Freitag, 29. Mai 2026

4485 Schöne Bilder

 



10:03 a.m.  Espresso Burggasse. Red Hot Chili Peppers aus den Boxen! I wea narrisch! (Scar Tissue). (Hoffentlich werden die Götter nicht neidisch über dein Glück! - der innere Spötter.)


10:33 a.m.  Eine Espressoeierspeise später beim zweiten Cappuccino: was soll ich jetzt im Glück schreiben? In der Depression ist mir mehr eingefallen (Oida! - der innere Spötter). Der Tag ist ein sonniger Sommertag. 23° C im Schatten. Ich sitze in Richtung 315° Nordwest blickend. Sonst finde ich keine neuen Nachrichten auf meinem Handy (ist das schon der erste Wermutstropfen, weil du keine neuen Jubelmeldungen über die vorgestrige REMbox-Präsentation am Handy gefunden hast? - der innere Spötter). Ich schaue auf den Lichtengel: der strahlt von mir aus gesehen links immer noch stärker als rechts, von ihm selbst aus gesehen rechts stärker als links (das nur zum Thema rechts-links). Die Musik aus den Boxen kommentiere ich nach RHCP nicht mehr. Ich schaue doch noch einmal aufs Handy, vielleicht gibt es doch etwas Neues. Ja, ein bißchen was. Die Kaffeemaschine mahlt lautstark die Kaffeebohnen. Ah! Das Handy düdelt! Moment.
Gut, ich habe den Protest gegen die Kürzungen an den Unis unterschrieben. Jetzt kommt gerade ein Song (aus den Boxen – der innere Spötter), der sich sehr schön und angenehm anfühlt (Aaah! Der feine Herr hört nicht nur die Musik, er fühlt sie auch! - der innere Spötter). Ich habe ganz vergessen, zu erwähnen, dass meine REMbox auf dem Tisch liegt und ich bereits den tollen Beitrag von Helga Köcher zum dritten Male gelesen habe. Darum – weil die REMbox auf dem Tisch liegt – ist es nun unvermeidlich, dass ich bald die Seite 255 aufschlagen werde, wo meine Bilder abgebildet sind (dass er das hinschreibt, hat nur mit seinem Bildungsauftrag zu tun – der innere Spötter). Mein Herz wird weit – erstens wegen des schönen, melancholischen Songs, und zweitens, weil die Kellnerin einen längeren, lächelnden Blick auf die REMbox geworfen hat. So! Jetzt schölage ich die Seite 255 auf! Und ich entdecke wieder Neues in den zwei Bildern, bisher vergessene Details … sie waren wirklich schöne Bilder, voll Herz.


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4484 High

 



12:25.  Meine döbranitische Gefangenschaft ist endgültig vorbei! (Gestern Abend war die Präsentation der REMbox in der Secession.) Endgültig!


12:55.  Ich bin seit gestern high. Ich schaue mich im Lokal um, aber nehme nichts wirklich auf (das glaubst du nur – der innere Spötter). Ich will den Staus quo nicht verderben. Egal, ich gehe jetzt in den Park.


13:18.  Die Angestellten in der Secession – sowohl an der Kasse, von der Aufsicht und vom technischen Personal – waren sehr hilfsbereit und freundlich. Was mich aber erstaunt hat: sie haben mich wiedererkannt. Ihre Personengedächtnisse müssen außerordentlich sein. Sogar heute, als ich mein gestern zurückgelassenes Zeug geholt habe (das kannst du genauer beschreiben! Sei nicht so faul! - der innere Spötter). Also: die zwei Decken von der Dekoration, die ich beigesteuert habe, habe ich heute abgeholt, und bin trotz Alltagskleidung gleich erkannt worden und hatte keine Schwierigkeiten, ohne Ticket hinein und in die für Besucher gesperrten Bereiche zu kommen. Ich mußte das an der Kasse und bei der Aufsicht gar nicht erklären, sie haben mich von sich aus auf die gestrige Buchpräsentation angesprochen. Ich habe dann die zwei Decken, die ich für die Veranstaltung im Caritaslager erworben hatte, brav wieder dorthin gebracht und gespendet. [Präsentation: Vergegenwärtigung und Veranwesenheitung!]


13:34.  Was für ein schöner Wind in Hof 5! Was für ein schönes Rauschen in den Bäumen und was für ein schönes Leben!


