Dienstag, 28. April 2026

4441 Satis est

 



12:07.  Heute habe ich der REMbox ganz offiziell mein Lieblingslokal gezeigt, zuerst von außen und dann von innen, auch den zurzeit leider wieder nur einflügeligen Lichtengel. Ich habe zum Kaffee (heute ist nur einer erlaubt!) natürlich auch wieder den Standard und die Kleine Zeitung gelesen und dabei die REMbox am Tisch liegen. Und in der Kleinen Zeitung lese ich im Ennstalteil bloß im regionalen Veranstaltungsanzeiger zweimal den Namen Admont, meinem Geburtsort, und schon schießen mir die Tränen in die Augen. Oida! Ich hätte gesagt, dass ich aktuell keine besonders starken Verbindungen an diesen Ort habe, schließlich werde ich zirka dreieinhalb Jahre alt gewesen sein, als wir nach Irdning übersiedelt sind. Allerdings gibt es ein paar intensive Erinnerungen aus dieser Zeit und sicherlich sehr massive vergessene Prägungen durch die belastende Gesamtsituation damals (zum Beispiel die Zeit der Unterernährung auf Grund eines Magenpförtnerkrampfes). Aber trotzdem wundere ich mich über meine mehr oder weniger verhaltene Weinerlichkeit, die jetzt angeschwommen kommt. Wenn ich ein wenig nachdenke, wundere ich mich weniger. Aber trotzdem: ist es Selbstmitleid, wenn ich denke „Schad’ um mich!“? Wahrscheinlich. (Die Frage ist ja nur, ob ich durch die Erfahrungen meines Lebens genug Bewußtsein entwickelt und geschaffen habe, dass ich beim Absterben und der damit verbundenen Rückgabe des Bewußtseins dem Universum wirklich geholfen habe, sich immer mehr seiner selbst bewußt zu werden.) Und da bringt Sentimentalität nichts.

Trotzdem schaue ich jetzt wieder die Photos meiner Bilder in der REMbox an, betrachte sie gründlich, vertiefe mich in die Details, erinnere mich teilweise und immer mehr an die Vorlagen und Auslöser für die einzelnen separaten Szenen, die ich gemalt habe, und an meine Gedanken, als ich die ausgewählt habe. Zigarettenrauch stinkt von draußen durch die offene Lokaltür herein. Schaue ich die Photos an, kommt schon eine unglaubliche Traurigkeit auf. Jetzt lasse ich dieses Thema. Es ist genug. Satis est.


(28.4.2026)


©Peter Alois Rumpf    April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4440 Halbmagische Zeremonien mit der REMbox

 



23:16.  Heute habe ich halbmagische Zeremonien mit der REMbox durchgeführt und Photos gemacht (das Album Halbmagische Zeremonien mit der REMbox auf meiner Facebookseite). Zuerst habe ich die REMbox meinem Doppelgänger im Spiegel im Vorzimmer gezeigt. Dann bin ich mit ihr auf dem Schoß mit der U4 gefahren. Dann habe ich der REMbox den Karl-Marx-Hof gezeigt. Dann habe ich mit ihr neben mir auf den D-Wagen gewartet. Dann bin ich mit ihr im Rucksack die Hackhofergasse hinaufgegangen. Dann habe ich ihr fremde Mosaike gezeigt. Dann bin ich mit ihr im Rucksack steil den Nussberg hinaufgestiegen. Bei der kleinen Aussichtsplattform am Weg habe ich zuerst dem Osten die REMbox gezeigt, dann dem Süden, dann dem Westen, dann dem Norden. Dann sind wir weiter den Nussberg hinan gestapft und ich habe die REMbox zuerst vorsichtig und umsichtig in die Brennnesseln gelegt, dann an die schattige Hecke an der Böschung gelehnt. Dann habe ich der REMbox die Donau und den Bisamberg gezeigt, dann mehrmals die Stadt Wien und habe sie in einem Weinberg zwischen die Zeilen der Weinstöcke sanft hingelegt. Ich habe das vergessen: Vorher noch, gleich nach der Aussichtsplattform Richtung Osten, habe ich sie an einen Hydranten, der reich verpickerlt war und mit einen Babytragerl behängt, gelehnt. Jetzt stecke ich die REMbox an einen Betonpfeiler eines Weinbergtores. Dann habe ich ihr zuerst den Leopoldsberg und dann den Kahlenberg gezeigt. Dann bin ich zu einem Heurigenholzschild, habe sie dort angelehnt und fragte sie, ob sie Wein trinken mag. Nach weiteren Schritten bergan auf dem Weg zur Kuppe habe ich die REMbox auf ein Weinfass gelegt, dann auf einen Heurigentisch. Dann habe ich sie im Rucksack über die Kuppe getragen und bin ein paar Schritte abwärts und dann gerade hinüber weitergegangen und dann die lange, lange Stiege hinunter bis in den engen Graben, von dem ich nicht weiß, wie er heißt (Wildgrub – der Tipper). Dort unten habe ich der REMbox das kleine Bächlein gezeigt; dann den eigenartigen Garten mit den eigenartigen Skulpturen und eigenartigen Holzbauten. Dann habe ich sie in die Wiese gelegt und ihr die schöne, steile Leite gezeigt. Dann sind wir zum Heiligenstädter Friedhof gekommen, den ich ihr auch durch das Gitter gezeigt habe. Dann bin ich mit ihr zum Beethovengang, habe ihr den Bach, den Beethovenpark, die Beethovenrast, die Beethovenstatue und das Heroische gezeigt. Dann habe ich sie alleine auf einem Sitz Straßenbahn fahren lassen (leider neben einer diesen Gratis-Schund-und-Krawall-Zeitungen). Dann habe ich in der U-Bahnstation Heiligenstadt die REMbox dem Volk gezeigt, aber das hat nicht hergeschaut.

