4211 Shortcomings
9:25 a.m. In der großen Halle. Und wieder hüpft die Wanduhr sinnlos und viel zu schnell im Kreis (die Niki Lauda unter den Uhren). Ich ärgere mich, dass ich, weil ich mich bei der Kartenzahlung ungeschickt angestellt habe, dem Kellner gleich erzählen mußte, dass ich ohne Telefon und ohne Fernseher aufgewachsen bin. Ich mein, das ist ihm doch wurscht und warum muß ich mich immer erklären und für meine Shortcomings entschuldigen? (Und für seine schlechten Englischkenntnisse. Da ist er ganz stolz, wenn er dann so ein englisches Schlagwort aus seiner Sicht einigermaßen richtig hinbekommt – der innere Spötter.) Und soo ungeschickt habe ich mich gar nicht angestellt! Aber gut, bei der Toilettensuche irrte ich immer noch in den Gängen des kafkaesken Gebäudes herum. Bleiben wir objektiv: so wie ich sitze, schaue ich Richtung 327° NW. Eine Schar Touristen kommt herein und sie fotografieren die schnell drehende Uhr (jetzt fabuliert er wieder: die fällt denen doch gar nicht auf – der innere Korrektor). Aber nicht wenige werden sie unbeabsichtigt auf ihren Fotos und Videos haben. Objektiv fotografieren sie sie. Die zahlreichen Pflanzen hier, sind die echt oder Plastik? Ich habe Hemmungen, das zu überprüfen. Jetzt spielen einige Minitischtennis. Ein paar tanzen ein paar Schritte oder lassen ihre Hintern wackeln. Zwei Frauen sind in der sŸs-Kabine und haben wirklich die Tür zu gemacht. Man sieht sie wegen der Verspiegelung nicht, aber hört sie kichern. Nach zwei, drei Minuten kommen sie wieder heraus und laufen eilig ihrer bereits abgegangenen Gruppe nach. Mögen sie sie nicht verloren haben! Das nächste Paar, das aus der Kabine kommt (anscheinend hat er ihr Hineingehen vergessen zu erwähnen – der innere Spötter) – keine Mitglieder der Touristengruppe – schließen brav, aber von der Regie nicht erwünscht die Tür. Ich stehe doch glatt auf, gehe hin und öffne sie wieder (bist du jetzt Hausmeister? Portier? informeller Mitarbeiter? - der innere Spötter). Ich zähle jetzt – abgesehen vom Kaffeesieder – fünf Personen in der Halle verstreut, mich am Kaffeetisch mitgerechnet. Jetzt sind es sechs. Ein Typ trägt einen Claude Monet am Rücken (er weiß es nur, weil es neben dem Bild am T-Shirt steht – der innere Spötter). Die Musik geht Richtung Endorphinmusik der Sechzigerjahre. Für mich an der Kippe. Genaugenommen jenseits meiner roten Linien. Aber ich bleibe sitzen und gehe nicht (Bleibma no a wengerl sitzn, bleibma no a wengerl do, san ma no a wengerl lustig … - der innere Spötter). Meine Walkingstecken habe ich in ein reguläres Loch im Plastiksessel gesteckt, damit sie nicht umfallen und niemand darüber stolpert. Die Musik hat sich schon geändert. In die sŸs-Kabine gehe ich heute nicht, weil ich mitbekommen habe, dass man heraußen alles hört (alles nicht. Nicht das, was aus den Kopfhörern kommt – der innere Korrektor). Musikalisch sind wir jetzt in Afrika; sehr sensible Musik. Und jetzt frankophon chanconierend; auch schön (damit rutscht meine Seele ins Pubertäre ab; diese ganzen “existentialistischen“ Lebenshoffnungen als Teenager sind wieder da). Die Menschen haben es heute auch nicht leicht; ich sehe es den jungen Künstlern hier an. Die Wanduhr geht jetzt tempomäßig normal und zeigt 10:19 an, während meine Handyuhr 10:26 zeigt. Der Teufel steckt im Detail und im richtigen Timing des Abstellens des schnellen Uhrendurchlaufs, aber immerhin.
Und jetzt? Aufbruch? Umbruch? Abbruch? (Au weh!) Zusammenbruch? Auseinanderbruch? (Biiittte! Geh schwimmen oder ins Fitnesscenter! - der innere Spötter.) Das Aufschlagen des Tischtennisballs auf dem Tisch und an den Schlägern hallt nur so durch den riesigen hohen Saal. In der sŸs-Kabine habe ich übrigens bei meinem letzten Besuch die Aufhängung eines Kopfhörers repariert (lieber Freund, Hausmeister und informeller Mitarbeiter! Es ist höchste Zeit, dass du gehst oder zumindest zu schreiben aufhörst! – der innere Spötter). Die Pflanzen könnten doch echt sein.
(19.9.2025)
Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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