4658 Mit federndem Schritt
11:19 a.m. Mit federndem Schritt bin ich im Espresso Burggasse eingetroffen, mit einem Weiler-Buch, das mir bei Wienerroither & Kohlbacher geschenkt wurde! Ich bin so glücklich!
12:03. Emerson, Lake and Palmer habe ich aus Boxen gehört und irgendwann auch The Cream, den Standard habe ich gelesen, das wunderschöne Buch über eine Ausstellung von Max Weiler habe ich durchgeblättert … ich sitze im hinteren Raum, an der Wand gegenüber das prächtige, blecherne Segelschiff – von hinten beleuchtet, was es noch eindrucksvoller und dreidimensionaler macht. Meine Sorgensachen der letzten Tage habe ich inzwischen alle abgearbeitet und kann sagen: jetzt bin ich frei! (bis zum nächsten Mal – der innere Spötter)
Vor lauter Glück kann ich meine Gedanken gar nicht ordnen (hast du das jemals können? - der innere Spötter). Bei Wienerroither & Kohlbacher / Fine Art Vienna haben sie mich ermuntert, immer wenn die ausgestellten Bilderanschauen mag, anzuläuten. Ich hätte mich das als finanziell Impotenter nie getraut.
Die Wende ist so gekommen:
Beim Wienrroither & Kohlbacher haben sie heraußen vor der Tür einen Tisch stehen, wo sie Kunstkataloge zur freien Entnahme anbieten. Als ich heute am Weg von der Zahnambulanz in mein Lieblingscafé bei W&K vorbeiwandere, legt ein Mann aus dem Geschäft gerade Bildbände heraus. Ich gehe neugierig hin und der Mann drückt mir einen Band in die Hand. Ich sehe, dass es ein Klimtbildband ist und gebe ihn sogleich zurück und sage: „Den Klimt kann ich nicht mehr sehen!“ Um W&K, ihn und seine Freundlichkeit nicht zu kränken, füge ich wahrheitsgemäß an: „Aber ich schaue immer, wenn ich vorbeigehe, durch die Fenster, ob ich einen Weiler hängen sehe!“ [sie haben dort irgendwie mit dem Weilernachlass zu tun] und zeige auf das eine Weilerbild an der Wand. Darauf sagt der Mann: „Ich kann Ihnen auch einen Weilerbildband schenken!“ und lädt mich ein, doch einzutreten. Allein schon, dass ich das Geschäft betreten darf, rührt mich zutiefst. Ich schaue mir drinnen die Bilder an den Wänden an, besonders das Weilerbild, während der freundliche Mann nach hinten geht, um den versprochenen Band zu holen. Dabei komme mit dem ebenfalls freundlichen Mann am Schreibtisch im vorderen Raum ins Plaudern. Dass der Weiler einer meiner Lieblingsmaler ist, dass ich vor Jahrzehnten öfters zu Besuch in seine Klasse an der Kunstakademie war, weil ich einige seiner StudentInnen kannte und so weiter, bis ich auch von REM und der REMbox erzähle. Der Mann am Schreibtisch lädt mich tatsächlich ein, öfters hereinzukommen und mich hier umzusehen. Ich betone noch, dass ich kein Käufer sein kann und frage noch ganz erstaunt: „Ich kann an der Tür läuten und hereinkommen, obwohl ich aus finanziellen Gründen nichts kaufen kann?“ „Aber ja!“ war seine Antwort und er schlägt vor, meine E-mail-Adresse in die Liste einzutragen, um mich von Veranstaltungen informieren zu können. Ich jedoch bin so euphorisch, dass ich das nicht mache, sondern gleich meine Visitenkarte hinlegen will. Das gerät allerdings etwas umständlich, denn zuerst fällt mir nicht ein, wo ich die Karten eingesteckt habe – meine aktuelle Jacke hat keine dafür geeignete Tasche – und als mir einfällt, dass ich sie rückwärts in meinem Bauchtäschchen, in dem ich vorne mein Handy mit Schrittzähler trage, also in der am Körper anliegenden Seite verwahre, wird es erst recht umständlich, zunächst meine Jacke mit dem leicht klemmenden Reißverschluß aufzumachen, jene auszuziehen, den Pullover hochheben, und, weil ich an die Rückseite des Täschchens herankommen muß, und schließlich das Bauchtäschchen abzuschnallen. Und nachdem ich euphorisch mein Kärtchen übergeben habe, wieder der ganze Vorgang retour. Ich mache schon noch eine Bemerkung darüber, wie das für Passanten draußen komisch ausgesehen haben muß – aber egal, es macht mir jetzt meine Umständlichkeit nichts aus und beglückt und für meine Verhältnisse überschwänglich bedanke ich mich (dein Eifer wird dich verraten – der innere Spötter) und marschiere mit federndem Schritt von dannen, das Weilerbuch mit beiden Händen glücklich umklammernd (ich hatte keine Rucksack dabei).
