4097 Toll
14:01. Toll, was aus dem Leben eines gescheiterten Heiligen so werden kann! Jetzt sitze ich nämlich nach einer ordentlichen Mittagsjause mit ganz feinem Jámon serrano und Ziegenkäse, Oliven, Tomaten, Zaziki, Salatblättern, Olivenbrot, Melonenstücken und nach einem Kaffee im Glas gesättigt unter den Pappeln des Gänsehäufels, höre den palavernden Krähen zu und verfolge mit den Augen die unzähligen herumschwirrenden – jetzt gerade von rechts nach links – Pappelsamen; die sind zeitweise so dicht, dass man an Schneetreiben denkt. Das Nacktsein im FKK-Bereich ist immer so angenehm unhysterisch und entmystifizierend; niemand kann oder muß mehr diese Manöver von Verbergen und Herzeigen spielen. Es ist nicht so heiß, weil oben immer wieder Wolken durchwandern und es geht eine angenehme Brise. Ein Insekt, das ich als kleine, hellgrüne Heuschrecke identifiziert hätte, beißt mir harmlos, aber ein wenig unangenehm in den rechten Unterschenkel. Zuerst will ich es zulassen, aber als es mir zu lästig wird, verscheuche ich es doch. Jetzt fliegen die „Schneeflocken“ direkt von vorne auf mich zu. Ein Gefühl, als würde das Universum für mich tanzen. Jetzt jedoch hat sich der Wind wieder gedreht und ist stärker geworden; die Pappel blinken geradezu mit ihren Blättern.
Ich erwäge einen Rundgang durchs Areal, weil ich wieder Schmerzen im ruhenden linken Knie verspüre; und schließlich verwende ich ja auch einen Schrittzähler und will auf mein Plansoll kommen. Bei diesen „Wanderungen“ memoriere ich meistens Mantras (zum Beispiel: Absicht! Ich will die Verantwortung übernehmen dafür, dass ich ein sterbliches Wesen bin. Ich will akzeptieren, dass ich sterben werde.)
Meine Frau hat geschlafen, deswegen hat sie etwas Tolles versäumt: wie ich die Schreiberei abbreche und auf meinem Klappstuhl sitzend das Notizbuch verstauen will, weil ich zur Schrittzählung aufzubrechen ansetze, neigt sich der Sessel auf dieser unebenen Grasfläche unter der großen Pappel immer weiter nach links und ich kann es nicht mehr verhindern, dass wir beide – der Klappstuhl und ich – umfallen und in die Wiese stürzen (er übertreibt in der Beschreibung wieder! Zwar stimmt alles, aber es klingt – und das macht er mit Absicht! – viel gefährlicher, als es war. Viel mehr, als dass der Stuhl umgefallen und dann in der Wiese zu liegen gekommen ist, und der Autor (hört! hört!) zuerst abgerollt und dann ebenfalls in der Wiese zu liegen gekommen ist, war nicht. Nichteinmal sein lädiertes Knie hat etwas Nennenswertes abbekommen – der innere Spötter).
Tagespensum: 14 033 Schritte.
(19.6.2025)
Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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