4470 Ich schwöre
11:26 a.m. Der letzte Schluck vom ersten Cappuccino. Alles ist genau so, wie ich es gern habe: das Lokal nicht überfüllt, weil an sonnigen Tagen wie heute viele in der Laube draußen sitzen, das Schnittlauchbrot mein zweites Frühstück, wobei ich jedes, ich schwöre: jedes Schnittlauchstückchen aufgelesen und gegessen habe, die Musik (aus den Boxen – der innere Spötter) ist unbekannt und angenehm (fürs Wohlgefühl ist angenehm eine hinreichende Bedingung), Standard und Kleine Zeitung (Ennstal) habe ich schon durchgeblättert; ab jetzt mit dem Notizbuch auch die REMbox am Tisch, sanfter Wind schaukelt draußen die Zweige der zwei herrlichen Platanen, die offene Lokaltür macht meinen momentanen Lebensraum offen und frühsommerlich, als böte das Leben noch viele Chancen. Jetzt wird es etwas laut hier, weil ein paar junge Männer vor Freude aufjubeln (ich weiß nicht, warum). Ein junger Mann, der die Lokalwand mit ihren Bildern betrachtet, verstellt mir die Sicht auf den asymmetrischen Lichtengel – der von mir aus gesehen linke Lichtflügel leuchtet stärker und reicht höher auf die Wand hinauf – aber das ist keine Beschwerde: der junge Mann darf das, noch dazu, wo es mir soeben erst eingefallen ist, den Lichtengel mit einem Blick zu begrüßen, obwohl ich schon eine gute Dreiviertelstunde hier herinnen sitze.
Ich blättere in der REMbox und als ich sie zuklappe und auf den Tisch lege, zucke ich unbewußt – ich weiß nicht genau, wie und mit welchen Körperteilen – jedenfalls mit einem der Beine, sodass ich unabsichtlich den Kaffeehaustisch verrücke. So, das nur zur Vollständigkeit.
Heute ist ein Tag ohne gröbere Verpflichtungen und ohne Termine, aber ich habe noch vor, zum Caritaslager zu wandern, um Decken für die REMbox-Präsentation in der Secession am 27.5. um 19h zu besorgen. Zu Hause dann will ich die angestauten Texte eintippen (macht er jetzt brav – der Tipper). Ob mein Vorgehen bezüglich der Texte sinnvoll, angemessen oder übertrieben, oder blauäugig ist, frage ich mich nicht … frage ich mich schon manchmal, aber am eingeübten Ablauf ändert das bis dato nichts mehr.
Wenn ich in der REMbox blättere, gerate ich inzwischen immer auf die selben Seiten, so mein Eindruck (heute bin ich schüchtern, aber ich frage trotzdem: wen interessiert das? - der innere Spötter). Mittersteig 10 notiere ich, nachdem ich am Smartphone nachgeschaut habe, wo ein Caritaslager ist (ich wiederhole: w.i.d? - der innere Spötter). Soll ich schon losstarten? Bald.
Jetzt.
(19.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com