4374 Proskynese
11:17 a.m. Jetzt im Leo (wir im Ennstal haben als Kinder zum Asylstein die Bande gesagt, vielleicht eine Verballhornung von Bahne?), aber auch hier kann ich keine aktuellen Zeitungen finden. Und der Leo-Artikel im Falter ist im hiesigen Exemplar ausgeschnitten und fehlt (weil er an der Wand hängt, was ich aber nicht gesehen hatte). Ganz hoch an der Wand – ich könnte sie nicht derglangen - hängt eine Kinderjacke. Musik und Einrichtung sprechen mich an. Auch hier eine abgescherte, aber nicht übertünchte Decke, was ich meist mag. Auch die hohen Fenster zur Leopoldsgasse hin gefallen mir. Die Vorbeieilenden - einer schleppt ein großes Trumm, anscheinend nicht allzu schwer – wirken wirklich alle in Eile; vielleicht doch nur ein verdrehter Dopplereffekt aus der Perspektive eines Sitzenden. Die Sonne kommt jetzt durch und beleuchtet die Glatze eines Passanten, sodass sie glänzt. Ich finde – im Moment – die Stadt schön (obwohl gerade ein schwarzer Hund sein Frauchen vorbeizieht und mir die verschissenen Trottoirs einfallen). Ein tiefes Saxophon als Intro der aktuellen, mir unbekannten Nummer aus den Boxen. Ich lächle in mich hinein – was man schon auch außen sehen könnte – weil ich mir gerade einen schönen Dialog hier im Leo über die Etymologie von Bahne/Bande und andere mit der Autorin des Falterartikels über Leo ausdenke. Whow! Gerade kommt sie wirklich und in echt bei der Tür herein! Ein Wunder! Aber ich traue mich nicht, sie anzusprechen (erstens: bin ich mir nicht hundert prozentig sicher, ob die hereingekommene Dame wirklich Frau Dusl (korrekter Name nachträglich recherchiert – der Tipper) ist; zweitens: überhaupt, vielleicht fühlte sie sich belästigt). Jetzt bin ich im Stress: ansprechen oder nicht? Wenn ich sie schon herbeiphantasiert habe! (jetzt glaubt er, er ist ein Wundertäter! - der innere Spötter.) Ein richtiges Abenteuer (bis jetzt nur im Kopf – der innere Spötter)! (Außerdem: wie nennt man das? Namedropping? - der innere Spötter.) (Bis jetzt ist ja nichts geschehen. Aber eine Etymologieexpertin!) Jetzt müßte ich noch herbeizaubern, dass jemand sie mit Namen anspricht, damit ich sicher bin (weil: ihren Namen habe ich, wie ich feststelle, nur undeutlich und schlampig, möglicherweise entstellt abgespeichert). Wie so oft traue ich mich nicht hinaus aus meinem Innenleben. Und wenn ich es doch versuche? Aber was sage ich? Dass wir im Ennstal - zum Wienerischen Leo - die Bande gesagt haben? Ist das nicht ein wenig mickrig?
Erst bei meinem Aufbruch und im Hinausgehen habe ich mich getraut, sie anzusprechen; sozusagen unmittelbar vor der Flucht aus dem Asyl. Und sie hat gelächelt! Ich bin high! Mein Glück kennt keine Grenzen, so eine schöne Proskynese (griechisch: Kniefall, liegende oder knieende Ehrenbezeugung; wörtlich: Anhündelung)!
13:02. Natürlich denke ich mir jetzt: „was für ein unnötiger, peinlicher Auftritt! Ich habe mich nicht einmal vorgestellt. Außerdem hat sie gerade das aufgeschlagene Frühstücksei essen wollen und das ist durch mein Gequassel sicherlich zu sehr ausgekühlt.“ Wurscht! Ich muß trotzdem lachen. Dass ich mich zum Deppen mache, kenne ich schon und schreckt mich nicht mehr wirklich.
(2.3.2026)
©Peter Alois Rumpf März 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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