Donnerstag, 23. Juli 2026

4556 Yogamatten

 



16:57.  Sommernachmittag. Das Flugzeug oben und die Rasenmäher unten klingen schon fast elegisch, oder als wäre ihnen fad. Ich bin wieder am Tempel heroben. Der Aschenbecher neben der Sitzbank stinkt mit seinem verbrannten Inhalt, aber das vertreibt mich nicht. Die rot-weißen Absperrbänder zur archäologischen Grabung zittern im Wind. Schöne Wolken, sehr schöne Wolken, wie im Bilderbuch, nur echter; sie stören nicht den blauen Sommerhimmel. Und erst der Blick über die Ebenen Richtung Osten! Eine Weite, die mir fast im Herzen weh tut. Ich sehe eine Elster ins Gebüsch am Südhang fliegen. Blauer Schatten hat sich auf die weiße Notizbuchseiten gelegt. Diese lockere Reihe weißer Wolken zieht so getragen und majestätisch den Horizont entlang, langsam wie eine edle Karawane. Dieses schon ins Abendliche gleitende Sonnenlicht auf den Bäumen und Mauern und Wiesen; man ahnt, dass die heimlichen Versprechen des Tages nicht mehr eingelöst werden. Was für eine Unmittelbarkeit! Eine Frau ist jetzt auf den Frauenberg herauf gekommen, mit Yogamatte und Kerze; sie wird hier wohl üben. Sie legt die Karten. Das hier ist sicherlich ein sehr geeigneter Ort dafür. Der Wind wird stärker. Die Absperrbänder flattern laut. Die Frau hat mit ihren Übungen begonnen. Ich schaue zur Seite, dann doch wieder hin auf die Frau, die sich zirka zehn Meter direkt vor mir befindet. Ich will sie nicht irritieren, aber weggehen will ich auch nicht. Ich betrachte links die rostigen Eisengestelle für das Sieb der archäologischen Erdarbeit. Auch ich nehme eine meditative Haltung im Sitzen ein und schließe die Augen. Ich bemerke wieder stark den Geruch der Asche und der Zigarettenstummel im Aschenbecher bei der Bank. Jetzt kommt ein Mann mit Yogamatte. Die beiden kennen sich. Jetzt reden sie. Eine Schwalbe fliegt von links vorne nach rechts hinten; eine Taube von rechts hinten nach links vorne. Jetzt kommen viele Schwalben. Noch eine Frau mit Yogamatte und Kind kommt. Der Bub fährt dann mit seinem Rad wieder weg. Eine Nebelkrähe. Die Yogaleute reden immer noch. Langsam fühle ich mich genötigt, zu gehen. Die schier endlose Wolkenkarawane zieht immer noch am Horizont dahin. Ja gut, ich gehe. Ich habe das Gefühl, ich störe sie. Unauffällig verneige ich mich in ihre Richtung mit gefalteten Händen und leisem „namaste!“


(22.7.2027)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4555 Sturm und Lourdes

 



11:28 a.m.  Sturm (Graz – der innere Korrektor) hat gestern großartig gewonnen und heute, beim Abstieg vom Seggauberg nach Leibnitz/Lipnica hinunter ist mir ein Reh über den Weg gehüpft: so schnell, so ruhig, so gekonnt und unglaublich elegant. Ich sitze wieder im Rosegger (Café … – der innere Korrektor). (Vielleicht hilft dir heute der lokal-literarische Namenspatron beim Schreiben – der innere Spötter.) Nein, ich bleibe verdächtig einfallslos. Auf meinem Konto ist endlich Geld eingelangt, was mein Selbstbewußtsein gleich bis zur Arroganz hebt (also fast schon zur Selbst-Bewußtlosigkeit wird – der innere Spötter). Mit dieser späten, ungeordneten und uninspirierten Morgenplauderei bin ich bereits am Ende meines Schreibelans. Ich versuche es noch mit irgendetwas über die Boxenmusik oder mein Hinstieren aufs Weinregal, aber daraus entsteht nichts. Ich bedanke mich beim Kellner überschwänglich für die Köstlichkeit der Rhabarber-Basilikum-Limonade und bitte ihn, mein Lob der Küche weiterzuleiten. Ich beobachte die anderen Gäste, aber daraus wird auch nichts Schreibwürdiges (es gibt ja auch einen inneren Zensor – der innere Zensor). Ich gebe für den Moment meine Schreibversuche auf, aber was mache ich jetzt?


