Montag, 30. Juni 2025

4107 Fünf Minuten

 



12:40.  Ich habe mich auf einen bequemen Stuhl unter der Stiege hinterm Haus zurückgezogen. Wenn ich nicht recht weiß, wo ich hingehöre und wo mein Platz ist, ist mir der Rückzug lieber. Ich bin nämlich vorne schon unruhig hin und her gestiegen, die Liegestühle und Sitzgelegenheiten waren schneller besetzt, als ich schauen konnte, die letzten freien traute ich mich nicht einnehmen, weil die Gastgeber – noch voll in Tätigkeit – auch noch keine Stühle besetzt hatten. Meine Hilflosigkeit dabei, mir in dieser unguten Situation Abhilfe zu verschaffen, habe ich nicht mehr ausgehalten (ich betone: meine Hilflosigkeit!). Wenn ich in so einem sozialen Stress bin, kann ich auch keine Arbeit und Möglichkeit, den Gastgebern zu helfen, sehen, denn ich fühle mich dann völlig ungeschickt und unfähig und nehme nichts mehr richtig wahr. So bin ich, um Abstand zu gewinnen, um das Haus herum nach hinten und habe diesen gepolsterten Stuhl gefunden, der sich aber nach längerem Sitzen als gar nicht so bequem herausgestellt hat, weil die niedere Rückenlehne in mein Kreuz drückt. Ich schreibe jetzt nur um zu überleben.

Ich befinde mich in einem schönen Garten. Ein ständiger Wind geht und macht die aufkommende Hitze erträglich und sein Rauschen in den riesigen Pappeln hintertreibt, durchkreuzt und mildert den nahen Verkehrslärm. Diese mächtigen Bäume! So herrlich zum Anschauen! Aber jetzt, jetzt nach diesen fünf Minuten Ausblick in die Gärten mit ihren Bäumen und Sträuchern und auf die kleine Baumgruppe mit den riesigen Pappeln außerhalb der Anlage riskiere ich es, wieder nach vorne zu gehen.


(28.6.2025)


Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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