(Diese Zeremonien werden noch weitergehen, aber ob ich sie jedesmal beschreiben werde? Ich weiß nicht.)


(27.4.2026)


©Peter Alois Rumpf   April 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4439 Der Kran

 



13:58.  Der rot und weiß gestrichene Kran führt seinen ausladenden Arm durch das üppig sprießende Grün der dicht stehenden Gartenbäume und ist jetzt aus meinem Gesichtsfeld verschwunden, aber seinen Motor kann ich noch hören. Der Frühling ist wahnsinnig geworden, wieder so schnell so warm und läßt die Natur – oder wer oder was das ist – fast beängstigend wuchern. Jetzt rührt sich der Kran nicht mehr und der Wind hält ebenfalls still, für kurze Zeit bleibt sogar der Straßenlärm aus. Eine Waldtaube ruft und Wind und Straße setzen wieder ein und ersterer erzeugt ein Ehrfurcht gebietendes Rauschen in den Gärten. Bis der Kran wieder anfängt und der Autolärm gar nicht mehr aufhört. Motorräder sind auch dabei und Flugzeuge und Spatzengezwitscher – wenn es denn wirklich nur die Spatzen sind. Ich sitze im Schatten und die sonnenbeleuchteten Stellen sind von einem überirdischen Gelb-Grün vor dem tiefen blauen Himmel. Das Braun und Grau der Baumstämme und Äste wäre auch noch zu erwähnen. Die Gespräche in der Sonne locken mich an, und die Wärme dort.

In der Sonne ist alles ganz anders. Eine Krähe schreit unaufhörlich, der Autolärm ist näher und lauter, und die Gestätte über der Straße, dort wo die Flotowvilla gestanden ist und dann abgerissen wurde, sind die aufgewühlte Erde und die Schutthaufen vom Abriss schon längst mit dichtem Gras überwachsen, mit ein paar Tulpen dazwischen vermutlich vom früheren Garten der Villa übriggeblieben und wieder aufgegangen. Eine Biene summt aufgeregt vor meinem Brillenglas, aber nur kurz, dann haut sie wieder ab. Ich glaube nicht, dass das alte Haus neben dem Flotowhügel noch lange stehen gelassen wird; die Grundstücke hier sind wertvoll und teuer und sollen in der Logik des Kapitals finanziell verwertet werden und deswegen mit scheußlichen, einträglichen Neubauten bestückt.
Ich werde später durch den Wald gehen, aber jetzt bleibe ich noch in der Sonne sitzen. Das Durch-den-Wald-Gehen ist genau so fragwürdig wie nur was, von „echter Natur“ kann keine Rede sein. Aber gerade um diese Jahreszeit wird es sichtbar: ein paar Jahre ohne Menschen und die Sache schaut ganz anders aus. Ich wäre ja auch zu feige, in einer Wildnis mit Bären und Wölfen und ohne Wege und Stege herumzusteigen. Jetzt ist es nicht mehr eine einzelne Krähe, die ruft, und das Palaver wird immer lauter und intensiver.


