Während habe ich mich einlullen lassen und sind mir keine Ungereimtheiten aufgefallen.


(21.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 19. Dezember 2025

4312 Jetzt geht es wieder

 



12:33.  Jetzt geht es wieder. Endlich im Lieblingscafé! Ich habe mich hinaus getraut (und sogar das kleine Büchlein zum Zeichnen mitgenommen! Allerdings keinen Bleistift, weil ich angenommen hatte, ich hätte sowieso einen in meinem Albertinatäschchen). (Ob ich mich zeichnen getraut hätte? - ich glaube eher nicht.) Zu Beginn (~ 11h) habe ich noch gefremdelt. Viele Leute sind hier, aber der Lichtengel funzt wieder.

12:44. Ich habe gezeichnet! Hier im Lokal! Juhuu! Al die werlt! Whow! Mit dem Pilotstift. Gut, das wird nicht lichtecht sein (jetzt glaubt er schon wieder, dass er etwas für die Ewigkeit geschaffen hat! Die Enttäuschung ist schon vorprogrammiert! - der innere Spötter). Bei dieser Aufregung halte ich es nicht mehr aus, hier sitzen zu bleiben. Ich werde nach Haus aufbrechen. Und ich werde es zu Fuß versuchen. Der Husten scheint nun wirklich abzuklingen.

Am Heimweg auf der Salztorbrücke über den Donaukanal habe ich wieder – wie ich es mir angewöhnt habe und meistens beim Überqueren einer Brücke ausführe – die Donau/das Wasser, die Sonne/das Licht, den Wind/die Luft und die Erde gegrüßt. Und obwohl ich die Minimalvariante meiner Andacht gewählt hatte, ist mir dabei ein Schauder über den Rücken gelaufen, was für mich heißt: mindestens eine oder einer der vier hat zurückgegrüßt. Das darf ich nie vergessen, in meiner größten Verzweiflung nicht. Es war ja nicht zum ersten Mal, sondern kommt öfters vor.


(19.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4311 Nicht wichtig

 



0:47 a.m.  Heiß liegt der Thermophor auf meiner Brust und soll die hustenlindernde Salbe dabei unterstützen, einzuziehen. Ich wundere mich ein wenig, wie hart und schwer diese kleine Wärmeflasche aus Gummi (? oder? - wer kennt sich heute mit den Materialien noch aus?) ist. Aber das ist nicht wichtig. Mein Husten ist auch nicht wichtig, noch dazu, wo davon auszugehen ist, dass er irgendwann vergehen wird. Dass mir beinah die Tränen kommen, und ich nicht weiß, warum, ist auch nicht wichtig. Ist es wichtig, dass eine der Zedees im Zedeeturm schief in ihrem Fach – oder wie ich den Raum zwischen den zwei Drahtbögen, die die einzelnen CDs (so heißen die korrekt) halten, nennen soll – steckt, weil diese CD-Hülle etwas größer als die Norm ist? Nein, ist es nicht wichtig. Dass Wassertropfen auf das Blech des äußeren Fensterbretts fallen, vereinzelt nur, ist vielleicht für den Wasserhaushalt der Erde, dem Klima und dem Grundwasser wichtig; vielleicht!, aber in diesem Text hier wohl nicht. Weil auch der nicht wichtig ist. Meine Nacht hier ist nicht wichtig, und unwichtig ist auch mein Zimmer und wie ich es gestaltet habe. Gestaltet ist ein wenig übertrieben: wie ich es zuwachsen lassen habe, trifft es eher. Aber auch das ist nicht wichtig. Zumindest nicht so wichtig, dass es erzählt werden muß. Und das Surren in meinen Ohren, das immer die Tendenz zum Abgleiten – ich weiß nicht in was – in Trance? Tagträume? Erinnerungen? Träume? etcetera begleitet? Unwichtig! Dass mein Bettzeug schon recht zerschlissen ist? Unwichtig! Dass ich nur zu faul und zu weltfremd bin, mir neues zu besorgen? Wen soll das interessieren? Bringt das die Welt weiter? Nein! Also unwichtig! Ich sehe, dass dieses Notizbuch nur mehr wenige unbeschriebene Seiten hat. Unwichtig! (dabei fällt ihm Homer Simpson ein – der innere Spötter.) Amüsiert betrachte ich die Flasche mit dem Weihwasser aus einem Kloster, auf die mein Blick zufällig gefallen ist, und die schon jahrelang dort herumsteht, ohne sie je geöffnet zu haben. Amüsiert über alle die Spielchen, die ich (mit mir?) spiele, um zu versuchen, einen Sinn in meinem Leben zu erfinden, oder eine annehmbare Erzählung, eine herzeigbare Lebensstory, ein ansprechendes Lebenskabarett zu kreieren (vorzutäuschen wäre korrekter – der innere Spötter). Ja gut, mit diesem amüsiert kann man das meinetwegen stehen lassen. Es ist ja unwichtig!


