4060 Jetzt ist es gut
12:12. Heute war es das Käse-Gallone-Frühstück. Ich habe ein schlechtes Gewissen wegen meiner Geldverschwendung, aber habe das Frühstück und das Zeitungslesen trotzdem genossen (das schlechte Gewissen wird wohl eine fremde Installation in meiner Seele sein). Diese Frage erhebt sich jedoch schon: ob ich bald die Dosis erhöhen werde müssen, um dasselbe Glücksgefühl zu erlangen. Und: wie (noch mehr Cappuccini wird nicht reichen)? Kannst du trotzdem sagen: jetzt ist es gut und dich über die Situation freuen? Einfach so?
Ich betrachte die Lichtspiegelungen auf den schönen roten Stühlen, die Übergänge von fast weiß auf rot – nur durch die verschiedenen Winkel der auftreffenden Lichtstrahlen auf den glatten, lackierten und gekrümmten Oberflächen. Gerade jetzt ein besonders schönes Lied aus den Boxen. Nun bin ich bei den Schatten auf den hellblauen Wänden – die meisten Gäste sitzen draußen im Schanigarten und die relative Leere herinnen ermöglicht meine elegischen Betrachtungen und die immer noch schöne Musik befördert sie („schöne Musik“ heißt bei mir meistens schwermütige, am besten begleitet und überhöht von einer tapferen … - Fröhlichkeit wäre zu viel – Versöhnlichkeit? - Schicksalsergebenheit wäre auch übertrieben – wie nennt man die Stimmung, wenn jemand selbst im Untergang nicht verzweifeln und um sich schlagen will? Ah! Freundlichkeit könnte hinkommen: sich, den anderen und dem Universum gegenüber).
Mein Gott! Ich habe ein Lieblingslokal! Herr im Himmel! - oder wer oder was auch immer - ich danke dir für dieses Glück, das ich mir jahrelang gar nicht vorstellen konnte, und dafür, dass es sich finanziell irgendwie ausgeht! Du Große Kraft, die das ganze Universum, all diese unendlichen Weiten und ausgedehnten Räume, die sichtbare und die unsichtbare Welt lenkt, leitet und erhält – dass Du so gut auf mich schaust!
So! Jetzt genug damit! Nach meiner Bewunderungs-, Dankbarkeits- und Spottattacke lasse ich verlegen und ein wenig ratlos die Blätter meines Notizbuches, die ich mit dem Zeigefinger der rechten Hand zuerst anhebe und dann portionsweise loslasse, so über die Fingerkuppe gleiten.
Puh! Jetzt übertreibt er wieder: Cappuccino Nummer vier! Zwar diesmal koffeinfrei, aber trotzdem! Wo wird das noch hinführen? Übrigens habe ich hier einen bevorzugten Sitzplatz, der meistens frei ist: der zweite Tisch von links, mit dem Rücken zur Wand und den Blick frei ins Lokal und, wenn ich den Kopf nach rechts drehe, durch die Fenster auf die Straße hinaus. Jetzt ist wieder ein richtig schöner Song dran (richtig für mich und meine Stimmung). Die der Spiegeln und der offenen Glaseingangstür wegen mehrfach gespiegelte Wirklichkeit hat es mir angetan; die Verwirrung daraus läßt mich meine eigene Verwirrung leichter entschuldigen und gibt ihr außersubjektive „Entität“ (Oida! - der innere Spötter). Soll ich den Wind in der Platane draußen auch erwähnen? Und jetzt die vielen Gläser und Flaschen mit ihren Lichteffekten in den Regalen mit den Spiegelwänden hinter der Bar im Blick, der sich darin verlieren will. Die Musik passt wieder. Meine Nase rinnt. Die Ansage auf der Kreidetafel verstehe ich nicht; ich bin ja weder Gourmet noch Weinkenner. Aber ich blocke die Gedanken dazu ab, bevor mir einfällt, dass ich auch hier nichts verloren haben könnte. Da sei der Himmel vor! Herr, es ist Zeit, mein Sommer war nicht groß. Leg dich auf die Sonnenuhren und lasse deine Wunden los. (Oder soll er, wie in seiner ersten Fassung, statt Wunden doch Winde schreiben? - der innere Spötter). Ich sollte nach Hause wandern! (Übrigens: um 23:35 hatte er dann 11046 Schritte absolviert – der Tipper.)
(20.5.2025)
Peter Alois Rumpf Mai 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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