So sitze ich jetzt da, werde bald trotz nahender Pleite einen zweiten Cappuccino bestellen und blättere beglückt, staunend und ergriffen den Katalog durch, besonders die ausklappbaren Seiten mit den großformatigen Arbeiten haben es mir angetan. Ich zittere vor Glück (und ein wenig kalt ist dir auch – der innere Spötter). Vor lauter euphorischer Unruhe und Aufgeregtheit kann ich nicht schreiben und muß pausieren und vor lauter … – wie oben – lese ich die Salzburger Nachrichten.
Inzwischen habe ich sie wieder in den Zeitungsständer gesteckt und mische mich sogar in die auf Tirolerisch geführte Diskussion am Tisch gegenüber über die Ofenrohre hier im Lokal ein – vorher ging es ihnen um das Genitiv „s“. Das Blech-Segelschiff an der Wand fährt tatsächlich in Gegenwart, Anwesenheit und mein Bewußtsein. Ich schaue wieder in den Weilerband (Max Weiler, 1910 – 2001, Vier Wände, Four Walls) und hebe ihn dabei hoch, weil ich den Tirolertisch beeindrucken will, wo ich hoffe, dass jemand zufällig herschaut, denn ich traue ihnen zu, dass sie den Weiler kennen. Ob’s zutrifft, weiß ich natürlich nicht. Aber als dann wirklich wer herschaut, hatte ich den Bildband schon neben mir auf der Bank abgelegt.
Beim Wienrroither & Kohlbacher haben sie heraußen vor der Tür einen Tisch stehen, wo sie Kunstkataloge zur freien Entnahme anbieten. Als ich heute am Weg von der Zahnambulanz in mein Lieblingscafé bei W&K vorbeiwandere, legt ein Mann aus dem Geschäft gerade Bildbände heraus. Ich gehe neugierig hin und der Mann drückt mir einen Band in die Hand. Ich sehe, dass es ein Klimtbildband ist und gebe ihn sogleich zurück und sage: „Den Klimt kann ich nicht mehr sehen!“ Um W&K, ihn und seine Freundlichkeit nicht zu kränken, füge ich wahrheitsgemäß an: „Aber ich schaue immer, wenn ich vorbeigehe, durch die Fenster, ob ich einen Weiler hängen sehe!“ [sie haben dort irgendwie mit dem Weilernachlass zu tun] und zeige auf das eine Weilerbild an der Wand. Darauf sagt der Mann: „Ich kann Ihnen auch einen Weilerbildband schenken!“ und lädt mich ein, doch einzutreten. Allein schon, dass ich das Geschäft betreten darf, rührt mich zutiefst. Ich schaue mir drinnen die Bilder an den Wänden an, besonders das Weilerbild, während der freundliche Mann nach hinten geht, um den versprochenen Band zu holen. Dabei komme mit dem ebenfalls freundlichen Mann am Schreibtisch im vorderen Raum ins Plaudern. Dass der Weiler einer meiner Lieblingsmaler ist, dass ich vor Jahrzehnten öfters zu Besuch in seine Klasse an der Kunstakademie war, weil ich einige seiner StudentInnen kannte und so weiter, bis ich auch von REM und der REMbox erzähle. Der Mann am Schreibtisch lädt mich tatsächlich ein, öfters hereinzukommen und mich hier umzusehen. Ich betone noch, dass ich kein Käufer sein kann und frage noch ganz erstaunt: „Ich kann an der Tür läuten und hereinkommen, obwohl ich aus finanziellen Gründen nichts kaufen kann?“ „Aber ja!