Samstag, 18. Juli 2026

4550 In der Lourdesgrotte

 



10:37 a.m.  Jetzt sitze ich in der Kirche des Leibnitzer Kapuzinerklosters (einen Cappuccino habe ich schon intus) und zwar in der Lourdesgrottenkapelle. Und es gefällt mir hier. Das halbrunde Deckengewölbe – dem Querschnitt nach; der längliche Kapellenraum erstreckt sich so gute zehn oder fünfzehn Meter. Und an der Stirnwand die Nische mit der Heiligen Maria ohne Kind, umgeben vom typischen Grottendesign à la Tropfsteinhöhle (ich verkneife mir den Spott, was da und warum es tropft – vielleicht erkläre ich es an anderer Stelle; heute will ich nicht arrogant sein), zwei Engel wachsen aus den Seitenwänden heraus und flattern vergeblich auf die Verehrte zu (im Katholischen wird Maria verehrt, nicht wie eine Göttin angebetet – offiziell). Rechts in einer kleinen Nische der heilige Antonius von Padua mit Kind, und links der heilige Judas Thaddäus, der in Notfällen anzurufen ist. Zwei Beichtstühle, je einer links und rechts. Ein Betstuhl zum Knien in gehörigem Abstand vom Marienaltar. Und viele brennende Kerzen am Gestell davor – der Ort wird offensichtlich gern aufgesucht. (Draußen beginnt es zu tröpfeln – der Tipper.)

Auch hier ist meine „Andacht“ von ständigem Autolärm begleitet – und zwar von außen und von innen – siehe die Anmerkung oben (er meint es so: gestört vom inneren Ego, weil griechisch αύτόϛ/autos selbst heißt. Er kann’s nicht lassen, anzugeben zu versuchen! – der innere Spötter).

Es kommen wirklich ständig BeterInnen herein, was mir gefällt. Was mir auch gefällt: der Preis für eine „Opferkerze“ – das ist ein schwerfälliger, schwermütiger, zu schwerer Begriff für das Licht, das man für sein Anliegen oder nur so, um die lokalen „Götter“ zu würdigen, vor einem Heiligenbild zum Beispiel anzündet – der Preis also ist nicht wie in allen anderen Kirchen vorgegeben, sondern es wird um eine freiwillige Spende gebeten. Also könnte zur Not einer ohne Geld trotzdem eine Kerze zur Unterstützung seines Anliegens bei den Himmelskräften anzünden. Franziskanische Demut hald (sic!).

Irgendwie lustig: links und rechts vom Altar sind Nischen, zu und in denen das Grottendesign vom Lourdesaltar weitergeführt ist. In der rechten Nische befindet sich ein Fenster; in der linken – etwas versteckt, aber offen und letztlich einsichtig – die Besenkammer mit Gießkanne für die vielen Blumenstöcke am Altar.

Den Hauptaltar lasse ich heute aus; offensichtlich dem heiligen Andreas geweiht (und dem Heiligen Kreuz – wie ich recherchiert habe – der Tipper). Ich werde gleich gehen und den steilen Weg hinauf in unser Quartier steigen, den Standard und den Falter nach Hause zu bringen. Das Stadtcafé, wo ich zuerst schreiben wollte, hatte mich irgendwie nervös gemacht. Die Einheimischen schreien immer so, wenn sie reden.

In der Nachbarkapelle der von Lourdes – ich bin immer noch in der Kirche - befindet sich zu meinem Erstaunen in einer Ecke ein großer Bildschirm an der Wand – ich tät’ sagen: ein Fernseher. Was genaues weiß man nicht.

Bei meiner Kniebeuge vorm Verlassen der Kirche knackst vor allem mein linkes Knie ordentlich (welcher Orden? Franziskanisch? - der innere Spötter), aber ich habe mich eh mit Weihwasser bekreuzigt.

Bevor ich die Kirche tatsächlich verlasse, fällt mein Blick noch auf ein Bild über dem Broschürenkasten: der Tod des heiligen Franziskus, tät’ ich sagen; die Brüder umstehen ihn, der schon am Rücken liegt, und manche weinen. Die Engel aber, die die Seele des Sterbenden in Empfang nehmen wollen, mit ihren hellblau-esoterischen Flügeln, die schauen von Gesicht, Frisur und ihren flatternden Haaren und ihrer halbnackten Erscheinung her wie sehr irdische Weiber aus; nicht wie Gestalten einer anderen Welt.


