Donnerstag, 4. Juni 2026

4489 Vorspiel

 



10:24 a.m.  Habe gerade im Standard (Eric Freys Kolumne) gelesen: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Ich jedoch sitze wieder im Espresso Burggasse, habe die REMbox am Tisch liegen, habe außer den Standard die Kleine Zeitung, Ausgabe Ennstal inklusive Todesanzeigen Bezirk Liezen gelesen und hoffe tatsächlich, dass mir heute ein genialer Text gelingen wird. Ich hoffe; glauben ist wieder etwas anderes und gelingen erst recht. Aber ich bin mit meiner Durchschnittsproduktion durchaus zufrieden, meistens. (Gute Musik aus den Boxen.) Noch zögere ich, die REMbox aufzuschlagen, wie es meine Gewohnheit ist (übrigens: im Lotto habe ich nichts gewonnen). Ich lasse mich von den Spiegelungen in der offenen Glastüre ein wenig verwirren; ein Kontrapunkt mitten in der stabileren Realität. Langsam läßt die Highness nach; ich meine die Euphorie seit der REMbox-Präsentation am Mittwoch; ich hoffe, ich habe die Quintessenz irgendwo gut abgespeichert; an einem Ort, der mir leidlich zugänglich ist. Jetzt kommt hier am Tisch die REMbox dran! Und die ist ein großartiges Buch. Man stößt auf die unterschiedlichsten Texte und sie sind alle toll und voller Weisheit. Ich als Theologe würde sogar sagen: inspiriert. Aber auf eine demütigere, bescheidene, ein wenig getarnte Art, wenn auch die Oberfläche frech und arrogant auftreten kann und damit das Tiefere schützt. Mich jedenfalls haut es immer wieder um, wenn ich beim Herumblättern auf die interessanten Sätze stoße (gut, dazu gehört nicht viel, dass es dich umhaut – der innere Spötter). Nebenbei gesagt: das „Hashbrown“ auf der Speisekarte habe ich mich noch nicht zu bestellen getraut, weil ich kein Englisch verstehe und nicht korrekt aussprechen kann (meine schlechten Englischkenntnisse sind tatsächlich ein Lebenshindernis, das mich auch davon abgehalten hat, etwas dagegen zu tun – das nur - wie gesagt – nebenbei; wir müssen es nicht diskutieren). Plötzlich steigt es in mir heiß auf: habe ich aus Unwissenheit und technischer Unbedarftheit meine E-mails zur Vor- und Nachbesprechung der REMbox-Präsentation immer an alle meine Kontakte geschickt und nicht nur an die REMistInnen (will du mit REM ist innen nichts anfangen? - der innere Spötter)? Das wäre sehr peinlich! Ich denke ein wenig nach – vielleicht doch nicht, aber was verstehe ich schon von den dort programmierten Mechanismen.


11:46 a.m.  Wunderschöne Musik: Knocking On Havens Door von einer Frau gesungen. … Nein, es ist gar nicht knocking on havens door … es hört sich nur wie das (das Wort, das er da hingeschmiert hat, kann er nicht mehr lesen und ihm fällt auch nicht ein, was er ungefähr gemeint haben könnte – der innere Spötter) Vorspiel bis zur Passage mit der titelgebenden Textzeile an, zu einem eigenen Song ausgedehnt. Aber wunderschön.


(2.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4488 Auf morgen

 



0:46 a.m.  Das wird ein voller Erfolg! Was, das verrate ich nicht (liebe Leute, er hält euch am Schmäh – der innere Spötter). Gerade vorhin war ich saumüde, jetzt bin ich putzmunter (Etymologie nachschauen!) (hoffentlich hat es nichts mit reinigen zu tun, denkt er jetzt, wegen dem Staub im Zimmer – der innere Spötter). (Putz = Verweis; laut Wehle; durch einen Verweis eines Vorgesetzten zur Munterkeit gezwungen? Rüdes Aufwecken bei verschlafen beim Militär? – der Tipper, der immer in den Wörterbüchern nachschauen muß.) (Du könntest doch auch einfach googeln!) (Mach ich manchmal, aber das Internet kennt viele umgangssprachliche und österreichische Dialektwörter und Redewendungen nicht. Deshalb allein nicht so verläßlich – der Tipper.)

Jedenfalls: Staub fliegt hier genug herum. Das an meinem linken Ohr klingt wie eine Gelse. Kann das schon sein?, frage ich meine Leserschaft. Achja, es ist soweit: blicke ich auf die Wand gegenüber ins sogenannte Narrenkastl, rinnt die ganze Front samt Regal und Bücher nach unten, bleibt aber an Ort und Stelle. Es ist schon klar, dass das meine müden Augen sind, aber niemals sehe ich die Dinge wieder“hinaufspringen“; sie bewegen sich immer nur nach unten. Ich verschiebe jetzt die Überprüfung und Erforschung dieses Phänomens auf morgen. Oder übermorgen.


(2.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4487 Das Kaffeeamt

 



(Uhrzeit vergessen).  Ich blicke durch die Riesenfenster auf das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

hinaus (ich habe im Notizbuch eine Zeile frei gelassen, um Platz für die Korrektur der hingeschriebenen und als falsch vermuteten Bezeichnung des Amtes da draußen zu haben, aber: ich habe mich an Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen richtig erinnert!). Ich meinerseits sitze in der großen „Halle“ des Kaffeeamtes, mit dem ich mich immer mehr anfreunde. Vorm Amt gegenüber hängt und weht – soweit sie das - an mehreren Stellen fixiert – kann – eine EU-Fahne im Wind. Die REMbox (2 Kilo) liegt wieder am Tisch, wiewohl bei mir nach ihrer Präsentation in der Secession Lust und Eifer, sie herumzuschleppen deutlich nachgelassen haben (warum eigentlich?) und auch die Überzeugung von der „magischen“ Notwendigkeit meines Schlepperwesens. Der Kaffee ist ausgetrunken, Zeitungs- und REMbox-Lektüre habe ich schon hinter mir. Ich sollte nach Hause gehen, meine Alltagspflichten erledigen. Das sagt mir die blaue EU-Fahne.


(1.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4486 Der innere Spötter ist frech

 



23:28.  Ich bin heute keine zehntausend und auch keine sechstausend Schritte gegangen. Und auch kein Fitnesstraining. Ich habe geschrieben und getippt. Ich sollte entspannt sein (die Aufregungen sind vorbei), aber gerade jetzt bin ich es nicht. Weil ich morgen nicht verschlafen darf? Ich werde trotzdem schon jetzt den Tag beschließen (das hat er soeben beschlossen – der innere Spötter).


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 29. Mai 2026

4485 Schöne Bilder

 



10:03 a.m.  Espresso Burggasse. Red Hot Chili Peppers aus den Boxen! I wea narrisch! (Scar Tissue). (Hoffentlich werden die Götter nicht neidisch über dein Glück! - der innere Spötter.)


10:33 a.m.  Eine Espressoeierspeise später beim zweiten Cappuccino: was soll ich jetzt im Glück schreiben? In der Depression ist mir mehr eingefallen (Oida! - der innere Spötter). Der Tag ist ein sonniger Sommertag. 23° C im Schatten. Ich sitze in Richtung 315° Nordwest blickend. Sonst finde ich keine neuen Nachrichten auf meinem Handy (ist das schon der erste Wermutstropfen, weil du keine neuen Jubelmeldungen über die vorgestrige REMbox-Präsentation am Handy gefunden hast? - der innere Spötter). Ich schaue auf den Lichtengel: der strahlt von mir aus gesehen links immer noch stärker als rechts, von ihm selbst aus gesehen rechts stärker als links (das nur zum Thema rechts-links). Die Musik aus den Boxen kommentiere ich nach RHCP nicht mehr. Ich schaue doch noch einmal aufs Handy, vielleicht gibt es doch etwas Neues. Ja, ein bißchen was. Die Kaffeemaschine mahlt lautstark die Kaffeebohnen. Ah! Das Handy düdelt! Moment.
Gut, ich habe den Protest gegen die Kürzungen an den Unis unterschrieben. Jetzt kommt gerade ein Song (aus den Boxen – der innere Spötter), der sich sehr schön und angenehm anfühlt (Aaah! Der feine Herr hört nicht nur die Musik, er fühlt sie auch! - der innere Spötter). Ich habe ganz vergessen, zu erwähnen, dass meine REMbox auf dem Tisch liegt und ich bereits den tollen Beitrag von Helga Köcher zum dritten Male gelesen habe. Darum – weil die REMbox auf dem Tisch liegt – ist es nun unvermeidlich, dass ich bald die Seite 255 aufschlagen werde, wo meine Bilder abgebildet sind (dass er das hinschreibt, hat nur mit seinem Bildungsauftrag zu tun – der innere Spötter). Mein Herz wird weit – erstens wegen des schönen, melancholischen Songs, und zweitens, weil die Kellnerin einen längeren, lächelnden Blick auf die REMbox geworfen hat. So! Jetzt schölage ich die Seite 255 auf! Und ich entdecke wieder Neues in den zwei Bildern, bisher vergessene Details … sie waren wirklich schöne Bilder, voll Herz.


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4484 High

 



12:25.  Meine döbranitische Gefangenschaft ist endgültig vorbei! (Gestern Abend war die Präsentation der REMbox in der Secession.) Endgültig!


12:55.  Ich bin seit gestern high. Ich schaue mich im Lokal um, aber nehme nichts wirklich auf (das glaubst du nur – der innere Spötter). Ich will den Status quo nicht verderben. Egal, ich gehe jetzt in den Park.


