Donnerstag, 4. September 2025

4188 An die Arbeit

 

12:38.  Lost in Glückseligkeit. Im Lieblingscafé. Und in hysterischer Aufregung für – ich möchte nicht sagen: für nichts und wieder nichts – aber bloß wegen ein bißchen freundlichem Geplauder schon den Tränen nahe. Ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, was das über meinen psychischen Zustand und meinen Status in der Gesellschaft aussagt. Es passt eh alles, auch meine Melancholie, auch meine Schwermut, die fast immer dabei ist.

In meiner Euphorieüberschwemmung kann ich nicht und nicht schreiben, mich nicht konzentrieren, mein Geist treibt sich was-weiß-ich-wo herum und hält nicht still. Und mir fällt nichts ein. Soll ich den Wind draußen in der Laube bei der Platane und im Gebüsch beschreiben? Ach! Nicht schon wieder! Den rotierenden Ventilator am Plafond? Ne! Ne! Auch zur angenehmen Musik fällt mir nichts rechtes ein (Unrechtes auch nicht – der innere Spötter). So schaue ich ins sogenannte Narrenkastl aka Spieglein, Spieglein an der Wand und befrage es nicht! Ich werde mich hüten! Der dritte, diesmal koffeinfreie Cappuccino ist ausgetrunken (nicht ganz! Ein kleiner Schluck mit Schaum war noch in der Tasse – der innere Korrektor), meine literarische Ausbeute wird nicht größer. Vielleicht passiert noch etwas auf meiner Wanderung durch die Stadt nach Hause.

14:01 springt auf 14:02. Ich bin im Park am Rudolfsplatz, habe mich soeben hingesetzt und werde sogleich von einer Frau mit beängstigend glurrenden Augen eingeladen, einer gratis Theateraufführung für Erwachsene und Kinder beizuwohnen, die dort drüben starten wird, aber noch sitze ich und schaue über die halbe Breite des Parks auf das Haus der Textilindustrie Österreichs. Gut, ich gehe zum Theaterplatz in der Wiese, das Stück beginnt, die Bauhütten und ihre Arbeiter spielen unfreiwillig mit und merken es nicht. Es geht im Stück um Entspannung und Schlaf und Träumen für Kinder und Erwachsene. Und das bei drei Cappuccini intus! Mir ist bereits etwas übel und fast hebt es mich aus. Der reinste Koffeinrausch. Ich muß weiter gehen, weil ich wegen meines Knies nicht so lange stehen kann und alle Sitzplätze besetzt sind. Ich setze mich auf eine Parkbank zirka zwanzig Meter entfernt. Die Bauarbeiter dürften schon bemerkt haben, dass sie ins Stück eingebaut werden und spielen ein wenig mit. Aber ich höre hier nicht so gut und beschließe, heimzugehen.

Auf der Brücke über den Donaukanal grüße ich die vier Elemente Feuer/Sonne, Wasser/Donau, Luft/Wind und die Erde (wobei ich gar nicht auf der Erde stehe, sondern auf der Brücke aus Beton über dem Wasser – wird auch etwas aussagen über mein Standing in der Welt hier auf Erden) und ein Schauder läuft mir über den Rücken. Jetzt dröhnt mehrfaches Tatü-Tata in meinen Ohren. Mein Gott! Ist mir zum Heulen! (Aber ich heule nicht.) Müde und mühsam schleppe ich mich nach Hause, wo Geschirr und Wäsche auf mich warten. Bevor ich an die Arbeit gehe, raste ich noch etwas unter hysterischem Ohrengeklingel ab, indem ich mich aufs Bett hocke. Das indirekte, aber dennoch sommerliche Licht über den Lichtschacht brennt sich geradezu ins abgelegene Zimmer herein, aber verliert schon ein paar Dezimeter hinter dem Fenster innen an Kraft. Mein Fensterrabe hängt unbeweglich und still, nicht die leiseste Bewegung kann ich an ihm wahrnehmen. Ich bilde mir ein, Streuungslicht an der Kante der Fensternische wahrzunehmen. Ich freue mich an meinen drei Bildern an der Wand gleich unter dem Plafond – selten kommen sie mir so klar vor – und an dem kleinen Foto der winterlichen Riesneralm meiner Tochter in dem schönen Rahmen, der dem Foto hilft, sich inmitten der gemalten Bilder zu behaupten. Es ist ein wunderbares Foto! Jetzt ist es 15:45, ich gehe an die Arbeit.


(3.9.2025)


Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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