(25.4.2026)


©Peter Alois Rumpf    April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 24. April 2026

4438 Gadžo

 



16:05.  Fröhlich im Café Leo (kein Wunder, wenn man in Sicherheit ist). Die Musik aus den Boxen ist auch sehr schön (keine Ahnung … eine romanische Sprache? Oder gar Romanes?) Mir ist zum Weinen, und tatsächlich kommen Tränen in die Augen (weil es Roma-Musik ist?) Dass das moderne Roma-Musik ist, kommt mir immer wahrscheinlicher vor (darf ein Gadžo bei Roma-Musik weinen? Es wäre bei mir nicht das erste Mal. Aber ein Gadžo, dessen Vorfahren an der Verfolgung der Roma zumindest indirekt beteiligt waren? Stiehlt er dabei nicht den fremden, selbst nicht erlebten Schmerz?).

Jetzt Reggae. Unter der langen Bank an der Wand gegenüber befinden sich viele Schachteln aka Kartons. Ganz oben zu meiner linken Seite, unter der Decke, über dem Durchgang zur Küche, ragt ein offenes Rohr aus der Wand. Lüftung? Ein angenehmer Raum. Es gefällt mir hier sehr.

Jetzt sind die Boxen still. Dafür rauscht eine Lüftung? Die lange Bank fasziniert mich; sie erstreckt sich fast über die gesamte Länge der Wand.

Am Boden des Wasserglases sind zwei männliche Gesichter erkennbar und die Schrift Hamburg (nicht kursiv; gerade und aufrecht, und in Großbuchstaben).

Die Boxen sind immer noch still. Die lokalinternen Gespräche plätschern so dahin.

Mein kleines Glück; heute gelingt es (bis jetzt! - der innere Spötter)

(Was er zu erwähnen vergessen hat: er hat wieder die REMbox mitgeschleppt und mit bedeutungsvollen Gesicht darin herumgeblättert und mit andächtiger Miene je ein paar Zeilen gelesen – und seine Bilder angeschaut - der innere Spötter)


(24.4.2026)


©Peter Alois Rumpf    April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4437 À la bonne heure

 



8:19 a.m.  Meine zur Nasenspitze heruntergerutschte Lesebrille gibt meinem Blick ins Zimmer sogar von innen (sozusagen) etwas Lächerliches. Die Angst hält sich im Zaum. À la bonne heure fällt mir ein und mir fällt nicht ein, was diese Redewendung bedeutet, obwohl ich die einzelnen Wörter kenne. Ich widerstehe dem Impuls, aufzustehen und irgendwo nachzuschauen; eine solche Pseudoaktivität passt mir jetzt nicht. Ich will Ruhe vor dem Start in den Tag. Ich neige den Kopf zur Seite und gebe somit den Hals frei, aber das glaube ich doch nicht, dass jetzt in diesem Zimmer Raubtiere lauern, die zubeißen wollen. Nun zerfallen mir alle Sätze unter dem Kugelschreiber (Warum auch nicht? Die Welt ist eine Kugel).

(Übrigens: diese Redewendung ganz oben hatte er zwar akustisch gekannt, aber noch nie verstanden – der Tipper)


(24.4.2026)


©Peter Alois Rumpf    April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 23. April 2026

4436 Die gute Tat

 



11:02 a.m.  Heute habe ich schon eine gute Tat getan: ein Tageskind hat am Spielplatz im Augarten sein kleines rotes Rennauto – genannt: der König – vergessen und es mußte dann, zu Hause bei uns, richtig weinen. Ich wollte gerade meinen Weg in mein Lieblingscafé starten, bin jedoch zuerst in den Augarten marschiert, das Auto zu suchen und habe es trotz falschem Suchbild – ich wußte nicht, dass es so klein ist – gefunden und dem Kleinen gebracht. Dann erst bin ich ins Espresso Burggasse aufgebrochen. (Freilich weiß man nie genau, ob eine Tat gut ist – der innere Spötter.)