(18.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4549 Soda-Zitron

 



12:15.  Der Wind, der Wind, das himmlische Kind, er wieget die Bäume so lind. Ich bin der Schriftführer. Meine Frau kommt mit ihrem Soda-Zitron und bietet mir an, davon zu trinken. Ich nehme an und ein paar Schlucke und sage zu ihr und spreche: „Danke, liebe Frau! Du bist so gut zu mir!“ Dann wende ich mich wieder der Umgebung zu, lasse meine Augen über die großteils sonnige und großteils leere Wiese gleiten, blicke hinüber zur Steinernen Wehr und wie das überlaufende Wasser linksseitig aus den Rohren schießt und rauscht und den tiefer gelegenen Flußabschnitt zu befüllen versucht.


13:57.  Stellt sich das Wetter um? Eher ist es noch Wetter-Umstellung-Preparatión (das Gewitter ist erst in der Nacht gekommen – der Tipper). Die Brause nebenan wird angedreht (gedrückt eigentlich). Die Kinder spielen. Ich höre ihr Geschrei und meine, die einzelnen bekannten Stimmen herauszuhören. Ein bisschen hart, die Holzpritsche, auf der ich sitze. Die Leute lagern im Schatten. Ich stehe vom Platz auf und gehe gute zehn Meter weiter, um zu sehen, was denn die Kinder spielen. Wenn ich es richtig sehe, geht es darum, gegen die Strömung des herabschießenden Wassers zu schwimmen und zu klettern. Bei dieser Höhe scheint mir das nicht wirklich gefährlich. Boris Johnson zieht sich neben mir eine Hose an und stöhnt und schnauft dabei vor Anstrengung (ich kenn’ das auch!); Boris Johnson spricht Tirolerisch. Die Kinder klettern die Steinerne Wehr hinauf und dann wieder hinunter und werfen so ein kleines Plastikschwimmbrett ins Wasser und müssen es dann in der Strömung – die aber nicht lange stark ist und sich nach ein paar Metern schnell im beckenartigen unteren Flußbett verliert – zurückholen. Jetzt schleppen sie einen Riesenast aus dem Wasser – ich glaube, sie wissen noch nicht, was sie mit ihrer Beute anfangen sollen. Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit steht auf meinem T-Shirt, das bei der Decke drüben auf dem Gewandberg liegt und in der Sonne die Schweißflecken meiner Wanderung hierher hinaustrocknet. Die Kinder spielen jetzt auf der schrägen Uferwiese Fußball, aber nicht lange – verständlicherweise – dann wechseln sie nämlich in den ebenen Bereich weiter hinten. Die Zweige des Ufergebüsches kitzeln mich im Rücken. Die Fliegen versuchen mich zu vertreiben – unterstelle ich mal. War das eine Bremse? Der leichte Wind ist angenehm, richtig lindernd (was eigentlich? - der innere Spötter).


15:28.  Schreiben ist meine einzige Daseinsberechtigung – rede ich mir ein – (wobei sich das Einreden auf die Daseinberechtigung bezieht und nicht auf das Wort einzige; das einzige muß ich mir nicht einreden; das liegt auf der Hand). (Jetzt, wo er die unvermeidliche „Selbsterniedrigung“ absolviert hat, sollte es eine Zeit lang genügen und wieder weiter gehen – der innere Spötter.)
Wind kommt auf. Vertreibt er die Wolken ober schiebt er sie her? Die anderen Bankerlsitzer – ich sitze wieder auf der langen Bank – die anderen Bankerlsitzer also zappeln ständig herum, wippen nervös mit Beinen und Füßen, sodass die Holzbank von den Schwingungen zittert. Interessiert euch, wie es mit dem Wetter weitergeht? Es weht der Wind und der hat der Sonne freie Sicht auf unser Leben verschafft. Die Wolken scheinen sich zu verziehen. Spatzen hüpfen umher auf der Suche nach Nahrung (sie sähen nicht, sie ernten nicht, aber arbeiten den ganzen Tag). Ein Amselweibchen sammelt fleißig und ausdauernd und fliegt mit ihrer Beute zum Nest im Ufergebüsch. Die Bachstelze von gestern habe ich heute noch nicht umher stolzieren gesehen; nur einmal eine in der Dachrinne des Buffetgebäudes. Die Elegie des … das hatten wir schon! Ein Nachmittag am Wasser. Ein unbekanntes Insekt, das mich gebissen hat, habe ich getötet. Dann insgesamt drei.


