Donnerstag, 5. Februar 2026

4353 Diese Träume!

 



9:20 a.m.  Diese Träume! Immer unterwegs auf dem Weg nach Hause, von dem ich meist gar nicht mehr weiß, wo und was es ist. Oft mit Familie, aber die sind undeutlich und irgendwer oder alle kommen abhanden und ich finde sie nicht mehr. Ebenso das Gepäck: alles auf einmal konnte ich nicht schleppen - wenn wir zum Beispiel umsteigen mußten – aber wenn ich das zurückgelassene holen will, finde ich es nicht mehr, oder ich finde den Platz oder gar den Zug nicht mehr, wo ich den ersten Teil abgelegt habe. Der Zug – es sind immer Züge – fährt dann doch nicht oder fährt irgendwo ganz anders hin. Oder kommt erst gar nicht und wir stehen an einem abgelegenen Bahnhof (der auch verschwinden kann) und es gibt keine Chance, herauszufinden, wie wir von da wieder wegkommen. Wenn ich ankomme, ist es immer eine fremde Wohnung, also eine, an die ich mich nicht oder kaum erinnere, oder eine, die nicht mir gehört, sondern zum Beispiel einer Ex. Und ich sollte nicht dort sein. Finde mich aber auch nicht in der Stadt zurecht und entweder weiß ich nicht mehr, wo ich wirklich wohne, oder finde den Weg dorthin nicht (fahre zum Beispiel mit einer Straßenbahn, die endlos in den Außenbezirken herumkurvt). Wenn ich in der fremden Wohnung bin, stimmt auch einiges nicht. Fast immer bin ich dort allein, die Wohnungsinhaberin ist nicht da. Manchmal kommen fremde Leute herein (heute zum Beispiel ist ein unbekanntes Mädchen – schätze so um die zehn, zwölf Jahre – bei der Tür – wörtlich – hereingerollt. Das Ganze ist ein einziges Chaos, wo nichts feststeht und stabil ist, wo nichts irgendwo hinführt, nichts gelingt, alles fremd bleibt oder verfremdet wird oder überhaupt vergessen ist. Ich kenne mich einfach nie aus. Genau wie in meinem Leben. Ich halte mein Notizbuch beim Schreiben wieder völlig verkrampft fest, wie ich erst jetzt bemerke; es sollte mir wohl als Rettungsanker dienen.


(4.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4352 Die Gesichter

 



0:08 a.m.  Es sind viele Gesichter hier im Zimmer, die mich anschauen (mehr oder weniger). Die einen befinden sich auf Fotos, die anderen auf Kunstkarten, wieder andere auf realen Zeichnungen; sie alle lehnen entweder an den Büchern im Regal, hängen an der Wand oder sind auf Kästen getackert. Wie sie mich anschauen bemerke ich meistens nicht. Um genau zu sehen bin ich am Bett von den meisten zu weit weg und es ist sehr düster hier. Ich fühle mich nicht beobachtet, schon gar nicht bedroht, nein, das ist es nicht, was mich heute beschäftigt. Mir ist nur aufgegangen, dass ich hier eine illustre Gesellschaft habe; ihr seid eingeladen! Gut, ich rede auch mit dem Holzraben am Fenster und mit der Holzmöwe über meinem Kopf, und wenn ich beim Umhergehen unabsichtlich gegen einen Kasten zum Beispiel stoße, entschuldige ich mich bei dem Ding. Es muß etwas kein Gesicht haben, damit ich es anspreche. Aber heute sind mir die Gesichter aufgefallen und dass ich mit ihnen in Blickkontakt treten und sie photographieren könnte (er kommt sich gebildet, lässig, anarchisch und cool vor, wenn er Foto mit F und beim Verbum dann trotzig zum geliebten Ph zurückkehrt, und als tragisch-pathetisch Zerrissener in zwei Welten – der innere Spötter). Gut, meine Generation hat ja wirklich die Zeitenwende 1967 miterlebt. Was hat das jetzt mit den Gesichtern zu tun? Nicht viel. Vielleicht, dass die alle so ungeordnet, ohne Hierarchie und popmäßig nebeneinander hängen. Der Christus zum Beispiel neben einer Kinderzeichnung, die mich darstellt, eine orthodoxe Ikone (Foto!) neben was auch immer. Ich werde jetzt aber im Bett hocken bleiben, mich gut zudecken, das Licht abdrehen und in die Dunkelheit starren.