12:35.  Am Rückweg ins Quartier bin ich wieder beim Kapuzinerkloster eingekehrt und sitze in der Lourdeskapelle (Das Lied von Bernadette von Franz Werfel liebe ich!). Weil ich jetzt wieder Geld habe, habe ich für die drei Kerzen ordentlich bezahlt und mich zum Beten sogar auf den Betstuhl gekniet – was nicht ganz schmerzfrei abgegangen ist – und ich stelle fest, dass ich eine große Sehnsucht nach (religiöser) Hingabe habe – was immer das heißt, aus welcher psychologischen Situation auch immer das kommt. Was mich schon etwas wundert, denn ich bin auf dieser Ebene ein aufgeklärter Zyniker. Ich mißtraue diesen „religiösen“ Impulsen und ich glaube zu recht. Nichtsdestotrotz genieße ich das Knien und Beten, obwohl ich es mir nicht abnehmen kann, aber anscheinend spiele ich es gern. Das Katholische – in dem ich vom Familiären her nicht aufgewachsen bin – muß mich in meiner Kindheit viel mehr beeindruckt haben, als mir bewußt ist (und es ist mir bewußt). Ich möchte noch festhalten, dass meine Religionskritik in Wirklichkeit, wenn ich richtig loslege, viel tiefer geht als die der aufgeklärten Rationalisten (das will ich jetzt nicht ausführen; dafür gibt es genug Beispiele und Belege hier auf der Schublade). Mein düdelndes Handy lenkt mich ab und bricht den Bann. Ich gehe jetzt (wobei sich die Frage erhebt, was der ärgere Bann ist: Lourdes oder Handy – der innere Spötter).


(22.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4554 Das Prasseln des Regens

 



16:31.  Wenn es von Flugzeugen und Verkehrslärm nicht so laut wäre, würde ich das schöne Prasseln des leichten Regens auf das Stadeldach hören. So bleibt nur das schlurfende Geräusch von Autoreifen auf nassem Asphalt und das Anschauen der herumziehenden Wolken, des erfrischten Grüns, der Regentropfen, die vom Dach in die Dachrinne rinnen, und des fallenden Regens itself. Eine Lücke im Verkehrslärm! Jetzt höre ich den Regen! Das Vergnügen hält nur den Bruchteil einer Sekunde, denn ehe das letzte Auto ganz verklungen ist, taucht schon das nächste auf. Überhaupt: Auto und verklungen: diese Kombination ist viel zu beschönigend! Ich blicke zwischen die Weinblätter so gut es geht in die Landschaft hinaus, zu der auch der graue Himmel und die Nebelschwaden gehören. Ich kann wirklich kein Prasseln und kein Gluckern hören. Dafür krähte weit weg ein Hahn, bevor ihn ein Motorrad übertönt hat. Jetzt, jetzt kann ich den leichten Regen hören und sogar einen Vogel; es ist schon wieder vorbei. Ich bin dafür, dass der Benzinpreis ums Zehnfache steigt und die Autofahrer alle Folgekosten ihres Treibens selbst tragen müssen. Jetzt, jetzt, das Tropfen auf den Weinblättern! Schon vorbei, nicht mehr zu hören. Der aufkommende Wind läßt kurz die Blätter rascheln, dann ist auch das wieder übertönt. Ein Flugzeug. Der Lärm hört einfach nicht auf. Nie. Der Regen wird stärker, jetzt kann ich ihn hören, aber der nächste Heuler ist schon da. Und gleich mehrere hinten nach. Ich gebe es auf, dem Regen lauschen zu wollen.


