4130 Zuerst am Frauenberg
10:17 a.m. Am Frauenberg habe ich in alle Richtungen geblickt: auf die markanten Hügel und Weinberge in der einen, auf die weiten flachen Ebenen in der anderen. Wie gern ich hier auf diesem Berg sitze. Wie gern ich das Geläut der Frauenkirche höre. Wie gern ich der Brise zuschaue, wie sie kaum die Blätter und Zweige der Bäume, aber deutlich die steirische Fahne beim Museum bewegt (das ist kein Landespatriotismus; es ist einfach die Landesfahne, die dort hängt). (Wer weiß! - der innere Spötter.) Wenn ich wüßte, was das für ein Baum ist, unter dem ich sitze, würde ich es herschreiben. Kurz habe ich Apfelbaum oder sonst einen Obstbaum erwogen, aber ich sehe kein Anzeichen von Früchten oder verblühten Blütenständen; also keine Ahnung (soweit zum Thema Heimat- und Naturkunde – der innere Spötter).
Das da drüben ist eindeutig ein Feigenbaum, und dass er es hier aushält, zeigt, wie südlich wir hier schon sind. Ab Graz sollen ja auch schon die Edelkastanien gedeihen. Ich habe schlampig herumgegoogelt – Apfelbaum könnte schon passen (für den Baum hinter und über mir). Ich schaue wieder in die südlichen und östlichen Ebenen, und dieser Anblick löst unglaubliches Fernweh aus (auch wenn mir das reale Reisen zu mühsam wäre), ein Fernweh, das wohl auch ganz andere Gefilde und Reisen meint. Egal, ich habe es wirklich schön hier an diesem Sommertag im Schatten des (vielleicht) Apfelbaumes. Ein Specht ist bei seiner Arbeit zu hören und die unaufdringlichen Arbeitsgeräusche der Gärtner und Gärtnerinnen (Handarbeit!). Ich habe mich bei der Museumskustodin erkundigt; es ist ein Apfelbaum!
Jetzt läuten wieder die Glocken (Begräbnis?). Ich werde ein wenig herumgehen. Die Kustodin schenkt mir sieben Feigen vom Feigenbaum.
13:13. Weggelaufen – Platzverkaufen! Mit diesem hatscherten Spruch aus meiner Kindheit erobere ich die Halbsitzluftmatratze, nicht ohne mir beim Niedersitzen mit einer falschen Bewegung einen Schmerzflash vom lädierten Knie ausgehend eingehandelt zu haben. Das ist die Strafe Gottes (oder wessen? Eines Dämons?) für meinen Egoismus. Ein hohes Flugzeug mit kurzem Kondensstreifen rast in oder hinter eine kompakte weiße Wolke. Die Sulm rauscht bei der Gefällestufe hinter mir und vor mir eher rechts die Schwimmbecken des städtischen Schwimmbades mit Vogelgezwitscher und Kindergeschrei und die Laute der Erziehung versuchenden Eltern. Jetzt gehe ich Mittagessen. Auf Einladung.
(18.7.2025)
Peter Alois Rumpf Juli 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]
<< Startseite