(4.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4351 Zwei

 



12:12.  (geschwindelt: genaugenommen ist es 12:11) Im Lieblingscafé. (Neben mir schreibt auch einer einen längeren Text in ein Notizbüchlein.) [Ihn habe ich wegen der Zuckerdose angeredet: weil ich nämlich nach dem Hereinkommen und der Platzwahl die Zuckerdose am Tisch, die ich nicht brauche und mir nur Raum, den ich fürs Frühstückstablett und die Kaffeetasse verwenden will, verstellt, an einen der Nebentische ohne Zuckerdose deponieren wollte, mußte ich mich entscheiden, ob auf den linken leeren Tisch oder auf den rechten leeren Tisch (das Leben besteht nur aus Entscheidungen – der innere Spötter). Ich habe mich für den linken Tisch entschieden. Dann ist der dann auch schreibende Mann hereingekommen und hat sich an den rechten Nachbartisch gesetzt. Und als ihm sein Kaffee serviert wurde (du hast tatsächlich versiert geschrieben – der innere Spötter) ist jener Mann aufgestanden und hat sich die Zuckerdose vom Tisch links von mir geholt. Da habe ich ihn angesprochen und gesagt: „Dann hätte ich den Zucker doch rechts abstellen sollen!“ Worauf er geantwortet hat: „Bewegung ist immer gesund!“]

Auch am Weg hierher war es lustig: bei unserem Zugang zur U2/4 gibt es zwei Lifte, von denen mindestens alle zwei Wochen einer außer Betrieb ist und lange so bleibt, bis er repariert wird. Heute waren alle beide kaputt und man mußte die wirklich vielen Stockwerke zu den U-Bahngeleisen hinuntersteigen. Zwei Karawanen bewegten sich über die Stiegen, eine eher mühsam hinauf, eine hinunter. Es kommen ein Herr und eine Frau heraufgestapft, die über die häufigen Ausfälle der Lifte hier reden. Ich schalte mich gleich ungefragt ins Gespräch ein - immerhin ist mir diese Liftgeschichte als ein mich ständig ärgerndes ein Lieblingsthema – und sage: “Ja, das stimmt! Mindestens alle zwei Wochen fällt ein Lift aus. Die Reparaturfirma ist entweder unfähig oder sie reparieren absichtlich schlecht, um Aufträge zu requirieren!“ (Naja, so gut hatte ich das live nicht formuliert, in Aufregung und Ärger ist mir das schöne Wort requirieren nicht eingefallen). Der aufsteigende Mann und ich absteigender haben uns ein wenig und ganz lustig zu diesem Thema unterhalten und uns beim Abschied freundlich, fröhlich, ja, fast liebevoll einen schönen Tag gewünscht. Das hat meiner Seele gut getan! Übrigens: bevor ich die Treppen runtergegangen bin, bin ich zu den Liftreparaturarbeitern gegangen, die im Liftschacht auf einem der Lifte gestanden sind und fleißig auf Metall geklopft haben (ich nehme schon an sinnvoll und nicht zum Spaß), von denen ich aber nur die Beine sehen konnte, bin also vor die Glaswand und habe ihnen (aber eben nicht ins Gesicht) „Pfuscher!“ zugerufen. Erst im hinuntersteigen ist mir eingefallen, ich hätte das genauer und ausführlicher ausführen sollen. Leise Zweifel, ob ich wirklich verstehe, was sich hier abspielt, sind mir auch gekommen, ganz leise.

Noch etwas Lustiges ist passiert, aber das habe ich schon vergessen (Liebe LeserInnen: macht euch nichts draus! Wenn das da oben die zwei lustigsten Ereignisse sind, wird das dritte noch weniger lustig gewesen sein – der innere Spötter).

Nun sitze ich also in dem sich immer stärker füllenden Espresso Burggasse (ich sitze schon zu lange beim zweiten Cappuccino; ich muß, um meine ausufernde Anwesenheit zu rechtfertigen, schnell noch den dritten bestellen) und genieße das Ganze und viele seiner Teile (zum Beispiel: wie sich die Frau ganz links, soeben hereingekommen, aus ihrer Winterjacke schüttelt, oder wie die zwei jungen Frauen ganz rechts von ihren (Psycho)Therapien reden – da fühlt sich unsereiner gleich ganz wohl und weniger fremd).

