Dienstag, 10. Juni 2025

4084 Auf einen Haufen

 



11:30 a.m.  Ich sitze mit dem Rücken an der Lokalwand außen und auf der anderen Seite des Gehsteigs befindet sich noch ein extra Schanigarten, an dessen gottseidank schlichten Begrenzungszaun direkt vor mir ein blauer blechener Blumentopf hängt mit – hmm – was ist das für eine Pflanze? - ich weiß es nicht. Es ist warm, aber nicht heiß, windig, aber gerade noch nicht unangenehm, sondern erfrischend. Normalerweise sitze ich nicht draußen, aber heute habe ich mich dazu durchringen können. Die Gespräche am Nebentisch lenken mich ab. Und sie rauchen auch. Ein Vater  - mit Kleinkind im Buggy und Hund an der Leine - der gerade vorbeigeht, hört halblaut – verdammt, ich kann mich nicht konzentrieren und finde den Namen nicht – eine Mozartoper – na! Eh die Oper … die mit dem Papageno – mir fällt der Name nicht ein! Ah! Die Zauberflöte! (Der ist mit seinem Kind sicher schon zwei Kilometer weiter, bevor mir der Name der Oper eingefallen ist, die er aus irgendeinem Gerät hört, vielleicht zur Beruhigung des Kindes, das vielleicht schlafen soll.)

Inzwischen hat der Wind schon oft die Blumen in den Blechtöpfen geschüttelt, aber vom Geist erfüllt fühle ich mich noch nicht. Autos fahren heute am Feiertag nicht viele vorbei, aber jedes einzelne ist lästig.

Ich bin dazu übergegangen, am Gespräch am Nebentisch mitzunaschen und sogar ein paar Sätze einzuwerfen.

Langsam kann ich den Rauch vom Nebentisch sogar genießen, obwohl (oder weil) mir dabei das Gehirn gelähmt wird (unglaublich, wie nach mehr als zwanzig Jahren solche körperlichen Suchtreaktionen abrufbar bleiben! - ich meine, nur wegen dem bisschen Rauchschwade vom Nebentisch!).

Ich ziehe ein wenig den Kopf ein, um unter dem Sonnendach aus rosa Stoff auf den grünen Hirschen oben am Dach des Hauses Taborstraße/Karmeliterplatz, der auf die Heiligen der Karmeliterkirche herabschaut - wenn er sie nicht überhaupt stolz übersieht - blicken zu können. Ein Mann mit hellem Strohhut und Rucksack photographiert am Karmeliterplatz. Dann kommt er näher und photographiert in die Gasse und dreht sich dabei. So wie er sich jetzt neuerlich gedreht hat, müßte er mich am Photo haben – wer weiß, was das bei den zukünftigen BetrachterInnen auslösen wird! Nun photographiert er den Himmel, ebenfalls in einer Drehung.

Die Schatten der schönen, schlichten Klappsessel kommen graphisch und überhaupt so schön am Asphalt des Gehsteiges. Der Wind rüttelt sehr schön die große Linde (glaube ich) dort drüben bei der Kirche. Dahinter sehe ich ganz klein die Passanten die Taborstraße hinauf oder hinunter gehen, mehr wie undeutliche Schemen nehme ich sie wahr. Nun die Straßenbahn stadtauswärts. Und – viel näher – fast als Kuriosität: vier Halteverbotsschilder auf einen Haufen (aus meiner zusammenschiebenden Perspektive).


(9.6.2025)


Peter Alois Rumpf Juni 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite