Freitag, 20. Februar 2026

4370 Der Tag danach

 



16:32.  Und? Wie ist der nächste Tag? Wie fühlt es sich an? Erstaunlich ruhig, fast friedlich. Meine Körperfunktionen funktionieren: ich bekomme Hunger, kann essen, muß aufs Klo, kann schlafen. Aber ein wenig taub. Ein wenig taub fühlt sich alles an, als hätte ich zu allem eine Distanz. Ich kann reden, sogar plaudern, aber es fühlt sich an, als würde ich lügen, oder zumindest bloß zum Schein mitmachen. Als käme alles bei mir nicht ganz an. Ein gewisser Reaktionsautomatismus, der fast ohne mich abläuft.

Ich fühle mich wie ein Hund, der in seinen Hundekäfig zurückgepfiffen wurde. Zu seinen Hundekäfigträumen. Es war gestern schon eine Konfrontation mit der festen Realität, und ich empfinde es schon so, dass ich Flausen im Kopf hatte: ein völlig unrealistisches Bild von der Welt und vor allem: von mir. Mit eingezogenen Schwanz zurück in den Käfig. Sitz! Couch! Mir ekelt immer noch vor mir selbst, aber – wie schon gesagt – essen, scheißen, schlafen kann ich; ich war heute sogar brav im Fitnesstudio; ist auch erstaunlich gut gegangen; mußte nicht vor Erschöpfung abbrechen wie beim letzten Mal. Ich schüttle über mich selber den Kopf. Wie kann man nur so daneben sein? Verstehen kann ich es nicht. Nein, verstehen kann ich es nicht.


(20.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 19. Februar 2026

4369 Beim Psychiater

 



10:45 a.m.  Ich sitze nach dem unsäglichen Psychiatertermin in meinem Lieblingscafé – das wollte ich mir spontan gönnen, um mir etwas Gutes zu tun – meine Nase rinnt, genauer: tröpfelt - ich sitze also zum ersten Mal beim schönen Holzofen, neben einem alten Photo eines tätowierten katholischen oder eher anglikanischen Priesters mit von einem von ehemaligem Schmuck vergrößerten Ohrenläppchen – vermutlich ein Maori – in seiner Soutane.

Als ich vor diesem Termin mit dem Psychiater etwas zu früh angereist in den Straßen der Umgebung herumgetanzt bin, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, tauchte über mir plötzlich ein Schwarm schreiender Krähen auf, aus dem dann die eine mit versehrtem, wie zerrissenem Flügel umgedreht ist und von ihrer Gesellschaft weg flog. Ich sitze hier unter einer Box und auch das Gerede hier in dem hinteren Raum des Lokals ist sehr laut.

Was den Termin mit dem Psychiater betrifft: meine Vorbereitungen und Überlegungen haben mir überhaupt nichts geholfen. Allein schon seine stattliche Erscheinung, einen Kopf größer – ich hatte sein Aussehen nicht mehr in Erinnerung – hat mich sofort eingeschüchtert und alle Vorsätze und zurechtgelegten Strategien waren weggeblasen und vergessen. Sein maskenhaftes, strenges, feindseliges, unerbittliches Gesicht hat ganze Arbeit geleistet. Der neutrale, über allem stehende, natürlich gaaanz objektive, naturwissenschaftliche Begutachter, der sich in Wirklichkeit zum Büttel der fehlgeleiteten Politik der kranken Gesundheitskasse gemacht hat.

