Dienstag, 2. September 2025

4185 Hollabrunn

 



14:18.  Ich sitze in der Badehose im Hollerbrunner Freibad, der Himmel ist schwarz vor Gewitterwolken, es ist kalt und der Wind verstärkt das noch. Das Ambiente ist hald (sic!) wie so Freibäder sind: viel Gestell und schlechte Wandbilder an den Mauern. Aus den Boxen dröhnt das furchtbare Radio Niederösterreich mit unerträglicher Musik und unsäglichem Geplauder – nein, da möchte ich lieber sterben. Aber warum bin ich überhaupt hier? Meine liebe Frau ist auf ein Geburtstagsfest eingeladen (ich kenne die Leute nicht), und sie hat sich gewünscht, dass ich mitkomme, und hat alles geplant: wir kommen einige Stunden früher hierher, gehen ins Freibad (das hat im Internet so groß und so schön ausgeschaut), essen dort im Buffet … . Aber ich friere! Sie allerdings, sie kommt gerade vom Schwimmen, weil sie ständig kraulen übt. Und weil ihr nun auch kalt ist, umkreist sie mich hüpfend und spritzt dabei – unabsichtlich (darum gilt es auch nicht als aggressiver Akt; meine Unfreundlichkeit schon, wenn ich sie herauslassen würde) – spritzt also auf mein Notizbuch. Sie will jetzt schnell weg und woanders essen gehen. Jetzt werde ich ein wenig stur und überlege, ob ich nicht doch ins Wasser gehen soll – weil sie sich schon anzieht, weil ihr richtig kalt ist. Ich gehe stolz und aufrecht vor zum Schwimmbecken und schwimme einmal hin und einmal her (meine liebe Frau hat – ohne dass ich es bemerkt habe – ein wahrlich tolles Foto von mir gemacht, wie ich da zum Schwimmbecken schreite). Jetzt ist einfach Aufbruch angesagt, ich trockne mich mit dem feuchten Handtuch notdürftig ab und humple in die Umkleide. Dabei habe ich noch gar nicht die schöne Wasserrutsche und die Mauer, die so schön bemalt ist, gscheit beschrieben! (Achtung! Ironie!)




18:00.  Die tibetisch-buddhistischen Gebetsfähnchen flattern im Wind auf einer Leine quer über den kleinen Garten, die auch im Wind schwankt. Es ist grau und es wird gleich regnen, aber der Ort hier ist sehr schön, und die Zeit der aufsteigenden Abenddämmerung ist wunderbar. Aus den Boxen kommt nach weiblich besungenem Jazz jetzt weiblich besungener Rock. Plötzlich hat der Wind komplett aufgehört und alles hängt so da. Ich würde so gern ein Fest mit meiner Musik ausrichten (denke ich mir). Jetzt ist der Wind wieder da, von rechts. Die Nadelbäume bringt er nicht zum Schwingen, aber die Laubbäume. Das dort drüben müßte eine Tanne sein, weil ihre Zapfen aufrecht stehen. Ich sitze überdacht in einer offenen, geräumigen Hütte und blicke durch die offene Tür in den Garten hinaus. Die Gäste mit den Gläsern in der Hand. Das frisch gewachsene Gras wird hald (sic!) niedergetreten. Der Raum, in dem ich fast allein war, füllt sich langsam, weil es zu regnen begonnen hat. Ich gaffe auf den Regen und sein Tun und betrachte das kleine Rinnsal, das sich beim offenen Ende der Dachrinne bildet, und das nach einem Meter wieder versickert. So stark regnet es noch nicht.


(30.8.2025)


Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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