(Nachtrag: er liebt mehr die Wörter als die Abkürzungen. Darum schreibt er Zedee und nicht so gern CD. Die zwei ee sollen anzeigen, dass das Wort auf der zweiten Silbe betont wird – der Tipper.)


(19.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4310 Im Sinne meines Lebens

 



15:56.  Es ist eigenartig, aber auch interessant: ich denke ja immer wieder daran, es doch noch einmal mit dem Zeichnen zu probieren. Was mir da so vage vorschwebt, sind die Zeichnungen von Medardo Rosso (danke an das museum der modernen kunst/Wien für die Ausstellung in der vergangenen Saison), nicht um nachzuäffen (da fehlt ihm sowieso das Handwerk – der innere Spötter), sondern als Anregung, als Leuchtfeuer. Und ich will mich auch gar nicht messen, sondern als freies Spiel ohne Zielvorgaben. Aber es gibt große mentale Hürden. Ich schaffe es nicht, unbefangen und ergebnisoffen an die Sache heranzugehen.

Heute sitze ich am Laptop und gehe so die Postings durch, da taucht plötzlich und wie aus dem Nichts die Idee auf, im Musikzimmer mich an den Schreibtisch zu setzen und aus dem Fenster zu zeichnen (gut, er liebt solche verdrehten Aussagen und Wortspiele; was er meint: das zu zeichnen, was er draußen vor dem Fenster sieht – der innere Spötter). Ich war schon dabei, einfach weiter zu scrollen und die Eingebung zu verwerfen, aber im letzten Moment kann ich mich abstoppen, aufstehen, den Rucksack mit den Zeichensachen schnappen, dazu die Brille und das Heferl mit dem English-Breakfast-Tea mit Milch, ins Musikzimmer gehen, alles herrichten, mich an den Schreibtisch setzen und unter gutem Zureden – in etwa so: es ist völlig egal, was dabei rauskommt! Beruhige dich! Scheiß auf Realismus! Nur die Striche auf dem Papier zählen! etcetera – beginne ich zu zeichnen. Da, diese Dachlinie als ersten Strich … irgendwie weiter … die Fläche dort … schon längst vom Realismus her alles falsch, aber egal! - sage ich mir wieder vor – ich strichle, schmiere, schraffiere so herum, kritzle – ganz kleines Format – wie es momentan zu mir passt – und ja, das Ergebnis geht. Ich rede nicht von großer Kunst; nur so … es geht, man kann die Striche am Papier anschauen, ohne dass einem gleich schlecht wird. Aber dann befällt mich Panik, ich wage es nicht mehr, eine zweite Zeichnung zu versuchen, schnell packe ich alles ein und verlasse fluchtartig den Raum. Und das ist interessant: an welchem Tabu rüttle ich da? Wer verbietet es mir, zu zeichnen? Und warum? Welchen Hass fürchte ich auf mich zu ziehen? Das war ja nicht immer so. Verdammte Scheiße! Aber gut, es war ein kleiner Schritt, ich hoffe, in die richtige Richtung. Richtig im Sinne meines Lebens!


(18.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4309 Helligkeit

 



7:51 a.m.  Die Helligkeit (hat hoffentlich nichts mit der Hölle zu tun – der Tipper) direkt vor meinem Gesicht tut so, als könnte sie den Husten vertreiben – beim Herziehen der Leselampe hatte ich sogleich ein optimistisches Gefühl – aber sie kann es nicht: ein Hustenanfall folgt auf den anderen. Erschöpft schaue ich in die Dämmerung hinter dem Lichtkegel der Lampe und weiß nicht, ob ich schlafen, lesen oder aufstehen will. Fieber habe ich keines, obwohl es sich so anfühlt, als hätte ich eines. Meine Abwehr springt gar nicht mehr an. Ein neuerlicher Hustenanfall unterbricht meine Grübelei und Ursachenforschung. Und der nächste hindert mich am Weiterschreiben (danke, Husten! - der innere Spötter).


(18.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 17. Dezember 2025

4308 Zragec

 



10:10 a.m.  Nichts ist mit Frühstück im Lieblingscafé! Es rauscht um meinem Kopf und nur die ständigen Hustenanfälle können diesen fiebrigen Lärm übertönen. Nun rauscht auch eine Lüftung im Lichtschacht. Meine Augen brennen leicht und wirken leicht entzündet. Ich habe mich im Bett aufgesetzt und halte die warme Bettdecke an die letze Brust gepresst. Zuerst juckt es, aber dann kommt unweigerlich der Hustenanfall. Die Lüftung, oder was das ist, röhrt immer noch vorm Fenster. Mir fallen die Augen zu und in dieser Dunkelheit kommt mir vor, als würde mein Notizbuch zittern (vielleicht fürchtet es sich vor dem, was du da hineinschreibst – der innere Spötter). Okay, vielleicht sollte ich mich doch zum Aufstehen zwingen und unten in der Küche brav, demütig und bescheiden mein Müsli verzehren.