Das passiert mir immer so. Solche Kämpfe kann ich nicht gewinnen. Er hat überhaupt nichts aufkommen lassen, mich gleich mit seinen Fragen bedrängt, ja bloßgestellt, es war sofort klar, dass ich zu nichts berechtigt bin und mir höchstens Gnade gewährt wird. Gleich einmal die Frage, wann ich zum Psychiater gehe und mir Psychopharmaka verschreiben lasse. Nicht ob, warum eher nicht oder so etwas, sondern sogleich die unabwendbare Forderung und als Vorwurf. Ich bin mir wie vor einem Inquisitionstribunal vorgekommen. Ich hatte keine Chance, meine Bedenken bezüglich staatlich unterstützter Drogensucht anzubringen. Ich hatte keine Chance, aber nutzte sie (Achternbusch; die Atlantikschwimmer) und so bekomme ich jetzt bis August doch eine Teilrückvergütung. Aber ich fühle mich arschgefickt und es graut mir vor mir selber. Ich kann nur zu Boden schauen. Ich esse jetzt im Lokal, um irgendwie dagegenzusteuern, sogar das zum Kaffee gereichte Schnittenstück, aber ehrlich, die extreme Süße ist grauslich und ich empfinde den Geschmack im Mund als ziemlich unangenehm; vielleicht helfen wenigstens die Kalorien. Ich hole mir eine Zeitung; Ablenkung ist angesagt. Ablenkung um jeden Preis.

Ich komme auch in der Reflexion gegen diesen Typen nicht an. Er hat meinen Antrag auf Teilrückvergütung zu einem Machtkampf gemacht, wo die reale Verteilung der institutionellen Macht mir keine Chance gelassen hat (Heinrich Gross en miniature); nichts von einer grundsätzlich wohlwollenden Überprüfung des Anliegens, ein reiner Unterwerfungsakt. Selbst die Gewährung der Teilrückvergütung ist mit einer Art Drohung versehen: dass ich nicht glaube, dass das so weitergeht. Ich bin voll ins Schuldgefühl hinein getreten worden, dass ich eine ungerechtfertigte Förderung ergattert habe. Ich nehme mir wieder vor, das niemals mehr zu beantragen. Ich werde mich niemals mehr überreden lassen, noch einmal dort hinzugehen.


13:16. Ehrlich gesagt, bin ich richtig enttäuscht von mir: ich hoffte doch immer wieder, dass es einmal reicht und ich zurückschlage; aber nein, ich kann mich nicht und nicht derwehren. Warum lasse ich mir das gefallen und schlage nicht zurück? Wie viel Demütigungen braucht es noch, bis das Fass überläuft und ich aggressiv werde? Ich kann mir das nicht verzeihen, dass ich mitgemacht und nun wieder wie arschgefickt herumlaufe und meine Trümmer zusammenklaube so nach dem Motto: mehr steht dir nicht zu und du bezahlst dafür mit Unterwerfung. Vielleicht war es das, was mir die Krähe mit dem verletzten, gespaltenem Flügel zeigen wollte: du hast in dieser Gesellschaft nichts zu melden und nichts verloren. Geh weg! Dreh um und geh gar nicht hin! Geh weg! Aus Selbstschutz. Mehr steht dir wirklich nicht zu.


14:23. Ich mach hald (sic!) alles, was ich nach solchen Erlebnissen seit meiner Jugend mache: ich höre meine Musik, lenke mich irgendwie ab und versuche, meine Fassungslosigkeit zu fassen. Ich tue irgendwie herum, bis ich das Ganze geschluckt, mich an meine Niederlage gewöhnt habe und mich auch nur halbwegs auszuhalten fähig bin und mein Selbstbild korrigiert und zurückgeschraubt habe. Gleichzeitig komme ich mir extrem größenwahnsinnig vor, weil ich mir eine andere, anständige Behandlung durchzusetzen oder auch nur klar artikuliert einfordern zu können erwartet hatte. Werch ein illtum! Ich kann nur an mir und meinem Selbstbild Abstriche machen und meine Wertlosigkeit zur Kenntnis nehmen und irgendwie, irgendwie aushalten. Trotz Schuldgefühle und Scham.


(19.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 18. Februar 2026

4368 Schwerer Gang

 



11:00 a.m.  Nach dem Aufwachen, als mir die diversen Arzttermine eingefallen sind, speziell der Psychiatertermin morgen, hat mich wieder eine grauenhafte Angst gepackt, wo ich nicht wußte, wie ich der auskommen könnte. Meine Tricks, wie sich gestreckt auf den Rücken legen; tief einatmen usw. hatte ich komplett vergessen. Ich war dieser Angst völlig ausgeliefert. Es war ein stundenlanger Kampf, bis es mir endlich gelang, die Bettdecke zurückzuschlagen und aufzustehen. Die Angst ist immer noch da, aber ich bin nicht mehr so gelähmt und kann mich bewegen. Was für eine Panik! Ich glaube, dass ich keine Niederlagen und Demütigungen mehr ertragen kann, dass meine Fähigkeit, das auszuhalten, erschöpft ist und denke dann nur mehr daran, wie ich von dieser Welt, die mich heillos überfordert, verschwinden kann, und muß alle meine geistigen Kräfte aufwenden, um das in meinem Inneren zurechtzurücken.

