4392 Basteln
7:49 a.m. Ich wache mit und in so viel Grauen auf, dass ich mich nicht rühren mag. Das wird aus den verstörenden Träumen kommen, aber auch der neue Tag vor mir kommt nicht mit Freude und Neugier, sondern verhangen und von Sorgen belastet. Auch vor ihm graut mir. Und ich weiß nicht, was ich mit seinen Möglichkeiten anfangen kann. Ich schaffe es dann schon noch heraus aus meiner Lähmung – ich bin noch immer aufgestanden – aber Kraft und Zuversicht schauen anders aus. So blicke ich verloren und mit verschwommenem, unzentrierten Blick auf mein Bücherregal (das ich auch aufgeben und leeren müssen werde), höre dem Knacken der anspringenden Heizung zu und weiß nicht, wozu ich in der Welt bin. Sicher, es ist genug eingeübte Routine da - zum Beispiel werde ich bald zum Frühstück hinuntergehen – sodass ich den Tag irgendwie hinbringe (wobei ich ich nicht nur das Papier, auf dem ich schreibe, quälen werde).
8:38 a.m. Ich bin hinunter gegangen. Ich habe gefrühstückt. Ich habe den Geschirrspüler eingeräumt und in Betrieb gesetzt. Genug Weltumgang, um ein kleines Gleichgewicht herzustellen. So habe ich mich zum Lesen wieder ins Bett gelegt.
11:00 a.m. Ich liege immer noch im Bett. Ich habe keine Lust, irgendwo hinaus zu gehen. Ich wüßte nicht wofür. Das Buch habe ich schon vor einer Viertelstunde weggelegt und dann die Augen geschlossen. Was ich zu sehen bekommen habe war eine gewölbte Fläche aus hauptsächlich roten und braunen Flecken, die sich später in blaue und braune verwandelt haben. Eine interessante, unbekannte, erstaunlich bunte Schicht der Wirklichkeitszwiebel, die noch öfters vor allem die Farbe, weniger die Struktur geändert hat, ohne dass ich mir das alles merken konnte. Beinahe wäre ich wieder eingeschlafen, aber der Harndrang wird mich jetzt endgültig aus dem Bett und ins Bad treiben und irgendwie werde ich mir einen Tag aus den Trümmern meines Lebens basteln müssen.
Wenn ich sage, ich mag nicht mehr kämpfen, heißt das nicht, dass ich aufgegeben habe. Ich halte immer noch schüchtern Ausschau nach seelischer Heilung (… aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.). Ich will nur nicht daran zerbrechen, wenn es nicht gelingt.
(17.3.2026)
©Peter Alois Rumpf März 2026 peteraloisrumpf@gmail.com