4072 Schwieriger Aufbruch
9:05 a.m. Seit Tagen freue ich mich auf das zirka wöchentliche Frühstück in meinem Lieblingscafé, das ich mir für heute vorgenommen hatte und mir jetzt gönnen will - mit Zeitungslektüre und ein paar Stunden Schreibarbeit, aber als ich jetzt aufgewacht bin, dauert es nur ein paar Sekunden, bis mir das schlechte Gewissen und der Gedanke, dass mir so ein Luxus nicht zusteht, wie ein fester Hieb in die Magengrube fährt. Dabei kann ich es mir in diesem Monat leisten. Finanziell geht es sich aus. Ich bin nahe daran, dass ich es bleiben lasse. Das Gefühl von Schuld, weil ich es mir gut gehen lassen will, ist enorm. Mit Sturheit will ich an meinem Vorhaben festhalten, aber ich muß abwarten, bis sich meine Leibesmitte vom Schlag einigermaßen erholt und die leichte Übelkeit nachgelassen hat. Ich formuliere vor meinem inneren Gerichtshof ein paar Rechtfertigungen für mein Vorhaben – etwa dass heute mit dem Azubi unten bei den Tageskindern ein privates Frühstück sowieso nicht möglich ist – aber mir ist immer noch unwohl. Wer ist das eigentlich, der mir das antut? Welche Kraft verbietet mir das und wo kommt sie her? Auch lebenshistorisch gesehen? Ich möchte festhalten, dass mich meine alltäglichen und üblichen Frühstücke unten in der Küche normalerweise nicht nerven, dass mich die Anwesenheit der Tageskinder im Wohnzimmer trotz Windelduft in der ganzen Wohnung nicht stört, im Gegenteil, oft freut und ermuntert mich ihr meist fröhliches Geplauder schon beim Aufwachen, auch dass ich es mir selbst so eingerichtet habe, dass ich das Frühstück im Stehen, respektive im Hin-und-Her-Gehen einnehme, weil der Küchentisch mit den Speisen und Töpfen und Speiseutensilien für die Kinder vollgeräumt ist, auch das stört mich nicht, weil es für mich so bequemer ist. Und – einfach und, nicht aber und nicht trotzdem – es ist kein Gegensatz – ich liebe die gelegentlichen Frühstücke in meinem Lieblingscafé. Als etwas Besonderes. Außerdem bin ich noch nie ohne Text aus diesem Café hinaus gegangen. Also könnte ich auch die förderliche Schreibsituation als Argument anführen. Aber alle diese Argumente stechen mein Schuldgefühl und mein schlechtes Gewissen nicht. Letztlich verstehe ich das doch nicht. Wer ist mir so feindlich gesonnen?
Verdammt! Ich muß mich wirklich überreden, ins Espresso Burggasse aufzubrechen! Wo gibt’s denn sowas!
(30.5.2025)
Peter Alois Rumpf Mai 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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