13:18.  Die Angestellten in der Secession – sowohl an der Kasse, von der Aufsicht und vom technischen Personal – waren sehr hilfsbereit und freundlich. Was mich aber erstaunt hat: sie haben mich wiedererkannt. Ihre Personengedächtnisse müssen außerordentlich sein. Sogar heute, als ich mein gestern zurückgelassenes Zeug geholt habe (das kannst du genauer beschreiben! Sei nicht so faul! - der innere Spötter). Also: die zwei Decken von der Dekoration, die ich beigesteuert habe, habe ich heute abgeholt, und bin trotz Alltagskleidung gleich erkannt worden und hatte keine Schwierigkeiten, ohne Ticket hinein und in die für Besucher gesperrten Bereiche zu kommen. Ich mußte das an der Kasse und bei der Aufsicht gar nicht erklären, sie haben mich von sich aus auf die gestrige Buchpräsentation angesprochen. Ich habe dann die zwei Decken, die ich für die Veranstaltung im Caritaslager erworben hatte, brav wieder dorthin gebracht und gespendet. [Präsentation: Vergegenwärtigung und Veranwesenheitigung!]


13:34.  Was für ein schöner Wind in Hof 5! Was für ein schönes Rauschen in den Bäumen und was für ein schönes Leben!


(28.5.2026)


0:14 a.m.  Die Bücher und Gegenstände im Regal an der Wand bewegen sich und rücken rauf und runter, dass es eine Freude ist. Ich bin müde, fast erschöpft, aber glücklich. Ich schwebe immer noch und fürchte keinen Absturz. Ich bereite mich aber darauf vor, dass dieser Zustand nicht ewig anhalten wird und will die Quintessenz abspeichern. Und ich glaube, dass eine auferlegte Last endgültig von mir abgefallen ist.


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4483 Hu hu, hu hu

 



10:11 a.m.  Tolles E-Gitarrengejaule aus den Boxen. Meine Nerven sind angespannt, völlig angespannt. Heute ist die REMbox-Präsentation in der Secession. Ich überlege, mich als Starter anzubieten (weniger geschraubt: als erster auf die Bühne zu gehen – der innere Spötter). Leicht inszeniert, aber ohne zu verblödeln. Mit „heilendem“ Blick ins Publikum? Diese Phantasie läuft auf Hochtouren und ist somit in Gefahr, zu überkandideln. Ich kenne das, dann kommt es ganz anders als geplant und das Geplante ist nicht mehr durchführbar. Enttäuschung ist vorprogrammiert. Hätte ich als Vorbereitung für den heutigen Abend ins Fitnessstudio gehen sollen (drei s sind überkandidelt! - der innere Spötter)? Aber nachher bin ich immer so fertig und erschöpft und alles tut mir weh. Nein, passt schon, ich verwöhne mich hier im Espresso Burggasse. Ein alter Hit aus den Boxen; wie heißt der noch? On my knees kommt vor. Ah! Layla! Funzt schon irgendwie, oder sind das meine Nerven? Ich betrachte die drei Spiegel im Hinterzimmer, besonders den runden hoch oben mit den goldenen Sonnenstrahlen, spiegeln darin tun sich die weißen Bretter des Holzplafonds. Im Hinterzimmer (vorne ist es zu voll gewesen und in die Laube draußen setze ich mich auch nicht) bin ich momentan der einzige Gast. Die Geräusche und der Sound vom Hauptraum (Gimme Shelter) und das Gerede diffundieren als Klanginstallation nach hinten und nur Personen, die auf die Klos gehen, kommen vorbei. Oder die vom Lokal, die etwas aus dem Lager holen oder etwas hineintragen. Verdammt! Gimme Shelter! Werde ich auf meine alten Tage noch so richtig nostalgisch? Aber passend, denn das Lokal hier ist mein Asyl. Und nun ein sehr, sehr schöner Song, den ich nicht kenne, aber der mir trotzdem bekannt vorkommt, amerikanisch. Mir ist es inzwischen schon peinlich, vor dem Damen- – oh! David Bowie, Starman! - -klo zu sitzen und den davor wartenden Frauen beim Warten zuzuschauen. Verlegen beuge ich mein Haupt über das Notizbuch und schreibe mit einer gewissen situationsbedingten unfreiwilligen Fanatik.

Und jetzt Sympathie For The Devil. Vorher war die Musik (aus den Boxen – der innere Spötter) schon zu den Discohits der Achtziger hinauf, besser: hinuntergerutscht. Sympathie for the devil hatte mich damals schon sehr begeistert und emotional mitgenommen (hu hu, hu hu! - der innere Spötter). Texte habe ich sowieso nie verstanden (und versteht sie bis heute nicht – der innere Spötter) und so weiß ich nicht, ob das Ironie ist oder nicht. Jetzt fällt mir wieder die heutige Präsentation ein und ich werde furchtbar nervös. Ich lasse die Welle über mich kommen (Black Magic Woman; Santana) und warte nur auf ihr Verebben. Vielleicht sollte ich nach Haus, um die letzten Dinge vorzubereiten: Anzug, Dekoration, Schmuck … Bhh! Ich muß schnell aufs Klo! Na gut! (Satisfaction; damals habe ich Hitparaden anzuhören begonnen). Heute sind hier Rolling-Stones-Festspiele, scheint’s. Aber ich bin nicht nostalgisch.


(27.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com