Donnerstag, 28. August 2025

4181 Der Wuscher

 



0:21 a.m.  Eine Lüftung röhrt im Lichtschacht. Der Ton hat eine leicht scheppernde Note und im Abgang – wenn sie runterfährt – etwas Blasendes. Das Blasende hört eines nämlich, wenn sie voll läuft, nicht so gut heraus, die anderen Geräuschkorpuskeln und Tonwellen überlagern es (Oida! Korpuskeltheorie bei Schallwellen! - der innere Spötter). Jetzt hat sie überhaupt aufgehört, die Lüftung, und ich weiß mit der plötzlichen Stille gar nichts anzufangen. (Gut, dass es in meinen Ohren ordentlich surrt.) Doch! Doch! Allmählich gefällt es mir doch, dass es still ist. Die Nacht bekommt dann so eine dichte Intensität und Eigentlichkeit (Geh bitte! Tu nicht so, als hättest du Heidegger studiert! - der innere Spötter). Vor lauter Eigentlichkeit schaue ich jetzt meine eigenen Bilder an der Wand (εἰκόνες ἰδιαι – um nicht zu schreiben idiotai) an, soweit sie im dürftigen Licht der Leselampe, deren Lichtkegel sich nicht mehr stabil hinaufdrehen läßt und die so ihren Lampenschirm verschämt nach unten gesenkt hält, erkennbar sind. (Jetzt gibt er wieder an! Dabei hat er mühsam und sehr lange im Griechischwörterbuch und der griechischen Grammatik herumblättern müssen und kann sich nicht einmal sicher sein, dass das auch stimmt, was er geschrieben hat. - der innere Spötter) Und? So im Halbdunkel wirken sie eh interessanter, die Bilder. Das Geräusch des Flugzeugs, das ich jetzt ganz ferne hören kann, hat etwas Stotterndes; hoffentlich passiert ihm nichts; aber vermutlich kommt das von irgendwelchen Schallwellenverzerrungen durch Wolken. Außerdem ist es ja schon längst verklungen. Zurückgeworfen auf mein Ohrensausen stelle ich fest: das ist jetzt immer noch das spannendste Nachtgeräusch, weil darin so Schübe vorkommen, als würde der polyphone, monotone Singsang plötzlich für eine Sekunde angeschoben werden und dadurch Geschwindigkeit, Lautstärke, Intensität und Klangfarben ändern und etwas höher werden. Das kommt daher wie ein akustischer Wuscher. Der kann dann auch eine kurze, eine Zehntelsekunde lange Generalpause auslösen und dann auf einen Schlag wieder alles anheben lassen. Wenn eines genau hinhorcht, entdeckt man im monotonen Brei auch feine, fast unmerkliche Schwingungen und Schwankungen, jetzt abgesehen vom gelegentlichen Wuscher, der wirklich nur selten, aber dann deutlich auftritt. Ein Flirren kann man auch identifizieren, wenn eines länger hinhört. Und ein tieferes, spiraliges Brummen (das Spiralige entsteht, weil sich das Brummen um die eigene Achse dreht und gleichzeitig vorwärts Richtung Ohrwaschl geht).

Ooooh! Meine frankophone Schweizerin ist so sexy, wie sie da im Halbdunklen als drei verschwommene Farbflecken auf der Kunstkarte im Regal lehnt!


(27.8.2025)


Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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