Dienstag, 3. November 2026

4668 Sowieso unvermeidlich

 



Um 11:23 a.m. bin ich im Espresso Burggasse angekommen, habe meinen Stammplatz frei vorgefunden und ebenso einen Standard, und schon kommt ein Glücksgefühl auf, von der Musik aus den Boxen unterstützt. Ich werde auch eine Eierspeis essen.


11:59 a.m.  „Mein“ Lichtengel strahlt im Novembergrau besonders hell und – meine Ratio wehrt sich dagegen, diese Kausalität anzuerkennen – erfreut mein Herz und impft mich mit Optimismus und Zuversicht. Die Musik unterstützt dies wohlwollend mit ihren flotten Rhythmen und melancholischen Gitarren. Im hinteren Raum brennt schon das Feuer im Holzofen, das durch das Fenster im Ofentürl so schön und erfreulich anzuschauen ist. Ich sitze allerdings vorne auf meinem Lieblingsplatz. Die Blätter der Platane draußen sind noch recht grün; das Gelb schleicht sich erst zaghaft ein. An der Rundung der Bar, hinter der Kaffeemaschine, also zum Gastraum hin, brennt eine große, weinrote Kerze mit zitternder Flamme und am Abstelltischchen neben der Garderobe (wie mir dieses Wort, langsam und einigermaßen französisch ausgesprochen, gefällt!) eine ebensolche, von einem dezenten Schutzgitter umgeben, schon weit herunter gebrannt (so wie deine Lebenskerze – der innere Spötter). In der Fensternische, wo auch der Lichtengel an der Wand strahlt, steht eine zur Hälfte heruntergebrannte Kerze auf dem Glasregal mit Topfpflanzen, Flaschen, Mehlspeisen, ebenfalls rot, wie auch das Licht auf der Bar hinten an der Wand beim Weinregal, jenes jedoch in einem roten Glas. Und die Musik! Die Musik! Immer wieder die Musik, die meine melancholische Seele aus dem Abgrund herausführt. Damit es kein Mißverständnis gibt: ich habe nichts gegen Traurigkeit; ich halte sie für angemessen; ich darf trauern darüber, was aus mir hätte werden können, wenn das Leben freundlicher zu mir gewesen wäre (ihr mit den falschen Vergleichen, haltet den Mund! Ich habe freundlicher geschrieben und nicht leichter!). Und ahnen kann man unabhängig von mir und meiner Geschichte eine fast schon „kosmische“ Trauer darüber, wie sehr die Menschheit in ihren dummen, blind machenden Beschränkungen verstrickt ist seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ – wenn ich dieses Bild verwenden darf (dieses Bild wird ungeheuer viele Mißverständnisse und Aggressionen auslösen – der innere Spötter). (Das ist sowieso unvermeidlich – der Autor.) Die unerkannte und verdrängte Trauer aber über das verlorene „Paradies“ (das ganz anders ausgeschaut hat als unsere Bilder davon) ist es, das die Menschheit in solch einen Wahnsinn treibt (und der ist viel umfassender, als wir uns das denken). Mein innerer Korrektor sagt mir, ich solle mit dem Predigen aufhören. Auch das Abbild der Garderobe mit den paar einsamen Kleidungsstücken im Spiegel an der Wand hinten macht einen leicht trauernden Eindruck; das auf ihre Spitzen gestellte Muster der Fugen zwischen den quadratischen Spiegelglasstücken, aus denen die Spiegelfläche besteht, verstärkt diesen Eindruck noch, auch wenn das alles so schön und sauber zusammengefügt ist, dass das Stückwerkhafte leicht übersehen werden kann (der zweite Kaffee wirkt schon stark! - der innere Spötter).

Soll ich noch einen dritten Cappuccino respektive eine dritte Melange trinken, um mich für den geplanten, neuerlichen Besuch der Boeckl-Josephsohn-Ausstellung so richtig hochzufahren? Soll ich? (wenn du die Frage so hartnäckig stellst, ist die Sache meist schon entschieden – der innere Spötter). Und wenn ich dann überschnappe?

