Montag, 6. Januar 2020

1692 Kurkuma Latte


Meine nackte Frau verläßt das Bett und mich verschlafenen, agonisch und lethal dahingleitenden Traumwandler (die Wirklichkeit verwandelt sich alle zwei Sekunden in Traum) und ständig einschlafenden Langeweiler und offensichtlich faden Zipf, „gerade noch habe ich es geschafft, bei meiner Frau einen Kurkuma latte [Kurkuma Latte, keine andere!] zu bestellen“ (diesen Satz, natürlich ohne das in eckigen Klammern Gesetzte, hat mir meine liebe Frau lachend geschenkt, während ich während sie aus dem Bett steigt schon laut und mündlich die ersten Sätze dieses Textes probiert habe; so weit bin ich schon, daß ich mir Sätze schenken lassen muß!); also gut! Ich richte mich auf, die Pölster zu Recht und schreibe es halt auf.
Aus dem von meinem lieben prächtigen Weibe installierten und aufgedrehten Radio kommt etwas zu leise neopolitanischer Jazzrock von (muß ich erst recherchieren) (aha! Im „Hörbilder spezial“ sind vier Musiker vorgestellt worden: Pino Daniele, Enzo Avitabile, Peppe Servillo, James Senese – welcher es war, muß ich erst nachhören).

Und bald erscheint (Epiphanie!) meine liebe Frau wieder, im Bademantel eingehüllt und leistet mir und der inzwischen hinzu gekommenen Katze – die fast immer ihre Chance nützt, wenn die Stelle neben mir frei wird – Gesellschaft, während wir alle schweigsam unsere Getränke schlürfen.

Niemand redet, es ist so still, daß man alle drei Mägen gurgeln, glucksen und blubbern hört, den einen vom Kaffee, den andern vom Kurkuma latte, den dritten vom Wasser, das die Katze auch immer bei unseren Im-Bett-trink-Zeremonien bekommt (und das sie empört einfordert, sollten wir darauf vergessen).

Dann geht das Leben seinen weiteren Gang und ich bleibe im Bett zurück und bins zufrieden, daß ich mich da draußen nicht bewähren muß (ich habe noch nie im Schach gewonnen).

Natürlich war es nicht so, daß mir die Nornen – sagen wir, als ich zwölf Jahre alt war – ein paar Lebenskonzepte zur Auswahl vorgelegt hätten und ich nach einigem Nachdenken entschieden hätte: „ich nehme das Scheitern! Das gefällt mir am Besten! Und im Alter verkrieche ich mich endgültig ins Bett und warte auf Bruder Hain.“ Und die Nornen antworten: „Okay! Machen wir.“ Und ich darauf: „um ein paar Vergünstigungen, wenn es ist möglich, tät ich noch bitten: eine Frau, die mich aushält (in des Wortes doppelter Bedeutung) und Kaffee oder Kurkuma latte, gegebenenfalls auch Tee serviert, ein Katze, die mich sowohl erfreuen als auch nerven kann und eine akzeptable Wohnung mit eigenem kleinen Zimmerchen und ...“  „ja, ja, das geht! Brauchst nicht weiterreden, wir wissen schon … nur müssen wir dann als Gegengewicht noch ein so richtiges Kreuzweh einbauen … so ab fünfundvierzig. Mit steigender Tendenz.“ Ich – nachdenkend, aber erst zwölf: „das ist ja noch weit weg, passt!“ Die Nornen: „ [während ich da herumformuliere zerreißt mich fast ein mehrstufiger Niesanfall, immer wieder geht's los und mir rinnen die Tränen runter; wer will mir was sagen?] da wäre noch etwas! Mir müßten da noch einen ordentlichen und heftigen Kracher in München einbauen, der dich ordentlich aus deiner Bahn wirft .. aber es muß sein! „Die richtigen Wege zweigen oft von den falschen ab“ [W. Döbereiner] Wirklich unangenehm! Aber sonst ist dein gewünschtes Scheitern schwer möglich.“ „Oh! Schreiße! Pere Ubu! Muß das wirklich sein?“ Die Nornen, zupfen an irgendwelchen Fäden herum: „Ja! Muß! Aber dafür schenken wir dir letztlich zwar einen vergeblichen, aber doch den Sieg. Du hast es geschafft! Schach matt! Der König ist tot!“ Ich: „Vergeblich?“ Die Nornen: „Ja! Was willst du jetzt, du hast doch das Scheitern gewählt! Wenn du den König gleich erledigst, geht sich dein Scheitern nicht aus!“ Ich, demütig: „Aja! Aso! Hm! Na dann! In Gottsnam!“ „Also, sind wir handelseinig?“ „Ja. Aber – noch kurz – darf ich dann mein Scheitern genießen?“ Die Nornen: „Ja, dein Scheitern darfst du genießen und dabei so viel lachen wie nur du kannst und willst.“ (Stört mich jetzt bitte nicht in meiner Formulierungseuphorie mit eurem Mittagessen!)

Das Fenster ist offen und läßt die kalte Luft herein und ein paar elegische Geräusche in die erstaunliche Stille hier mitten in der Stadt mitten am Tag.












(6.1.2020)













©Peter Alois Rumpf,  Jänner 2020  peteraloisrumpf@gmail.com

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