Montag, 16. Februar 2026

4366 Schneeflocken

 



13:07.  Beim Anmarsch über die Roßauerbrücke habe ich seit längerem wieder mein Vier-Elemente-Ritual in seiner Langform ausgeführt und dann den schönen, dichten Schneeflocken (nicht zu fett, nicht zu mager) zugeschaut, wie sie in einem schönen, wirbelnden Lebenstanz massenweise und ständig in den Donaukanal fallen und sich auflösen. Gut, man kann natürlich sagen: sie kehren in ihren Ursprung zurück; sie schweben dorthin, wo sie hergekommen sind (aber kann man sagen, was ihr eigentlicher Zustand ist? Der als in der Masse aufgelöster und mit den anderen verbundener Wassertropfen oder der als Schneeflocke? - der innere Spötter). (Man könnte jedoch auch behaupten, dass der Schneeflockenzustand der individuellste ist, wo sozusagen die jeweilige Persönlichkeit am deutlichsten entfaltet und ausgestaltet ist, oder? - der innere Schmähführer.) Jetzt jedenfalls sitze ich im Weltcafé und bereite mich mit Kaffee auf meine Psychotherapiestunde vor und versuche, mich vom Gerede ein paar Tische weiter nicht ablenken und triggern zu lassen. Genau weiß ich noch nicht, was mich tendenziell aufregt; vielleicht dieser intellektuelle, leidenschaftslose, lebensschwächelnde Tonfall der zwei Typen. Und, au weh!, der Begriff Dialektik fällt, da bin ich schon auf – wie sagt man? - 120 (ha, ha, ha, dein Blutdruck pflegt so um die 170 herumzuzappeln, und das zu Hause in deinem Zimmer, ohne die Herausforderung des Mithörens – der innere Spötter). Friede! Friede! Friede! Ich verordne mir Beruhigung, innere Distanz und Vorurteilskritik (meiner eigenen). Au weh! Antiisraelische Politik fällt. Ein heikles Thema! Nein, ich muß aufhören; ich weiß ja nicht wirklich, ob sie im zustimmenden oder ablehnenden Sinn davon gesprochen haben; so genau kann ich dem Gespräch nicht folgen und manche Argumentationsfiguren und Begriffe kenne und verstehe ich nicht. Abgesehen davon, dass ich selbst aus dieser kurzen Entfernung schlecht höre – ob aus äußeren oder inneren Gründen. Enthaltsamkeit ist angesagt! Strenge, geistige und emotionale Askese! Ich weiß ja nicht, was da wirklich gesprochen wird, und ob meine sofort aufgetauchten Ahnungen und vorauseilenden Interpretationen des schlecht Gehörten stimmen. Ich werde mir zur Stärkung und zur Ablenkung einen Schinken/Käse-Toast bestellen, weniger aus Hunger. Und ich gehe aufs Klo, um kurz aus diesem Setting auszusteigen und die Fixierung zu brechen.

Ich nehme wieder Augenkontakt mit der Steckdose gegenüber auf, diesmal sitzt niemand neben ihr. Nun aber blicke ich schräg in den anderen Raum hinüber und beim Fenster hinaus auf die Schwarzspanierstraße, wo man von Zeit zu Zeit jemand vorbeieilen sieht. Ich bestelle den eingeplanten Kaffee und den eingeplanten Toast, obwohl es zeitlich schon etwas knapp ist. Ich komme zeitlich ins Gedränge!


(16.2.2026)


©Peter Alois Rumpf   Februar 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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