13:04.  Zragec (es gibt zu diesem Wort keinen Treffer im Internet). Als ich die Augen schließe, sehe ich zuerst einen kleinen blauen Punkt; möglicherweise einen doppelten, knapp zusammenstehend, wie ein Doppelgestirn, so genau sehe ich das nicht. Und ein paar Minuten später, als ich wieder die Augen schließe: viele winzige goldene Pünktchen, die sich meist in Reihen in geometrischen Figuren wie Rechtecke oder Trapeze geordnet halten, wobei einige doch ausstreuen, aber auch das geordnet, wie die Korpuskeln bei der Streuung des Lichts. Oder sind das die Wellen?


(17.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4307 Zu spät

 



0:51 a.m.  Heute (kalendarisch eigentlich gestern, aber für mich ist der Tag zu Ende, wenn ich mich zum Schlaf lege). Heute also bin ich durch das nebelgraue Wien gewandert; auf dem Weg zur Psychotherapie, den ich fast immer zu Fuß absolviere. Und weil ich noch Zeit hatte, bin ich kleine Umwege gegangen. Es ist ja so, dass in den letzten Tagen und Wochen mein depressives Grundwasser wieder höher gestiegen zu sein scheint, denn ich halte zur Zeit nicht viel von mir und meiner Schreiberei zum Beispiel, und fühle mich lebensuntüchtig und völlig weltfremd, und segle in resignativem Wind. Ich gehe also und komme an einer Baustelle vorbei, die wie üblich mit einem Zaun eingefasst ist, dessen Gitter mit – wie ich annehme – so einer Art Plastikfolie oder Plastiknetz überzogen sind, auf der der Name der Baufirma groß und deutlich prangt. Hradil oder Sedlacek oder anders – ich habe den Namen schon wieder vergessen – jedenfalls ein schöner slawischer Name tschechischer oder slowakischer Provenienz, wie ich vermute. Ich lese den Namen und könnte heulen: der Name des Firmeninhabers (oder des ehemaligen …) steht einfach da; der und sein Träger genieren sich nicht, stehen dazu, wissen, wer sie sind und was sie hier zu tun haben. Ich könnte vor Neid und Wut schreien. Aber nur kurz könnte ich das (und schon gar nicht wirklich). Dann sehe ich alles ein. Ich sehe ein, dass ich nichts wert bin, weil ich nicht weiß, wofür ich stehe – zum Beispiel – und nicht weiß, was ich hier zu tun habe. Hier auf Erden. Und jetzt ist es wohl zu spät. Jetzt muß ich diese unerträgliche Last, gescheitert zu sein, bis ans Lebensende aushalten. Und das will ich auch.



(16.12.2025)



©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Ein Zitat

 



„Ich bin seit einiger Zeit darüber hinaus, meine Gedichte für etwas Wichtiges anzusehen, das nicht verloren gehen dürfte. Wenn von den paar tausend – denn soviel werden es ja allmählich sein – nur zwei-drei übrig bleiben, die es wert sind, dann will ich zufrieden sein. Wenn ich dennoch immer welche schreibe, die oft gar nichts taugen, dann nur, um sie loszuwerden -“.


Wolfgang Borchert

Freitag, 12. Dezember 2025

4306 Vorm Aufbruch

 



10:17 a.m.  Vorm Aufbruch ins Fitnesscenter ist mir schlecht. Aber wovon? Vor Angst! Beinah war sie nicht identifizierbar, erst als ich mich über das Waschbecken beuge wird mir klar: es ist die nackte Angst. Ganz unscheinbar tut sie, will unentdeckt bleiben, so dünn und durchsichtig, aber sie zieht sich als reißfeste Folie über mein Gemüt. Ich habe sie nicht gleich bemerkt, nur ihre Auswirkung. Meine Seele ist in höchster Alarmbereitschaft, als müßte ich in den Krieg ziehen oder mit bösen Geistern und Monstern kämpfen. Oder als würde ich zur Hinrichtung geführt. Aber meine schwerhörigen Ohren wollen den Alarm nicht erkennen. Und meine fremdgesteuerte Ratio wird das vorgenommene Programm durchziehen, dabei habe ich diese Überwinderei und dieses tapfer-gegen-das-eigene-Empfinden so satt! In was bin ich da geraten? Welcher Wille steht dahinter? Meiner scheint es nicht zu sein, oder?


