Mittwoch, 4. Februar 2026

4348 Reizgasunterwäsche

 



10:05 a.m.  Heute ist eigentlich der erste der drei geplanten Fitnesstage der Woche und ich bin seit 7 Uhr wach, aber der beschissene Psychiatertermin bereitet mir immer noch so viel Angst und Unruhe, dass ich mich wieder ins Bett gehockt, gut zugedeckt bis zum Hals und durch Wärme und Ruhe versucht habe, meine aufgescheuchte Seele zu beruhigen. Für heute ist der Besuch im Fitnessstudio gestrichen; lange hatte ich darum gekämpft, doch hinzugehen; an mehreren Zeitpunkten seit 7 Uhr war ich nahe daran, doch aufzustehen; letztlich waren es auch Schmerzen im Knie, die die Waagschale in Richtung Erholung absenken haben lassen. Aber vor meinem ständigen inneren Tribunal mußte ich versprechen, dafür wenigstens zu versuchen, einen Text zu schreiben. Trotzdem ist meine Erholung nicht frei von Schuldgefühlen. Im innersten Kern jedoch weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war.

Ich mag die Augen gar nicht aufmachen; ich möchte nur in diesem Halbdunkel dahinschweben, wobei ich immer wieder in kurzen Schlaf kippe, aus dem mich dann eine erschreckende Traumsequenz herausreißt. In diesem Schwebezustand „fahre“ ich nicht nur durch Traumfragmente, sondern auch durch alle möglichen Erinnerungsfetzen meines Lebens – die meisten unangenehm – oder durch kurze, plötzliche Phantasieszenen, oder stoße auf Einfälle für Wortspiele (zB Reizgasunterwäsche), dennoch empfinde ich diesen Schwebezustand als heilsam. Ich habe den deutlichen Eindruck, so heile ich aus und stärke meine eingeschüchterte Seele.

Jetzt ist es wieder so finster in meiner Kemenate, dass ich die Lampe neben dem Bett aufdrehen muß, um weiterschreiben zu können. Vorher war ich in Gedanken bei irgendeinem antiken Kirchenvater, der geschrieben hat, dass die Engel, weil geistigere Wesen, nach ihrem Sündenfall tiefer gefallen sind, als die Menschheit nach ihrem, denn die stärkere Verankerung in diese Alltagswelt über ihre physische Leiblichkeit macht es dem Menschen zwar schwerer, hoch zu steigen, deswegen kann er aber nicht so tief stürzen. Eine Argumentation, der ich einiges abgewinnen kann, und als Bestätigung dafür – mutatis mutandis - ist mir die Schilderung des inszenierten Gerichtsprozesses im Internat von Michael Köhlmeier eingefallen, den er so eindringlich beschreibt. So ungefähr arbeitet mein Geist, strengt sich an und erholt sich dabei. Den beschissenen Psychiater habe ich dabei fast vergessen. Fast. Ich atme tief durch und ich spüre, dass ich bald aufstehen und mich für meine Psychotherapiestunde rüsten werde, deren Teilrefundierung der Kosten mir dieser von der kranken Gesundheitskasse verordnete Psychiater in drei Wochen streitig machen wird. Bis zu diesem Termin werde ich meine Nerven schon hingeschmissen haben und wahrscheinlich völlig zermürbt sein.

(Ich bin immer wieder davon fasziniert, dass jedesmal, wenn ich beim Abschreiben des handgeschriebenen Textes etwas von „tief durchatmen“ eintippe – auch jetzt! - mein Körper sofort und unwillkürlich einen tiefen Atemzug macht, der die Brust richtig weitet und die Lunge richtig mit Luft füllt – der Tipper.)


(2.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4347 Unverschämtheit

 



23:27.  Ich hocke im Bett und das Fenster ist offen. Die kalte Luft zieht eigentlich unauffällig herein, aber kalt wird es doch im Zimmer. Ich bin wegen des Psychiatertermins immer noch verstört. Fast die gesamte wache Zeit spiele ich alle möglichen Varianten durch: wenn er das sagt, kann ich das antworten. Aber das wird mir nicht helfen; ich werde mich nicht schützen können. Das Setting ist nicht angemessen und nicht schützend: ich soll meine psychischen Probleme respektive Störungen erklären und plausibel machen, um zu beweisen, dass ich die Therapie brauche. Also müßte ich meine Seele offenlegen, aber das ist keine therapeutische Situation, sondern eine Prüfung, die von vornherein mit Unterstellungen arbeitet. Ist der Psychiater überhaupt zum Stillschweigen bezüglich der Krankheit verpflichtet? Was aber noch schlimmer ist: er hat die Aufgabe, für die kranke Gesundheitskasse Kosten einzusparen, und wie ich es beim letzten Mal erlebt habe, bezweifelt er einerseits meine seelische Not und wirft mir gleichzeitig vor, warum ich mich so lange damit herumschlage. Anders gesagt: ich soll ihm meine Seele präsentieren und er kann, nein!, soll hineintreten, um mich abzuschrecken. Ich soll ihm mein Leid schildern und er lehnt sich süffisant zurück und macht zynische, abwertende und gemeine Bemerkungen. Es fehlt jeder therapeutische Schutz, wo man davon ausgehen kann, dass man vom Therapeuten gewissenhaft und gründlich, anständig und vorurteilsfrei behandelt wird. Der Spin der ganzen Veranstaltung, die ein reines Unterwerfungsritual ist, geht auf „Dekonstruktion“ vulgo Zerstörung und Einschüchterung. Die Unterstellung ist: in bin nicht jemand in Not, ich bin nicht jemand, der unter einer Krankheit leidet, sondern ein Betrüger (wie absurd das ist, habe ich im Text 4344 nachzuweisen versucht). Und wenn wirklich abgelehnt werden muss – was ich bestreite, denn die Privatkliniken müssen ja nicht von den Kassenpatienten und Steuerzahlern finanziert werden – wenn wirklich abgelehnt werden muß, dann muß das zum Schutze des Patienten in einem anständigen, nicht demütigendem, grundsätzlich wohlwollendem Klima geschehen. Alles andere ist Unverschämtheit.

So hocke ich also im Bett, bin saumüde, aber kann nicht schlafen, weil mein Geist permanent überlegt, wie er meine Seele vor den Attacken des Psychiaters schützen kann; die ganze Zeit sucht er verzweifelt einen Ausweg aus dem Dilemma: hingehen oder nicht. Nicht hingehen bedeutet aber, meinen finanziellen Spielraum noch mehr einzuengen oder überhaupt auf die Therapie zu verzichten, von der ich glaube, dass ich sie dringend brauche.


(1.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 30. Januar 2026

4346 Eigentlich auch nicht

 



0:06 a.m.  Ich kann mich nicht mehr beruhigen. Der Termin beim Psychiater regt mich so auf. Ich hocke im Bett, mein Herz klopft stark und ich zucke fast aus. An lesen ist nicht zu denken, an schlafen schon gar nicht. An schreiben eigentlich auch nicht.


(30.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 29. Januar 2026

4345 Du lass dich nicht ...

 



12:40.  Heute bin ich in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus – weil es auf meinem Weg lag und aus Neugierde – eingekehrt, das ich vor über 40 Jahren öfters frequentiert hatte (meine Besuche in traditionellen Cafés sind fast immer enttäuschend; abgesehen von der oft schlechten Kaffeequalität ist die Stimmung entweder so kellnergrantig oder (selten) zu bedüdelnd. Jedenfalls fast immer ein falscher Tonfall), aber jetzt sitze ich im Espresso Burggasse, um endlich einen guten Kaffee zu bekommen. Und wie gut und zuvorkommend ich hier behandelt werde! Und das ohne alle falsche Freundlichkeit und ohne aufgetragenes Theater. Ganz einfach freundlich, professionell und glaubwürdig. Ein richtiges Asyl für mich und meine gequälte Seele! Was für eine Erholung!

Ich bin seelisch erschöpft von meiner Angst und meinem Zorn über diesen Psychiatertermin und von meinem anstrengenden, aber sicherlich vergeblichen Versuch, im Text Nummer 4344 dem ganzen Dilemma (soll ich hingehen oder nicht) wenigstens gedanklich Herr zu werden.

Ein trauriger, hoffnungserheischenden Blick auf meinen „Lichtengel“ soll mir vielleicht etwas Linderung verschaffen, und tatsächlich beruhigt sich meine Seele ein wenig (gleichzeitig meldet sich der innere Zyniker und spottet über meine verzweifelte Zuflucht in etwas, das ich normalerweise als fragwürdige Esoterik abtue, aber Not lehrt beten heißt es).

Echtes Kerzenlicht ist auch nicht schlecht. Ich starre ein bißchen in die Flamme und mir ist zum Heulen (der innere Zyniker verurteilt mich für mein „Selbstmitleid“). Die stille, ruhige Kerzenflamme, die sanft und schön das ihr Verbrennen bremsende Kerzenwachs verbraucht und so das unvermeidliche Ende legal und regulär hinausschiebt und dabei wenigstens ein bißchen die Welt erleuchtet.

Die Musik aus den Boxen ist melancholisch schön, aber dennoch werde ich bald mein Asyl verlassen und nach Hause wandern, um zuerst das Geschirr abzuwaschen und dann die Texte auf die Schublade stellen. Bevor ich aufgebe will ich das noch dokumentiert haben, als letzten Versuch, in der Welt Resonanz und vielleicht Ermutigung zu finden. (Ach! Das Biermann-Lied! Ich werde es mir heute wieder einmal anhören!)


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4344 Angst und Zorn

 



6:26 a.m.  Um knapp vor 5 Uhr bin ich aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Der Grund: ich grüble, wie ich den Termin mit dem Psychiater XY überstehen soll. Um die Kosten für meine Psychotherapie wenigstens zum Teil von der kranken Gesundheitskasse refundiert zu bekommen (ich weiß von Leuten mit gutem vierstelligem Einkommen, die ihre Psychotherapie zur Gänze und anstandslos von der ÖGK bezahlt bekommen), muß ich mich von diesem fragwürdigen Psychiater begutachten lassen. Beim letzten Mal bin ich mit dem Gefühl hinausgegangen, arschgefickt worden zu sein (Ficken verwende ich nur für gewaltsamen Geschlechtsverkehr, weil nach dem Anlauf nehmendem f das i im ck auf Widerstand stößt und gewaltsam penetrieren will. Für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr verwende ich meistens das schöne Wort vögeln. Warum ficken – das Wort stößt mich immer ab – in Deutschland die gebräuchliche Bezeichnung für Geschlechtsverkehr zu sein scheint, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass sich das sexuelle Bedürfnis erst gegen den jeweils inneren protestantisch geprägten Puritanismus mit seinem Sündenvorwurf durchsetzen muß, was aggressiv macht). Offensichtlich hat der ungute Mann - der selber gar keine Kassenpatienten annimmt -  von der kranken Gesundheitskasse den Auftrag, möglichst viele abzuweisen, um die Kosten zu senken (hier! Nicht in den oberen Etagen). Und dann sitzt du da und sollst dem Schnösel deine Depression erklären, wobei der dir unterstellt, dass du die nur vorgibst. Glaubt irgendjemand im Ernst, einer fängt eine Psychotherapie an – noch weit verbreitet mit Unterstellungen von Verrücktsein belastet – mit dem Zweck, den Staat zu betrügen? So à la: super! Ich zahle so und so viel für eine dann unnötige Therapiestunde und reibe mir die Hände, weil ich einen Teil der unnötigen Kosten zurückbekomme? Whow! Das habe ich aber geschickt eingefädelt!? Dass ich mir die Kosten für eine Therapie kaum leisten kann, kann man einfach an der Höhe meiner Pension ablesen (dafür braucht es keinen sicherlich gut bezahlten Psychiater, da genügt einer, der lesen und schreiben kann und ein wenig rechnen). Und was die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft (um zu verhindern, dass ich eine psychische Krankheit vortäusche, um den Staat respektive die kranke ÖGK dazu zu bringen, eine Teil meiner Kosten für die ungerechtfertigte Therapie zurück zu bekommen?), was also die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft, warum informiert er sich nicht bei meiner Therapeutin? Die könnte das besser und fachlich präziser erklären. Nein, das Ganze ist ein reines Unterwerfungsritual und ich kotze mich fast an davor, dort hinzugehen. Es geht dabei doch nur darum, dass ich meinen Arsch hinhalten muß und der arrogante Schnösel dann mit mir machen kann, was er will. Ich grüble, ob ich mir das antun soll (der „Gewinn“ aus meiner Prostitution wäre wirklich nicht sehr hoch und erbärmlich! Das rechnet sich nicht!), oder ob ich auf die Teilrückvergütung verzichten soll. Eigentlich habe ich mir geschworen, aus Selbstschutz dort niemals mehr hinzugehen, diese ordinäre Ordination niemals mehr zu betreten. Aber das hieße wohl, auf die Therapie zu verzichten, die ich so dringend brauche, um endlich aus meiner lebenslangen inneren Gefangenschaft rauszukommen oder wenigstens ihren Mechanismus zu verstehen. Ich bin ein Mensch in Not.