Mir ist immer noch ein wenig schlecht vor Angst, mein Unterkiefer zittert, ich habe mich gezwungen, ein Frühstück hinunter zu würgen, weil ein voller Magen die Angst dämpfen sollte. Der heutige Arzttermin mag unangenehm sein (Urologe), aber harmlos, aber morgen der Psychiatertermin bedroht mein letztes, fragiles Gleichgewicht. Nur weil ich einen teilweisen Kostenersatz für meine Psychotherapie beantragen will, muß ich mich dem aussetzen und dem arroganten Psychiater – das sage ich aus den Erfahrungen der letzten Begegnungen – im ungeschützten Raum meine Psyche präsentieren, auf dass er, weil er für die kranke Gesundheitskasse solche Anträge abwimmeln soll, süffisant und zynisch darauf herumtrampeln kann. Wir Menschen sind zerbrechliche Wesen und ich wäre vor Jahrzehnten beinahe daran gestorben, dass mein fragiles „Ich“ zertreten wurde. Lebensangst. Todesangst. Für heute bin ich über den Berg – so hoffe ich – aber wie wird es morgen sein? Ein Gang wie zur seelischen Hinrichtung.


(18.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 17. Februar 2026

4367 Der innere Spötter

 



11:06 a.m.  Nach dem Aufwachen ist plötzlich wie aus dem Nichts eine Wahnsinnsangst eingefahren, die in mir einen Abgrund aufgerissen hat, in den ich in freiem Fall stürzte, was ich körperlich als Ruck und als realen Schock in meiner Leibesmitte spürte, aber jetzt, hier im Lieblingscafé, gleich einmal schöne Musik, mein Stammplatz ist frei und der Cappuccino steht schon auf dem Tisch.


11:56 a.m.  Es ist nicht nötig, dass ich beim „Lichtengel“ Schutz suche – ich bin hart im Nehmen (hihhi – der innere Spötter) – aber hinschauen kann ich ja trotzdem (mein Gott! Übertreibt er wieder! „Schutz suchen“, so ein Blödsinn! - der innere Spötter). Heute bereichern zwei Babys mit ihrer Anwesenheit die Stimmung hier im Lokal; ihr staunendes Umherschauen ist so berührend; sie sehen noch die Wunder rundherum.


12.26.  Es geht nicht viel weiter mit meiner Arbeit (hihihi – der innere Spötter); einiges ist ins Stocken geraten (nur weil ihm nichts einfällt, versucht er mit Weltschmerzpathos zu punkten und produziert doch nur windiges Psycho-Bahöö – der innere Spötter).

Ist er nicht gut, mein innerer Spötter!? Die Musik (unter anderem) aus meiner Jugend (Crosby, Stills, Nash & Young; The Doors … - vielleicht Coverversionen. Weil die, wenn sie doch original sind, vermutlich remixt sind, erkenne ich sie nicht mit Sicherheit als die alten Versionen. Mein nachlassendes Gedächtnis spielt auch eine Rolle). Ich sehe hier drei – drei! - Personen, die händisch in ein Notizbuch mit dem Lesezeichenbändchen auf das Kaffehaustischchen ausgelegt schreiben. Bäume und Gesträuch draußen sind ziemlich völlig kahl (Oida! - der innere Spötter); ich bilde mir ein, das war beim letzten Besuch noch nicht so (jetzt muß er noch hinschreiben, dass er sich dessen natürlich nicht ganz sicher ist – der innere Spötter), aber genau kann ich mich nicht erinnern. Die Platane trägt noch etwas vertrocknetes Laub, und dass sie als laubabwerfende bis halbimmergrüne Art nicht so schnell und nicht so gern abwirft, könnte tatsächlich der Fall sein (ja, ja, die Welt ist alles, was der Fall ist – der innere Spötter). Ein ordentlicher Schluck Wasser. Die Bändchen-Notizbuch-Schreiberin drüben an der Wand dreht sich versonnen auf ihrem Barhocker mit drehbarer Sitzfläche hin und her. Der Notizbuchschreiber links von mir ist inzwischen auf elektronisches Schreibzeug umgestiegen. Macht nichts! (Er verkneift es sich, nix zu schreiben – der innere Spötter.) Mein Geist dreht sich von Halbgedanken zu Halbgedanken, aber nur im Kreis; er kommt nirgends an.
Es kommen viele Leute herein – ich sollte doch gehen.