Der Zenit scheint überschritten, die Musik wirkt fader (es ist nicht ausgeschlossen, dass sie das tatsächlich ist – der innere Korrektor), die gute traurige Stimmung scheint fragiler und tendenziell von einer leichten, in der Außenwelt unbegründeten Ärgerlichkeit befallen zu werden. Noch einen drauflegen? Der dritte Cappuccino ist schon da und bevor ich den ersten Schluck genommen habe, wird die Musik wieder anregender. Wahrscheinlich ist Nummer 3 schon eine Überdosierung.

Ich konzentriere jetzt meine Aufmerksamkeit auf alles, was hier im Raum direkt oder indirekt leuchtet, angefangen beim Lichtengel. Aber mein Geist schweift wieder ab und amüsiert sich an der Szene vorhin, als ein Mann das Lokal betreten hat und laut „Mahlzeit!“ gerufen hat – ein in Wien um diese Tageszeit durchaus üblicher Gruß – ich jedoch „Halbzeit!“ gehört habe (mir war schon klar, was gemeint war) und, als ich zum Wandspiegel nach vorne gegangen bin, um aus der Nähe sein Gittermuster zu betrachten, um zu sehen, wie es zustande kommt, habe ich zu ihm gesagt: „Ich habe Halbzeit verstanden“ und er hat gelacht und erwidert: „Das passt auch!“ Und an die Szene vorhin, als ich aus der Toilette gekommen bin und im hinteren Raum im Vorbeigehen im Ofen das schöne Feuer erblickt habe, das sofort meine wunde Seele erfreut hat, und ich vor Glück zu der jungen Frau, die beim Ofen gesessen ist, gesagt habe: „Sie haben da vor dem Ofen einen schönen Platz!“, obwohl mir bewußt war, dass dies als billige Anmache mißverstanden werden könnte, aber ich wußte, dass ist in reiner, heiliger Unschuld und vor lauter Glück gesagt – egal, wie ich sonst unterwegs bin – und ich bin auch gleich weiter zu meinem Platz im vorderen Raum zurückgegangen (ich weiß nicht, ob ihr mir das abnehmen könnt, aber da hat er recht, dass er seinen reinen, heiligen, nicht dualen, also gewissermaßen universellen Anteil in seiner Seele vor dualen Unterstellungen verteidigt – der innere Spötter). [Bist du sicher, innerer Spötter, dass du da wegen der Sehnsucht, die du auch hast, dass etwas gut ist und du deinen Zynismus einmal beiseite lassen kannst, nicht auf etwas hereinfällst? - der innere Ankläger (althebräisch heißt der Ankläger שטּוּ - Satan) (ob er’s Hebräisch richtig geschrieben hat, ist er sich auch nicht sicher – der innere Spötter).]

Schaffe ich die Ausstellung Boeckl-Josephsohn heute emotional und geistig überhaupt noch?

Eine Wirkung der Coffein-Überdosierung ist unabstreitbar: sie treibt mich ständig auf die Toilette, aber bald habe ich den Cappuccino 3 geschafft und dann werde ich aufbrechen.

Die schöne Flamme auf und über dem Holzscheit im Ofen und die herrliche, so intensiv und lebendig glühende Glut!

Die Boeckl-Joesphsohn-Ausstellung im Leopoldmuseum ist heute Dienstag geschlossen.


(3.11.2026)


©Peter Alois Rumpf    November 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 2. November 2026

4667 Was anderes

 



10:20 a.m.  Sturm geht auf dem Zahnfleisch daher – habe ich im Internet gelesen – und ich fürchte, es stimmt (er meint SK Puntigamer Sturm Graz – der innere Spötter).

