Donnerstag, 26. Juni 2025

4106 Deodorant

 



8:16 a.m.  Soeben bin ich aus einem REM-Traum aufgewacht. Der Gestank eines Deodorants kommt beim Fenster herein; ich hasse solche Gerüche und bekomme davon Kopfweh. Unglaublich, wie stark, intensiv und penetrant dieser Geruch aus der Nachbarwohnung in mein Zimmer dringt. Ich verordne mir heute einen ruhigen Tag und einen ohne Schrittefanatismus. Ob ich das noch kann? Zumindest hock’ ich noch im Bett und bin nicht aufgesprungen. Ich lasse die Müdigkeit der Augen und der Beine zu.

Ich hänge noch dem Traum über ein Revival der Wiener Künstlergruppe REM nach. Davon träume ich in letzter Zeit oft und habe immer keine Ahnung: keine Ahnung, wo mein Gepäck und meine Bilder sind; keine Ahnung, was über die Ausstellung besprochen und ausgemacht wurde; keine Ahnung, was bei der Eröffnungsperformance geplant und was dabei meine Rolle ist. Diesmal findet das Ganze in einer Kirche statt, wo aber möglicherweise auch ein Gottesdienst stattfinden soll, aber in Konkurrenz und Feindschaft zu unserem Vorhaben. Unsere Performance wird ihn stören. Wann beginnt die eigentlich? Ich habe keine Ahnung. Der Inhalt all dieser REM-Träume ist immer ähnlich: meine vorgesehenen Bilder sind weg oder unauffindbar oder ich erkenne sie nicht. Ich weiß nicht, ob ich wirklich dabei bin oder schon ausgemustert.

Der Baustellenlärm von vorm Haus kommt über den Lichtschacht recht gedämpft herein. Ich blicke – weil mir meine gestrigen Gedanken einfallen – wieder einmal auf die oberste Bildreihe unter dem Plafond. Neben einem Photo der Riesneralm von meiner Tochter sind es drei alte Bilder von mir. Eingehender betrachte ich das Mali-Lošinj-Bild, unter dem sowohl mein Vater als auch meine Mutter gestorben sind, ob sich daran davon irgendetwas abzeichnet oder abgespeichert hat. Ich kann nichts erkennen. Wenn ich in meinem Zimmer sterbe, wird diese Tradition weitergehen. Hat das Bild etwas, was es dafür prädestiniert? Was diese Tradition rechtfertigt? Naja, der Hafen, die Häuser, die Promenade, das Meer, der Himmel, die fernen Berge: alles scheint sich dramatisch aufzulösen und passen schon nicht mehr recht zusammen. Die Perspektiven sind schon unrein und verschoben. Die Dinge platzen auf. Die Boote im Wasser wirken schon wie leere Hüllen von etwas, das gar nicht mehr wirklich da ist. Deplatziert und abgehoben liegen sie gar nicht mehr richtig im Wasser; aber so, als würden sie sich ihrer Auflösung verweigern wollen. Überhaupt gibt es neben der Auflösung auch eine große Starre in dem Bild.


(26.6.2025)


Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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