Dienstag, 18. August 2026

4583 Schöne Collage!

 



11:39 a.m.  (Nach der Lektüre)  Der Lichtengel ist nicht on (wie sonst soll ich meinen Text starten?).

11:55 a.m.  Die Eierspeise ist verspeist. Ich lasse mich doch wieder zu Luxusausgaben hinreißen. Ich kann und will nicht widerstehen. Wenn mir das Geld ausgegangen sein wird, wird sich das von alleine regeln. Mein Gedankenkarussell und mein Assoziationsapparat springen nicht an. Soll mir auch recht sein. Ich lege das Schreibzeug weg und starre in die Luft.

Beim gedankenlosen In-die-Luft-Starren halte ich meine Arme verschränkt und meine gelangweilten Hände beginnen, an meinem Bauch herumzutatscheln und herumzugreifen. Da wacht mein Bewußtsein voll auf und registriert mit Entsetzen die Fettwülste an Bauch und Hüften und will beginnen, meine Eierspeisentscheidung von vorhin zu bereuen. Ich gebiete dem Einhalt (so gut es geht – der innere Spötter): über gefressene Eierspeise zu jammern ist genauso sinnlos wie über verschüttete Milch. Ich entlasse mein Bewußtsein wieder in den Halbschlafmodus.

Aus dem es jedoch sofort aufgescheucht wird, weil aus den Boxen Nina Simone singt. Ich bin hellwach und aufgeregt. Ich traue mich sogar, die Kellner zu fragen, ob meine Annahme stimmt. So etwas hebt und versetzt mich in Euphorie, den eigentlich liebe ich Kommunikation von Mensch zu Mensch. Ich könnte die Kommunikation fortsetzen, indem ich den dritten Cappuccino bestelle.

Aber jetzt bekomme ich ein leicht schlechtes Gewissen, weil immer noch Nina Simone singt und ich ängstlich befürchte, das könnte mit meiner ausgestrahlten Begeisterung zu tun haben, auf die die Kellner freundlich reagiert haben, indem sie weiter Nina Simone spielen lassen (beachtet den heimlichen Größenwahn! - der innere Spötter). Das wäre mir peinlich und unangenehm. Ich rufe meine Vernunft auf, dass diese Songfolgen heutzutage doch meist automatisch ablaufen und Nina Simone oft recht lange Nummern spielt und singt. Aber es hilft nichts: ich fühle mich ungemütlich beim Gedanken, ich könnte irgendwie – direkt oder indirekt – die Songauswahl beeinflußt haben und ihnen – direkt oder indirekt – meinen Willen aufgezwungen haben. Wahrlich, mein Schuldkomplex – oder wie man das nennen soll – stinkt zum Himmel. Leider sitzt dort niemand, der denkt: „Armer, glatzerter Peter! Wir müssen ihn von seiner Schuld freisprechen!“ (oder sagt: „Du größenwahnsinniger Depp! Glaubst du im Ernst, die Songauswahl und die Welt drehen sich nur um dich? Wir haben viele, gar viele Klienten!“ - der innere Spötter).

Gut, den dritten Cappuccino bestellen! Das ist ein Befehl! [Aber weder von Dem-Da-Oben, noch vom Manitu, noch vom Adler, auch nicht vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches oder der Kaundka-Monarchie (ihr versteht schon – Joseph Roth)].

Ich bin so gerührt von mir, dass ich vorhin zu den Kellnern wegen Nina Simone Kontakt hergestellt hatte, dass mir beinah zum Heulen ist (obwohl er es jetzt nicht schafft, den Kontakt herzustellen, um seinen dritten Cappuccino zu bestellen. Wahrscheinlich hat ihn das vorhin so erschöpft! – der innere Spötter).


