4063 Einüben
8:10 a.m. Immer dieses Aufwachen aus Träumen von einer Welt, in der ich mich nie auskenne, in eine Welt, wo das nicht wesentlich anders ist. Die Anspannung dabei fast bis zu einer leichten Übelkeit. Gut, ich werde mich schon wieder derfangen. Das Fenster ist noch offen. Ich atme etwas flacher und schneller – wie mir scheint – bis ein paar unwillkürliche, tiefere Atemzüge mehr Raum zu verschaffen probieren. Ich mag nicht aufstehen. Am Rande meines Bewußtseins ist mir zum Heulen. Ich werde im Bett bleiben und lesen (Knausgård; Die Schule der Nacht). Die Bettdecke am Körper tut mir gut.
9:26 a.m. Ich habe das Fenster immer noch offen, obwohl seit dem Aufwachen der Impuls da ist, es zu schließen, denn es geht vom offenen Fenster eine Beunruhigung aus, aber etwas in mir überredet mich, es offen zu lassen und diese akustische und aerodynamische Beunruhigung auszuhalten, aus welchen Gründen auch immer. Geht es um das Einüben von mehr Vertrauen in die Welt? Dass mir hier selbst bei offener Flanke kein Leids getan wird?
12:39. Ich bin – nach dem Frühstück und längst angekleidet – beim Lesen nochmals eingeschlafen und soeben aufgewacht. Es ist so verwirrend. Ich finde mich nur langsam zurecht. Schon im seichten Schlaf hatte ich ständig eine Nummer von Ataxia im Kopf abspielen. Es ist verwirrend, aus diesem Zustand des losen Ichs wieder heraufzusteigen, aber der Schlaf war erquickend und ich will ihn nicht sogleich zur Gänze abschütteln. Ein beim Aufwachen starker, dann zu einem mittleren herabgestufter Harndrang drängte mich, doch ins Bad zu gehen und mich zu erleichtern (Dank an die realitätsfördernden körperlichen Funktionen! - der Tipper). Und dort wusch ich mein verschlafenes Gesicht mit fließendem, kalten Wasser und versuchte, meine kurzen, hochstehenden Haare zu glätten. Dabei beschloss ich, heute nicht ins Fitnessstudio zu gehen, sondern weiter zu lesen und – wenn es geht - zu schreiben. Im Bad war die Entscheidung klar und authentischer Ausdruck meiner inneren Bedürfnisse und im Einklang mit den Notwendigkeiten der Zeit, ja, des Zeitalters, aber jetzt kommt das Grübeln und das schlechte Gewissen, das mir Faulheit vorwirft (und der innere Korrektor wirft mir Größenwahn vor). Ich werde einfach weiterlesen.
23:50. (Er war doch im Fitnessstudio und sein Schrittzähler notierte 9571 Schritte an diesem Tag – der innere Korrektor.)
(23.5.2025)
Peter Alois Rumpf Mai 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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