4365 Pflanzen gießen
9:19 a.m. Ich habe meine tägliche Weltkonstruktion noch nicht fertig, die heutige Schöpfung noch nicht ganz aufgebaut und ruhe noch, bevor die Erschaffung der Welt abgeschlossen ist. Überhaupt durcheinander: schreiben kann ich schon, denken nicht und meine Gefühle habe ich noch nicht parat. Der dreifaltige Baum steht auch schon mitten im unfertigen Paradies, aber Früchte trägt er keine (nur eine kleine Papierkugel, die einen Lampion darstellen soll, ohne einer zu sein). Den Husten habe ich schon fertig; muß sagen, recht gut hinbekommen: nicht zu häufig und nicht so trocken, wie er schon war. Ich knabbere bereits an Orangenscheiben und Fenchelschnipsel – das geht auch schon (dabei ist mir soeben ein saftiges Orangenstückchen von der Gabel und auf mein Pyjamaleiberl – eigentlich ein alter, zerschlissener Rollkragenpulli – gefallen und hat dort einen Fleck hinterlassen, was mir völlig egal sein sollte). Das Schüsselchen mit dem Fenchel-Orangen-Mix habe ich jetzt wirklich leer gegessen, wobei es nicht ganz leicht bis unmöglich war, die letzten, kleinsten Stückchen auf die Gabel zu spießen, aber – schlau wie ich bin – habe ich die mit dem Lackerl Orangensaft, das sich am Grunde des Schüsselchen angesammelt hatte, in einem Schwung in den Mund gespült. Pflanzen gießen nicht vergessen!
11:58 a.m. In einem Kokon aus Knarren und Knacksen bewege ich mich durch die obere Wohnung und gieße die Pflanzen, einige scheinen einzugehen, aber c’est la vie! (von all den Pflanzen oben und unten sind nur zwei von mir; alle anderen sind mir zugewachsen).
Wieder einmal ein fernes Flugzeug in der Sonntagsruhe. Ich muß unten auch noch gießen. So ruhig bin ich nicht.
(15.2.2026)
©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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