4114 Die Welt von morgen
0:18 a.m.
11:20 a.m. Ich lasse mich mich von der Sphärenmusik und dem Skulpturenvideo einlullen (mumok) und das ist angenehm. Lebende Metallobjekte, die auch ausrinnen können oder überhaupt sich verflüssigen. Irgendwas reden sie von end of the world. Aluminiumfäuste ballen sich. Metallringe erzittern und verkrümmen sich. Oder zersplittern. Oder die Kamera läuft einfach über die Oberflächen. Draußen im Saal stehen, sitzen und liegen die giants aus Alu (Barbara Kapusta dangerous bodies). The end of the world is so easy to picture, easier than its continuance lese ich im beigelegten Textheft.
12:08. Cafe Charly im Mumuk (sic!) heißt es hier laut Beleg und tatsächlich Café ohne accent aigu. Selbstbedienung; nur mit Karte. Aber eine Trinkgeldbox für Münzen. Wofür? Naja, keine Sorge! Ich zahle eh immer mein Schutzgeld, damit ich geduldet werde und - wenn es geht - gut behandelt. Die Ausstellung Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein hat mich doch recht beeindruckt. Außerdem war ich das erste Mal in einer Lounge und weiß immer noch nicht, was das ist. Allerdings war ich nur sehr kurz auf Besuch: ich habe die piepende Tür geöffnet, bin rein, habe mich ein paar Sekunden im völlig menschenleeren Raum in der Ausstellung dort umgeschaut – aus Unsicherheit nur zwei oder drei Meter vom Eingang entfernt – und bin dann wieder hinaus. Ich muß eine große Angst haben, etwas kaputt zu machen oder mich zu blamieren. Wenn mir mein Image wurscht wäre, würde ich vermutlich besser leben (das vermutlich hatte er irrtümlich vor das ich eingefügt. Vermutlich ich wäre auch eine gute Überschrift über sein Leben – der innere Spötter).
Ich trinke aus dem Wasserglas und lese auf der Rechnung Thank you for your visit. Okay, Okay! Ist schon gut! Es ist das auch eine von Lüftungs- vel Kühlgeräten unterstützte Ruhe, vom abstrakten, maschinellen und monotonen Singsang. Ich blicke von der Galerie heroben auf die untere Hälfte der Eingangsdrehtüre und prompt beginnt sie sich zu drehen und es kommen drei Paar Beine herein: eines kurz berockt, eines lang berockt, eines in Hosen.
Die Wandmalerei hier gefällt mir nicht so ganz. Nicht schlimm, aber das Malerische ist etwas zu wenig ausgeführt (oder zu wenig zugelassen); nur links das Gelb über Rot spricht mich etwas an (er bildet sich ein, er könne das auch – der innere Spötter). (Jederzeit kann er das! - der Tipper.)
Unangenehm ist es nicht, hier herumzusitzen. Ich gähne und stelle fest, dass ich sehr müde bin. Fast elegisch, wie sich die Drehtür dreht (keine Automatik! Vielleicht ist es der körperliche Einsatz der Ein- und Austretenden, der die Elegie herbeiwinkt?) (Oida! - der innere Spötter). Ich nehme in bedeutungsgeladener Schriftstellergeste meine Lesebrille ab und lege sie aufs Notizbuch. Aber gleich nehme ich sie wieder und setze sie auf, weil ich den Vorgang unbedingt beschreiben will, wenn er schon so bedeutungsgeladen ist. Sollma lieber gehen, bevors zu deppert wird? Das zum Kaffee gereichte Lavazza bisotto – biscuit hätte ich beinahe vergessen. Gerade habe ich noch einen kleinen Schluck übrig, um dem verspeisten Keks nachzuspülen. In meinem Eifer löffle ich auch den Schaum aus der Tasse.
In der U-Bahn auf dem Weg nach Hause – es hat zu tröpfeln begonnen, deshalb gehe ich nicht zu Fuß – starre ich auf den leeren roten Sitzplatz vor mir und die angestarrte Fläche beginnt zu zoomen und sich scheinbar auf mich zuzubewegen. Da plötzlich überfällt mich – ich will nicht sagen: aus dem Nichts, aber doch ganz unerwartet – eine solch intensive Traurigkeit, dass ich sie weder benennen noch zuordnen kann. Als komme sie aus dem Zentrum des Universums und hat genau auf mich gezielt. Bald jedoch ist dieser Anfall wieder vorbei. Solche Dinge beunruhigen mich nicht wirklich. Ich nehme sie hin, auch wenn ich denke, da könnte man mehr daraus machen, als fromm so zu tun, als wäre nichts.
(4.7.2025)
Peter Alois Rumpf Juli 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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