13:12. Ich schleiche und stapfe schwerfällig, angeschlagen und wie betäubt herum wie der Prinz Claus (der Niederlande und Jonkheer van Amsberg) in seinen besten Zeiten, aber immerhin sitze ich nun mit meiner glücklichen Königin in der
Lucy Bar im
Belvedere 21 umbenamsten Zwanzgerhaus bei jazziger Barmusik aus den Boxen in Erwartung eines halbwegs guten Cappuccinos. Der Kellner stellt das Tablett am Tisch ab, aber stellt die jeweiligen Getränke nicht zu den jeweiligen Konsumenten. Ein Minuspunkt (wenn ich schon schwer deprimiert bin, will ich wenigstens streng sein). Der Cappuccino ist schon okay, wenn auch etwas dünn, aber das geht und passt schon (für mehr Strenge reicht meine seelische Energie nicht aus). Das Kakaopulver am Cappuccino ist recht viel, aber das ist mir nun wirklich recht, ohne wenn und aber (was steht als erstes Wort nach dem vorigen Beistrich? - der innere Spötter). Ich fordere meine Königin auf, von ihrem Sodazitron, das schon eine geraume Zeit wahrlich sinnlos am Tisch herumsteht, zu trinken, indem ich feststelle: du trinkst dein Sodazitron gar nicht! (dafür reicht die „seelische Energie“! - der innere Spötter). Ich gestehe, dass mir dünner, aber guter Kaffee eh lieber ist als ein fetter. Meine Verdauung spinnt auch irgendwie (die neu verschriebenen Blutdrucksenker?). Das Alter ist immer und überall, man sieht es auch auf der Straße. Die Ausstellung im Erdgeschoß erinnert uns (also beide) an die
Vikingertherapie (Original:
Den Sidste Viking) (mehr will er nicht preisgeben: einerseits, weil er seine LeserInnen papierln will, und andrerseits, weil angeblich seine seelische Energie nicht ausreicht, das genauer zu beschreiben und besser zu erörtern – der innere Spötter). Nein, der Cappuccino ist schon richtig gut! Das Saxophon jammert angenehm dahin, aber
das kann ich besser (das Jammern, nicht das Saxophonspielen, das ich in meiner Jugend auch einmal lernen wollte, aber nie gelernt habe. Ursprünglich hätte ich gerne Gitarre gelernt, wurde aber abgelehnt). (Ein Schütze, dem man das Gitarrespielen ausredet!)
Zurück in die wunderschöne Lucy Bar mit den großzügigen Glaswänden. Der Wind bewegt die etwas einfallslosen und farblich und designlich schwächelnde Fahnen vorm Eingang so schön, und wird nach meinem Kommentar hier – ich wette, der Wind oder die drei Fahnen haben das mitgekriegt – stärker. Ist schon gut! Ihr müßt wegen meiner Meckerei nicht aufdrehen! Ich find nur, dass die Fahnen, die ausschauen wie die von Autohäusern, eines Kunsttempel unwürdig sind, aber wenn ihr mich frägt, wie ich sie anders gestalten würde, fällt mir auch nix ein. Die weißen Fahnen mit dem bißchen Schrift und der Zeichnung drauf, werden im Wind unleserlich – was man schon so lassen kann – aber das Weiß der Fahnenfläche finde ich etwas fade. Nochmals: ich weiß auch keine bessere Lösung. Vielleicht muß es so sein; ich kann mir – obwohl ich schon minutenlang hinstarre – auch keine andere Farbe vorstellen. Die Lampenschirme hier in der Bar sind großartig und begeistern mich bei jedem Besuch aufs Neue. Dieses ganze Ensemble sehr verschiedener Lampenschirmkunstwerke gefällt mir einfach und veredelt den Raum. Vielleicht müssen die Fahnen vorm Hintergrund der grauen Glasbauten wirklich weiß sein. Ich weiß es nicht (das schreibt er jetzt nur wegen
weiß (Farbe) und
weiß (wissen); das gehört auch zum Papierln – der innere Spötter).
