Donnerstag, 10. Juli 2025

4123 Der Barjazz lullt mich ein

 



11:52 a.m.  Auf meinen notgedrungenen und schmerzhaften (Knie!) Wanderungen raste ich in der schönen Lucy-Bar, die ich so mag. Der Kaffee beginnt zu wirken und ich beobachte einen alten (vermutlich jünger als ich), etablierten (unterstelle ich) Mann mit einer jungen Frau in angeregtem (vor allem sie) Gespräch (beruflich?). Er weiß schon, dass er wichtig ist und was er in der Welt darstellt; das kann man sehen (wer er ist, weiß ich nicht). Ob ich ihn beneide? Ich schwanke. Er schaut schon etwas angestrengt aus. Seine Blicke und seine Gestik sind sehr beherrscht. Er weiß, was geht und was nicht. Der Barjazz lullt mich ein. Diese Musik ist ja nicht wirklich meins, aber ich kann sie hier und jetzt gut annehmen. Wie ich schon öfters geschrieben habe: diese Art Jazz ist der Versuch, sich in der Welt der Funktionalität und Langeweile irgendwie doch angenehm einzurichten, während die anschließende Poprevolte (nicht der Rock’n Roll!) sich damit nicht abfinden will und versucht, mehr einzufordern, was freilich meistens so nicht gelingen kann. Der Rock’n Roll mag auch mehr einfordern, kommt aber bis heute über das Herumteufeln in der Welt der Funktionalität und Langeweile nicht hinaus, weil er sie nicht wirklich in Frage zu stellen in der Lage ist, sondern möglichst viel für sich herausreißen will (Sex & Drugs & Rock’n Roll). In dem, was ich – im Sinne der Sechzigerjahre – Popmusik nenne, ist mehr Poesie, und schafft es vereinzelt, ein wenig über den Rahmen des Funktionellen und der Langeweile hinauszuweisen. Gut, das ist jetzt plakativ und in Wirklichkeit war alles nicht so sauber voneinander getrennt. Ich höre jetzt mit meinen fragwürdigen und verspäteten Welterklärungsversuchen auf und wende mich – wie so oft, wenn ich nicht weiter weiß – den Bäumen draußen - auf der Straße und im Schweizergarten - zu – ich kann von hier aus in beide Richtungen blicken – und beobachte, wie sie vom Wind geschüttelt und gebeugt werden. Allmählich beginnt mich die Endorphinmusik doch etwas zu nerven, aber es geht noch. Ich mache Photos (passt auch zur Welt der Funktionalität und Langeweile).

Ich habe es schön. Ein junger Mann auf der Straße trägt einen kleinen Hund im Arm. Ich vermute, er ist auf dem Weg in den Schweizergarten. Ich jedoch werde mich vom Belvedere 21 hier zum Oberen Belvedere aufmachen, auch dort durch die Ausstellungen wandern und dann weiter ins Untere Belvedere hinuntergehen und mir die Ausstellung radikal anschauen.

Bis jetzt sind es 9 267 Schritte (der Tipper).


(10.7.2025)


Peter Alois Rumpf Juli 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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