(17.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 16. Juli 2026

4548 Der schmerzensreiche Rosenkranz

 



(1) …, der für uns Blut geschwitzt hat

Ein bisschen ungemütlich, wie Petrus und Johannes schlafen. Johannes liegt flach, verkrampft und streckt seine Nase gen Himmel, noch irgendwie verdreht. Petrus schläft überhaupt im Halbsitzen, ohne dass man sieht, wo er sich anlehnen könnte. Schaut also falsch aus. Vom Mund her könnte es sein, dass er schnarcht. Jesus verdreht theatralisch den Kopf und faltet die Hände ins Nichts. Die Gelsen stechen (mich). Jesus kniet. Die Augen wirken glasig, der Mund ist nach unten verzogen. Der Ausdruck im Gesicht hat etwas. Ist es Angst, was sich zeigt? Ich weiß es nicht. Hinter Johannes sind Lüftungsschlitze im Mauerwerk.
 

(2) …, der für uns gegeißelt worden ist

Dieser Jesus ist farblos, ganz blaß und unbemalt. Der Geißler schlägt sich fast selbst die Rute ins Gesicht, steht zu weit weg, ist eitel und scheint mit seinem erhobenen linken Arm seinen rechten beim Zuschlagen zu behindern. Er schaut auch ganz woanders hin. Rechts neben Jesus liegt schon wieder einer am Boden und schläft, wieder halb aufgerichtet, stützt sich nur mit seinem rechten Arm ab; wenn ich Gesicht und Frisur richtig deute, könnte das der Petrus sein. Aber wieso? Was macht der Feigling so nahe an der Szene? Und schlafend? Oder ist es doch ein weiterer, müde gewordener Schläger? Der weiße Jesus steht so da, mit den Händen an einen Block gefesselt, leicht verdreht und im Gesicht erinnert er mich an einen der Highwaymen, dessen Name ich nicht parat habe, den Mund leicht geöffnet, als fange er gleich ins Mikrophon zu singen an.


(3) …, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist

Jetzt ist der Jesus wieder bemalt und hat schon die Dornenkrone auf. Sein Mantel purpur, mit grünem Band. Die zwei Soldaten brechen gerade jeder einen weiteren Zweig. Wirken auch eitel und eigentlich gelangweilt. Sie stieren ins Leere; auch etwas verdreht (das Pseudoreligiöse scheint das Verdrehte zu bevorzugen), schauen weder auf den Gefolterten, noch zu uns Betrachter und Spötter. Der linke Folterknecht tanzt beinahe. Hier hat Jesus ein feines, schönes Gesicht. Die zwei Folterer haben überdeutliche Gesichter.


(4) …, der für uns das schwere Kreuz getragen hat

Maria schaut beleidigt drein, dreht den Körper von Jesus weg, nur den Kopf in ungefähr in seine Richtung, aber findet ihn nicht und schaut an ihm vorbei. Sie ist beleidigt, dass ihr großartiger, wundertätiger Sohn so endet und will das nicht sehen. Der Jesus schaut einfach deppert drein. Sein Bart wirkt aufgepickt, wie bei einem Laiendarsteller; schlechter Visagist. Das Holzkreuz scheint er nicht zu spüren – es liegt auf seiner Schulter und er braucht es anscheinend nicht beachten – aber sein Kreuz tut ihm schon lange weh, so wie er dasteht. Und auch sein linkes Knie. Jooo, soga, da dokta hot gsog, i muass opariern, und dann Reha, die Kranknkassa zohlt’s eh!


