4571 Durchs Heckenlabyrinth
Auf dem Marsch vom Unteren ins Obere Belvedere wähle ich die Wege durchs Heckenlabyrinth, um – so gut es geht – im Schatten zu wandeln. Dabei gerate ich wieder ins ergreifende Mittagsläuten. Fast ein bißchen zu heiß für ein sich erhebendes Herz.
12:25. Das Obere Belvedere habe ich gar nicht aufgesucht, sondern bin schnurstracks zum Belvedere 21 aka Museum des 21.Jahrhunderts aka Zwanzgerhaus gegangen und sogleich in die Lucy-Bar eingekehrt, wo ich völlig verschwitzt ein alkoholfreies Gösser trinke. Pah, ist es hier schön und angenehm! Der Tag ist jetzt schon sehr ergiebig und reich. Ich betrachte die feinen Wasserfontänen, die von den Wassersprühstangen in die heiße Luft entlassen werden und vom Wind mal schwächer, mal stärker in alle möglichen Richtungen, mehr nach oben, mehr nach unten etcetera geblasen werden. Auch das ist schön anzuschauen.
Während ich hier sitze und mir die langen Sacherwürstel einverleibe, bilde ich mir wirklich ein, meine Schreiberei rechtfertige diesen Luxus (auf meinem T-Shirt steht Bin in der Arbeit), wann, wo und warum kommen dann immer die Zweifel?
Vom Händewaschen zurück (genau das! Wörtlich! Nichts anderes) steht der Cappuccino schon am Tisch (hier sind sie auch schon so freundlich zu mir wie im Katscheli, Espresso Burggasse, Kaffeeamt und Leo). 6.494 Schritte; das ist noch nicht allzu viel! 34°C im Schatten. Ich bin wieder beim Wassernebel draußen (mit den Augen). Was mich ein wenig stört: dass genau hinter diesem Nebel das Riesenplakat einer jungen Frau als Werbung für den Fitnessclub dort im Erdgeschoß die schöne, natürlich-abstrakte Wasser-Schwerkraft-und-Wind-Perfomance mit seiner (des Plakates) menschenzentrierten Aufdringlichkeit irritiert.
Vorgestern habe ich die Goeschl-Skulptur da draußen als ein wenig lächerlich bezeichnet, heute nehme ich das zurück; die Ästhetik der Fünfziger-Sechzigerjahre ist angenehmer als all die post- und postpostmoderne Aufgeblähtheit und zum Beispiel fotorealistische Glätte und Plakatgefälligkeit à la Fitnesswerbung. Und abstrakter, was sehr wohltuend sein kann.
Zurück zum Wassernebel (Des Menschen Tage, sie gleichem den Gras; er blüht wie die Blume des Feldes; ein Hauch des Windes, und schon ist sie dahin; und der Ort, wo sie stand, er hat sie vergessen. Angeblich Psalm 103, 15-16.). Wenn ich noch ein wenig Zeit schinden will, könnte ich mich ins Blickle-Kino setzen (Oida! Du bist sterblich! Welche Zeit glaubst du, dass du dabei tot schlägst? - der innere Spötter). Der Wind weht jetzt den Wassernebel kräftig an und treibt ihn schnell und weit nach Süden (glaube ich), so weit, dass er noch hinter der Goeschl-Skulptur zu sehen ist (wer das überprüfen will: ich sitze wieder am Platz mit dem erotischen Lampenschirm und habe den Stuhl ein wenig vom Tisch – der übrigens auch eine schöne und stabile Form hat - abgerückt, sodass ich gut auf den Hydranten mit der Wassernebelstange blicken kann. Meine Wasser-Nebel-Aufmerksamkeitsspanne ist nicht allzu groß; ständig schweift mein Geist mit seiner Aufmerksamkeit ab. Übrigens: der Besuch im Blickle-Kino war keine Zeitverschwendung sondern interessant!
13:55. Ich gehe in den Garten und Skulpturenpark hinaus und es überrascht mich bei dieser Hitze intensives Vogelgezwitscher. Dann stelle ich mich bei Thomas Baumanns Wellenmaschine am Ende des Wasserbeckens an die kleine schattige Stelle und warte, ob die Wellen kommen. Aber sie kommen nicht. Oder doch? Ja! Jetzt! Aber sehr mickrig! Das war doch einmal stärker, oder!? Ich gehen zum anderen Ende näher zur Maschine und sehe eine Ente in diesem Wasser schwimmen, während ich knackend und krachend über die unzähligen Eicheln schreite, die der riesige Eichenbaum, der guten Schatten spendet, abgeworfen hat. Auch jetzt fallen noch Früchte auf den gepflasterten Grund, ich kann sie aufschlagen hören.
Ich gehe dann einfach durch den Schweizergarten ab und zertrete dabei noch unzählige Früchte der Linden.
(6.8.2026)
©Peter Alois Rumpf August 2026 peteraloisrumpf@gmail.com