(17.2.2026)


©Peter Alois Rumpf    Februar 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 16. Februar 2026

4366 Schneeflocken

 



13:07.  Beim Anmarsch über die Roßauerbrücke habe ich seit längerem wieder mein Vier-Elemente-Ritual in seiner Langform ausgeführt und dann den schönen, dichten Schneeflocken (nicht zu fett, nicht zu mager) zugeschaut, wie sie in einem schönen, wirbelnden Lebenstanz massenweise und ständig in den Donaukanal fallen und sich auflösen. Gut, man kann natürlich sagen: sie kehren in ihren Ursprung zurück; sie schweben dorthin, wo sie hergekommen sind (aber kann man sagen, was ihr eigentlicher Zustand ist? Der als in der Masse aufgelöster und mit den anderen verbundener Wassertropfen oder der als Schneeflocke? - der innere Spötter). (Man könnte jedoch auch behaupten, dass der Schneeflockenzustand der individuellste ist, wo sozusagen die jeweilige Persönlichkeit am deutlichsten entfaltet und ausgestaltet ist, oder? - der innere Schmähführer.) Jetzt jedenfalls sitze ich im Weltcafé und bereite mich mit Kaffee auf meine Psychotherapiestunde vor und versuche, mich vom Gerede ein paar Tische weiter nicht ablenken und triggern zu lassen. Genau weiß ich noch nicht, was mich tendenziell aufregt; vielleicht dieser intellektuelle, leidenschaftslose, lebensschwächelnde Tonfall der zwei Typen. Und, au weh!, der Begriff Dialektik fällt, da bin ich schon auf – wie sagt man? - 120 (ha, ha, ha, dein Blutdruck pflegt so um die 170 herumzuzappeln, und das zu Hause in deinem Zimmer, ohne die Herausforderung des Mithörens – der innere Spötter). Friede! Friede! Friede! Ich verordne mir Beruhigung, innere Distanz und Vorurteilskritik (meiner eigenen). Au weh! Antiisraelische Politik fällt. Ein heikles Thema! Nein, ich muß aufhören; ich weiß ja nicht wirklich, ob sie im zustimmenden oder ablehnenden Sinn davon gesprochen haben; so genau kann ich dem Gespräch nicht folgen und manche Argumentationsfiguren und Begriffe kenne und verstehe ich nicht. Abgesehen davon, dass ich selbst aus dieser kurzen Entfernung schlecht höre – ob aus äußeren oder inneren Gründen. Enthaltsamkeit ist angesagt! Strenge, geistige und emotionale Askese! Ich weiß ja nicht, was da wirklich gesprochen wird, und ob meine sofort aufgetauchten Ahnungen und vorauseilenden Interpretationen des schlecht Gehörten stimmen. Ich werde mir zur Stärkung und zur Ablenkung einen Schinken/Käse-Toast bestellen, weniger aus Hunger. Und ich gehe aufs Klo, um kurz aus diesem Setting auszusteigen und die Fixierung zu brechen.

Ich nehme wieder Augenkontakt mit der Steckdose gegenüber auf, diesmal sitzt niemand neben ihr. Nun aber blicke ich schräg in den anderen Raum hinüber und beim Fenster hinaus auf die Schwarzspanierstraße, wo man von Zeit zu Zeit jemand vorbeieilen sieht. Ich bestelle den eingeplanten Kaffee und den eingeplanten Toast, obwohl es zeitlich schon etwas knapp ist. Ich komme zeitlich ins Gedränge!


