Donnerstag, 18. September 2025

4209 Uhuuhuuu

 



12:11.  Eine Zeitlang sitze ich so da, Notizbuch, Stift und Brille am Kaffeehaustisch abgelegt und warte auf Inspiration (oder was auch immer das dann gewesen sein wird! - der innere Spötter). Aber das Anwerfen des Schreibmotors gelingt anscheinend nur, wenn ich den Schreibgriffel in die Hand nehme (ob das, was dann herauskommt, wirklich inspiriert ist – denn Spiritus ist Geist – sei dahingestellt – der innere Spötter). Anders bei dem zeitlich vorgezogenem „Schnittenritus“; bei dem verwandle ich wirklich ein Stück Schnitte und Kaffee in Fleisch und Blut; in mein Fleisch und mein Blut nämlich – durch meist andächtigem Verzehr – und das ganz ohne Zaubersprüche! (Ja, ich weiß schon, in diesem schlaksigen Vergleich ist ein Sprung, er funktioniert nicht wirklich, aber mein spöttelnder, komödiantischer Geist freut sich; auch wenn ich solche echten Verwandlungen (Transsubstantiationen) im Prinzip für möglich halte. Ja, wirklich!)

Bleiben wir lieber beim Ventilator (dreht sich heute nicht), bei der Platane draußen in der Laube (nur wenig Wind, nur ein Hauch) – lustig! Kaum schreibe ich das hin – übrigens in pinker Schrift – wird der Windhauch stärker und die Zweige winken zu mir durchs Fenster herein! Hey, Platane! Hey, Wind! … Und wieder winken sie nach meinem Gruß! Die Welt ist voller Wunder! Ich bin nahe am Weinen! (das ist eine Folge der Droge Kaffee! - der innere Spötter). Also zurück zu …

… gut, schauen wir uns die Spiegel an, was sie uns spiegeln. Der eine vorne an der Wand spiegelt die offene Glastüre mit ihren Aufklebern, die ich so von hinten – also ihre Klebeflächen – sehe. Die Rückwandspiegel in den Gläserregalen sind so von Gläsern verstellt, dass ich keine deutlichen Spiegelungen beschreiben kann; nur an einer Stelle kann ich manchmal die Rückseite des T-Shirts eines Kellners vorbeihuschen sehen, auf der Let me be what wanna be steht – was ich aber nur direkt, ohne Spiegeln ablesen kann. Auf der des anderen Kellners übrigens steht disco – wegen Zierschrift unleserliches Wort – vielleicht es? ers? em? - oder sowieso nur ein ornamentaler Schnörksel? – dann: cultura. Und an der Kreidetafel an der Wand steht heute: Saufen statt Taufen! (sic! mit großem T). ich kontere: Saufen statt Kaufen!/Raufen!/Laufen! Da erhebt sich die Frage (Weigel schau oba!): ist eine Reinigungs-Tauf-Religion angenehmer als eine Kauf-Konsum-Religion, als eine Rauf-Kampf-Religion, als eine Lauf-Sport-Religion, oder umgekehrt? Kommt wahrscheinlich darauf an, wie sehr und wie und mit welchem Ziel und mit welchem Erfolg die jeweilige Religion auf Leben und Lebensprinzip übergreift und einwirkt.

Kommen wir wieder herunter. Die Musik singt, bläst und schlagzeugt so dahin; jetzt mit Hintergrund-uhuuhuuu-Chor. Schon vorbei; wieder was anderes (c’est la vie und πάντα ῥεῖ) (so ein g’schissener Angeber! - der innere Spötter). Die Platane hat einen kerzengeraden Stamm. Nun versuche ich, die Bewegungen der Platanenzweige, die sich in der offenen Glastür spiegeln, am originalen Baum wiederzufinden, was mir nicht gelingt; ich kann den Perspektivenwechsel nicht nachvollziehen und es sind jeweils andere Ausschnitte des herrlichen Baumes an den zwei Orten sichtbar. Schönes Vibraphon jetzt, begleitet von singenden Gläsern und zarter E-Gitarre. Manche sind mutig, ich nicht (weil ich ein Gespräch über Reisen in den fernen Osten zufällig mitgehört habe).


(18.9.2025)


Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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