Montag, 10. August 2026

4574 Also was?

 



7:03 a.m.  Die Möwe neben meinem Kopf schaukelt hin und her. Irgendetwas gerät sehr schief. Und der Holzrabe beim Fenster hält seinen Schnabel leicht geöffnet, wie es viele Vögel bei der Hitze tun. Die Unsicherheit des Morgens hat sich auf mein Gemüt gelegt. Bin ich überhaupt schon ausgeschlafen? Die Traumgeschehen scheinen gerade erst unzugänglich geworden zu sein und klingen noch blind nach. Schwarze Gedanken schleichen sich heran. Kurz war ich drüben und bin mit einem deutlichen Ruck wieder zurück. Manche taktilen Empfindungen können nicht stimmen: ich habe die Hände auf der Bettdecke, nicht darunter. Okay, schreiben ist meine Aufgabe; soweit habe ich jetzt die Wirrnis geordnet. Ein Getränk wird serviert, das mir neu ist (ich war wieder in einen Traum abgerutscht). In der Mitte der Notizbuchseite bildet sich ein Lichtspot, der jedoch verschwindet, wenn ich ihn anschauen will. Oh! Es ist schon 8:03 a.m. Ich sollte aufstehen.


10:22 a.m.  Irgendwas Gescheites geht sich jetzt nicht aus; aber dafür gibt es seit Freitag ein Photo von mir, wo ich richtig lache! Das ist ja auch schon mal was! (und was? - der innere Spötter). Ich bin innerlich unruhig, weil ich mir einbilde, die hier wollen, dass ich mehr konsumiere als bloß einen Kaffee und noch dazu Zeitung lese und schreibe. (Fragt sich, ob die Bilder, die hereinkommen, wirklich die äußere Realität transportieren, oder ob mein inneres seismisches Warnsystem sozusagen selber und nur in sich zittert.) Ich gehe besser. Ich kann mich nicht entspannen und auf die Zeitung und meine Arbeit konzentrieren.

Beim Zahlen sagt der eifrige Kellner erstaunt: „Du verlässt uns schon?“ (der Kellner schreibt verlässt sicher korrekt und nicht wie du mit scharfem ß – der innere Korrektor). Aber … was heißt das jetzt wirklich? Ich hätte länger bei meinem Kaffee sitzen können oder der Kellner hat erwartet, dass ich noch etwas esse? Also … was?


(10.8.2026)


©Peter Alois Rumpf     August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

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