12:39.  Traurigkeit und distanzierte Menschenfreundlichkeit. Und der Cappuccino 3? Habe ich immer noch nicht zu bestellen zusammengebracht (damit es kein Missverständnis gibt: ich bin froh, wenn mich Kellner und Kellnerinnen in Ruhe beim Kaffee und auch bei leeren Tassen sitzen lassen. Mir ist das eindeutig lieber, als umgekehrt dauernd nach meinen Bestellwünschen gefragt zu werden. Noch dazu, wo ich finanziell keine allzu großen Sprünge machen kann und auch wegen meiner immer vermutet zu geringen Konsumation ständig ein schlechtes Gewissen habe. Dass ich mir beim Ansprechen und Anrufen so schwer tue, ist allein mein Problem). Aus den Boxen ein Layla-Cover, das mir sehr gefällt, keine Ahnung von wem (Texte verstehe ich nie!). Wirklich sehr schön.


12:43.  So! Jetzt habe ich die Bestellung Cappuccino 3 geschafft. Nun bin ich wieder bei den Dellen der kristallinen Kugellampen an der Decke, aber ich bin aufgestanden und habe zu überprüfen versucht, ob sich diese Dellen wirklich im Lampenschirm aus Glasstückchen befinden oder durch eine optische Täuschung entstehen. Das Ergebnis ist nicht eindeutig: einerseits ist die Oberfläche der Kugel unruhig und nicht exakt in Kugelform, aber andererseits verstärkt irgendein Lichteffekt anscheinend den Eindruck einer tieferen Delle (jetzt wird gerade mit sehr hohen Männerstimmen ein Sheriff erschossen).

Erhebt sich die Frage, wen ich gerne erschießen würde? (Ach Freundchen! Du kannst mit einer Waffe doch gar nicht umgehen! Wenn dir nichts mehr einfällt, kannst du doch einfach dasitzen, ohne zwanghaft zu schreiben. Die Welt und das Universum werden dir ein paar kürzere Texte durchaus verzeihen! - der innere Spötter.)

Ich freue mich schon auf den kühleren Heimweg heute bei Wolken und Wind. Die dreifaltige Wandlampe links von mir spiegelt sich im Fenster zur Gästelaube hinaus so deutlich und schön, dass man meinen könnte, über der Dame dort im Gastgarten schwebe eine dreiteilige Lichtkrone, während George Harrison aus den Boxen den süßen Lord anjammert.


13:32.  Im Museumsquartier gibt es in der Passage eine neue Tonspur (Tonspur 97; Edgar Honetschläger) mit Hunden und Wasser. Nachdem sich eine Dame auch auf die Bank gesetzt hat, werde ich nervös und unruhig und kann mich kaum noch aufs Hören konzentrieren (und zu recht, wie sich später herausgestellt hat: die überaus höfliche Dame wollte wohl auf finanzielle Unterstützung hinaus – der Tipper). Aber nun höre ich Kirchenglocken heraus! (Und die Presslufthämmer im Hof ums Eck.) Auch Enten. Schöne Collage! Ich gehe lieber.


(18.8.2026)


©Peter Alois Rumpf    August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 17. August 2026

4582 For Men

 



12:53.  Bin neugierig, wie der erste Kaffee des Tages auf meine Schwermut wirkt. Bestellt ist er schon. In letzter Zeit meine ich ständig so einen leichten Gestank wahrzunehmen (er fürchtet immer, der kommt aus seinem Inneren – der innere Spötter), aber identifizierbar ist er für mich nicht.

Der erste Schluck. Wichtigtuerische Sprecherin zwei Tische weiter. Stört schon, aber es ist, wie es ist und muß hingenommen werden, wenn man nicht weggehen will. Heute war mir schon richtig schwindlig, alles hatte sich gedreht und ich mußte das Eintippen meiner Texte unterbrechen und konnte nur mit Mühe in mein Zimmer gehen und mich hinlegen. Das ist vorbei, aber flau ist mir immer noch. Und schwer ums Herz. Ich atme ein und dehne dabei meinen Brustkorb; vielleicht lockert sich die Beklemmung ein wenig. Ich habe einen Toast bestellt, obwohl ich strikt vorhatte, heute in Lokalen kein Essen zu konsumieren, aber um das ganze System etwas zu stabilisieren habe ich meinen Vorsatz über Bord geworfen (wie heißt das? Rette einen Menschen, dann rettest du die ganze Welt – der innere Spötter).

Der Toast ist verschlungen; eigentlich zu wenig (aber ich bin geizig in der zweiten Monatshälfte). Wird schon reichen. Die Riesenblätter des unbekannten Baums, dessen Zweige beim Fenster hereinschauen, sind mir etwas unheimlich. Obwohl sie sich recht ruhig verhalten. Ich muß mir noch die Hände waschen (und das Maul – der innere Spötter). Kann es sein, dass es draußen wieder sehr schwül ist? Mir kommt vor.

Das erste Mal mit Slipeinlagen in diesem Lokal; FOR MEN natürlich; FOR MEN. Was es alles gibt. Die Sprecherin nebenan hat sich beruhigt und redet jetzt „normaler“ (oder habe ich mich an ihre Stimme gewöhnt?). Noch ein Kaffee? 38 Minuten bis zur Psychotherapie. Das wird ein wenig knapp, wenn ich ihn langsam trinken will. Wenigstens weiß ich, worum es heute in der Therapie gehen wird. Ich habe mich entschlossen: kein zweiter Kaffee.


Zum Zahlen habe ich mich an die Budel gestellt und warte auf den Kellner, der im Gastgarten Tische abräumt. Dabei sehe ich, wie er das restliche Wasser aus den den Kaffees beigegebenen Wassergläsern in die Blumenkistchen des Zaunes gießt. Jetzt hat er gleich noch einen großen Pluspunkt bei mir! Dass er im Arbeitsstress auch an die Blumen denkt! Ich sage ihm das auch, als ich zahle.


Nun sitze ich in Hof 8 vorm Springbrunnen; Lang bleibe ich nicht; ich könnte in meinen klandestinen Klosterhof 5 gehen.


Ich gehe in meinen klandestinen Klosterhof (mein Gott! Jetzt muß er wieder mit aus der Zeit gefallenen Vokabeln angeben! Klandestin heißt nichts anderes, als heimlich, geheim. Amen! - der innere Spötter). Was hat das alles mit meiner Psychotherapie zu tun? Nicht viel, fürchte ich, nicht viel (oder: sehr viel, fürchtet er, sehr viel! - der innere Spötter). Zeit zum Aufbruch.


(17.8.2026)


©Peter Alois Rumpf     August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4581 Wieder still

 



8:04 a.m.  Die Flugzeuge donnern durch den leicht plätschernden Regen, der viel zu früh schon aufhören will. Hier herinnen im Zimmer ist es noch nicht wirklich abgekühlt. Türen oder Fenster schlagen, eine Frau lacht wirklich laut im Stiegenhaus. Dann hört der Regen wirklich auf und es wird überhaupt still. Bis das nächste Flugzeug anfliegt. In mir beginnen sich Angst und Schrecken auszubreiten, aber ich kann sie abstoppen. Durch das offene Fenster höre ich irgendjemand kotzen. Wieder still. Alles ist still.


(17.8.2026)


©Peter Alois Rumpf     August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4580 Demenztest

 



9:45 a.m.  Steif bläst der Luftzug den kunstvollen Vorhang ins Wohnzimmer herein, das Plätschern des kleinen Springbrunnen im Hof, irgendeine Arbeitsmaschine röhrt irgendwo vor sich hin; und jetzt kommt das Frühstücksmüsli. Der Wohnzimmerbaum ist gut gegossen; er leuchtet fast in seinem satten Grün. Aber so hat mein Tag nicht begonnen; erst jetzt bin ich zur Ruhe gekommen.


