Donnerstag, 18. September 2025

4210 Station Mumok

 



13:33.  Wieder bei der Barbara Kapusta im Mumok. (Um zu zeigen, wie man in negativen Prophezeiungen verstrickt sein kann, schildere ich meine Phantasie beim Anmarsch auf das Mumok: da ich mit Walkingstecken unterwegs bin und die in der Garderobe abgeben will/muß und da ich die Garderobe schon öfters unbesetzt vorgefunden habe, phantasierte ich mir folgendem Sketch zusammen: die Garderobe ist unbesetzt, ich gehe hinter die Budel – beim Eindringen in diesen Bereich immer mit Herzklopfen! - und hänge meine Stecken auf und gehe dann in die Ausstellungen. Als ich zurückkomme, ist die Garderobe besetzt und der Typ dort verlangt die dafür vorgegebene Gebühr. Ich verweigere die Bezahlung, weil mein abgegebenes Gut (die Stöcke) gar nicht bewacht waren. Der Typ besteht darauf, ich schreie wutentbrannt zurück: „ich zahle nicht für eine Dienstleistung, die gar nicht erbracht wurde!“ etc. In Wirklichkeit ist es so abgelaufen: die Garderobe war mit einer netten Dame besetzt, die Hinterlegung der Stöcke war gratis, meine Befürchtungen haben sich in Wohlgefallen aufgelöst und beim Abholen haben wir einander einen schönen Tag gewünscht.) Also bei Barbara Kapusta. Der weiße Ring biegt sich, zittert, nimmt Anlauf und zerschlägt die menschliche Faust in Stücke. Die Trümmer liegen herum. (Den Englisch gesprochenen, musikalisch intonierten Begleittext verstehe ich auf Grund meiner mangelnden Englischkenntnisse nicht – ich interpretiere so ins Blaue, Willkürliche hinein.) Mir kommt vor, manche der dünnen, silbrigen menschenähnlichen Figuren haben etwas Trauriges; ich meine die, die stehen; bei denen, die liegen, bin ich mir nicht sicher. Und die schwarze, verfremdete Schrift an der Wand: als würden die Buchstaben - zu Flügeln oder Flammen mutiert – auffliegen, oder doch als schwarzes Feuer verbrennen wollen. Die ganze lange Wand ist voll von diesen unleserlichen Schriftzeichen und „lecken“ sogar um die Ecken. Das sind Menetekels! Ihre Aussage schon zu Asche verbrannt? Doch jetzt, da der silbrige „Mensch“ da vor mir liegt, wirkt er doch eher wie niedergeschlagen, durch einen Hieb zu Boden gestreckt, richtet aber den Oberkörper wieder auf, mit den Armen nach hinten abgestützt. Auch die zweite silbrige Figur am Boden wirkt nicht entspannt, sondern zu Boden geworfen. Es gibt schon – wenn auch wegen der kaum von der Farbe der Wand unterscheidbaren Farbe der lateinischen Buchstaben schwer lesbaren Schrift – einen Text an der Wand, aber wieder kann ich sie wegen meiner mangelnder Englischkenntnisse nicht verstehen (8% of our bodies regenerates resting next to our body …) [Laut Ausstellungstext an der Wand heißen die geschlechtsneutralen Skulpturen aus Aluminium Giants und die flammenden Buchstaben schreiben This Is The Space We Inhabit As Neighbors über die lange Wand.]


Kurzandacht vor Giacomettis aufrecht stehender Frau einen Stock höher (abgelenkt durch das Video rechts). Ich bin immer wieder fasziniert von der Schönheit und Eleganz dieser Gestalt. Die Trauer mag ich hineininterpretieren. Ein bißchen wirkt sie wie ein Fremdkörper in dieser Ausstellung, aber weil sie eine psychologische, soziologische, historische, spirituelle Tiefe hat, die rundherum fehlt – so kommt es mir vor (auf seine Analysen, Deutungen und Interpretationen ist kein Verlass! - der innere Spötter). Ich versuche, alles andere hier auszublenden (was eindeutig gegen die Intentionen der AusstellungsmacherInnen ist). Ein Mann mit beschrifteten Pullover geht zur und hinter die femme debout, und mir kommt jetzt das Beschriften von Kleidungsstücken ziemlich blöd vor (auf meinem T-Shirt steht Bin im Fernunterricht). Vielleicht stimmt die Aussage sogar und ich habe mich von Giacometti belehren lassen. Giacometti, ich rufe dich an! Rede zu mir und lehre mich! (ich glaub’, das reicht jetzt! - der innere Spötter). Ich bleibe dabei: diese Skulptur hat etwas, was alle anderen Objekte hier im Raum nicht haben. An ihr sehe ich nichts Beliebiges (magst du das auch auf deine Schreiberei anwenden? - der innere Spötter). Wie gesagt: ich bin sehr abgelenkt, kehre jedoch mit meiner Aufmerksamkeit immer wieder zu dieser wunderbaren Skulptur zurück.


Um mir noch eins draufzugeben war ich noch im tiefsten Keller bei Yoko Onos cut piece von 1965 und wie immer könnte ich über diesen Lümmel heulen, der der Yoko Ono blöd grinsend und zu seinen Haberern im Publikum feixend die Bluse und den BH aufgeschnitten hat (dass sich jemand verletzlich macht, heißt ja nicht, dass man diese Person verletzen muß! Darin zeigt sich ja die Integrität!). Am liebsten würde ich den Flegel niederschlagen und verprügeln (was immer das heißt! Möglicherweise triggert er mit seinem Verhalten etwas, was du auch in dir trägst? Ich meine eine solche Aggressivität und Rücksichtslosigkeit.) Jetzt aber habe ich genug und werde nach Hause wandern [7 741 Schritte, Top 8%].


(18.9.2025)


Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite