4551 Elfuhrfünfundfünfzig
11:55 a.m. Den Zigarettenrauch weht es bis hierher an die lange Bank. Ich huste. Die Sulm rauscht, insoferne sie bei der Steinernen Wehr abrinnt. Meine Augen brennen von Sonnencreme und Sonnenlicht. Ich bin jetzt im Schatten. High Noon (Sommerzeit, also nicht der Zenit des Tages). Ich klicke den Pilotstift auf Standby und versuche, mit dem nun länger aus dem Kugelschreiberschaft herausragenden Klicker in meinem Ohr Ohrenschmalz zu erstierlen. Kein nennenswerter Ertrag (Gottseidank; denn das heißt, ich habe heute Morgen die Ohren eh gründlich geputzt). Zwei kleine weiße Tröpfchen landen urplötzlich auf meinem rechten Unterarm. Hat irgendwer in der Nähe unvorsichtig mit einem Sonnencremesprayer hantiert? Oder war es doch so ein Dinosauriernachfahre aus dem Gebüsch über mir? Erriechen kann ich es nicht. Na gut, man muß ja in seinem kleinen irdischen Leben nicht alle Welträtsel entschlüsseln. Vielleicht sollte ich diese Substanz – bevor sie in die Haut eingezogen oder getrocknet ist, einfach abwaschen und das Ganze vergessen? Schon finde ich die geheimnisvollen Tropfen gar nicht mehr auf meinem Unterarm. Aber wer weiß, was das Zeug für Substanzen enthält! Bis jetzt spüre ich nichts. Einige Insekten führen nun zu meinen Füßen einen hektischen, irren Tanz auf. Vielleicht sollte ich doch ins Wasser gehen, um mich abzukühlen. Außerdem bin ich schon hungrig.
13:29. Es ist wieder heiß und ziemlich windstill. Der Rauch des Rauchers zieht jetzt nicht in meine Richtung (lange Bank). Die Weide am Ufer und die Pappeln dort sind unglaublich hoch. Und andere Bäume auch. Die Wiese ist heute vom nächtlichen Regen grüner. So schnell geht das. Mit der Windstille ist es jetzt vorbei (er glaubt wirklich, er muß das um der Wahrhaftigkeit willen herschreiben – der innere Spötter). Ich bin satt und träge. Träge und faul und in müder Erwartung wie das trockene Moos auf dem Eternitdach des hölzernen Kabinenhauses (Oida! Deine Vergleiche! Gehen in ihrer Schiefheit auf keine Kuhhaut! - der innere Spötter). Plötzlich wirkt dieses durch und durch braune Kabinenhaus wie ein Fremdkörper, der nur mit seinem Stromkabel am Giebel am gemauerten Buffetgebäude hängt und im Bild gehalten wird.
14:11. Ich schleppe mich auf die lange Bank (er übertreibt; er hat sich gerade in der kühlen Sulm erfrischt – der innere Spötter). Allmählich füllt sich die Badeanstalt (ob er jemals wieder einfach dasitzen und schauen kann, ohne ständig zu formulieren und zu schreiben? - der innere Spötter). Die Biker starten ihre Maschinen und drehen das Gas rauf und runter (brumm! brumm! - der innere Spötter). (Endlich verspottet er einmal nicht mich! - der Autor.) Okay! Vielleicht sollte ich doch nicht so viel schreiben; meine Frau kommt mit dem Lesen nicht mehr nach! Und sonst dürfte ich auch nur noch eine regelmäßige Leserin (das -in vermutlich) haben, die aber auch längst nicht mehr alles schafft.
(19.7.2026)
©Peter Alois Rumpf Juli 2026 peteraloisrumpf@gmail.com