(12.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4305 Nicht verzagen

 



11:41 a.m.  Ich mußte mich nach längerer Krankheitspause überreden, in mein Lieblingscafé zu fahren und hatte regelrecht Angst davor, die Wohnung zu verlassen und mich der Welt draußen auszusetzen. Diese duale Welt überfordert mich (und hat mich schon immer überfordert), allein schon eine U-Bahn zu benützen – mit allem muß ich wieder bei Null anfangen; was ich schon geschafft und integriert hatte, verliere ich sofort wieder, wenn ich es nicht permanent ausübe. Meine Psyche ist ein schlechtes Sieb, das alles verliert. Jetzt sitze ich da, fühle mich einigermaßen, aber die „Magie“ ist weg. Der „Lichtengel“ ist einfach die Strahlung der Lampe an der Wand und mir völlig wurscht; die Musik nehme ich hald (sic!) zur Kenntnis und höre nicht wirklich hin. Die Zeitungslektüre prallt auch mehr ab, als dass sie mich anregt (naja, er hat auch in der Kleinen Zeitung keine Todesanzeigen aus dem Bezirk Liezen gefunden, an denen er zumindest sein Überleben festmachen hätte können – der innere Spötter). Bleiben wir demütig und geduldig. Gut, die Überschrift von Armin Turnher im Falter „Es kommt darauf an, nicht zu verzagen“, nehme ich einfach für mich, auch wenn sie zur Lage der Nation verfasst ist.

12:41.  Akklimatisiert kann ich sagen, dass ich allmählich meine Anwesenheit hier genießen kann. Soll ich noch ein wenig bleiben? Ein wenig fremd fühle ich mich schon noch, aber das ist nichts Neues. Ich gehe, wandere in die Innenstadt, entscheide ich mich. Oder? Als erste Wiederannäherung und Verselbstverständlichung passt das heute schon (an seinem Wortspiel merkt man/frau, dass es ihm gar nicht so schlecht geht – der innere Spötter). Blöd ist nur, dass ich das schlechte Gewissen wegen des Luxus, den ich mir hier leiste, nicht abgewöhnen kann, obwohl ich heute hier gar nicht - wie es ursprünglich mein Plan war - gefrühstückt  habe, sondern nur zwei Cappuccini getrunken.


(11.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4304 Das Laptop

 



1:05 a.m.  Der CD-Player ist schon lange abgedreht und der Kopfhörer abgelegt. Nachdem ich mir noch eine Naturdoku angeschaut habe, ist nun auch das Laptop heruntergefahren (jetzt tut er wieder so! Normalerweise sagt er der Laptop; es ist eh beides erlaubt – der innere Spötter). Es gibt keine Ablenkung mehr und es ist mindestens Unbehagen, was da in mir aufsteigt. Ich muß dauernd über mein Leben grübeln und kann es nicht schlicht und einfach akzeptieren. Scham, Schuldgefühle und die Überzeugung, versagt zu haben, lassen mich nicht los. Und es ist verdammt spät; in meinem Leben, meine ich. Ich werde das Steuer nicht mehr herumreißen und kein Terrain mehr gewinnen. Vor Weihnachten fürchte ich mich auch; das nur nebenbei. Das geht sich alles nicht mehr aus. Ich kann mir und meiner Welt beim Verfall zuschauen und nur wenig tun. Beim Absterben Amen.


(11.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 10. Dezember 2025

4303 Mönch

 



16:32.  Ich weiß nicht, was Kunst ist. Ich weiß nicht, was Literatur ist. Ich gehöre nicht dazu. Ich habe keine Ahnung und keinen Standpunkt und kenne mich nicht aus. Ich schreibe nur aus Not. Und das merke ich nur, wenn ich schreibe. Schreibe ich nicht, geht es mir nicht ab. Wie kann man nur so daneben sein?! Ich wäre ein Mönch; ich will an dieser Welt nicht teilhaben.


(9.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4302 Klabund

 



12:52.  „Dreck am Stecken“ sagt der am Nebentisch. Weiß er, was die Redewendung eigentlich bedeutet? (Scheiße am Schwanz). Nein, anderes Thema. Schwarztee mit Milch habe ich bestellt. Und eine Zitrone dazu bekommen. Von den Boxen kommt „What a Wonderful World“ von einem mir unbekannten Interpreten gesungen, nur mit Gitarrenbegleitung. Danach haben sie anscheinend Weihnachtsmusikprogramm in Richtung Kitsch, an der Grenze, da bin ich empfindlich. Ich merk schon, ich werde arrogant, wie ich die Leute hier innerlich verspotte und abwerte. Ganz so gemütlich sitze ich hier auch nicht. Ich habe aber genug Zeit für ein Kännchen Tee eingeplant, schon beim Wegehen von zu Hause bedacht. Musik wieder besser (was soll dieser Amtssprachenstil! Militärsprachenstil! Nazisprech!? Keine Zeit für Verben?- der innere Korrektor). Die Musik ist jetzt wirklich gut. Wieder ein Sänger nur mit Gitarre. „ Der Staatsanwalt muß noch unterschreiben“ sagt der am Nebentisch ins Telefon. Die Musik ist jetzt wirklich gut (Sorry, sein Gehirn funktioniert nicht mehr so gut – der innere Spötter). Ich habe an allen Menschen hier etwas herumzumeckern. Jetzt kippt die Musik wieder ins Unangenehme, weil zu geschleckt und mainstromlinienförmig. Das ist ein Gratwanderung. (Die Texte eintippen und schubladisieren sollte ich auch wieder einmal, bevor sich zu viele aufgestaut haben, aber ich habe keine Lust; so toll sind die nicht, und auf Facebook bewerben mag ich sie auch nicht mehr; sie müssen selber ihre LeserInnen finden.)