(28.5.2026)


0:14 a.m.  Die Bücher und Gegenstände im Regal an der Wand bewegen sich und rücken rauf und runter, dass es eine Freude ist. Ich bin müde, fast erschöpft, aber glücklich. Ich schwebe immer noch und fürchte keinen Absturz. Ich bereite mich aber darauf vor, dass dieser Zustand nicht ewig anhalten wird und will die Quintessenz abspeichern. Und ich glaube, dass eine auferlegte Last endgültig von mir abgefallen ist.


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4483 Hu hu, hu hu

 



10:11 a.m.  Tolles E-Gitarrengejaule aus den Boxen. Meine Nerven sind angespannt, völlig angespannt. Heute ist die REMbox-Präsentation in der Secession. Ich überlege, mich als Starter anzubieten (weniger geschraubt: als erster auf die Bühne zu gehen – der innere Spötter). Leicht inszeniert, aber ohne zu verblödeln. Mit „heilendem“ Blick ins Publikum? Diese Phantasie läuft auf Hochtouren und ist somit in Gefahr, zu überkandideln. Ich kenne das, dann kommt es ganz anders als geplant und das Geplante ist nicht mehr durchführbar. Enttäuschung ist vorprogrammiert. Hätte ich als Vorbereitung für den heutigen Abend ins Fitnessstudio gehen sollen (drei s sind überkandidelt! - der innere Spötter)? Aber nachher bin ich immer so fertig und erschöpft und alles tut mir weh. Nein, passt schon, ich verwöhne mich hier im Espresso Burggasse. Ein alter Hit aus den Boxen; wie heißt der noch? On my knees kommt vor. Ah! Layla! Funzt schon irgendwie, oder sind das meine Nerven? Ich betrachte die drei Spiegel im Hinterzimmer, besonders den runden hoch oben mit den goldenen Sonnenstrahlen, spiegeln darin tun sich die weißen Bretter des Holzplafonds. Im Hinterzimmer (vorne ist es zu voll gewesen und in die Laube draußen setze ich mich auch nicht) bin ich momentan der einzige Gast. Die Geräusche und der Sound vom Hauptraum (Gimme Shelter) und das Gerede diffundieren als Klanginstallation nach hinten und nur Personen, die auf die Klos gehen, kommen vorbei. Oder die vom Lokal, die etwas aus dem Lager holen oder etwas hineintragen. Verdammt! Gimme Shelter! Werde ich auf meine alten Tage noch so richtig nostalgisch? Aber passend, denn das Lokal hier ist mein Asyl. Und nun ein sehr, sehr schöner Song, den ich nicht kenne, aber der mir trotzdem bekannt vorkommt, amerikanisch. Mir ist es inzwischen schon peinlich, vor dem Damen- – oh! David Bowie, Starman! - -klo zu sitzen und den davor wartenden Damen beim Warten zuzuschauen. Verlegen beuge ich mein Haupt über das Notizbuch und schreibe mit einer gewissen situationsbedingten unfreiwilligen Fanatik.

Und jetzt Sympathie For The Devil. Vorher war die Musik (aus den Boxen – der innere Spötter) schon zu den Discohits der Achtziger hinauf, besser: hinuntergerutscht. Sympathie for the devil hatte mich damals schon sehr begeistert und emotional mitgenommen (hu hu, hu hu! - der innere Spötter). Texte habe ich sowieso nie verstanden (und versteht sie bis heute nicht – der innere Spötter) und so weiß ich nicht, ob das Ironie ist oder nicht. Jetzt fällt mir wieder die heutige Präsentation ein und ich werde furchtbar nervös. Ich lasse die Welle über mich kommen (Black Magic Woman; Santana) und warte nur auf ihr Verebben. Vielleicht sollte ich nach Haus, um die letzten Dinge vorzubereiten: Anzug, Dekoration, Schmuck … Bhh! Ich muß schnell aufs Klo! Na gut! (Satisfaction; damals habe ich Hitparaden anzuhören begonnen). Heute sind hier Rolling-Stones-Festspiele, scheint’s. Aber ich bin nicht nostalgisch.