Was anderes: Was wäre, wenn das mein letzter Tag auf Erden ist? (Er meint nicht die Himmelfahrt, sondern den Tod – der innere Spötter.) Am Morgen Angst, Übelkeit, die Wäsche in die Waschmaschine, kein Appetit, ohne Frühstück gestartet, Medikamente besorgt (die letzten Tage hatte ich keine mehr; mußte auf die Novemberpension warten), auch anderer Nachschub war zu kaufen, wie Slipeinlagen (for men natürlich! – der innere Spötter). Also rechnet mein Verstand nicht wirklich mit dem Ende (oder könnte man sagen: „Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch Slipeinlagen kaufen!“? - der innere Spötter). In der Apotheke wurde mir dann schwindlig und schummrig – die sinnliche Wahrnehmung hat geflimmert und die Optik sich verschoben. Aber es ist ein moderater Herbsttag und nicht unschön: zunächst ein paar blaue Himmelsflecken, dann bewölkt, leichtes Nieseln; alles in allem geht es schon.
Nun im Kaffeeamt – schlechtes Gewissen, weil ich nichts esse, sondern nur einen Kaffee konsumiere – also alles wie immer – der erste Schluck, der Standard ist besetzt, wird später frei – aber geht, es geht schon. Als letzter Tag? Naja, wird man gefragt?


16:31.  Zu Hause dann, am Bett, als ich beim Lesen zuerst eingenickt bin und dann aufgewacht, hat mir mein Kratzelbild am Kasten am Bettende den Anblick eines am Ufer teilweise mit Schilf verwachsenen Sees gezeigt, fast idyllisch, mit einer großen Brücke weiter hinten über dem Wasser und niedere Berge am Horizont.

Jetzt, beim Aufschreiben, ist davon nichts mehr zu sehen.


(2.11.2026)


©Peter Alois Rumpf    November 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4666 Gepölster

 



8:29 a.m.  Mein Gott! Ist das manchmal kompliziert und umständlich, bis man die Pölster im Rücken so platziert und zurechtgerückt hat, dass es einigermaßen bequem ist! Genau genommen passt es immer noch nicht und ich hocke ein wenig verkrampft und unbequem da und muß meinen Rücken an die Wand pressen, damit mir mein Gepölster nicht wegrutscht. Aus der Küche kommt Barockmusik und das Gesprudel siedenden Wassers. Mein Magen knurrt. Unser dreifaltiger Wohnzimmerbaum kommt mir heute etwas mager vor, obwohl sich an ihm sicherlich nichts verändert hat. Jetzt dominiert in der Küche das Geräusch der handbetriebenen Kaffeemühle, in der die gerösteten Embryos der Kaffeepflanze zermahlen werden. Ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich heute meiner Frau nicht angeboten habe, diese Arbeit zu erledigen, aber ich bin noch so verschlafen und müde im Kopf und außerdem müßte ich nachher die Polsterung im Rücken neu aufbauen, die garantiert umgestürzt wäre. Nein, es ist schon besser so!

Aber als mir das Schüsselchen mit der Frühstücksvorspeise gebracht wird und ich mich, um es zu ergreifen, nach vorne beugen muß, wären mir die Pölster im Rücken beinahe wieder verrutscht und abgestürzt, aber in einer flinken Rückwärtsbewegung konnte ich den Zusammenfall stoppen.

Nun bearbeite ich mit der Zunge meine Zähne, um die Orangen-, Salat- und Fenchelreste aus den Zahnspalten zu bekommen. Ich nehme dabei den warmen Zitronensaft zu Hilfe – beim Vorbeugen, um das Glas zu derlangen wird es wieder gefährlich – indem ich mit jedem Schluck, bevor ich ihn hinunterschlucke, die Mundhöhle sozusagen ausspüle, aber irgendein Salatstückchen hängt immer noch zwischen zwei Zähnen fest.