Ich lege mein Schreibzeug und die Brille ab und plaudere – zwei Cappuccini! - meine Königin an und kann nicht mehr aufhören, erzähle alles, verrate alles, gebe alles preis und vertreibe sie damit (die glückliche Königin fährt jetzt nach Hause um zu kochen!). Ich bleibe noch da, bei meinem zweiten Cappuccino, bin aufgeregt wie der fahnenschwingende Wind (so gut er es bei den einmal längs, einmal quer festgezurrten Fahnen hald (sich!) kann), begrüße das nun zu erwartende Dahinblödeln und hoffe auf wieder verstärkten Schreibfluß, weil ich niemanden anquatschen und mein angestochener Mitteilungsdrang (seine Handschrift wird immer unleserlicher – der innere Spötter) nur mehr aufs Papier ausrinnen kann, wenn ich nicht in ausufernde innere Monologe abheben will (schreiben bremst). Die eine junge Frau dort drüben fotografiert exzessiv, die andere junge Frau weiter hinten zeigt zeitweise ihr Profil. Ihr Mittelscheitel – sie schaut jetzt nicht mehr zum Fenster hinaus, sondern vor sich auf den Tisch – ist – soweit ich es sehen kann – perfekt. Ein Gesicht wie von einem alten Gemälde! (Oida! Es gibt unzählige, sehr unterschiedliche Gesichter auf alten Gemälden! Deine Aussage ist nichtssagend; höchstens, dass mitteleuropäische Gene gerne in Mitteleuropa weitergegeben werden – der innere Spötter.)
Das mit den festgezurrten Bewegungen der Fahnen – damit hat es etwas! (ja, ja, leicht zu durchschauen! Du willst auf
Canetti hindeuten. Auch das sagt nichts wirklich Relevantes aus! - der innere Spötter). (Genauso pflegt er sich und seine Texte aufzublustern – mit nicht weiter ausgeführten Andeutungen – der innere Spötter.) Ach und so schöne schwermütige und schwermütig gesungene Musik! Trauer und Schmerz sind immer und überall (
semper et ubique – gottseidank rauche ich nicht mehr!) (Wieder so eine Andeutung, mit der er sich kryptisch gibt und die LeserInnen papierlt! Wer weiß denn noch, dass auf der Packung der Zigaretten der Sorte
Smart export um das Logo
semper et ubique gestanden ist? - der innere Spötter.)
Smrt wäre zutreffender gewesen (da! Schon wieder! Wer weiß schon, dass slowenisch
smrt auf Deutsch
Tod heißt? - der innere Spötter.
Smrt fašizmu!).
Jetzt beginnen die Assoziationswellen auszuufern und sich zu überschlagen – der Lampenschirm vor (nicht über) mir passt mit seinem kreisenden orangen Liniengewirr exakt dazu und auf der anderen Seite des Lokals wird von Klagenfurt/Celovec geredet.
Schwerfällig und gekrümmt wie ein alter Mann (
wie ist gut! - der innere Spötter) erhebe ich mich vom gepolsterten Sessel und schleppe mich aufs Klo. Dort gibt es einen großen, bis zum Boden reichenden Wandspiegel – eh mit einem aber doch wieder transparenten Vorhang, den man vor den Spiegel ziehen kann, wenn einem der nackte Anblick zu viel ist – und wie ich mich da so mit heruntergelassenen Hosen von der Seite sitzen sehe - die Wampe wölbt sich vor fast bis zu den Knien – muß ich sagen: ich bin kein schöner Mann! (
kein schöner Mann in unsrer Zeit … - der innere Spötter).
Trinken wir aus und gehen oder fahren wir nach Hause, nachschauen, was die Königin essensmäßig vor- und zubereitet hat. Amen.
Ich bin jetzt nochmals durch die Ausstellung gegangen, und zwar mehr mitten durch und nicht mehr bloß am Rand, und jetzt beeindrucken mich diese flechtenfarbigen Stoffwesen mit „abgeschlagenen“ Köpfen (
Vikingertherapieassoziation) mit der fluiden klanginstallierten Musik doch! Ein Bedrohung andeutender Wald (Canetti!) bei düsterer Beleuchtung und es wirkt auch durch die großen Glasfronten so, als wäre es draußen ganz düster. Die kahlen Äste der Bäume des Schweizergartens hinten verstärken diesen Eindruck und ich staune immer wieder über die graphische Schönheit dieser wirren, dichten Äste und Zweige, die sich so traurig und mit vielversprochenem, vielleicht auch vergeblichen Glauben nach oben strecken.
Jetzt aber schnell nach Hause zum späten Mittagessen, Depression hin oder her! (
So schwer kann sie dann nicht sein, die Depression, wie er behauptet hat – der innere Spötter.)
(8.2.2026)
©Peter Alois Rumpf Februar 2026
peteraloisrumpf@gmail.com