4604 Eine zweite Maschine
15:08. Der depressive Anfall von gestern ist vorbei (keine Sorge! Ein neuerlicher wird garantiert wieder kommen – der innere Spötter) und schon verprasse ich mein Geld (keine Sorge! Du wirst eh heute noch im Lotto gewinnen – der innere Spötter). Die Musik gefällt mir, unbekannterweise. Musik ist auch ein Argument fürs drinnen Sitzen. Ich muß zugeben: ohne depressiven Zustand schreibt’s sich schlecht. Was soll ich da schreiben? Dass meine Frau auch da herkommt? (warum nennst du sie nie mit Namen? - der innere Spötter). Tja, warum? Genau weiß ich es nicht. Wegen der archaischen Vorstellung, dass den Namen zu wissen Macht über die benannte Person bedeutet? Wer weiß. Jedenfalls habe ich ihr eine SMS geschickt, dass ich vergessen habe, die restliche Fischsuppe in den Kühlschrank zu stellen. Zu spät. Sie ist schon da. Die spinatgrüne Garderobenwand dort beim Eingang ist sehr schön. Also: Holzleisten in einem Grün, wie wenn man in den passierten Spinat das Eigelb vom Spiegelei schon ein wenig eingerührt hat, erzeugen in ihrer senkrechten Anordnung auf schwarzem Untergrund mit kleinen Abständen dazwischen ein gestreiftes Relief grün-schwarz, das sehr schön und sehr elegant ist. Ich meine das ernst!
Um mich abzulenken nehme ich das Angebot meiner Frau – ein halbes Croissant – an, esse es und schaue durchs Fenster zur Eingangstür des Amtes für Eich- und Vermessungswesen, in deren Glas sich alles mögliche spiegelt und collagiert. Und man hat einen Durchblick zum Hof dahinter, weil der Hinterausgang ebenfalls mit einer Glastüre versehen ist. Ich sehe einige undeutliche Gestalten meinen Durchblick querend in den Hof gehen. 15:45 – Amtsschluß? Ist im Hof der amtsinterne Parkplatz? Ich habe keine Ahnung. Die schöne Europafahne über dem Eingang begrüße ich wie eine alte Bekannte. Noch ist die Fahne ganz ruhig (es ist Wetterumschwung und Schlechtwetter angesagt); die Sonne ist schon verdeckt. Ja, der Hof ist ein Parkplatz; ich sehe ein Auto hinter der zweiten Glastüre vorbeigleiten. Wirklich schöne Musik aus den Boxen. Ich muß nach Hause zur Wäsche. Eine zweite Maschine voll wird noch nötig sein. Und das Geschirr auch.
(9.9.2026)
©Peter Alois Rumpf September 2026 peteraloisrumpf@gmail.com