Jetzt ist es schon 13:19, aber nein, nach Hause gehen wir nicht, bis dass der Tag abbricht! Das Leben ist so lustig, ich blicke nur aus Gewohnheit auf meinen „Lichtengel“ in der Fensternische. Sittin on the dock of the bay aus den Boxen. Und schon jetzt, erst beim ersten Schluck des dritten Cappuccino … ich werde um einen Platzwechsel gebeten und habe gern zugestimmt. Ein ganzer Schwarm junger Frauen kommt herein und setzt sich an die für sie freigewordenen und zusammengeschobenen Tische unter dem fetten, großen, roten Bild an der Wand, auf das jetzt mein Blick geht. Das Licht/Schattenspiel der zwei Doppellampen an der Wand dort ist auch nicht schlecht; es entstehen jedoch wegen der netzartigen Struktur der metallenen Lampenschirme keine Engelsflügel, sondern … nun, andere, karierte Muster.

Von hier aus ist die alte, nicht übertünchte rudimentäre Wand- und Deckenbemalung wirklich recht schön. Es ist nun richtig voll hier und das macht mich etwas nervös. Ein Verlegenheitsblick rauf zum Hirschgeweih links (weiht es dich, das Hischgeweih? Zu was? - der innere Spötter). Es wird voller und voller, langsam krieg ich Koller (jetzt bist du auf deinem wirklichen Niveau! - der innere Spötter). Ich spiele – auch aus Verlegenheit – mit dem grauen Lesezeichenbändchen meines Notizbuches auf der hier grauen Tischplatte (beim vorigen Notizbuch war das Bändchen rot und bei meinem Stammplatz ist es die Tischplatte ebenfalls). Es ist einfach Zeit zu gehen.


(3.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4350 Geschafft!

 



1:19 a.m.  Aus dem Ärgsten bin ich raus. Nach der heutigen Therapiestunde (Dank an die Therapeutin!) habe ich die Angst vorm Psychiatertermin vorläufig einmal im Griff. Ich sehe nicht mehr schwarz und gebe mir eine Chance. Ich konnte soeben am Laptop bei einem Sketch von Ingo Appelt herzlich lachen. Noch bin ich nicht verloren. Und ich werde mir einen Satz, einen Spruch suchen und gut einprägen, an den ich mich klammern kann, wenn dieser Scheißtermin doch schiefläuft. Was weiß ich: den Tod als Ratgeber benutzen oder wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her (naja, dieser Satz verspricht mehr, als er halten kann – der innere Spötter). Im Ernst: mir fällt jetzt wirklich kein zweiter brauchbarer Satz ein. Der erste ist wahrscheinlich eh der beste.

Ich freue mich auf mein Kaffeehausfrühstück morgen. So ist es geplant. Ich darf nur nicht vergessen, mich zu duschen und ordentlich zu rasieren und frische Wäsche anzuziehen. Seit ein paar Stunden atme ich alle halben Stunden (in etwa) erleichtert in tiefen Seufzern auf (auch jetzt beim Eintippen! - der Tipper); schaut aus, als hätte ich es wirklich aus der Dunkelheit geschafft. Jetzt will ich versuchen zu schlafen.


(3.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4349 Was!

 



13:13.  Zweimal die Zahl Neptuns: ich gehe unter oder schwimme neuen Ufern zu. Scherz beiseite: ich habe mich ein wenig erholt (er wollte schon erhohlt schreiben – der innere Spötter). (Schön, dass du wieder da bist! Habe ich das Ärgste überwunden? - der Autor.) Ein Autor ohne Autorität (jetzt fängst du schon wieder an! - der innere Spötter als Freund). Was sagt ihr eigentlich zu Reizgasunterwäsche? Nichts? Ist das zu anstößig? Also nichts sagt ihr. Es interessiert euch nicht. Gut, kann ich verstehen. Ich muß aufs Klo. Aber meine Entscheidung für Erholung heute früh hat sich ausgezahlt. Übrigens (das Wort verwendet er auch etwas zu häufig – der innere Spötter) sitze ich im Weltcafé; zwar schlecht verankert in der Welt, aber gemütlich beim Kaffee, wenn auch ein wenig in Zugluft.