(5) …, der für uns gekreuzigt worden ist

Der rechte und der linke Schächer schauen nicht soo verschieden aus, wie sonst bei den Kreuzigungsszenen üblich, aber ich kann dem linken schlecht ins Gesicht schauen, weil genau hinter seinem Kopf die Sonne steht und mich blendet. Etwas traurig Verzweifeltes meine ich schon zu sehen (während mich eine Wespe umkreist und belästigt und gegen mein Gesicht anfliegt). Der rechte Schächer hat schon etwas Abgeklärtes in seinem Gesicht. Der Jesus ist fertig. Die Maria schaut so betroppezt drein, der Johannes faltet und hebt seine Hände wie ein ungeübter Laiendarsteller in eine sinnlose Höhe. Dem Jesus reißt es schon den Leib auf und der Lack geht ab. Aber sein Gesicht: irgendwie schön. Die Nasenlöcher der Maria dürften irgendwelche Insekten mit einem Insektenhotel verwechselt und zur Eiablage benutzt zu haben. Es wölbt sich ein halb blauer, halb wolkiger Himmel über das Geschehen (abgesehen davon, dass es von ständigem Autolärm begleitet wird).



©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4547 Der Baum ist tot

 



11:41 a.m.  Der riesige Baum ist tot. Es schaut so aus, als wäre er zu Tode geschnitten worden. Alle Äste sind beschnitten. Aber ich weiß nicht, was passiert ist - ich sehe nur den toten Baum vor mir.

Hinter mir klappern die Störche, die hier mitten in der kleinen Stadt auf einem kleinen Schlot nisten. Die Turmuhr schlägt Dreiviertel. Eigentlich wollte ich mich in die Kirche setzen, aber dort hat es mir nicht behagt (wegen dem Sargtransportwagen, der im Mittelgang abgestellt ist? - der innere Spötter). Also sitze ich heraußen vorm typischen Kriegerdenkmal mit Blick auf den toten, zugerichteten Baum (342°N). Ein Passant pfeift eine unangenehme Melodie. Zwei Zweige – ich bemerke es erst jetzt – scheinen kleine Blättchen ausgetrieben zu haben (vor oder nach dem Baumschnitt? - das ist die entscheidende Frage).


(16.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4546 Wieder im Stadel

 



16:36.  Wieder im Stadel. Beschallt von Autos und einer Fernsehkomödie von nebenan, einer Amsel, Motorräder, dem Surren in den Ohren, aber herinnen säuselt nicht einmal der sanfte Wind. Eine Krähe. Geschirr – alles draußen. Das Auto jetzt muß einen Anhänger haben. Meine Nase juckt. Meine Brille, die ich auf den Holztisch gelegt habe, weil ich sie zum Schreiben gar nicht brauche, darf ich nicht vergessen. Die Turmuhr von Frauenberg schlägt Viertel. Mein Handy düdelt. Der Fernseher nebenan ist aus. Verkehrslärm und der in den Ohren. Gezwitscher von Spatzen (umgangssprachlich). Moped. Ich gehe ins Quartier lesen. Oder essen.


18:11.  Auf der Terrasse des gehobenen Restaurants wuselt es nur so von Menschen. Der mächtige Weinberg drüben links leuchtet im Abendlicht, während im Norden schon die Bewölkung aufzieht (348°N). Die Kirchturmuhr von Frauenberg schlägt Viertel. Das helle, gelb durchleuchtete Grün an den Bäumen zwischen dem satteren der Blätter im Schatten. Das ist ja eine Platane, realisiere ich erst jetzt. Und der andere Riesenbaum wird eine Linde sein. Der trächtige Apfelbaum rechts, bescheiden neigt er sich ein wenig. Eine Amsel überprüft mich, weil sie an die Äpfel will – unterstelle ich mal. Oder sie sucht nach Regenwürmern. Ganze Karawanen an Fußwallfahrern sind bergan unterwegs zum Frauenberg. Die lauteste und auffälligste Dramatik spielt sich jedoch auf den drei Straßen ab, obwohl die so eintönig ist. Der Wind bewegt die leeren Sitze der Kinderschaukel und den großen Sonnenschirm. Auch im Westen türmen sich die Wolken, aber die sind heller; der Osten ist ebenfalls überzogen, jedoch von flacherem Wolkengebild (Wolkengebild - gratuliere zu dieser Bezeichnung – der innere Spötter), nur der Süden ist noch frei. Kann das da wirklich eine Bachstelze sein? Die wird mir doch nicht vom Sulmbad hierher gefolgt sein! Ich wußte nicht, dass sich Bachstelzen so weit vom Wasser entfernen. Der mächtige Weinberg dort drüben gerät immer mehr in den Schatten. Schwalben sausen auch herum (oder sind es Mauersegler?). Weit drüben krähte der Hahn.