Hier sitze ich nun, und das mit nur einem Kaffee wird sich nicht ausgehen, wenn ich noch den Falter und in der REMbox lesen und das eine oder andere schreiben will. Schon bin ich beunruhigt wegen meiner minimalen Konsumation (er muß dement sein! Er hat unabsichtlich Kommunikation geschrieben! - der innere Spötter). Ich überschlage jetzt meine Beine (linkes auf rechtes), meine bevorzugte Schreibposition (rechts auf links geht auch). Die REMbox liegt wie zur freien Entnahme und als Lockvogel auf dem Tisch (und ich hau mich ab, weil er wirklich zu glauben scheint, dass ihn wer auf das Buch ansprechen wird! - der innere Spötter). Zum inneren Wichtigtun reicht es, wenn das Buch auf dem Tisch liegt (vgl. Text Nummer 4433 Im Leo). Neil Young aus den Boxen ist auch nicht schlecht, da fällt ein bißchen was meiner zwar massiv beschädigten, aber bröserlweise doch geglaubten Zukunftshoffnungen meiner Jugend ab und zu mir in mein Altersleben. Jetzt muß ich demonstrativ in der REMbox blättern, ich muß einfach!

Den REM-Text von Helga Köcher habe ich gelesen und mußte dabei fast weinen (fast! fast! fast! immer nur fast!), aber immerhin. Dann habe ich das Buch zugeklappt und deutlich sichtbar auf den Tisch gelegt. Vielleicht, nein wahrscheinlich hatte die Grazer-Autorinnen-Autoren-Versammlung recht, dass sie mich nicht in ihre Reihen aufgenommen hat; ich bin kein Schriftsteller und kein Autor und gehöre nicht dorthin; ich bin nur jemand, der schreibt. [Es ist mir schon scheißegal, ob meine Texte literarische Qualität haben oder nicht, und welcher Kategorie sie angehören, wenn das beantwortet werden sollte; ich schreibe vor mich hin, veröffentliche auf meiner Schublade, mit wenig Resonanz, verlange kein Geld, schenke so meine Texte her und werfe sie einfach in die Welt, bin niemandem verantwortlich, kein Lektor redet mir drein und ich kann mir das eigentlich (eigentlich gehört gestrichen, sagt zumindest der Dings, der Brechtverhinderer – das vielleicht mit Recht, vielleicht! – na! … der Weigel, wenn ich mich nicht irre) gar nicht mehr anders vorstellen. Zum offiziellen Schriftsteller oder Autor fehlen mir – wie zu allem anderen auch – das, was man gemeinhin (ja, wirklich gemein!) Selbstbewußtsein nennt und eine ordentliche, offizielle, gesellschaftlich anerkannte Initiation.]

Jetzt habe ich das Buch wieder aufgeschlagen und darin ziellos geblättert, bis sich mein heimliches Ziel durchgesetzt hat: die Seite mit den Photos meiner zwei Bilder zu suchen (suchen! Er hat eh ein Lesezeichen dort reingegeben! - der innere Spötter) und sie zu betrachten. Ich finde diese Bilder – auch im Kontext, dass ich kein Künstler war, sondern nur jemand, der zeichnet und malt – großartig, und es gibt mir einen Stich ins Herz, dass ich sie in meiner Verzweiflung mitten in der döbranitischen Gefangenschaft zerstört habe (er will damit erst aufhören, wenn er mit der Chose durch ist, aber wird er jemals damit durch sein? - der innere Spötter).

Soll ich darauf scheißen und ein Schnittlauchbrot bestellen? Habe ich wirklich Hunger oder nur ein schlechtes Gewissen, weil ich im vollen Lokal schon so lange am Cappuccino herumnuckle? [...zensuriert … zensuriert … zensuriert …] Nein, kein Brot; wenn schon, dann einen zweiten Cappuccino; ich kann ja die beigelegte Schnitte naschen. Und zu Hause gibt es genug zu essen – damit da kein Mißverständnis aufkommt.

[… zensuriert ... zensuriert ... zensuriert …]

Ein zweiter Kaffee wird mich umschmeißen (umschmeißen vom Österreichischen Wörterbuch genehmigt). Soll ich lieber gehen? Die Schreiberei hier ufert aus (vgl. das Zensurierte!).

