4081 Die blaue Tafel
11:49 a.m. Die blaue Tafel schickt die Fußgänger nach rechts. Wie schnell man das hysterische Gelb der Baustellenumzäunung hinnimmt, obwohl es einem Übelkeit bereitet und das Gesichtsfeld richtig stört. Ich schaue durchs große Fenster der halbleeren Aida auf die Wollzeile hinaus. Jetzt beginnt es zu regnen, viele spannen ihre Schirme auf. Andere viele haben offensichtlich keinen dabei. Allzu stark ist der Niederschlag nicht. Zwar bin ich nicht euphorisch, aber niedergeschlagen bin ich auch nicht (Bitte! Spare dir und uns diese unnötigen, schwächelnden Wortspiele! - der innere Kritiker). Die direkt am Fenster vorbeigehen, kommen oft nicht umhin, mich anzuschauen. Das ist Instinkt: man/frau muß wahrnehmen, was in seiner/ihrer Nähe im Gesichtsfeld auftaucht – egal ob sich das Objekt nähert oder ob man/frau selbst sich auf das Objekt zubewegt. Jetzt rumpelt eine kleine Handwalze über den frisch ausgebrachten Asphalt und presst und glättet ihn. Jetzt hat mich wer durch das Fenster angeschaut, dass ich den Blick senken mußte. Es ist viel los auf der Straße und hier scheint ein Ort zu sein, wo ich die Menschen in meinen Gedanken nicht von oben herab bemeckern muß. Ich denke wirklich „Tut ein jeder, wie er kann!“ (Danke Perdita für den Spruch). Jetzt hat mich Hinausstarrenden eine flotte ältere Passantin angelächelt! Auf das hinauf bestelle ich mit sogleich einen zweiten Cappuccino (wieso? Um deine Erregung zu dämpfen? - der innere Spötter). Das war gar nicht so leicht, denn freundlicherweise lassen sie mich hier in Ruhe sitzen und schreiben (Der Arme! So viel Arbeit! Er hat aufstehen müssen und zur Budel vorgehen, weil er es nicht geschafft hat, durchs ganze Lokal zu rufen – der innere Spötter).
Es gefällt mir gut hier. Auch der Ort mit seinen Gebäuden und dem kleinen Platz, der sich durch das alte Bauwerk auf Nummer 27A, das von der Gasse ein gutes Stück zurückgesetzt ist, ergibt. Ich finde auch den eingepassten vermutlich frühen Nachkriegsbau schön (ich werde hingehen und es überprüfen; meistens sind an den Häusern Tafeln mit Information zu Errichtung und Bauträger angebracht). (Das zu tun hat er vergessen – der Tipper.)
Am Klo gibt es nur diese Gebläsetrockner, keine Papiertücher, was ich nicht mag, denn ich frage mich, wo bei der Gebläsetrocknung der Dreck verbleibt, wegen dem ich zu Hause von Zeit zu Zeit die Stoffhandtücher waschen muß. Außerdem trocknen diese Geräte alle so furchtbar schlecht; da verkochen einem die Hände, bevor sie trocken geworden sind.
Der gute Regen hat offensichtlich aufgehört (gut ist er, weil er heruntergekommen ist und die Erde benetzt hat, nicht, weil er aufgehört hat – der innere Übertreiber). Heruntergekommen bin ich nicht, nur ein wenig schlampig (Bitte! Bitte, bitte, bitte nicht solche Wortspiele! - der innere Korrektor). Am Himmel sehe ich nun blaue Stellen und die restlichen Wolken werden heller. Ein Arbeiter plagt sich mit zwei riesigen A aus Plastik - ich meine die Buchstaben – auf seiner Transportrodel die Stiegen von der Aula der Wissenschaft (27A) herunter, dass sie ihm nicht hinunterrutschen. Und drei Damen kommen aus dem Eingang dieser Aula und bringen ein neues Plakat an (liebe LeserInnen, merkt ihr das versteckte Wortspiel Eingang – herauskommen?). Anscheinend ein Dekorations- und Veranstaltungsankündigungswechsel (mein Gott! Manchmal weiß ich nicht, ob ich dich wegen deiner Wortkombinationsschöpfungen umarmen oder ohrfeigen soll! - der innere Korrektor). Aber das Plakat, das die drei Damen aufhängen, ist von hier aus gesehen sowohl graphisch als auch überhaupt mickrig. Da hilft es nicht viel, dass sie zwei übereinander anbringen (ich bin hingegangen und habe es überprüft: es kündigt eine Kunstauktion zu einem – sicherlich! - guten Zweck an, dabei schaut es aus wie ein Werbeplakat für eine Prozentverbilligungsaktion von Billa oder Penny. Aber bitte! Wer bin ich, dass ich das alles kritisieren darf).
Jetzt ist der Himmel ziemlich blau und nur ein paar weiße Wolkenfetzen ziehen flott über, unter oder auf ihm hinweg. Es ist deutlich heller (No na! Wenn es aufgeklart hat! - der innere Spötter).
(3.6.2025)
Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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