(15.7.2026)


©Peter Alois Rumpf Juli 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4545 Im Stadel

 



10:06 a.m.  Im Stadel. Es ist so schön, wie das Licht durch die Spalten zwischen den Brettern der Holzwand hereinkommt und streut. Rundherum wächst der wilde Wein außen an den hölzernen Stadelwänden. Sulmbad ist für heute wieder angesagt. Links an der Rückwand steht der Tischfußballautomat, rechts der Tischtennistisch. Eine blaue, möglicherweise säkularisierte Maria mit Kind steht auf einem Querbalken der Rückwand. Altes Handwerkszeug, Ski, Kinderstühle, eine Holzpaneelplatte zum Abdecken des Wutzlers bei Regen lehnt auch an der Wand. Ein alter Schlitten; Pferdegeschirr (Zuggeschirr), Joch. Der Drehteil einer alten Presse. Eine Waldtaube ruft.


12:09.  Eine Bachstelze schimpft mit mir, während ich im Sulmbad im Schatten unter dem Busch sitze, von dem ich nicht weiß, was für einer das ist. Dann hüpft und stolziert sie weiter – immer so typisch wippend – ziemlich weit zu Fuß. Dann sehe ich sie nicht mehr. Bin ich zu nahe am Nest? Keine Ahnung, wo und wie und wann die ihre Nester bauen. Dass sie mich wirklich angebettelt hat, kommt mir unwahrscheinlich vor; die sind doch Insektenjäger. Aber was weiß ich. Vielleicht war sie die Seele irgendeines Verstorbenen, oder die eines Träumers, einer Träumerin, die mir unbedingt etwas mitteilen wollte. Oder die vom bajuwarischen Affenarsch? Weil ich ihn heute beim Herwandern schon verflucht habe? (Das hättest gern! - der innere Spötter.) Es zieht schon etwas zu. Heute dürfte ein Gewitter kommen. Das ist auch angesagt. Geschirr scheppert im Buffet. Ein Flugzeug relativ nieder über uns. Vermutlich Graz/Thalerhof, oder? Die Sulm rauscht.


12:52.  Die fünf Menschen, die auf der Decke Karten spielen, wirken unter der mächtigen Weide ganz klein. Die Sonnenschirme, die nicht aufgespannt sind, wirken wie in gespannter Erwartung; im Gegensatz zu denen, die aufgespannt sind; die wirken entspannt. Es liegt schon etwas in der Luft (vermutlich das heranreisende Gewitter). „Meine“ Luftmatratze liegt unter der Erle. Die Elegie von Stromleitungsmasten aus Holz; der eine ragt über das Buffetgebäude. Und wieder kommt die Bachstelze von hinten über das Ufergebüsch geflogen, aber diesmal schimpft sie nicht mit mir. Die Insekten werden richtig lästig. Sogar die Fliegen beißen unangenehm.


(15.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 14. Juli 2026

4544 Horror Patriae

 



14:11.  Die Ameisen scheinen auf der kleinen Erle eine Blattlausfarm zu betreiben – wenn ich ihre Ameisenstraße richtig deute. Die Pfadfinderführer können genau so deppert schreien wie die anderen Schreier. Der Wind – soeben hat er sich gelegt – hatte ein unruhiges, aber schönes Licht-Schattenspiel auf meiner aufgeschlagenen Notizbuchseite produziert. Es ist sehr schön hier, aber irgendwie habe ich alles über; dieses Gefühl kommt aus meinem Inneren. Wie es genau dort hineingekommen ist, weiß ich nicht; nur ungefähr (ah geh! Das weiß du besser, als du zugibst! - der innere Spötter). (Ich wiederhole: es gibt auch einen inneren Zensor; der hat aber nichts mit dem vorher zu tun. Ich bin im Sulmbad Steinerne Wehr.)