(21.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 21. Juli 2026

4553 Odysseus – Rosegger - Davis

 



11:59 a.m.  Soll ich richtig frech sein und meinen Kaffeehauskonsum mit der Karte meiner Frau bezahlen, obwohl ich sie wie auch meine Tochter dazu überredet habe, sich zu mir ins Café zu setzen und Kaffee zu trinken? Wäre fast eine Finte odysseusischen Ausmaßes (wir hatten an Hand eines Artikel im Standard über die Verfilmung der Odyssee diskutiert). Ich überlege noch und versuche die zu erwartenden Folgen abzuwägen (meine Psychotherapieteilrückvergütung ist noch nicht auf meinem Konto. Oder ist deren bewilligter Zeitabschnitt schon wieder abgelaufen? Was mache ich dann?! Zu diesem verbalaggressiven Psychiater gehe ich sicher nicht mehr, um eine Verlängerung der Teilrückvergütung zu beantragen!). So sitze ich also im Café Rosegger herinnen – während fast alle anderen Gäste den Gastgarten draußen am Hauptplatz bevorzugen – und schaue auf die Wand mit den Weinregalen und lasse mich von der Endorphinmusik aus den Boxen berieseln. Schritte habe ich heute erst 3.034 auf meinem Schrittkonto. Was tun? Nun, ich bleibe sitzen. Eine Soft-Porno-Variante von No Woman No Cry tönt jetzt aus den Boxen (man verzeihe mir meine Wortwahl, die meinem Intellekt unzutreffend und blöd vorkommt, aber meiner Assoziationslogik passend. Meine Assoziationen können nicht irren! Das Unbewußte ist heilig!). (Diese Behauptung ist freilich unhaltbar! - der innere Kritiker.) (Kümmere dich lieber darum, wie wir das mit dem Mittagessen machen! Und das ständige Platzieren von Sätzen in Klammern ist auch kindisch! - der innere Spötter.) Gut, ich werde jetzt zum Quartier den Seggauberg hinaufsteigen. (Sowie es ausschaut, verhilft dir der Name Rosegger literartechnisch überhaupt nicht zu einem besseren Text! - der innere Spötter.) Was! Ist das jetzt ein Miles Davis aus den Boxen!?! Eine von den „gefälligeren“ Nummern? Das Trompetenspiel klingt so, aber die Nummer kenne ich nicht. Ist das ein Omen, dass ich in der Welt nicht völlig verloren bin und hier auf Erden doch noch eine Funktion als Zeuge habe? (Fragt sich nur: als Zeuge wofür – der innere Spötter.) Die Begleitmusik klingt mir auch gekonnt und raffiniert genug für ein Miles-Davis-Stück. Ja, ich bin mir ziemlich sicher: Miles Davis. Danke, Universum, danke! Ich zahle und gehe los. (Zahlen mit Karte war hier gar nicht möglich – der Tipper.)


(21.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4552 Tempelschlaf

 



16:01.  Als ich unten vorm Haus auf dem bequemen Stuhl saß, dachte ich noch Lazy Monday Afternoon, aber jetzt, heroben am Frauenberg, fühle ich mich verpflichtet, zu schreiben (Arbeit sozusagen). Darum sitze ich am Plateau auf der Bank, der Blick geht Richtung Museum, Kirche, Friedhof; die Sicht auf den Kirchturm ist allerdings von einem großen Apfelbaum verstellt. Die freundliche Museumskustodin hat soeben ihr Museum abgesperrt und mir einen schönen Nachmittag gewünscht. Ich habe ihren Gruß erwidert (wow! - der innere Spötter). Ein angenehmer Wind geht, so stark, dass der steirische Panther auf der Museumsfahne nur so ruckelt und zuckelt. Der typische, schöne, badefreie Sommernachmittag ist das! Aber ich habe erst 8.421 Schritte! Ich muß noch auf 10.000 kommen! Der steirische Panther krallt sich ängstlich an den Fahnenstoff und klammert sich fest, damit ihn der Wind nicht davonweht. Ein hoch fliegendes Flugzeug will ihn mit seinem Brummen beruhigen, aber die Turmuhr schreckt ihn mit ihrem Viertelschlag wieder auf. Der Verkehrslärm ist deutlich, aber entfernt und unten; man muß sich nicht betroffen fühlen. Baustellen gibt es irgendwo da unten auch, aber so weit entfernt, dass sie mich nicht tangieren. Vielleicht klopft der eine seinen Betonmischer aus. Etwas Weißes schwebt durch die Luft und landet in der Wiese vor der niederen Tempelmauer. Der stärker gewordene Wind weht meine kurz auf der Bank abgelegte Brille ein paar Zentimeter Richtung Absturz. Ach! Das Gurren schläfriger Hühner, so ein friedliches Geräusch! Der Wind legt weiter zu und pfeift und heult sogar ein wenig. Ich hätte Lust, mich in die Wiese zu legen und zu schlafen. Tempelschlaf gilt ja als inspirierend. Stattdessen beschließe ich, hier heroben umherzugehen, nur im engeren Tempelareal. Der Wind rauscht schon unheimlich in der riesigen Eiche in der südwestlichen Ecke.