12:11.  Beim Kaffee. Der Morgen war angenehm frisch, jetzt ist es heiß. Mein Blick geht hinter die Bar, zum Geschirrspüler, Kühlschrank … . Zum ersten Mal fällt mir auf, dass sich gegenüber auf der anderen Straßenseite auch ein Gastgarten befindet; das dazu gehörige Lokal kenne ich nicht … ach! So ein Blödsinn! Dort war ich schon öfters essen, auch wenn es schon länger her ist. Meine innere Geographie muß durcheinander gekommen sein. Was ist mit meinem Gehirn los? Ich habe vor Jahren schon einen Demenztest gemacht, ein rein psychologischer wurde mir vom Arzt nach der Schilderung meiner Symptome angeboten, da wurde nichts gefunden. Ich konnte nicht ganz glauben, dass alles in Ordnung ist und jetzt noch weniger (zum Beispiel hatte ich oben statt den Vorhang von Vorhang hingeschrieben – und solche Fehlleistungen verstehe ich nicht. Einen Buchstaben auslassen, irgendwas verdrehen – das ja, aber von statt den?).

Ich betrachte die zwei Gesichter am Boden des Wasserglases und den Schriftzug Hamburg darunter, dann gieße ich Wasser aus der Karaffe nach (zum Beispiel auf statt aus – wie es soeben passiert ist, irritiert mich trotzdem nicht so wie von statt den).

Die Zeichnungen an der Wand hinter mir sehe ich nicht, aber ich weiß, dass sie mir gefallen. Ich habe sie schon öfters betrachtet. Genug für jetzt.


(14.8.2026)


©Peter Alois Rumpf    August 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4579 Götterdämmerung

 



11:28 a.m.  Ich sitze mit meiner lieben Frau heraußen im Café im Unteren Belvedere und überlege kurz, ob ich schreiben soll, aber dann merke ich, es fällt mir nichts ein und verwerfe den Gedanken und sitze nur so da und denke nichts weiter. Als jedoch meine Frau zu mir „Du kannst ruhig schreiben!“ sagt, nehme ich das sofort (man könnte auch sagen: z’fleiß – der innere Spötter) als Aufforderung und hole Notizbuch und Pilotstift heraus – Brille brauche ich nur mehr bei schlechtem Licht – und was? Was jetzt?

Der Cappuccino ist erwartungsgemäß teuer und etwas schal im Häferl, aber als erste Drogendosis des Tages wird’s reichen. Ich betrachte das barocke Eingangstor in den Vorhof sozusagen von hinten und denke, dieses grandiose Bauwerk – ich meine das ganze Belvedere – verdiente (Konjunktiv!) den originalen Umraum, auf dass es richtig ausschwingen kann. Also reißen wir das ganze Neunzehntes-Jahrhundert-und-später-Zeugs der Umgebung ab! Auch für das stalinistisch-kitschige Denkmal der Roten Armee wäre es höchste Zeit. Den Hochstrahlbrunnen können sie meinetwegen lassen (nachdem du deinem Größenwahn ohne Größe freien Lauf gelassen hast, wäre es an der Zeit, dich anderem zu widmen. Wie wäre es mit der Ausstellung von Anni Albers? - der innere Spötter).


(13.8.2026)


©Peter Alois Rumpf    August 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 12. August 2026

4578 Rache

 



