4180 An Wunder glauben
12:09. Im Espresso Burggasse. Heute haben sie schon zwei Red-Hot-Chili-Peppers-Nummern gespielt! (auf seinem T-Shirt steht: Dafür bin ich schon zu alt – der innere Spötter). (Ich gebe dem inneren Spötter viel zu viel Kompetenzen, viel zu viel Stimme und vor allem: ich lasse ihm ein viel zu großes Wirkungsfeld und viel zu große Reichweite. Aber vielleicht kann ich ihn so verwässern.) Durchs kleine Klofenster scheint die Sonne herein, die Fenster im ersten Gastraum, mein bevorzugter Aufenthaltsort, gehen nach Norden (22°N sagt der Kompass). Heute spielt Sturm Graz nach der 0:5-Niederlage im Rückspiel gegen Bodø/Glimt (wegen dem „ø“ warat’s – der innere Spötter) und wird wohl chancenlos bleiben. Grundsätzlich jedoch will ich an die Möglichkeit von Wundern glauben und meinen Geist dafür offen halten, ob beim Lotto oder beim Fußball. Aber egal, das ist nicht so wichtig. Mir kommt vor, die Kugelform des einen Glaskristallusters ist ein wenig verzogen; aber das mag eine optische Täuschung meiner Perspektive und einer ausgefallenen Glühbirne im Inneren der Lampe sein. Ich versuche die etwas fade Musik jetzt wie eine RHCP-Nummer zu hören: also mit Vorschußwohlwollen, lausche aufmerksam auf die einzelnen Instrumente – jetzt zB die Gitarre – und versuche, das Timbre von Stimmen und Instrumenten, den Melodienverlauf, die Spannung in den Akkorden et cetera wahrzunehmen. Das klappt nicht recht. Aber jetzt spielen sie einen Song, den ich liebe, aber ich weiß nicht, von wem ich ihn kenne und von wem er im Original ist. Mein versulztes Gehirn arbeitet schon, aber tut sich schwer. Eine Frau singt. Im Original ein Mann? Der Song ist vorbei und mein Gehirn hat es nicht geschafft. Das Lied ist natürlich irgendwo bei mir abgespeichert, sogar prominent und stark emotional; fast kann ich das Video vom Liveauftritt sehen, aber dann ist Tilt! Keine Ahnung, wer das ist und von wem ich es kenne. Das Lied jetzt ist auch nicht schlecht, aber ich kenne es nicht. Zeit für die Schnittenzeremonie? Ich zögere noch. Ich gehe davon aus, dass ich das Hin-und-her von ja und nein bald mit ja! beenden werde, weil dann die Schnitte aufgegessen ist und damit die Entscheidung nicht mehr revidierbar (im Gegensatz zu einer Nein-Entscheidung). Done! Wie Entscheidungen in ihren tiefsten Dimensionen gefällt werden, wäre auch ein interessantes Forschungsgebiet. Meine Zauberer sagen, Entscheidungen werden in der zweiten Aufmerksamkeit gefällt; was immer das genau heißt. (Unsere Überlegungen, Behauptungen et cetera dazu wären dann bloß etwas wie Fassadenbehübschungen? Wobei Fassadenbehübschungen oft sehr hässlich und kitschig sind!) Ach! Mein Gott! Ich kenne den gesuchten Song von John Frusciante! Deshalb diese Euphorie und die emotionale Anteilnahme und Aufgewühltheit! Wie konnte ich das vergessen! Beim John Frusciante ist der Song auch eine Coverversion. Sicher. Von wem das Original ist, weiß ich nicht und habe ich nie gewußt. Und jetzt spielen sie wieder ein Stück der RHCPers! I wer narrisch! Fast weine ich. (Ganz sicher ist er sich bei diesem Song nicht, weil er ihn nicht kennt, aber gut! Lassen wir das durchgehen! - der innere Spötter.) So! Schluß! Aufbruch!
13:50. Wieder Am Gestade gestrandet. Es ist wieder sommerlich geworden (ohne Rückenlehne sitzt es sich nicht bequem). Am Brunnen kann ich drei Wasserstrahls? Wassersträhle? Wasserstrahlen? sehen, der vierte ist durch die Brunnenfiguren verdeckt. Ich muß einen anderen Sitzplatz suchen.
Ich sitze jetzt im Park am Rudolfsplatz auf einer Bank mit Rückenlehne – viel besser! - und es schlägt von irgendwoher zwei Uhr. Der Mann auf der Bank gegenüber telefoniert laut in einer skandinavischen Sprache. Ansonsten rasten alle Besucher ganz ruhig und still. Ich blicke über die flache, Licht-Schatten-gestreifte Wiese zum Ausgang Gonzagagasse hinüber. Im Kopf ändere ich die Route für meinen Heimweg auf über die Gonzagagasse. Ich schaue mich noch um; der junge Mann telefoniert noch immer, dann trete ich den Heimweg wirklich an.
(26.8.2025)
Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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