(20.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Sonntag, 19. Juli 2026

4551 Elfuhrfünfundfünfzig

 



11:55 a.m.  Den Zigarettenrauch weht es bis hierher an die lange Bank. Ich huste. Die Sulm rauscht, insoferne sie bei der Steinernen Wehr abrinnt. Meine Augen brennen von Sonnencreme und Sonnenlicht. Ich bin jetzt im Schatten. High Noon (Sommerzeit, also nicht der Zenit des Tages). Ich klicke den Pilotstift auf Standby und versuche, mit dem nun länger aus dem Kugelschreiberschaft herausragenden Klicker in meinem Ohr Ohrenschmalz zu erstierlen. Kein nennenswerter Ertrag (Gottseidank; denn das heißt, ich habe heute Morgen die Ohren eh gründlich geputzt). Zwei kleine weiße Tröpfchen landen urplötzlich auf meinem rechten Unterarm. Hat irgendwer in der Nähe unvorsichtig mit einem Sonnencremesprayer hantiert? Oder war es doch so ein Dinosauriernachfahre aus dem Gebüsch über mir? Erriechen kann ich es nicht. Na gut, man muß ja in seinem kleinen irdischen Leben nicht alle Welträtsel entschlüsseln. Vielleicht sollte ich diese Substanz – bevor sie in die Haut eingezogen oder getrocknet ist, einfach abwaschen und das Ganze vergessen? Schon finde ich die geheimnisvollen Tropfen gar nicht mehr auf meinem Unterarm. Aber wer weiß, was das Zeug für Substanzen enthält! Bis jetzt spüre ich nichts. Einige Insekten führen nun zu meinen Füßen einen hektischen, irren Tanz auf. Vielleicht sollte ich doch ins Wasser gehen, um mich abzukühlen. Außerdem bin ich schon hungrig.


13:29.  Es ist wieder heiß und ziemlich windstill. Der Rauch des Rauchers zieht jetzt nicht in meine Richtung (lange Bank). Die Weide am Ufer und die Pappeln dort sind unglaublich hoch. Und andere Bäume auch. Die Wiese ist heute vom nächtlichen Regen grüner. So schnell geht das. Mit der Windstille ist es jetzt vorbei (er glaubt wirklich, er muß das um der Wahrhaftigkeit willen herschreiben – der innere Spötter). Ich bin satt und träge. Träge und faul und in müder Erwartung wie das trockene Moos auf dem Eternitdach des hölzernen Kabinenhauses (Oida! Deine Vergleiche! Gehen in ihrer Schiefheit auf keine Kuhhaut! - der innere Spötter). Plötzlich wirkt dieses durch und durch braune Kabinenhaus wie ein Fremdkörper, der nur mit seinem Stromkabel am Giebel am gemauerten Buffetgebäude hängt und im Bild gehalten wird.


14:11.  Ich schleppe mich auf die lange Bank (er übertreibt; er hat sich gerade in der kühlen Sulm erfrischt – der innere Spötter). Allmählich füllt sich die Badeanstalt (ob er jemals wieder einfach dasitzen und schauen kann, ohne ständig zu formulieren und zu schreiben? - der innere Spötter). Die Biker starten ihre Maschinen und drehen das Gas rauf und runter (brumm! brumm! - der innere Spötter). (Endlich verspottet er einmal nicht mich! - der Autor.) Okay! Vielleicht sollte ich doch nicht so viel schreiben; meine Frau kommt mit dem Lesen nicht mehr nach! Und sonst dürfte ich auch nur noch eine regelmäßige Leserin (das -in vermutlich) haben, die aber auch längst nicht mehr alles schafft.