14:25.  Heute geht es. Ich sitze entspannt hier und habe keinen Stress. Die Musik passt. Die gehirninternen Gewaltorgien – aktiv, vor allem aber passiv – habe ich scheint’s für jetzt einmal hinter mir. Kleinste Miniatursonnen leuchten von den Windschutzscheiben der auf der Straße geparkten Autos ins Lokal herein. Wie die heute bei der partiellen Sonnenfinsternis ausschauen werden? (Gar nicht, bis dahin sind die schon längst verschwunden. Sonnenstand! - der innere Besserwisser.) Übrigens: eine meiner beliebtesten Opfer-Gewalt-Phantasien geht in Abwandlungen, aber ungefähr, so: Ich lebe wohlhabend am Land auf einem großen Hof, der mir gehört. Stadel und Stall sind zu großzügigen Ateliers und Tensegrity-Übungsräume umgebaut etcetera. Ich werde jedoch von der lokalen, rustikalen Bevölkerung gehasst und irgendwelche „bodenständige“ Rowdys dringen in meinen Besitz ein, zerstören die Ateliers und die Bilder, den Garten mitsamt seinem Gemüse und den Teich, die Energieversorgungsanlagen (kleine Windräder, Solaranlagen, diese innovativen Windkraftanlagen ohne Rotorblätter, die wie ein senkrechter Mast oder Stange im Wind schwingen, meine Bibliothek im Haus und einiges andere. Da diese Rowdys von der lokalen Bevölkerung und der ortsansäSSigen Polizei regelrecht angestiftet worden sind, drehen sie den Spieß um und ich werde unter fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet. Mir werden von der faschistisch- korrupten Polizei Drogen unterschoben. Im Gefängnis werde ich gequält etcetera etcetera etcetera (vergewaltigt traut er sich nicht herschreiben – der innere Spötter). Aber dann! Ich bin ja reich und schalte Detektive und Rechtsanwälte ein, die gute Kontakte zu den überregionalen Behörden haben. Die decken den Polizeibetrug und die ganzen Machenschaften auf und ich komme doch wieder frei etcetera etcetera. Alle werden zur Rechenschaft gezogen, alle, auch eine besonders gehässige Nachbarsfamilie, die mich falsch beschuldigt und deren geifernde Chefin mir öffentlich den Tod gewünscht hat. Ich führe jetzt erbarmungslos gegen alle Übeltäter Strafrechtsprozesse und solche um Schadenersatz, kein Cent wird nachgelassen, alle Verleumdungen werden dokumentiert – meine Detektive und Rechtsanwälte leisten gute Arbeit – alle diese verlogenen Polizisten mit ihren Falschaussagen vor Gericht, alle kommen dran, auch der schleimige Filialleiter des örtlichen Supermarktes, der grundlos ein Geschäftsbetretungsverbot gegen mich angeordnet hatte, alle, alle werden zur Rechenschaft gezogen, einige marschieren ins Gefängnis und alle brennen, brennen, brennen! Besonders die böse Nachbarsfamilie brennt, dass sie bankrott geht und ihr scheiß-rustikales Haus verkaufen muß, das jedoch ich selbst erwerbe – Geld habe ich genug – und – und spätestens das folgende Motiv habe ich aus Michael Köhlmeiers Roman Die Musterschüler gestohlen, weil es mir als Rache so gut gefällt – nebenbei gesagt: ich halte die Schilderung dieser Rache für realistisch; ich glaube, dass Köhlmeier das nicht erfunden hat – also: ich kaufe deren schirches Rustikalhaus und Grundstück und lasse ersteres sofort abreißen mit allem Pi-Pa-Po, erweitere so mein Anwesen (endlich kann ich anwesend sein!) und sorge dafür – ich bin ja reich genug – das mir keiner auch nur einen Grashalm meiner Wiese zu brechen oder auch nur zu krümmen wagt! Ich kann unbelästigt in der Gegend umherwandern und gefahrlos durchs Dorf stolzieren. Keiner traut sich mehr aufmucken. Es geht nur darum, dass sie mich in Ruhe lassen! Ansonsten lasse ich alle unbehelligt.

Wie gesagt, da gibt es ein paar Varianten, bei manchen werde ich so richtig gewalttätig. Jedenfalls: ich kann mich vor Übergriffen schützen!

(Uff! Das wird wieder eine beschissene Tipperei! – der zukünftige Tipper.) Einige Wespen versuchen durch die große Fensterscheibe zu kommen; ich kann von hier jedoch nicht erkennen, ob sie von innen nach draußen, oder von draußen nach innen wollen; ich vermute Letzteres.

Zwei Kaffees habe ich hier getrunken und meine Stimmung ist jetzt so gut. So gut! Geradezu großartig!