Jetzt ist das Müsli da und die Szenerie hat sich grundlegend verändert. Und was mir noch aufgefallen ist: wenn ich die Tropfen des Vitamin-D-Präparates auf den Löffel fallend (es sind natürlich die Tropfen, die fallen! - der innere Spötter) zähle, müssen meine Kaubewegungen mit den fallenden Tropfen synchron sein, sonst verzähle ich mich, weil mein eigenartiges Bewußtsein sofort die Kaubewegungen zu zählen beginnt. Sehr interessant! Wo könnte ich diese wissenschaftliche Entdeckung veröffentlichen?


(30.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4665 Alles verkehrt

 



13:10.  Alles verkehrt! Ich sitze mit dem Rücken zum Lichtengel. Vor mir blättert meine Frau im Falter – das ist eh richtig – aber der Blick an die Wand hinter ihr geht zu kurz; die Wand ist zu nah. Der Tisch ist zu voll geräumt. Die Musik kommt von hinten, was gewöhnungsbedürftig ist, und – was eh schon klar ist, wenn ich es einigermaßen verständlich beschrieben habe – das Lokal, die meisten Gäste, das Geschehen an der Bar und im Gastraum kann ich nicht sehen, weil hinter mir. Dafür jedoch sehe ich eine Krähe am Dach des Sonnen- und heute Regensegels draußen in der Laube. Und: meine Frau, die mich sowieso schon zum wirklich guten Essen hier eingeladen hat, genehmigt noch einen zweiten Cappuccino und die Hälfte einer Torte. In einem Fenster in der Häuserfront gegenüber auf der anderen Seite der Burggasse entdecke ich eine interessante Deckenlampe: drei Leuchtringe, übereinander angeordnet, vom größeren oben zum kleinsten unten; schaut toll aus. Vom Raum und seiner Möblierung sehe ich nichts.

Da hier handelt es sich um eine Mohntorte. Köstlich. Die bipolare Wandlampe hier herinnen an der Wand gegenüber wirft auch ein schönes Licht-Schatten-Gitter in die hellblaue Wandfläche. Die Musik aus den Boxen ist schön, fast meine ich, eine E-Zither zu hören, die wunderschön gezupft wird. Nun ist die Drei-Ring-Lampe im Haus gegenüber ausgeschaltet; ich weiß gar nicht mehr, in welchem Fenster sie sichtbar war. Ein paar tapfere Leute sitzen noch in der Laube draußen (12°C), ich vermute, es könnte mit rauchen zu tun haben.

Es wäre jetzt genug Platz im Lokal, dass ich mich umsetzen könnte, um statt an die Wand in den Raum zu schauen, aber ich tue es nicht. Ich will die „verkehrte“ Sitzung erforschen und was daraus eine Erkenntnis ist, ist, dass es mich fürs Schreiben (und Genießen) zu nervös macht, wenn ich Menschen und Geschehen im Rücken habe.


(29.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 27. Oktober 2026

4664 Ich zittere noch ein wenig

 



9:02 a.m.  Am Morgen ist wieder die große Angst da, und dafür, dass ich so gelähmt bin, habe ich es immerhin hinbekommen, dass ich gefrühstückt (angeblich verringert ein voller Magen die Angst), den Geschirrspüler ausgeräumt und versucht habe, einen Überblick über die ausstehenden Rückzahlungen der kranken Gesundheitskasse an Hand meiner Kontobewegungen zu gewinnen, was jedoch nicht gelungen ist, weil ich ab Seite 7 nicht mehr weiter zurückblättern konnte und ich keine Ahnung habe, wie man diese Einstellung ändern kann. Ganz offensichtlich sind noch ein paar Monate offen. Ich warte schon so dringend auf das Geld, denn mein Guthaben ist verbraucht. Hätte ich es, würde ich jetzt richtig aufstehen, in eines „meiner“ Lieblingscafés gehen oder fahren, dort Zeitung lesen und schreiben und so auf sanftere Weise ein wenig in Welt und Gesellschaft finden. Weil das nicht geht, hocke ich im Bett, zittere noch ein wenig vor Angst und Kälte, aber habe mich vielleicht schon zwei, drei Drehungen aus der Lähmung geschrieben. Ach! Ich beneide euch gesunde Menschen! Auch die, wo bloß die Fassade gesund scheint, jedoch robust genug ist, sich da draußen zu behaupten (das ist natürlich die Frage, ob er wirklich tauschen würde. Ich vermute eher nicht – der innere Spötter). Darum lassen wir ihn hald (sic!) so weiterwurschteln.


