4373 Die Steckdose
9:44 a.m. Vielleicht geht schreiben im (Welt)Café besser. Nein, geht nicht besser.
Nach dem Frühstück: besser? Bis jetzt nicht. Ist meine Schreiberlingsphase vorbei? Der eingerollte Sonnenschirm draußen im Schanigarten auf der Schwarzspanierstraße wirkt wie eine schmale Skulptur (Schau! Geht doch! - der innere Spötter). Gut, jetzt heißt’s einfach sitzen bleiben. Ich schlage die Beine übereinander (Vorbild: Walther von der Vogelweide – der innere Spötter), was den Schreibmodus fördert und stabilisiert. (Nach diesem beschissenen Psychiater muß ich alles neu lernen beziehungsweise neu aufrufen. Wobei ich oft nicht weiß, was ich da noch abgespeichert hatte.) Die Frühstücksspeisekarte habe ich schon fotografiert, eventuell für das Geburtstagsfrühstück mit meinen Töchtern. Die Bilder an der Wand Sch… - ich suche dennoch schöne Stellen. Die Steckdose gegenüber fällt mir wieder ein – sie ist frei, aber zeitweise durch den Kopf der jungen Frau verdeckt; also Augenkontakt mit ihr – der Steckdose – ist heute nicht möglich. Jetzt kurz doch: sie – die Steckdose – blickt still, ruhig und stabil zurück. Ein Schluck vom Kaffee. Die Frage, wie lange die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse auch hier bei uns einigermaßen stabil und friedlich bleiben, stellt sich doch auch in meine Kaffeehausidylle herein. Der zusammengeklappte Schirm draußen – von grauer Farbe – wirkt tatsächlich mit dem kleinen, runden Knopf oben wie eine Karikatur einer barocken Heiligenfigur à la Dreifaltigkeitsbrunnen. Irgend so ein geschrumpfter, abgemagerter Asket, die Arme hat er sich schon weggehungert, aber noch steht er aufrecht und der Faltenwurf ist sehr überzeugend. Sein ovaler Heiligenschein – eine Lampenspiegelung im Fensterglas – verfehlt jedoch deutlich sein Schrumpfköpfchen. Aber obwohl die Arme fehlen, kann man am Faltenwurf seines Gewandes seine Arme und seine betenden, flehenden oder segnenden Hände erahnen. Wirklich! (Das Foto davon ist nichts geworden, entweder bin ich zu nahe, dann entsteht der Heiligeneffekt nicht, oder ich bin zu weit weg, dann schafft es die „Figur“ nicht in die fotografische Sichtbarkeit – der Autor.) Ob die fehlenden Arme auch noch Kraft hätten, weiß ich nicht. Ich muß seit Tagen an den Hauptquälgeist meiner Kindheit, den Hackl Sepp denken; soll schon länger tot sein. Wie schon betont: sitzen bleiben ist angesagt. Oder wo könnte ich hingehen? Hier gibt es keine gescheiten Zeitungen. Ich werde sehr unruhig.
(2.3.2026)
©Peter Alois Rumpf März 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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