Ich arbeite mit allen Tricks: ich habe mein Notizbuch verkehrt – also mit der Titelseite unten – auf die REMbox gelegt, in der Hoffnung, dass das Verdecken Neugier bei Vorbeigehenden auslöst, während ich unauffällig im Falter lese. Dann lege ich das Notizbuch doch neben die REMbox, damit deren Titelseite schön sichtbar ist.

12:32.  Das Lokal hat sich geleert. Das Lesen hat mich abgelenkt und mich von meiner komischen Stimmung weggezogen. Wäre es nicht an der Zeit, aufzubrechen und nach Hause zu wandern? Ja, wäre es, aber ich bleibe sitzen. Einer der REMbox-Verteil-Aufträge, der unklar war, ist nun geklärt. Ich kann heute oder morgen damit starten. Es ist gut, wenn ich weiß, was ich zu tun habe. Am Küniglberg war ich schon seit Jahren nicht mehr, seit meiner letzten Image & PR – Studie - Interviewarbeit. Ist wirklich schon lange her.

(Scheiße! Schon 13 Schubladentexte ohne Leser!)

(23.4.2026)


©Peter Alois Rumpf    April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4435 Voll da

 



7:51 a.m.  Die Angst ist wieder voll da. Ich wache auf und schon hat sich mich gepackt. Ich bemühe mich ja höflich zu sein, begrüße sie, frage sie, was sie will oder welche Botschaft sie mir überbringen soll, aber jetzt reicht es mir! Ich will ihr auch nicht mehr auf den Grund gehen und mir ist es wurscht, ob sie eine Existenzangst ist oder die Lebensangst oder beides und ob ihr Verhältnis 80:20, 45:55 oder 10:90 ist. Ich will in der Früh aufwachen und ganz normal auf den Tag und somit auf mein Restleben blicken und mich nicht starr vor Angst und wie mit eingeschnürter Kehle im Bett krümmen. Ohne inneres Zittern und nicht wie ein schwer verwundetes Tier im Versteck hocken. Ich will normal, ruhig, durchaus ohne Euphorie, aber mit positiver Grundstimmung angemessen den Tag beginnen. Ist das zu viel verlangt? Irgendsoeiner beschissenen inneren Stimme fällt das Leben ist kein Ponyhof ein. Das ist einer der blödesten Sprüche, die ich kenne! Wo ist da der Ponyhof? Und wer weiß denn, wie es den Ponys am Ponyhof geht? Und auch unter den Menschen dort werden sich die ganzen griechischen Dramen und grausamen Märchen in zivilisatorischer Verkleidung abspielen.

So, jetzt habe ich mich ein wenig von der Angst weggeschrieben und kann einmal tief atmen. Nur einmal, aber immerhin. Zweimal. Es wird schon.

Ordentlich Kohle würde mir schon auch helfen; dann würde ich in ein angenehmes Café frühstücken gehen. Oder eine kleine Reise, sagen wir durch Österreich und Slowenien machen. Mich mit hoffentlich gutem Gewissen ablenken. Oder Konzerte, Theater, Kabarett, was es so an Anregungen gibt. Versuchen, die Lähmung loszuwerden. Oder wenigstens eine kleine Wanderung mit Mittagessen in einem annehmbaren Gasthaus (meine Ansprüche sind nicht so hoch). Oder eben Kaffeehausfrühstück mit Zeitung lesen, schreiben, so dass man das Gefühl haben kann, mit der Welt in einem normalen Austausch zu sein – ich konsumiere und zahle – ich zahle und konsumiere – ein Austausch, der nicht von übertriebenen Einschränkungen belastet ist. Und nicht von Schuldgefühlen, weil ich jemandem auf der Tasche liege. Ganz normal hald (sic!). Ja, das wäre schön! (Wirklich? - der innere Spötter.) Ja, wirklich. Ich rede ja nicht davon, dass dann meine Depression weg wäre, sondern davon, dass sie leichter zu händeln wäre, leichter mit ihr zu spielen.

So sehr mir das Schreiben hilft, die Texte werden dem Untergang geweiht sein.


(23.4.2026)


©Peter Alois Rumpf   April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com