(27.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4482 Du bist raus

 



8:32 a.m.  Mein Blick, der im Zimmer umherwandert, kann sich nirgends festhalten. Dazu habe ich jetzt nicht die Nerven. Alle meine Kräfte sind dafür eingesetzt, die Panik nicht ausbrechen zu lassen, sondern zu bannen. Ich bekomme das auf diese Weise eh ganz gut hin. Die extreme Anspannung – auch Empfinden ist zur Zeit ausgesetzt – lese ich an meinen gespreizten Zehen ab. Ich will noch ein wenig warten, ob ich bald loslassen kann und die Anspannung auf ein alltagstaugliches Niveau herunterfahren. Ansonsten muß ich in diesem aktuellen zittrigen Zustand starten und mich durch die Alltagsroutinen zu beruhigen versuchen, ohne dabei die Panik überschwappen zu lassen.

8:52 a.m.  So! Jetzt reicht’s! Ich geh raus! Nein-es-reicht-noch-lange-nicht-mußt-erst-sagen-wie-alt-du-bist! 72. 1-3-4-5-6-7-8-9-10-11-12-13-14-15-16-17-18-19-20-21-22-23-24-25-26-27-28-29-30-31-32-33-34-35-36-37-38-39-40-41-42-43-44-45-46-47-48-49-50-51-52-53-54-55-56-57-58-59-60-61-62-63-64-65-66-67-68-69-70-71-72. Du bist raus!


(26.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4481 Flach hinlegen

 



23:45.  Ich habe Angst vor der befürchteten Angst am Morgen. Die morgendliche Angst hat in letzter Zeit wieder zugenommen. Kann sein, dass das mit den derzeitigen REM-Aktivitäten (REMbox-Präsentation übermorgen) zu tun hat, kann sein mit meiner Verdauung (50 Jahre meines Nachruhms für eine bessere Verdauung – wer war das? Voltaire?) (er übertreibt wieder – seine Verdauung ist gar nicht schlecht – der innere Spötter) (und sein Nachruhm gar nicht so lang – der noch innerere Spötter), kann sein einfach mit dem üblichen Auf und Ab im Universum. Meine Nerven halten jedoch – so scheint es - so etwas Aufregendes wie den geplanten Auftritt bei der REMbox-Präsentation nicht mehr aus; behaupten sie jedenfalls. Ich glaube nicht, dass das stimmt, aber sie verbreiten diese Panik. Ich bereite mich jetzt darauf vor, wie ich die Angst morgen früh aushalten kann. Ich lege mir verschiedene Strategien zu recht und vor allem Sätze. Ich bereite Sätze vor, die mir helfen, die Proportionen im Angstanfall wieder zurechtzurücken, und versuche, sie mir einzuprägen, damit sie mir morgen früh zur Verfügung stehen.

Ansonsten hocke ich jetzt ängstlich im Bett und schaffe es nicht, mich flach hinzulegen. Also warte ich noch, bis die Müdigkeit mich überwältigt. Exakt Mitternacht (wenn nicht Sommerzeit wäre – der innere Spötter). Dass ich schon am Abend vor dem Morgen Angst habe, ist neu. Eigentlich bin ich immer gern schlafen gegangen. Mir fallen jetzt nachträglich aber schon ein paar Taktiken zur Vermeidung des Hinlegens auf, die ich immer wieder von mir unbemerkt angewandt haben könnte.


(25.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4480 Lentivator

 