Ich bin mit den Gedanken schon wieder beim Psychiater. Bis zum Termin in zwei Wochen werde ich durchgedreht haben, wenn das so weitergeht. Durch die Eingangstür schleicht Zigarettenrauch herein und belästigt mich. Bin ich froh, dass Raucherlokale verboten sind! 13:28. Eine halbe Stunde noch bis zur Psychotherapiestunde. Die Kaffeetasse ist noch halb voll (er ist Optimist! - der innere Spötter). Sagen wir: ein Drittel Kaffee ist noch in der Tasse. Und wieder versuche ich, einer möglichen Anschuldigung des Psychiaters in zwei Wochen zu widerstehen; dabei rutsche ich am Sitzplatz aufgeregt hin und her und zucke im Gesicht und schneide Grimassen. Wenn es mich gepackt hat, kann ich das nicht mehr kontrollieren. Eine Frau schräg gegenüber schaut mich bereits vorsichtig an (was ich ihr nicht übel nehme; ich würde auch so oder so ähnlich reagieren). Eine wahnsinnig große, tiefe, weltweite Traurigkeit kommt über mich [er könnte Nestroy zitieren: Es wär’ ewig schad’ um mich! - der innere Spötter. (Was! Der Satz stammt von Ferdinand Raimund, behauptet eine KI! - der überraschte Tipper)]. Ein kleines Kind macht seine ersten selbständigen Schritte durchs Lokal und mir kommen die Tränen.


(2.2.2026)


©Peter Alois Rumpf  Februar 2026  peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 4. Februar 2026

4348 Reizgasunterwäsche

 



10:05 a.m.  Heute ist eigentlich der erste der drei geplanten Fitnesstage der Woche und ich bin seit 7 Uhr wach, aber der beschissene Psychiatertermin bereitet mir immer noch so viel Angst und Unruhe, dass ich mich wieder ins Bett gehockt, gut zugedeckt bis zum Hals und durch Wärme und Ruhe versucht habe, meine aufgescheuchte Seele zu beruhigen. Für heute ist der Besuch im Fitnessstudio gestrichen; lange hatte ich darum gekämpft, doch hinzugehen; an mehreren Zeitpunkten seit 7 Uhr war ich nahe daran, doch aufzustehen; letztlich waren es auch Schmerzen im Knie, die die Waagschale in Richtung Erholung absenken haben lassen. Aber vor meinem ständigen inneren Tribunal mußte ich versprechen, dafür wenigstens zu versuchen, einen Text zu schreiben. Trotzdem ist meine Erholung nicht frei von Schuldgefühlen. Im innersten Kern jedoch weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war.

Ich mag die Augen gar nicht aufmachen; ich möchte nur in diesem Halbdunkel dahinschweben, wobei ich immer wieder in kurzen Schlaf kippe, aus dem mich dann eine erschreckende Traumsequenz herausreißt. In diesem Schwebezustand „fahre“ ich nicht nur durch Traumfragmente, sondern auch durch alle möglichen Erinnerungsfetzen meines Lebens – die meisten unangenehm – oder durch kurze, plötzliche Phantasieszenen, oder stoße auf Einfälle für Wortspiele (zB Reizgasunterwäsche), dennoch empfinde ich diesen Schwebezustand als heilsam. Ich habe den deutlichen Eindruck, so heile ich aus und stärke meine eingeschüchterte Seele.