Jetzt beginnt das Uhrenschauen (weil ich heute den Psychotherapietermin habe, ausnahmsweise an einem Dienstag, weil gestern der Marienfeiertag war. Ich würde ja gerne herschreiben: der Tag, an dem gefeiert wird, dass Joachim und Anna miteinander gevögelt und dabei die Maria gezeugt haben, jedoch ohne die Erbsünde weiterzugeben. Aber ich schreib’s nicht her, weil mir das viel zu pubertär vorkommt, obwohl es dogmenfaktisch korrekt ist. Es fällt mir schwer, diesen aufgelegten Elfer nicht zu schießen; vielleicht würde ich dann mehr Lust haben, den Text einzutippen und in mein Schubladenarchiv aufzunehmen).

Ich geh jetzt los, vielleicht finde ich im Antiquariat Dings – verdammt, mein Namensgedächtnis ist so desolat! - ein Geschenk für meinen Zugelosten in der Funktion als „Weihnachtswichtel“. Klabund! Klabund heißt das Antiquariat! Klabund.


(9.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4301 Zerfall

 



9:29 a.m.  Ich bin schon eine Zeit lang am Rücken wach im Bett im abgedunkelten Zimmer gelegen, vor Angst erstarrt, wie ein Insekt, das aufgespießt worden ist, unfähig, sich zu bewegen und unfähig, zu flüchten. Wohin auch? Alles zerfällt und zerbröselt: die europäische Nachkriegsordnung, die Geräte wie Laptop, Fernseher, Kassettenrecorder, MP3-Player, die Heizung, das Handy, das Radio funktionieren nicht mehr oder nur eingeschränkt, die finanzielle Lage macht mir Angst und auch mein Körper ist am Aufgeben. Mein Gehirn läßt nach und ich verschreibe mich ständig. Der Husten, die Erkältung gehen nicht weg. Es geht dem Ende zu. Erst als ich mich aufgesetzt und zu schreiben begonnen habe, wird das Kokon aus Angst und Überforderung dünner und weniger zwingend. Die Flucht, die gelingt, ist die in den Schlaf. Mein waches Bewußtsein ist besonders am Morgen kaum auszuhalten.


(9.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4300 Unangenehm

 



13:04.  In der Albertina bei den Sphinxen hat mich eine Mischung aus Schmerz (Knie) und Überforderung eingeholt. Unangenehm. Ich bin nicht entspannt und aufnahmebereit. Aber auch nicht gespannt und neugierig. Und die faden, fetten, bourgeoisen Sphinxen sagen mir auch nichts. Der einsame Mann sitzt in der rechten Ecke des riesigen Fensters an die Scheiben gelehnt; so schaut es zumindest von außen im Spiegel gegenüber aus. Ströme von Menschen ziehen vorbei. Mich kann nichts retten, sagt mein Gefühl. Trügerisch? Was ist mit der Auferstehung des Leibes von den Toten, wenn sie mir das Knie herausgeschnitten haben werden? (Jetzt blödelt er sich wieder durch sein Unbehagen – der innere Spötter). Ist diese Wandfarbe wirklich rosa? Das geht doch nicht! Was spielen mir da die Sinne vor?


(7.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4299 Konjunktiv

 



4:44 a.m.  In der Stille der Nacht bin ich aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Meine Gedanken kreisen um meine Kindheitstraumata und wie ich es hätte besser machen können, wenn ich nicht so viel Rücksicht auf meine Eltern genommen hätte und sie nicht geschont hätte. Tja, der Konjunktiv! Nun, es ist egal; dann lese ich noch ein wenig.


(6.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4298 Duschen

 



10:23 a.m.  Die erste gröbere Entscheidung des Tages: Duschen oder gleich frühstücken? Ich glaube, meine Wasserscheu setzt sich durch. Ein wenig mach ich mir noch Sorge wegen der – so schaut es aus – abklingenden Erkältung, dass ich sie mit der Duscherei in der sich schwer erwärmenden Wohnung neu entfache. Ich verschiebe das auf den Abend und lege mir den Plan zurecht, dass ich die Heizung außertourlich bis in die Nacht laufen lasse und sie nicht schon um 15h – wie sie programmiert ist – abstellen lasse. Unschlüssig hocke ich noch im Bett, habe noch ein wenig gelesen, aber langsam werde ich bereit, mir ein Frühstück zu bereiten.


(5.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4297 Husten

 



2:38 a.m.  Ein Hustenanfall hat mich aus dem kurzen Schlaf gerissen; nun hocke ich da, huste mir die Seele aus dem Leib.


