4099 Fast niemand
12:19. Das schaukelnde Mädchen von der Wand hinter mir im Spiegel gegenüber. Daneben und darunter sitze ich drinnen im leeren Lokal (draußen im Schanigarten schaut’s anders aus) ein wenig verloren. Die Musik aus den Boxen verwendet die französische Sprache. Die vier Tische mit den kleinen kugelförmigen Vasen mit den kleinen Blümlein darin und die acht Sessel vor mir quer durch den länglichen Raum, in einer Reihe, aber sozusagen liebevoll leicht verschoben – wie Verse, die sich schon, aber gottseidank und erholsam nicht ganz genau reimen – haben etwas Elegisches und Berührendes (er hat’s mit den Phantasien vom freischwebendem Reisen im menschenleeren Universum, so á la völlig losgehelöst von der Eherde … der Schilling heißt ja auch Peter – der innere Spötter). Ich blicke links aus dem Fenster und treffe den Blick der Frau im Café gegenüber auf der anderen Straßenseite, bevor sie aus dem Durchgang hinter der Bar hinter diese tritt und – offensichtlich Chefin oder Kellnerin – einer Kundin ein Getränk – ich tippe auf Kaffee – zubereitet. Jetzt steht sie wieder im Durchgang zum Hinterzimmer – vermute ich – und – wenn ich die Kopfhaltung richtig deute – checkt ihr Smartphone.
Eine mir im Moment nicht unangenehme minimalistische Berieselungsmusik mit Xylophon kommt aus den Boxen. Ich will endlich den Fronleichnamstext fertig schreiben, aber ich habe Angst. Da kann ich sehr leicht in diverse Fettnäpfchen treten und sich herausstellen, wie daneben ich bin. Ich habe kein rechtes Vertrauen in mein Denken, ungeschult, untrainiert, unsicher wie es ist, und fürchte, mit den Aussagen zwischen die Mühlsteine zu geraten. Dann denke ich: wurscht! Liest eh niemand (fast niemand – der innere Korrektor).
(20.6.2025)
Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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