(19.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Samstag, 18. Juli 2026

4550 In der Lourdesgrotte

 



10:37 a.m.  Jetzt sitze ich in der Kirche des Leibnitzer Kapuzinerklosters (einen Cappuccino habe ich schon intus) und zwar in der Lourdesgrottenkapelle. Und es gefällt mir hier. Das halbrunde Deckengewölbe – dem Querschnitt nach; der längliche Kapellenraum erstreckt sich so gute zehn oder fünfzehn Meter. Und an der Stirnwand die Nische mit der Heiligen Maria ohne Kind, umgeben vom typischen Grottendesign à la Tropfsteinhöhle (ich verkneife mir den Spott, was da und warum es tropft – vielleicht erkläre ich es an anderer Stelle; heute will ich nicht arrogant sein), zwei Engel wachsen aus den Seitenwänden heraus und flattern vergeblich auf die Verehrte zu (im Katholischen wird Maria verehrt, nicht wie eine Göttin angebetet – offiziell). Rechts in einer kleinen Nische der heilige Antonius von Padua mit Kind, und links der heilige Judas Thaddäus, der in Notfällen anzurufen ist. Zwei Beichtstühle, je einer links und rechts. Ein Betstuhl zum Knien in gehörigem Abstand vom Marienaltar. Und viele brennende Kerzen am Gestell davor – der Ort wird offensichtlich gern aufgesucht. (Draußen beginnt es zu tröpfeln – der Tipper.)

Auch hier ist meine „Andacht“ von ständigem Autolärm begleitet – und zwar von außen und von innen – siehe die Anmerkung oben (er meint es so: gestört vom inneren Ego, weil griechisch αύτόϛ/autos selbst heißt. Er kann’s nicht lassen, anzugeben zu versuchen! – der innere Spötter).

Es kommen wirklich ständig BeterInnen herein, was mir gefällt. Was mir auch gefällt: der Preis für eine „Opferkerze“ – das ist ein schwerfälliger, schwermütiger, zu schwerer Begriff für das Licht, das man für sein Anliegen oder nur so, um die lokalen „Götter“ zu würdigen, vor einem Heiligenbild zum Beispiel anzündet – der Preis also ist nicht wie in allen anderen Kirchen vorgegeben, sondern es wird um eine freiwillige Spende gebeten. Also könnte zur Not einer ohne Geld trotzdem eine Kerze zur Unterstützung seines Anliegens bei den Himmelskräften anzünden. Franziskanische Demut hald (sic!).

Irgendwie lustig: links und rechts vom Altar sind Nischen, zu und in denen das Grottendesign vom Lourdesaltar weitergeführt ist. In der rechten Nische befindet sich ein Fenster; in der linken – etwas versteckt, aber offen und letztlich einsichtig – die Besenkammer mit Gießkanne für die vielen Blumenstöcke am Altar.

Den Hauptaltar lasse ich heute aus; offensichtlich dem heiligen Andreas geweiht (und dem Heiligen Kreuz – wie ich recherchiert habe – der Tipper). Ich werde gleich gehen und den steilen Weg hinauf in unser Quartier steigen, den Standard und den Falter nach Hause zu bringen. Das Stadtcafé, wo ich zuerst schreiben wollte, hatte mich irgendwie nervös gemacht. Die Einheimischen schreien immer so, wenn sie reden.

In der Nachbarkapelle der von Lourdes – ich bin immer noch in der Kirche - befindet sich zu meinem Erstaunen in einer Ecke ein großer Bildschirm an der Wand – ich tät’ sagen: ein Fernseher. Was genaues weiß man nicht.

Bei meiner Kniebeuge vorm Verlassen der Kirche knackst vor allem mein linkes Knie ordentlich (welcher Orden? Franziskanisch? - der innere Spötter), aber ich habe mich eh mit Weihwasser bekreuzigt.

Bevor ich die Kirche tatsächlich verlasse, fällt mein Blick noch auf ein Bild über dem Broschürenkasten: der Tod des heiligen Franziskus, tät’ ich sagen; die Brüder umstehen ihn, der schon am Rücken liegt, und manche weinen. Die Engel aber, die die Seele des Sterbenden in Empfang nehmen wollen, mit ihren hellblau-esoterischen Flügeln, die schauen von Gesicht, Frisur und ihren flatternden Haaren und ihrer halbnackten Erscheinung her wie sehr irdische Weiber aus; nicht wie Gestalten einer anderen Welt.


(18.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com