4079 Das Wetter stellt sich um
13:11. Ich biege um die Ecke und der Schall des plätschernden Brunnens erreicht mich nicht mehr, gar nicht. Nichts. Ich betrete die Höfe und der Lärm der Stadt ist nur mehr ein fernes, undeutliches, verschwommenes Rauschen. Nur die Flugzeuge mit ihren schmutzigen Tricks bearbeiten die Stille zynisch von oben her. Und ab und zu fährt ein ganz wichtiges, professionelles Auto durch (Reinigung vielleicht, so genau habe ich nicht hingeschaut). Ich sitze beim Tietze-Tor im Hof 3 am Uni-Campus vor einer gottseidank noch ungemähten Wiese; die Büsche und die Zweige der Bäume wiegen sich im – noch! - sanften Wind und so tun auch die längeren Gräser und Halme. Auf der Nachbarbank eine alte Frau, die auch schreibt, oder eher Rätsel löst – vielleicht zum Training ihres Gedächtnisses. Immer wieder wandern Personen vorbei in verschiedenen Konstellationen und vor unterschiedlichen persönlichen Hintergründen. Ach mein Knie! Schmerzt. Viele PassantInnen sind jung. Klarerweise. Die sanfte Brise kitzelt nicht nur die Wiese vor mir, sondern auch die Haut meiner nackten Unterarme wegen ihrer Haare. Schön das Knirschen des Schotters auf den unasphaltierten Wegen. Ich werde jetzt aufstehen, herumgehen und dieses Geräusch selbst erzeugen, bis es Zeit für meine Psychotherapie ist. Das Wetter stellt sich gerade um. Gewitter sind angesagt. Nicht nur das Knirschen ist schön, sondern auch das Fühlen der Steinchen durch die schützenden Schuhsohlen hindurch.
(2.6.2025)
Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]
<< Startseite