Jetzt ist es wieder so finster in meiner Kemenate, dass ich die Lampe neben dem Bett aufdrehen muß, um weiterschreiben zu können. Vorher war ich in Gedanken bei irgendeinem antiken Kirchenvater, der geschrieben hat, dass die Engel, weil geistigere Wesen, nach ihrem Sündenfall tiefer gefallen sind, als die Menschheit nach ihrem, denn die stärkere Verankerung in diese Alltagswelt über ihre physische Leiblichkeit macht es dem Menschen zwar schwerer, hoch zu steigen, deswegen kann er aber nicht so tief stürzen. Eine Argumentation, der ich einiges abgewinnen kann, und als Bestätigung dafür – mutatis mutandis - ist mir die Schilderung des inszenierten Gerichtsprozesses im Internat von Michael Köhlmeier eingefallen, den er so eindringlich beschreibt. So ungefähr arbeitet mein Geist, strengt sich an und erholt sich dabei. Den beschissenen Psychiater habe ich dabei fast vergessen. Fast. Ich atme tief durch und ich spüre, dass ich bald aufstehen und mich für meine Psychotherapiestunde rüsten werde, deren Teilrefundierung der Kosten mir dieser von der kranken Gesundheitskasse verordnete Psychiater in drei Wochen streitig machen wird. Bis zu diesem Termin werde ich meine Nerven schon hingeschmissen haben und wahrscheinlich völlig zermürbt sein.

(Ich bin immer wieder davon fasziniert, dass jedesmal, wenn ich beim Abschreiben des handgeschriebenen Textes etwas von „tief durchatmen“ eintippe – auch jetzt! - mein Körper sofort und unwillkürlich einen tiefen Atemzug macht, der die Brust richtig weitet und die Lunge richtig mit Luft füllt – der Tipper.)


(2.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4347 Unverschämtheit

 



23:27.  Ich hocke im Bett und das Fenster ist offen. Die kalte Luft zieht eigentlich unauffällig herein, aber kalt wird es doch im Zimmer. Ich bin wegen des Psychiatertermins immer noch verstört. Fast die gesamte wache Zeit spiele ich alle möglichen Varianten durch: wenn er das sagt, kann ich das antworten. Aber das wird mir nicht helfen; ich werde mich nicht schützen können. Das Setting ist nicht angemessen und nicht schützend: ich soll meine psychischen Probleme respektive Störungen erklären und plausibel machen, um zu beweisen, dass ich die Therapie brauche. Also müßte ich meine Seele offenlegen, aber das ist keine therapeutische Situation, sondern eine Prüfung, die von vornherein mit Unterstellungen arbeitet. Ist der Psychiater überhaupt zum Stillschweigen bezüglich der Krankheit verpflichtet? Was aber noch schlimmer ist: er hat die Aufgabe, für die kranke Gesundheitskasse Kosten einzusparen, und wie ich es beim letzten Mal erlebt habe, bezweifelt er einerseits meine seelische Not und wirft mir gleichzeitig vor, warum ich mich so lange damit herumschlage. Anders gesagt: ich soll ihm meine Seele präsentieren und er kann, nein!, soll hineintreten, um mich abzuschrecken. Ich soll ihm mein Leid schildern und er lehnt sich süffisant zurück und macht zynische, abwertende und gemeine Bemerkungen. Es fehlt jeder therapeutische Schutz, wo man davon ausgehen kann, dass man vom Therapeuten gewissenhaft und gründlich, anständig und vorurteilsfrei behandelt wird. Der Spin der ganzen Veranstaltung, die ein reines Unterwerfungsritual ist, geht auf „Dekonstruktion“ vulgo Zerstörung und Einschüchterung. Die Unterstellung ist: in bin nicht jemand in Not, ich bin nicht jemand, der unter einer Krankheit leidet, sondern ein Betrüger (wie absurd das ist, habe ich im Text 4344 nachzuweisen versucht). Und wenn wirklich abgelehnt werden muss – was ich bestreite, denn die Privatkliniken müssen ja nicht von den Kassenpatienten und Steuerzahlern finanziert werden – wenn wirklich abgelehnt werden muß, dann muß das zum Schutze des Patienten in einem anständigen, nicht demütigendem, grundsätzlich wohlwollendem Klima geschehen. Alles andere ist Unverschämtheit.

So hocke ich also im Bett, bin saumüde, aber kann nicht schlafen, weil mein Geist permanent überlegt, wie er meine Seele vor den Attacken des Psychiaters schützen kann; die ganze Zeit sucht er verzweifelt einen Ausweg aus dem Dilemma: hingehen oder nicht. Nicht hingehen bedeutet aber, meinen finanziellen Spielraum noch mehr einzuengen oder überhaupt auf die Therapie zu verzichten, von der ich glaube, dass ich sie dringend brauche.


(1.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com