Ich sitze auf der langen Bank und als sich die Frau zwei Meter weiter von der Bank erhebt, erzittert die gesamte Holzbank der Länge nach. Ich beobachte, aber auch ich werde beobachtet, wenn ich nicht hinschaue, wie ich für den Bruchteil einer Sekunde feststellen konnte. Ich bin also nicht der einzige Beobachter hier. Absolut windstill ist es jetzt. Gerade als ich beobachte, kabbelt mir eine Fliege über die Hand und lenkt mich ab. Fürs Schwimmen habe ich einen zu vollen Bauch (ist das ein annehmbarer Ich-Text? Ich frage deine LeserInnen – der innere Spötter). Dort drüben sitzt so ein Boris-Johnson-Typ und raucht. Ich muß meine Frau dazu animieren, hier noch Kaffee zu trinken (schreib nur dazu, damit sie dich auch auf einen Kaffee einlädt! So früh im Monat blank zu sein, so eine Schande! Du Versager! - der innere HaSSer).

16:03.  Ich habe auf einen blaugrünen Fleck im Wald gestarrt und bin eingeschlafen. Dann wieder wach geworden und leicht verwirrt. Ich suche einen praktikablen Schattenplatz zum Schreiben und wechsle hin und her. Ich bin nicht zufrieden und überdrüssig (wessen, weiß ich auch nicht ganz genau). Meine Frau bespricht mit mir die nächsten Besorgungen.Ich richte mich ganz nach ihr. Ich blicke Richtung Campingplatz (143° SO). Die Pfadfinder brechen auf (das hat nichts mit dem Campingplatz zu tun). Wasser? Schwimmen? Ich weiß nicht. Ich könnte auf alles schimpfen und alles runtermachen. Ein Hubschrauber. Was will der noch?

16:46.  Meine Tragikomödie geht weiter (aber du weißt nicht wie, gell?! - der innere Spötter). Irgendwer in der Nähe räuspert sich und grunzt wie ein krankes Nilpferd. Ich schaue nicht hin, ich will nicht wissen, wer das ist; ich fühle mich hier fremd (na Gottseidank! Da kennst du dich aus – der innere Spötter). Offensichtlich geht es auf den Abend zu; schön, aber traurig. Ich winke meiner Frau zu, wo ich den Eindruck hatte, sie sucht jemanden oder etwas. Ich sollte nicht so viel schreiben; da muß ich wieder so viel tippen (wie wäre es mit streichen?! - der innere Spötter). Der Glatzkopf steht genauso blöd in der Sonne wie ich, wenn ich mich trocknen lassen will (jetzt habe ich etwas gestrichen!). Horror patriae hat jemand, der mit seinem Kind vorbei geht, auf seiner Tasche stehen. Hunde gibt es auch hier. Irgendetwas muß anders werden, ganz anders! (aber du weiß nicht was, stimmt’s? – der innere Spötter). Wie ein Raubvogel suche ich vor allem die Bäume nach etwas Brauchbarem ab (Botschaft, Erkenntnis, anorganische Lebewesen …). (Lieber Freund, das geht entschieden zu weit! Das mußt du streichen! - der innere Kritiker.) (Du wie ein Raubvogel! Dass ich nicht lache! - der innere Spötter.) Ein kleines Propellerflugzeug; was will mir das sagen? Röhrt und schraubt sich so dahin; schon längst kein Wunder mehr. Verlegen und ratlos lege ich Zeigefinger und Mittelfinger meiner linken Hand auf die aus den Holzbrettern der langen Bank herausstehenden Schraubenköpfe. That’s it. Ich hab es einfach nicht geschafft. Aber wenn ich mein Notizbuch auf der schrägen langen Bank ablegen will, kann ich seine Unterkante bei den herausragenden Schraubenköpfen so einhaken, dass es nicht abrutscht!


(13.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026    peteraloisrumpf@gmail.com