11:49 a.m.  Ausgedehntes, ausführliches (er hat seine Frau ausgeführt – der innere Spötter), aufgemotztes, nachträgliches Geburtstagsfrühstück für meine liebe Frau im Espresso Burggasse (er war es, der am meisten gefressen hat – der innere Spötter). Heute ist hier viel los. Gottseidank sitzen die Vielen draußen. Die Zeitungen kenne ich schon, die REMbox habe ich nicht mit, der asymmetrische (ich bin dafür, dass man sich hier ein m ersparen kann) Lichtengel strahlt wieder asymmetrisch. Mir jedoch rinnt die Nase, darum muß ich mich schleunigst schneuzen (Schnauze! Ihr Rechtschreibverbesserer!). Aber die Nase läßt sich nicht richtig schneuzen; ich kriege das Zeug nicht zur Gänze heraus und sie produziert anscheinend ständig nach und will unbedingt weiter rinnen. Der Ventilator wird gleich eingeschaltet werden – ich habe zufällig das diesbezügliche Gespräch zwischen Kellnerin und Kellner belauscht. Er – der Ventilator – dreht sich schon und bringt Bewegung in die Luftverhältnisse. Die Musik ist schön und wird ausschließlich von Sängerinnen bestritten (warum heißt das bestreiten? Hat das mit streiten zu tun?). (Ja – der Tipper.) Der Ventilator dreht sich übrigens gegen den Uhrzeigersinn – vom äußeren Betrachter aus gesehen; vom Motor aus gesehen im Uhrzeigersinn. Wurscht! Die Musik ist immer noch weiblich gesungen und sehr schön. Nennt man das hier Terrazzoboden? Ich weiß es nicht mehr genau; so gesprenkelt. (Ja, nennt man – der Tipper, der immer nachschauen muß.) Nachdem ich hier nicht allein sitze, sondern ein ansprechbares Gegenüber habe, mußte ich nach dem zweiten Cappuccino eine Schimpftirade über diesen besoffenen, blauen Autoalkpolitiker loslassen. Dann bremse ich mich mühsam wieder ein (weil generell Schimpftiraden bei seiner Frau nicht gut ankommen – der innere Spötter).

Summer in the city (nicht aus den Boxen, sondern in meinem Kopf; allerdings nur Bruchstücke der Melodie und der Titel) (von The Lovin’ Spoonful – der Tipper). Ich probiere Wortspiele mit Ventilator aus, komme jedoch auf nichts (was soll man mit Venti-la-Tor anfangen? Bringt sowohl mit das Tor als auch mit der Tor nichts. Und Lenti-Vator als hochgestochene Form von der Vater von Linz ist zu weit hergeholt und eindeutig sehr blöd. Und zu Lentivator müßte man sich auch erst eine Bedeutung ausdenken. Vielleicht Verlinzerer?).


(25.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 26. Mai 2026

4479 Manikürzeug

 



15:00.  Kann ich etwas Neues aus dem Gänsehäufel berichten? Nein, nichts Neues unter der Sonne: die Kinder jenseits der Hecke schreien, der Wind läßt von Zeit zu Zeit die Pappelblätter zittern, auch die Lichtreflexionen auf dem Wasser blinken, manche Schatten tanzen, meine Frau schläft auf der Decke, wacht auf, schaut sich um, überlegt anscheinend etwas und nimmt dann die leere Flasche, um Wasser holen zu gehen. Pfingstsonntag. Wo ist der Heilige Geist? Der weht angeblich auch, wo er will. Und schon fährt mich ein Windstoß an (Echt jetzt? - der innere Spötter). Ist das ernst gemeint, frage ich den Wind. Das ferne Grummeln eines Flugzeugs (heute anscheinend sehr wenige, oder habe ich sie bis jetzt nicht registriert?). Die Häuschen am Ufer, dahinter die großen Wohnanlagen; Donaustadt eben. Pappelsamen fliegen langsam herunter, außer der Wind taucht ihnen ordentlich an, dann fliegen sie quer von rechts nach links. Es stinkt nach Zigarettenrauch. Auf dem Wasser die bescheuerten Plastikboote mit Palme (vielleicht sind die in ihren Kübeln sogar echt; das kann ich von hier aus nicht verläßlich feststellen). Vom Nagelbett meines linken kleinen Fingers steht ein Hautstückchen ab und beginnt mich zu nerven. Manikürzeug habe ich nicht dabei. Eine kleine Ameise besucht die aufgeschlagene Notizbuchseite und wendet sich mit Grausen ab, verheddert sich jedoch in der Behaarung meines rechten Oberschenkels. Soll ich wieder eine Wanderrunde durchs Gelände drehen? Ich brauche noch einige Schritte zum Plansoll zehntausend Schritte. Ja, warum nicht. Und nachher ins Wasser.


18:01.  Es wird Abend. Die Hitze hat sich verflüchtigt, zumindest hier am Wasser unter den Bäumen, durch die ein ständiger Wind geht. Die Schatten sind größer und länger geworden und viele Besucher brechen auf. Ich nehme die Kappe ab und werfe sie ins Gras, denn der Schatten, in dem ich sitze, ist dicht und stark. Das Glitzern des Lichts am Wasser wirkt schon etwas schwermütig. Abschied. Wir brechen jetzt auch auf.


(24.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026   peteraloisrumpf@gmail.com