(4.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 3. Dezember 2025

4296 Zeichnen

 



12:51.  Ich sitze im Katscheli und es reizt mich sehr, hier zu zeichnen. Nur so kleine Skizzen von dem, was mich da umgibt - sie müssen gar nicht „realistisch“ sein. Aber ich traue mich einfach nicht. Vielleicht kommt es noch. Heute habe ich auch kein entsprechendes Zeug mit. Auch mir solches für den Fall des Falles einzustecken, traue ich mich noch nicht; mit einer wegwerfenden Handbewegung schiebe ich jedesmal den Gedanken weg, wenn ich vorm Aufbrechen in die Außenwelt mein Notizbuch, aber kein Zeichenheftchen in das Albertinatäschchen (er nennt es auch mein Kindergartentäschchen – der innere Spötter), stecke. Aber warum kann ich das nicht? Vermutlich geht es um die Frage: Wieviel Innenwelt verträgt die Außenwelt? Wieviel Innenwelt ist in der Außenwelt möglich? Ab wieviel Innenwelt im Außen kommen die Attacken, provoziere ich die Aggressionen derer mit dem (un)gesunden Menschenverstand? Schreiben geht inzwischen; das könnte theoretisch auch etwas Vernünftiges, Erwerbsberufliches, Wissenschaftliches, Journalistisches sein (naja, wenn du in ein Notizbuch schreibst? Heutzutage ohne Laptop? Ich weiß nicht … – der innere Spötter), aber zeichnen, noch dazu ungeschickt, autodidaktisch, ohne Diplom, ohne Selbstsicherheit und ohne Selbstverständlichkeit! Das war vor der döbranitischen Katastrophe anders, da konnte ich trotz Unsicherheit in der Öffentlichkeit (neue Motive!) zeichnen. Ich überlege – weil ich noch einen Papiersack vom Transport des kaputten Wasserkochers zur Problemstoffsammelstelle im Albertinatascherl habe – auf dem herumzukritzeln und zu Hause das Papier in handliche Stücke zu zerschneiden. Irgendeinen Bleistift werde ich schon dabei haben, zur Not könnte ich auch einen Pilotstift nehmen – aber ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Ich muß mir irgendwo etwas Größenwahn hernehmen, sonst wird das nichts.

Mir ist zum Heulen (aber ich heule nicht). Noch dazu, wo ich auf der Bar auf einer Schachtel eine Zeichnung geklebt sehe, möglicherweise eine Kinderzeichnung, so genau kann ich das nicht sehen. Was das Schreiben betrifft: Vielleicht ist es kein Beruf, weil ich daran nichts verdiene; keinesfalls ist es ein Hobby, sondern, wenn kein Beruf, dann eine Berufung.

Mein Gott, ich bin so etwas von abgeräumt und übriggeblieben! Und in einer Lebenssackgasse. Interessant, dass die Leute, die draußen rauchen, trotzdem so viel Gestank hereinbringen.


(3.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 2. Dezember 2025

4295 Ich lege mich flach

 



1:50 a.m.  Der Husten hört nicht auf. Den Tag über was das Ganze relativ friedlich, aber jetzt kommt ein Anfall nach dem anderen. Ich korrigiere und überarbeite noch ein wenig meinen letzten Text und allmählich läßt die Husterei nach, wiewohl ein leichteres Brennen in der Brust zurückbleibt und so eine Art inneres Kitzeln. Meine Gedanken driften weit ab, sodass ich gar nicht folgen kann. Ich hole meine Aufmerksamkeit wieder ein, aber die weiß mit dem Hier und Jetzt nichts anzufangen. Das Holz des Fußbodens knackst nach dem Lüften in der Kälte. Wie zurzeit jeden Abend habe ich Angst, mich zum Schlafen hinzulegen, weil ich neuerliche und stärkere Hustenanfälle befürchte. Manchmal döse ich im Hocken ein, aber schrecke leicht auf. Das Ohrensausen rauscht wie in Wellen über mich hin. Es klopft an der Tür. Ich schrecke auf. Das muß in einer anderen Welt gewesen sein. Ich beruhige mich langsam. Ein Typ mit Rollkoffer geht ab; das Ambiente in dieser Vision (jetzt gibt er wieder an: ich korrigiere auf in dieser Szene – der innere Spötter) erinnert an das Untere Belvedere, die vorderen Ausstellungssäle. An Kunstwerke kann ich mich nicht erinnern. Jetzt ist wieder ein neuer Hustenanfall gekommen und zieht noch weitere mit. Dann es es auch schon egal: ich lege mich jetzt flach.