(27.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4663 Ganz große Empfehlung

 



12:09.  Ich sitze – wir sitzen – nach der großartigen Boeckl/Josephsohn-Ausstellung im Leopoldmuseum im Café Leopold und warten darauf, bestellen zu können; es ist viel los hier (später dann könntet ihr noch ins Leo in der Leopoldsgasse gehen, oder?- der innere Spötter). Ich versuche im vollen Café mit den vielen Menschen und Gesichtern eine Art Überblick zu bewahren. Nebenbei gesagt: mir kommen dauernd Déjà-vus in die Quere, als hätte ich das alles schon erlebt (du warst schon ein oder zwei Mal hier – der innere Spötter). Der Überblick war unten in der Ausstellung im ersten Untergeschoß leichter bei dieser tollen Hängung, oft nur ein Bild pro Wand und drei, vier Skulpturen im Raum. Das ist jedoch nichts Prinzipielles: ich kann auch mit Bildern vollgepflasterte Räume lieben.
Ich bekomme Lust, das eine oder andere Gesicht hier zu zeichnen; mache es jedoch nicht, obwohl ich alles dafür Notwendige dabei hätte und vielleicht könnte ich es auch unauffällig machen. Das Gesicht der jungen Frau ein paar Sitzreihen gegenüber verändert sich komplett, als ihr Essen kommt. Essen tun wir hier nicht – zu unruhig und zu ungemütlich. Aber den ersten Schluck Kaffee des Tages ziehe ich mir gierig rein. Das ganz kleine Baby nebenan scheint jetzt zu schlafen – das war übrigens nicht das, was ich mit Unruhe gemeint habe; im Gegenteil, das kleine Kind war hier ein Sympathie-Pol (überlegt, liebe Leute, was Sympathie wörtlich heißt). Nein, es ist zu dicht hier, um entspannt zu essen. Die Boeckl/Josephsohn-Ausstellung ist wirklich großartig. Ganz große Empfehlung! Mit dem Zeichnen würde es mir hier noch schlimmer ergehen als im Park: nach ein paar Strichen würde ich in Panik geraten, wobei ich noch nicht ganz verstanden habe, welcher Mechanismus dabei wirklich am Werk ist.

Ich habe es – tapfer wie ich bin - dennoch probiert, aber nach ein paar nervösen Strichen konnte ich die Spannung nicht mehr aushalten und ich habe das Zeichenzeug wieder in der Tasche verstaut (um nicht zu sagen versteckt – der innere Spötter).


13:36.  Von Benitos Buritos (von wegen „ruhig und gemütlich“ – der innere Spötter) ins Oberlaaaa mit Blick auf die Beutetiere in der Mahü, aber hinter Glas (also: zu Oberlaaaa: vergleiche den Löwen von Metro-Goldwyn-Mayer; und zu Mahü: Wienerische Abkürzung für die Mariahilfer Straße; und zu Beutetiere: die Passanten auf der Mahü). Übrigens habe ich hier ein echtes Lavabo vollzogen, weil meine Finger von der Torte – die ich nicht angegriffen habe; Ich schwöre! - pickig waren und zwar habe ich Wasser aus meinem Wasserglas über die Finger gegossen, die ich über das leere Wasserglas meiner Frau gehalten habe. Ganz sauber sind sie eh nicht geworden. Push und Pull (hieß mal eine Disco in Graz – der innere Spötter) – nachdem ich nicht Englisch kann, mache ich es mit den Klotüren immer verkehrt. Und sonst auch; zum Beispiel in der Albertina modern. Ich meine mich zu erinnern, dass mich dort die englische Aufschrift so verwirrt hat, dass mir die auf Deutsch darunter auch nicht mehr geholfen hat.


