4137 Vorm Haus
15:35. Vorm Haus. Rechts und links vor mir die blühenden Oleander. Die Straßen sehe ich nicht, aber ich höre sie; nur der oberste Teil eines vorbeifahrenden Betonmischers ragt über den Geländeabbruch zur Straße. Mopeds. Die Wolken haben sich großteils verzogen. Ich blicke 26° NO. Die anderen sind im Schwimmbad. Ein bißchen stinkt es nach Benzin. Ich lausche den Motorengeräuschen nach und in ihre abstrakten Strukturen hinein. Die Kirchturmuhr von Frauenberg schlägt dreiviertel. Das Singen der Autoreifen auf dem Asphalt. Jaulen könnte man es auch nennen, aber es ist interessanter, es abstrakt zu lassen. Immer wieder höre ich menschliche Stimmen, die ich nicht zuordnen kann. Der Platz hier dürfte eine spezielle Akustik haben und die Schallwellen eigenartige Wege gehen. Der Wind will in meinem Notizbuch blättern, während ich im Internet surfe und das Büchlein fast achtlos auf dem Tisch abgelegt habe. Ich blicke in den zuckenden Schatten des linken Oleander direkt vor mir auf dem Asphalt. Es sind immer wieder die menschlichen Stimmen, die von irgendwoher kommen, mich verunsichern und aufscheuchen, und aus der Betrachtung reißen. Aber es ist doch niemand in der Nähe. Von Westnordwest nähert sich neue Bewölkung. Ein kleiner Vogel ruft nachhaltig und ausdauernd sein Zizibee (?). Ist es wirklich eine Blaumeise (danke Internet!)? Ich sehe sie nicht. Vom Schattengaffen bin ich längst wieder abgelenkt. Ich nehme einen Schluck vom kalten Kräutertee. Die Bewölkung im Westen wird dichter und grauer. Eine Katze kommt um die Ecke und legt sich hin. Der Schatten des Oleander rührt sich nicht mehr. Er wird auch schwächer und schwächer und ist schon fast verschwunden. Meine Beine sind eingeschlafen; ich muß ein paar Schritte machen (mein Schrittesoll habe ich heute schon erfüllt).
Der Oleanderschatten kommt wieder zum Vorschein. Lange wird er sich nicht halten, wenn ich die Aktivitäten der Wolken richtig deute. Ich stehe nochmals auf und gehe ein paar Schritte herum, setze mich aber sogleich wieder hin, als könnte ich mit dem Herumgehen nichts anfangen. Erst als ich wieder sitze wird mir bewußt, dass ich mich gegen meine offizielle Absicht hingesetzt habe. Nun donnert es und der Schatten ist weg. Ich gehe an den westlichen Rand des Grundstücks und schaue in einen Wald, nichts anderes als Wald, aber höre rundherum den Autoverkehr. Die dunklen Wolken ziehen bedrohlich schnell heran, aber ich sitze ja direkt vorm Haus. Die ersten Tropfen; ich packe zusammen. Ein T-Shirt sollte ich mir auch anziehen.
(24.7.2025)
Peter Alois Rumpf Juli 2025 peteraloisrumpf@gmail.com
(24.7.2025)
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