4069 Wie in Trance
17:31. Ich bin wie in Trance. Ich habe keine Drogen genommen, nur einen Cappuccino getrunken. Es fühlt sich so an, als würde sich eine andere Realität hereinschieben und die hiesige zeitweise überlagern. Das geht jetzt schon ein paar Stunden so. Damit es kein Missverständnis gibt: ich bin nicht was-weiß-ich-wie beunruhigt – ich erlebe soetwas öfters – aber doch erstaunt, wie heftig da eine andere Wirklichkeit wenn auch bruchstückhaft hereindrängt und die hiesige zerstückelt. So mußte ich – zum Beispiel – lange nachdenken, wie alt ich bin. Wirklich, es dauert einige Minuten, bis es mir gelingt, auf Umwegen mein Alter zu rekonstruieren. Ich muß richtig nachrechnen und mir vorsagen: ich bin 1954 geboren, aber welches Jahr haben wir jetzt? Dann muß ich noch ein wenig herumrechnen, dann habe ich es, aber werde sogleich wieder unsicher, denn ich bin mir wieder nicht sicher, welches Jahr wir haben (jetzt beim Abtippen zum Beispiel! Ich muß beim Datumseintrag von gestern Nacht hier im Notizbuch nachschauen; auf die Idee, am Handy nachzuschauen komme ich nicht). Ständig schieben sich Erinnerungsbrocken herein, von denen ich nicht weiß, ob sie aus der nahen Realität, aus einer längst vergangenen Realität, aus Träumen, aus einer anderen Wirklichkeit oder sonst irgendwoher angeflogen kommen, und die jedoch sogleich verblassen, obschon sie als Erlebtes auftreten. Ich kann schon ganz gut abschätzen, was sich da abspielt, aber erstaunt bin ich doch jedes Mal. Begleiterscheinung ist fast immer, dass sich, so wie jetzt, das Summen und Surren in den Ohren fast zu einem Dröhnen steigert, zumindest deutlich stärker wird. Noch einmal: es sind außer einer Tasse Cappuccino keine Drogen im Spiel! Angst habe ich dabei normalerweise keine, höchstens ein leichtes Unbehagen, obwohl ich das Geschehen gleichzeitig interessant finde.
Draußen heult der Wind und biegt die Bäume, während ich auf meinem Bett hocke und das Ganze zu beschreiben versuche. Dabei reorganisiere ich mich zunehmend und passe mich besser in die übliche Wahrnehmung der ordinären Alltagswelt ein. (Aber selbst beim Abtippen Stunden später brauche ich länger, die Geräte zu bedienen und muß jeden Schritt gut überlegen – der Tipper.)
(28.5.2025)
Peter Alois Rumpf Mai 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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