Mittwoch, 18. Juni 2025

4096 Ganz ferne Baustelle

 



8:40 a.m.  Ich liege schon länger wach, aber bin noch sehr müde. Mein Geist mäandert von einem Erinnerungsfragment zu andern, von einem Gedanken zum nächsten und steht plötzlich vor einer ganz unangenehmen Erkenntnis über das eigene Leben. Vor einer Szene, an der sich etwas zeigt, was man nicht wahrnehmen will: hier konkret, dass ich meine Kinder genauso verraten habe, wie meine Eltern mich. Obwohl ich atme, bleibt mir die Luft weg und verspüre ich ein leichtes Würgen im Hals, sowie einen schweren Klumpen im Bauch.

Ich seufze, hole mehr Luft, das Leben soll weitergehen (freilich war sein erster Impuls, das Leben muß weitergehen hinzuschreiben, er hat sich jedoch zum soll gezwungen – der innere Korrektor). Weil sollen mehr Einverständnis und Verantwortung zuläßt als müssen.

Die Baustelle vorm Haus macht gerade eine stille Pause, deswegen kann ich ganz ferne Tauben gurren hören, und eine ganz ferne Baustelle.


(18.6.2025)


Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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