“ war seine Antwort und er schlägt vor, meine E-mail-Adresse in die Liste einzutragen, um mich von Veranstaltungen informieren zu können. Ich jedoch bin so euphorisch, dass ich das nicht mache, sondern gleich meine Visitenkarte hinlegen will. Das gerät allerdings etwas umständlich, denn zuerst fällt mir nicht ein, wo ich die Karten eingesteckt habe – meine aktuelle Jacke hat keine dafür geeignete Tasche – und als mir einfällt, dass ich sie rückwärts in meinem Bauchtäschchen, in dem ich vorne mein Handy mit Schrittzähler trage, also in der am Körper anliegenden Seite verwahre, wird es erst recht umständlich, zunächst meine Jacke mit dem leicht klemmenden Reißverschluß aufzumachen, jene auszuziehen, den Pullover hochheben, und, weil ich an die Rückseite des Täschchens herankommen muß, und schließlich das Bauchtäschchen abzuschnallen. Und nachdem ich euphorisch mein Kärtchen übergeben habe, wieder der ganze Vorgang retour. Ich mache schon noch eine Bemerkung darüber, wie das für Passanten draußen komisch ausgesehen haben muß – aber egal, es macht mir jetzt meine Umständlichkeit nichts aus und beglückt und für meine Verhältnisse überschwänglich bedanke ich mich (dein Eifer wird dich verraten – der innere Spötter) und marschiere mit federndem Schritt von dannen, das Weilerbuch mit beiden Händen glücklich umklammernd (ich hatte keine Rucksack dabei).
So sitze ich jetzt da, werde bald trotz nahender Pleite einen zweiten Cappuccino bestellen und blättere beglückt, staunend und ergriffen den Katalog durch, besonders die ausklappbaren Seiten mit den großformatigen Arbeiten haben es mir angetan. Ich zittere vor Glück (und ein wenig kalt ist dir auch – der innere Spötter). Vor lauter euphorischer Unruhe und Aufgeregtheit kann ich nicht schreiben und muß pausieren und vor lauter … – wie oben – lese ich die Salzburger Nachrichten.
Inzwischen habe ich sie wieder in den Zeitungsständer gesteckt und mische mich sogar in die auf Tirolerisch geführte Diskussion am Tisch gegenüber über die Ofenrohre hier im Lokal ein – vorher ging es ihnen um das Genitiv „s“. Das Blech-Segelschiff an der Wand fährt tatsächlich in Gegenwart, Anwesenheit und mein Bewußtsein. Ich schaue wieder in den Weilerband (Max Weiler, 1910 – 2001, Vier Wände, Four Walls) und hebe ihn dabei hoch, weil ich den Tirolertisch beeindrucken will, wo ich hoffe, dass jemand zufällig herschaut, denn ich traue ihnen zu, dass sie den Weiler kennen. Ob’s zutrifft, weiß ich natürlich nicht. Aber als dann wirklich wer herschaut, hatte ich den Bildband schon neben mir auf der Bank abgelegt.
Ich zapple schon vor Ungeduld auf das Eintippen dieses Textes (allerdings muß er vorher noch einige depressive abarbeiten – der innere Spötter). Ja, ja, das kriegen wir schon hin; mit Pausen, Essen als Stärkung und herumhüpfen im ehemaligen Atelier, wo das für die Schublade zuständige Laptop steht (ganz so ist es nicht gekommen: es ist 22:59 und ich bin immer noch nicht fertig, Pausen waren zu wenige, mir tut der Rücken weh, ich bin müde und herumgehüpft bin ich auch nicht – der Tipper). Blöd ist nur, dass ich für die weite Wanderung durch die Stadt keinen Rucksack für den Bildband mithabe. War ja alles nicht geplant.
(20.10.2026)
©Peter Alois Rumpf Oktober 2026 peteraloisrumpf@gmail.com
(20.10.2026)
©Peter Alois Rumpf Oktober 2026 peteraloisrumpf@gmail.com