4199 Auftrieb!
12:01. Good Vibrations aus den Boxen: das bringt emotionalen und „historischen“ Auftrieb! Ach, ich bin ja noch so ein Kind! Schau ich mich bei den anderen Gästen hier um, merke ich: ich bin nicht auf Augenhöhe. Aber das macht mir jetzt nichts aus. Ich lebe in meiner Welt und stehe zu meinem magischen Weltbild und zu meiner unreifen Zurückgebliebenheit. Was hätte ich anders machen sollen? Wurscht! Ich will mich das nicht fragen. Nur eine kleine Brise streichelt die leise bewegten Blätter der Platane und des Gebüschs draußen in der Laube. Jetzt habe ich es verschrien und der Wind legt zu; er zeigt mir, dass er weht, wo und wie er will (wie der Geist). Eine liebe, schöne Melancholie durchrieselt mich, gestärkt von dem Song nun aus den Boxen, den ich nicht kenne. Hinter diesen traurigen Liebesliedern und Liebesgeschichten steckt doch, meist unerkannt, die Trauer um den Verlust der Fülle des Lebens unseres magischen Erbes; und dass wir uns in einer leergeräumten Welt der Funktionalität und Langeweile zurechtfinden müssen. Mit „magisches Erbe“ meine ich nicht einfach herumhüpfende Schamanen und einschüchternde Tempel; und dass die Welt leergeräumt ist, ist vielleicht ein notwendiges Durchgangsstadium zur Bereinigung unseres magischen Erbes von Obsession und Morbidität (jetzt dreht er wieder auf, als wäre er ein Wissender, dabei weiß er nichts, weil er nicht gesehen hat und damit nichts bezeugen kann [laut Mackensen, Ursprung der Wörter: wissen … „zur idg Wurzel *ṷoida – ich habe gesehen = ich weiß“]. Geh wieder zurück zu Wind und dem Ventilator am Plafond! – der innere Spötter). Der Ventilator am Plafond dreht sich gegen den Uhrzeigersinn (also auf dem Phänomensweg (W.D.)). Ich suche ein Zeitung. Nachdem ich keine Kleine Zeitung finde, nehme ich ausnahmsweise die Salzburger Nachrichten. Die Todesnachrichten aus dem Bezirk Liezen gehen mir ab. Was ist so eine Herkunft eigentlich wert? Wie viel von der (energetischen) Abstrahlung seiner Herkunftsregion hat eines im Aufwachsen aufgenommen? (Heut will er so „philosophisch“ sein!- der innere Spötter.) Lassen wir das! Der Wind hat sich längst wieder zu einer leichten Brise zurückgenommen. Die Musik aus den Boxen tröpfelt und klopft so angenehm in Blues-Gestimmtheit dahin mit einer wunderbaren, aber nur passagenweise aufjammernden E-Gitarre.
Ich schaue durch die Auslagenfenster auf die Gäste in der Laube hinaus und stelle wiederum fest: ich habe keine Augenhöhe. Darum bin ich hier glücklich: weil ich hier trotzdem so freundlich geduldet werde. Vielleicht mehr als das. Das jedoch ist ein sehr fragiles Gleichgewicht (das natürlich auch seine Genese hat), das schon durch einen kleinen Hauch von Gegenwind oder vermeintlichem Gegenwind zum Einsturz gebracht werden kann.
Zum ersten Mal fasse ich die Lampe links von mir an der Wand ins Auge: zwei Glühbirnen leuchten, eine nicht. Die Form der Lampe ist schwer zu beschreiben: drei im Halbkreis angeordnete offene halbrunde „Nischen“ aus löchrigen Metallflächen – im Querschnitt wie drei an ihren Rückseiten in einem Halbkreis angeordnete C – die sich von unten nach oben ausweiten. Vor den Glühbirnen ist noch eine löchrige Metallblende montiert, die das Licht streut und auf besagtem Gitter ein Lichtkreuz erzeugt. (Lieber Freund! Hier mußt du das Scheitern deiner Beschreibungskunst eingestehen! - der innere Spötter.)
Wie nennt man das, wenn man im Herumsitzen überständig wird? Ist ja auch egal! Ich breche auf.
(11.9.2025)
Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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