11:02 a.m. Heute habe ich schon eine gute Tat getan: ein Tageskind hat am Spielplatz im Augarten sein kleines rotes Rennauto – genannt: der König – vergessen und es mußte dann, zu Hause bei uns, richtig weinen. Ich wollte gerade meinen Weg in mein Lieblingscafé starten, bin jedoch zuerst in den Augarten marschiert, das Auto zu suchen und habe es trotz falschem Suchbild – ich wußte nicht, dass es so klein ist – gefunden und dem Kleinen gebracht. Dann erst bin ich ins
Espresso Burggasse aufgebrochen. (Freilich weiß man nie genau, ob eine Tat gut ist – der innere Spötter.)
Hier sitze ich nun, und das mit nur
einem Kaffee wird sich nicht ausgehen, wenn ich noch den
Falter und in der
REMbox lesen und das eine oder andere schreiben will. Schon bin ich beunruhigt wegen meiner minimalen Konsumation (er muß dement sein! Er hat unabsichtlich
Kommunikation geschrieben! - der innere Spötter). Ich überschlage jetzt meine Beine (linkes auf rechtes), meine bevorzugte Schreibposition (rechts auf links geht auch). Die REMbox liegt wie zur freien Entnahme und als Lockvogel auf dem Tisch (und ich hau mich ab, weil er wirklich zu glauben scheint, dass ihn wer auf das Buch ansprechen wird! - der innere Spötter). Zum inneren Wichtigtun reicht es, wenn das Buch auf dem Tisch liegt (vgl. Text Nummer 4433
Im Leo). Neil Young aus den Boxen ist auch nicht schlecht, da fällt ein bißchen was meiner zwar massiv beschädigten, aber bröserlweise doch geglaubten Zukunftshoffnungen meiner Jugend ab und zu mir in mein Altersleben. Jetzt muß ich demonstrativ in der REMbox blättern, ich muß einfach!
Den REM-Text von Helga Köcher habe ich gelesen und mußte dabei fast weinen (fast! fast! fast! immer nur fast!), aber immerhin. Dann habe ich das Buch zugeklappt und deutlich sichtbar auf den Tisch gelegt. Vielleicht, nein wahrscheinlich hatte die Grazer-Autorinnen-Autoren-Versammlung recht, dass sie mich nicht in ihre Reihen aufgenommen hat; ich bin kein Schriftsteller und kein Autor und gehöre nicht dorthin; ich bin nur jemand, der schreibt. [Es ist mir schon scheißegal, ob meine Texte literarische Qualität haben oder nicht, und welcher Kategorie sie angehören, wenn das beantwortet werden sollte; ich schreibe vor mich hin, veröffentliche auf meiner Schublade, mit wenig Resonanz, verlange kein Geld, schenke so meine Texte her und werfe sie einfach in die Welt, bin niemandem verantwortlich, kein Lektor redet mir drein und ich kann mir das eigentlich (
eigentlich gehört gestrichen, sagt zumindest der Dings, der Brechtverhinderer – das vielleicht mit Recht, vielleicht! – na! … der Weigel, wenn ich mich nicht irre) gar nicht mehr anders vorstellen. Zum offiziellen Schriftsteller oder Autor fehlen mir – wie zu allem anderen auch – das, was man gemeinhin (ja, wirklich gemein!) Selbstbewußtsein nennt und eine ordentliche, offizielle, gesellschaftlich anerkannte Initiation.]
Jetzt habe ich das Buch wieder aufgeschlagen und darin ziellos geblättert, bis sich mein heimliches Ziel durchgesetzt hat: die Seite mit den Photos meiner zwei Bilder zu suchen (
suchen! Er hat eh ein Lesezeichen dort reingegeben! - der innere Spötter) und sie zu betrachten. Ich finde diese Bilder – auch im Kontext, dass ich kein Künstler war, sondern nur jemand, der zeichnet und malt – großartig, und es gibt mir einen Stich ins Herz, dass ich sie in meiner Verzweiflung mitten in der döbranitischen Gefangenschaft zerstört habe (er will damit erst aufhören, wenn er mit der Chose durch ist, aber wird er jemals damit durch sein? - der innere Spötter).
Soll ich darauf scheißen und ein Schnittlauchbrot bestellen? Habe ich wirklich Hunger oder nur ein schlechtes Gewissen, weil ich im vollen Lokal schon so lange am Cappuccino herumnuckle? [...zensuriert … zensuriert … zensuriert …] Nein, kein Brot; wenn schon, dann einen zweiten Cappuccino; ich kann ja die beigelegte Schnitte naschen. Und zu Hause gibt es genug zu essen – damit da kein Mißverständnis aufkommt.
[… zensuriert ... zensuriert ... zensuriert …]
Ein zweiter Kaffee wird mich umschmeißen (
umschmeißen vom Österreichischen Wörterbuch genehmigt). Soll ich lieber gehen? Die Schreiberei hier ufert aus (vgl. das Zensurierte!).
Ich arbeite mit allen Tricks: ich habe mein Notizbuch verkehrt – also mit der Titelseite unten – auf die REMbox gelegt, in der Hoffnung, dass das Verdecken Neugier bei Vorbeigehenden auslöst, während ich unauffällig im Falter lese. Dann lege ich das Notizbuch doch neben die REMbox, damit deren Titelseite schön sichtbar ist.
12:32. Das Lokal hat sich geleert. Das Lesen hat mich abgelenkt und mich von meiner komischen Stimmung weggezogen. Wäre es nicht an der Zeit, aufzubrechen und nach Hause zu wandern? Ja, wäre es, aber ich bleibe sitzen. Einer der REMbox-Verteil-Aufträge, der unklar war, ist nun geklärt. Ich kann heute oder morgen damit starten. Es ist gut, wenn ich weiß, was ich zu tun habe. Am Küniglberg war ich schon seit Jahren nicht mehr, seit meiner letzten Image & PR – Studie - Interviewarbeit. Ist wirklich schon lange her.
(Scheiße! Schon 13 Schubladentexte ohne Leser!)
(23.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026
peteraloisrumpf@gmail.com