Donnerstag, 30. Oktober 2025

4270 Mir ist kalt

 



15:56.  Mir ist kalt. Es ist aber nicht kalt im Zimmer. Laut Thermometer knapp 21°C. Um das festzustellen bin ich vom Bett, auf dem ich liegend gelesen habe, aufgestanden und zum Schreibtisch gegangen. Und da erblicke ich über das Dachbodenfenster oben auf der gegenüber liegenden Wand des Lichtschachts, auf das ich vom Schreibtisch aus sehen kann, den gespiegelten Ausschnitt vom Gebäude, in dem ich mich befinde, oben wo das Dach auf der Mauer aufsitzt, überraschend noch mit einem Sonnenlichtflecken, der vom Schatten des Taubengitters, das über den gesamten Lichtschacht gezogen ist, im wahrsten Sinne des Wortes durchkreuzt wird. Darüber ein blaues, gedunkeltes Stück Himmel, vom Taubengitter itself, nicht von seinem Schatten, ebenfalls durchkreuzt. Ich liebe solche Anblicke, und sie rufen in mir eine solche Sehnsucht hervor, die ich nicht wirklich verstehen kann. Spielt sich dort oben an der Dachkante das wahre Leben ab (Licht!)? Hat sie es in diesem Abendlicht schon hinter sich? Das Sonnenlicht im gespiegelten Bild wird immer schwächer und fahler, bald wird es hier verloschen sein (wir wissen natürlich, dass es an anderer Stelle weiterleuchtet). Jetzt liegt es nur mehr ganz oben rötlich am Rauchfang, von dem man fast nur die obere Abdeckung sieht, und das verzerrt von den Schlieren und Unregelmäßigkeiten des alten Fensterglases, sowohl bei meinem Zimmerfenster, als auch beim Dachbodenfenster oben gegenüber. Ich höre Türen laut zuschlagen, während jetzt am Kamin das restliche, nur mehr ganz schwach rötliche Licht verlischt. Ein Vogel fliegt durch den Fensterspiegel, zu schnell, als dass ich ihn beschreiben und benennen könnte. Ich vermute auf Grund des kurzen Anblicks eines ausgebreiteten Flügels eine Taube, mit denen angeblich der Himmel signiert. In meinem Zimmer bräuchte man schon Licht; ich sitze aber noch da und schaue auf das Dachbodenfenster und seine dumpf gewordene Spiegelung.


(29.10.2025)


Peter Alois Rumpf Oktober 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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