Und noch etwas: wenn der irgendwas von „die Komfortzone verlassen“ faselt, gehe ich ihm an die Gurgel!

Wenn ich hingehe, wird es natürlich ganz anders ablaufen. Meine ganzen inneren Vorbereitungen, alles was ich mir an Verteidigung ausgedacht habe, all die Vorsätze, mich nicht unterkriegen zu lassen, werden – von den tausend durchdachten Varianten und vorgestellten Gesprächssituationen abgegriffen und schal geworden – gleich nach dem Eintritt in die Ordination in sich zusammenbrechen. Schon allein deshalb, weil ich mich im realen Leben nie wehren und (m)einen Platz behaupten konnte und weil ich mich immer einschüchtern lasse. Aber auch, weil der feine Herr Doktor seinen Angriff (Niederschlagung von Anträgen) von einer ganz anderen, unerwarteten Seite starten wird und ich völlig überrumpelt sein werde. Ich werde keine Strategie mehr haben und verwirrt sein, unter seiner neoliberalen Selbstverständlichkeit (letztens: „die Gesundheitskasse will nur in die Wiederherstellung der Arbeitskraft investieren, wofür soll sie Sie noch unterstützen?“ Also übersetzt: „du bist es nicht wert, dass dir geholfen wird!“) (man kann schon einen solchen Standpunkt vertreten, aber dann konsequent und überall: keine medizinische Versorgung im Alter, am besten Euthanasie für unproduktive und lebensunwerte Menschen, und das sollen die Vertreter solcher Ideen dann auch offen aussprechen) (wobei das „unproduktiv“ bei mir gar nicht stimmen würde, weil ich immerhin bei Text Nummer 4344 bin und darinnen der eine oder andere Gedanke, die eine oder andere Erkenntnis steht, die geeignet ist, die Welt ein kleines Stück weiterzubringen), ich werde also unter all dem zusammenbrechen und hinausgehen und das letzte Lackerl an Selbstachtung und persönlicher Würde verloren haben. Amen. Nein, verdammt!


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4343 Auch hinführen

 



22:58.  Wieder so früh zu Bett. Ich war so müde. Jetzt allerdings fühle ich mich wiederum frisch und munter. Lesen.

23:10.  Das Buch ist aus(gelesen). Ein neues fange ich heute nicht mehr an. Ich hocke im Bett und höre damit nicht auf. Irgendwo muß das auch hinführen.


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4342 Ganz einfach

 



1:02 a.m.  Das ist ganz einfach: nach 27 kommt 28 (weil ich das Datum gesucht habe). Dann schaue ich auf das gelbe Fenster (gelb wegen des Rollos). Der schwarze Holzrabe dafür: schwingt er ganz leicht oder ist dies eine optische Täuschung? Um den schwarzen Holzraben bildet sich eine hellgelbe Aura, heller als das Rollo (mir passt das gar nicht, dass ich wegen der Korrektheit das Rollo schreibe, obwohl ich bei meinem Reden innen und außen – so wie es bei uns das Herkommen war – nur die Rollo verwende). Ich muß das nochmals im Österreichischen Wörterbuch nachschlagen (leider nein; auch das; ich wette, niemand in Österreich verwendet in seiner Umgangssprache dieses das). Aber gut, so fremd sind mir in der lauten Stillen Nacht die Regeln von Rechtschreibung und Grammatik.

Jetzt jedoch kommt die Müdigkeit noch deutlicher, aber ich will mich noch nicht zum Schlafen hinstrecken und hocke im Bett und weiß nicht warum. Warum hocke ich im Bett und blicke unaufmerksam in meinem kleinen Zimmer umher? Was suche ich? Suche ich etwas? Was soll mir noch einfallen? Was will ich noch erleben? Noch mehr vom Surren in den Ohren? Wollen meine Augen noch länger und mehr mein Zimmer mit all dem verstaubten Zeugs aufnehmen und irgendwo abspeichern? Um es im Jenseits nachzubauen? Dafür blicke ich viel zu schlampig, viel zu beliebig, viel zu unkonzentriert und viel zu ungenau. Mein Gähnen reißt mir mein Maul auf und meine Hände kratzen die Haut am Kopf und raufen nur so, ohne Groll, Zorn oder Trauer meine Haare, insoferne sie noch da sind.


(28.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com