(2.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4294 Gampeli

 



16:17.  Mit den Kose- bis Spottnamen ist das bei uns so: vor Jahren hatte mein liebes Weib eine Frau aus dem Schwäbischen bei ihr in Ausbildung und als der Kurs zu Ende ging und es zum Verabschieden gekommen war, frug sie – meine Frau – was sie - ihre Azubi – jetzt machen werde und diese – auch schon etwas älter – antwortete: „Ich bleibe noch ein paar Tage in Wien“ - mit schwäbischem Akzent natürlich – „und werde mit meinem Männele die Stadt anschauen.“ Dieses Männele hat meiner Frau so gut gefallen (das Wort! Den Mann hat sie nie zu Gesicht bekommen, deshalb können wir dazu keine Aussage machen) und bald ist dieser Spottkosename auch auf mich gekommen und nicht allzu lange später habe auch ich begonnen, sie manchmal, manchmal aus Notwehr, mein Weibele zu rufen. Übrigens: wenn euch auffällt, dass ich meine Frau in meinen Texten nie beim Namen nenne, so stimmt das. Ich habe eine große Hemmung dagegen, obwohl mir meine Frau auch als eine blöde Floskel vorkommt, gar erst die beste Ehefrau von allen (© Ephraim Kishon), wo mir der Spott, den auch ich hege, zu offensichtlich wird. Die Scheu vor der Namensnennung scheint ein ganz archaischer Mechanismus zu sein – ich verweise auf das alte Lied Mit Lust tät ich ausreiten – sehr schön die Fassung von Ludwig Senfl (c1490-1543) – wo der Jäger im Wald drei Fräulein findet und zwei beim Namen nennt, aber das dritt hat keinen Namen, das soll des Jägers sein. Also hat der (Schürzen)Jäger Angst, den Namen zu verraten, weil in diesem magischen Denken den Namen zu wissen bedeutet, über die Person Macht zu bekommen (nicht ganz falsch, wenn wir bedenken, dass wir nur mit Dingen umgehen können, für die wir Namen und Begriff haben, das Namenlose kommt nicht in unsere Verfügbarkeit, solange wir keinen Begriff davon entwickeln). Wurscht! Sei’s drum! Der Jäger hat Angst, dass ihm wer sein (!) Fräulein wegnimmt, wenn der den Namen weiß. Zu dieser Macht-Namen-Sache verweise ich auch auf Rumpelstilzchen (keine blöden Scherze! Es heißt Rumpelstilzchen und nicht Rumpfelstilzchen!). So weit, so gut, oder was auch immer. In letzter Zeit ist mir dieses Männele – über das ich meistens durchaus lachen kann – manchmal in seiner Häufigkeit und alltäglichen Anwendung schon etwas auf die Nerven gegangen, weil ich mich dann manchmal doch verspottet vorgekommen bin – was einen in einer depressiven Phase oft übers Lachen raushelfen, aber einen sehr selten zwar, auch tiefer hineinstoßen kann. Ich stehe nicht an zuzugeben, dass es auch umgekehrt ironisch-spöttischen Ansagen an meine liebe Frau gibt, die im falschen Moment auch verletzend sein können.

Am verwichenen (©Telemax) Sonntag, bei unserer hustenden Textsuche, sind wir auf einen alten Text von mir gestoßen, wo die Frau ihren Mann mein Gampeli nennt. Keine Ahnung, wo ich das her hatte, ob ich es gehört oder gelesen hatte oder gar geträumt. Seitdem werde ich manchmal auch so bezeichnet. Assoziieren tu ich damit ein altes Schweizer oder Vorarlberger Volkslied, das ich wohl im Musikunterricht meiner Gymnasialzeit kennengelernt hatte. Nur diese Zeilen sind mir hängen geblieben – und man/frau möge meine fehlerhafte Ausdrucksweise des Alemannischen und dessen schlechte Verschriftlichung verzeihen: „… laß das Gambele go, das Gambele wir dir scho vergo“. So singt die Frau zum Mann, der anscheinend einen Hang zum Aussigrasn hat. Ich verweise auch auf Englisch gamble, hier wohl im Sinne von blöd herumspielen oder so ähnlich.

Gampeli. Fragt sich nur, was meine Angetraute – auch so ein blöder Ausdruck – mir damit sagen will?

Ich habe nachgeschaut: das Volkslied ist eh das bekannte Schweizer Vo Luzern uf Wäggis zue und die Zeilen lauten: maidele, lass das gambele go, s’Gambele wird dir schon vergoh. Klar, das hätte ich mir denken können, dass das keine Frau zum Mann, sondern in strikter patriarchalischer Manier eine anscheinend lebenslustige, junge Frau bedroht und eingeschüchtert werden soll. Womit wir unabsichtlich aber passend beim aktuellen Thema Femizide gelandet sind. In Gewissenserforschung nachzuprüfen hätte ich noch, warum ich es andersherum abgespeichert hatte.


Liebe Leute, ich muß euch wohl enttäuschen; vielleicht habe ich „gambele“ ganz falsch verstanden. Trotz Nachfrage bei meiner Schweizerischen Verwandtschaft väterlicher- und mütterlicherseits konnte mir niemand meine Vermutungen bestätigen. Sie alle kannten das Wort nicht. Etymologisch ist nur rauszufinden – zumindest für mich und meine bescheidenen Mitteln – dass es etwas mit wackelig gehen, wackeln zu tun haben könnte – meine Schweizer Cousine Claudia hat auch scherzhaft vorgeschlagen, es mit dem hüftschwingenden Gang in Verbindung zu bringen. Oder doch damit, in Gefahr zu sein, in der Treue schwankend zu werden. Wie auch immer: meine Annahmen stehen auf wackeligen Beinen.