(16.2.2026)


©Peter Alois Rumpf   Februar 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4365 Pflanzen gießen

 



9:19 a.m.  Ich habe meine tägliche Weltkonstruktion noch nicht fertig, die heutige Schöpfung noch nicht ganz aufgebaut und ruhe noch, bevor die Erschaffung der Welt abgeschlossen ist. Überhaupt durcheinander: schreiben kann ich schon, denken nicht und meine Gefühle habe ich noch nicht parat. Der dreifaltige Baum steht auch schon mitten im unfertigen Paradies, aber Früchte trägt er keine (nur eine kleine Papierkugel, die einen Lampion darstellen soll, ohne einer zu sein). Den Husten habe ich schon fertig; muß sagen, recht gut hinbekommen: nicht zu häufig und nicht so trocken, wie er schon war. Ich knabbere bereits an Orangenscheiben und Fenchelschnipsel – das geht auch schon (dabei ist mir soeben ein saftiges Orangenstückchen von der Gabel und auf mein Pyjamaleiberl – eigentlich ein alter, zerschlissener Rollkragenpulli – gefallen und hat dort einen Fleck hinterlassen, was mir völlig egal sein sollte). Das Schüsselchen mit dem Fenchel-Orangen-Mix habe ich jetzt wirklich leer gegessen, wobei es nicht ganz leicht bis unmöglich war, die letzten, kleinsten Stückchen auf die Gabel zu spießen, aber – schlau wie ich bin – habe ich die mit dem Lackerl Orangensaft, das sich am Grunde des Schüsselchen angesammelt hatte, in einem Schwung in den Mund gespült. Pflanzen gießen nicht vergessen!

11:58  a.m. In einem Kokon aus Knarren und Knacksen bewege ich mich durch die obere Wohnung und gieße die Pflanzen, einige scheinen einzugehen, aber c’est la vie! (von all den Pflanzen oben und unten sind nur zwei von mir; alle anderen sind mir zugewachsen).

Wieder einmal ein fernes Flugzeug in der Sonntagsruhe. Ich muß unten auch noch gießen. So ruhig bin ich nicht.


(15.2.2026)


©Peter Alois Rumpf   Februar 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Samstag, 14. Februar 2026

4364 Fieber

 



22:02.  Ich bin in einem unsichtbaren Fieber, das mich beinahe delirieren läßt. Dumpf lehne ich da, und dumpf und schwerfällig, wie in Zeitlupe bin ich heute meine paar Wege gegangen. Mein Husten versucht etwas loszuwerden, aber wird es nicht los. Um es klar und deutlich zu sagen: ich habe kein Fieber, aber ich fühle mich so und empfinde meine Augen als glasig. Zwischendurch scheint für eine Weile alles normal zu sein, aber dann entgleitet mir etwas und und das dunkle Meer schlägt über mir zusammen. Ich bin dann nicht verzweifelt, nein das nicht. Zumindest würde ich es nicht so nennen, aber eine starke Trauer spüre ich ganz körperlich, sie hüllt mich ein, läßt mich innen stumm werden und abdriften. Eine Trauer, die ich für völlig angemessen und gerechtfertigt halte. Nichts ist gegen sie zu sagen. Sie ist voll und ganz berechtigt. Übrigens heißt das Stumm-werden nicht, dass ich dabei nicht reden könnte. Doch! Unbefangen kann ich dann plaudern, aber bin ich richtig dabei? Oder ich rege mich auf, glaube mir selbst fast die Empörung, aber wirklich? Regt mich das wirklich auf? Nur wenn ich dann jemanden verletze und in meinem vordergründigen Eifer mein verletzendes Verhalten zunächst nicht wahrnehmen will, kann es mich durch meine Dumpfheit hindurch dann doch erwischen. Aber nur kurz. Dann senkt sich wieder der Schleier dieses „Fiebers“ über mich. Oder was das ist.


(14.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com