(25.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 23. Oktober 2026

4662 Ich drehe mich um

 



16:23.  Ich sitze am Zusammenfluß der Leopoldsgasse mit Im Werd und habe die schönen Bäume im Rücken. Wenn ich sie anschauen wollte, müßte ich von der Holzbank auf die Steinbank gegenüber wechseln, aber ich fürchte, da würde mir der Hintern zu kalt werden und das kann ich mir alter Mann gerontologisch und urologisch nicht mehr leisten. So starre ich statt auf die schönen Bäume auf den hässlichen Neubau von 1990 unter Bürgermeister Zilk. Die schlichte Stein- wohl richtiger: Betonbank davor gefällt mir in ihrer schönen Form allerdings schon. Wichtig ist: ich bin kein Nostalgiker! Was mir am Bau vor mir mißfällt ist nicht, dass er neu ist, sondern dass er ästhetisch mißglückt ist. Als hätte ein unbedarftes Kind mit vorgegebenen Legosteinen ein Haus gebaut, aber konnte den spießigen, kleinstbürgerlichen Legovorgaben nicht entkommen. Genug davon. Warum jedoch sitze ich da? Weil ich mein Kaffeehausgeld für diesen Monat schon verbraucht habe (Eigentlich all sein Geld. Hätte er zehn Euro, würde er im Kaffeehaus sitzen – der innere Spötter). Ich hatte mir zu Hause eh einen - dünnen – Kaffee gemacht, genug Coffein, um in keinen Entzug zu geraten, aber das ist nicht das Gleiche wie im Kaffeeamt, Leo, Katscheli oder Espresso Burggasse. Die Zeitungen fehlen, der überaus freundliche Service, die Musik aus den Boxen, die Stimmen und die Gestik der anderen Gäste … (über die er dann in seinen Texten gerne Witze macht oder meckert – der innere Spötter).

Huch! Kalt ist es. Ein Mann auf der Straße redet in Gesten mit sich selbst, oder – weil er vor einem dort geparkten Motorroller steht – vollführt so eine Art Fahrzeugsegnung. Eher letzteres. Zuerst hat er sich umgeschaut – mich hat er übersehen – dann hat er ganz verhalten, aber deutlich seine Hände wie segnend – wie bei einer Handauflegung aus der Distanz – zum Roller hingehalten. Mir kommt vor, er hat den nicht selber hingestellt, sondern das Fahrzeug stand schon da, aber sicher bin ich mir nicht; ich hatte meinen Kopf schreibend über das Notizbuch gebeugt.

So etwas Ähnliches jedoch könnte ich mir auch überlegen: mein gelegentliches und phasenweise regelmäßiges Reden mit Donau, Sonne, Wind und Erde und das gelegentliche und phasenweise regelmäßige Grüßen von Bäumen und Krähen zum Beispiel könnte ich tatsächlich ausbauen! Aber Motorfahrzeuge werden es eher nicht sein, aber wie ist es mit Sitzbänken, Häusern, Fahrrädern? (letztere nur ohne Motor!) mit Straßen, Gehwegen, Kinderrollern? Verkehrszeichen (ich weiß nicht …), Mistkübeln, Pflastersteinen, Stränden? Mit Ländern? Sprachen? Restaurants (zum Beispiel die schöne Perle), Cafés (siehe oben)? Die Wolken am Himmel? Die schönen gelben Blätter am Boden? Na, egal, ich werde darüber nachdenken. Ich gehe nach Hause in die warme Stube (naja: in seine Kemenate; 21°C – der innere Spötter).

Ich erhebe mich nicht ohne Mühe von der Sitzbank, drehe mich um, betrachte noch kurz die schönen Bäume und gehe los. Weit habe ich es nicht.


(23.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com