(12.8.2026)


©Peter Alois Rumpf     August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 11. August 2026

4577 Die Yogapuppe

 



10:54 a.m.  Mein Lieblingscafé hat heute ausnahmsweise geschlossen! Ich wußte das nicht. Jetzt sitze ich ein paar Häuser weiter und muß mich sehr, gar sehr umstellen. Vielleicht hilft ein Frühstück? Meine Luxusausgaben werden mich noch in den Ruin treiben, aber ich brauche meine Arbeits- und Bürozeiten in Cafés! Die sind wichtige Stabilisatoren in meinem Leben. Und ein wengerl was könnte mir schon auch zustehen, oder? (Oida! Vorsicht! Du begibst dich auf dünnes Eis! Rede dir nicht Sachen ein, die du nicht empfindest – der innere Spötter.) Der Kaffee ist gut. Bleiben oder gehen? Eine Schaufensterpuppe in einer stehenden Yogaposition auf einem Bein in der Auslage des Geschäfts gegenüber auf der anderen Straßenseite amüsiert mich und – ja – rettet mich, weil sie mir als Anker dient und ich sie mir ganz irgendwie als etwas „Vertrautes“ hininterpretieren kann, nur weil meine Frau eine Yogini ist, obwohl ich selbst nie Yoga geübt habe; wohl aber vor Jahren Tensegrity/magical passes, das auch nicht nur den Körper, sondern ebenso den Energiekörper und in Richtung Unendlichkeit trainiert.
Dass es Nikotinschwaden immer wieder schaffen, aus Gastgärten in die Lokale hineingeweht zu werden! Das machen die z’fleiß (so! Jetzt legst du dein Schreibzeug weg! - der innere Kontrollor).

Ja, essen hilft, mit einem Ort vertraut zu werden. Und wegen der Yogagestalt drüben hat mich soeben eine prophetische Erkenntnis erreicht: Sturm Graz gewinnt heute gegen Fenerbahçe Istanbul und steigt in die Champions League auf!


11:37 a.m.  Und jetzt gefällt mir auch die Musik aus den Boxen. Und im Klo – ich mag keine Gebläse-Händetrockner – ich frage mich immer, wo dabei der Dreck bleibt, den man in benutzten Handtüchern vorfindet und außerdem will ich mir nach einer Marmeladesemmel – Wiener Frühstück; ich habe gesündigt – auch den Mund abwaschen – also im Klo hier habe ich den ersten Händetrockner erlebt, der ordentlich Wind erzeugt und wirklich trocknet, den ersten! Das ist auch etwas! Überhaupt ist das alles oben und herunten im Keller eine Wahnsinnsanlage.

Jetzt gefällt mir die Musik weniger. Aber geht schon. Zwar mit ein paar Metern Abstand, aber direkt vor der offenen Eingangstür sitzend sehe ich die Passanten und Passantinnen von oben bis unten. Und eben auch die Yoga-Puppe. Ich bin zu dick. Morgen fange ich mit fasten an (aber ich bin in der Hitze so hungrig!). Ach was! Die Yogis sind im Alter auch oft wampert. Schritte habe ich heute noch nicht viel (2.245). (Freundchen! Glaubst du nicht, es wäre Zeit zum Beispiel in die Albertina zu wandern und dich mit anderen Sachen zu beschäftigen, als mit deinen idiotischen Gedanken? - der innere Spötter). Aber ΐδιοϛ heißt eigen, persönlich, also: so what? (So! Jetzt reicht’s! Weg mit dem Schreibzeug! Ich dulde heute keine Schreiberei mehr! Und keine mickrige Bildungsangeberei! - der innere Kontrolleur.) Aber meine Stimmung ist inzwischen entschieden besser! (Zufleiß hat er einmal Kontrollor und einmal Kontrolleur geschrieben – der Tipper, der sich meistens an die handschriftlichen Vorgaben hält.)


(11.8.2026)


©Peter Alois Rumpf     August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com