4370 Der Tag danach
16:32. Und? Wie ist der nächste Tag? Wie fühlt es sich an? Erstaunlich ruhig, fast friedlich. Meine Körperfunktionen funktionieren: ich bekomme Hunger, kann essen, muß aufs Klo, kann schlafen. Aber ein wenig taub. Ein wenig taub fühlt sich alles an, als hätte ich zu allem eine Distanz. Ich kann reden, sogar plaudern, aber es fühlt sich an, als würde ich lügen, oder zumindest bloß zum Schein mitmachen. Als käme alles bei mir nicht ganz an. Ein gewisser Reaktionsautomatismus, der fast ohne mich abläuft.
Ich fühle mich wie ein Hund, der in seinen Hundekäfig zurückgepfiffen wurde. Zu seinen Hundekäfigträumen. Es war gestern schon eine Konfrontation mit der festen Realität, und ich empfinde es schon so, dass ich Flausen im Kopf hatte: ein völlig unrealistisches Bild von der Welt und vor allem: von mir. Mit eingezogenen Schwanz zurück in den Käfig. Sitz! Couch! Mir ekelt immer noch vor mir selbst, aber – wie schon gesagt – essen, scheißen, schlafen kann ich; ich war heute sogar brav im Fitnesstudio; ist auch erstaunlich gut gegangen; mußte nicht vor Erschöpfung abbrechen wie beim letzten Mal. Ich schüttle über mich selber den Kopf. Wie kann man nur so daneben sein? Verstehen kann ich es nicht. Nein, verstehen kann ich es nicht.
(20.2.2026)
©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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