Und noch schlimmer: ich mußte bei einer Kontrolle feststellen: in meinem alten Text steht eindeutig Gimpeli! Auch das noch! Alles fürn Hugo! Beziehungsweise fürn Gimpel, der auch Dompfaff genannt wird. Womit wir bei meinem Theologiestudium wären, assoziativ.


(1.12.2025)


Nachtrag: Nach meinem Ruf in die Cloud des von mir täglich frequentierten Facebookes, mir beim Herausfinden der Bedeutung des Schweizer Wortes gambele zu helfen – schlichter gesagt: eine valide Übersetzung zu bekommen – hat mich der hilfsbereite, liebens- und ehrenwerte Herr Bossew auf eine Übersetzungsseite verwiesen – ich selber bin zu blöd, soetwas zu finden – wo gambele mit spielen, wetten, zocken übersetzt wird. Ich gehe davon aus, dass damals bei der Entstehung der vierten Strophe des Liedes es in Luzern nicht üblich war, das Mädchen (maidele) beim Zocken Haus und Hof verspielen konnten – in Ermangelung solcher Besitztümer und des entsprechenden rechtlichen Statuses – deswegen komme ich wieder auf meine Theorie vom Herumspielen bei einer von einem Typen ausgehenden Anbandelung. Vielleicht will sie einen anderen, vielleicht will sie sich noch (?) nicht wirklich binden, vielleicht glaubt er, sie gehöre ihm, aber sie windet sich noch (?) unter diesem Übergriff, hat andere Pläne, zaudert, kann nicht klar nein sagen, oder – auch das wäre möglich – führt den Gimpel ein wenig an der Nase herum und verhält sich, was die patriarchalische Männerwelt abwertend als zickig bezeichnet, (also das Gambele (noch) nicht auf die eingeforderte Treue bezogen, sondern auf ein Verhalten, das Zeit gewinnen will, oder einfach selbstbewußt – auch das ist möglich – den Gimpel schlicht und einfach verarschen will. Was weiß ich, ich war ja nicht dabei. Und die Drohung (s’Gambele wird dir scho vergoh!) wäre dann – um es östereichisch-rustikal zu zitieren – Dirndl, die pfeifn, und Hendln, die krahn, soi ma am besten den Hois umdrahn! Ich scheiß auf solche Traditionen und eine solche Volkskultur!


Übrigens: um das nochmals zu überprüfen habe ich diese Übersetzungsseite wieder und dann mehrmals befragt; die (vermutlich) KI hat als Übersetzung vorgeschlagen: "Gabel, Wurf, Schinken, Wurst, Fleisch, Glibber, Zappel, springen, Zähne, wackelig, unsicher, Gelenke, Bein, Fuss (sic!), spielen, wetten, verdrehen, verheddern, schlampen, Unordnung …" da habe ich dann aufgehört.


(3.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

4293 Heruntergefahren

 



1:39 a.m.  Nachdem ich den Laptop heruntergefahren, das Zimmerfenster geöffnet, die Abendarbeit im Bad erledigt, das Zimmerfenster wieder geschlossen, das (ich würde ja lieber die schreiben) Rollo heruntergelassen, mich entkleidet, den Pyjama angelegt, mich ins Bett begeben und noch – hier im Zimmer ganz unüblich – eine Zeitung gelesen habe (wen’s interessiert: die Furche), hocke ich mit angezogenen Knien daselbst und huste, huste und huste. Das geht schon zwei Wochen so, das Husten nämlich. Ich bin schon ein bißchen müde, habe aber Angst, mich zum Schlafen flach hinzulegen, weil dann die Hustenanfälle noch häufiger und stärker werden. Beim Lesen der Zeitungsartikel habe ich bemerkt, dass ich immer ungeduldiger werde; reißt mich ein Artikel nicht mit, fange ich mit Überspringen von Zeilen an oder blättere weiter. Besonders bei Artikeln über „Religion“ oder sogenannten religiösen Artikeln fällt mir das auf, da bin ich besonders empfindlich. Das ist ein Thema, das mich eigentlich brennend interessiert, aber die Texte, die man so zu lesen bekommt, sprechen mich überhaupt nicht an und kommen mir reichlich geistlos vor (geistlos! Nicht unbedingt ohne Esprit). Ich bin jedesmal enttäuscht. Was aber auch heißt, dass ich mir jedesmal gegen alle Erfahrung wieder Hoffnungen gemacht habe, wie ich nachträglich feststellen muß.

Meine Augen narren mich schon vor Übermüdung, überhaupt ist dieser (fade! - ich als Leser würde den nicht zu Ende lesen) Text nur meiner Unruhe und der Angst vorm Husten geschuldet. Und dem Versuch, nach dem Wiederfinden den Schreibfaden nicht sogleich wieder zu verlieren.


(1.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com