Montag, 17. August 2026

4579 Götterdämmerung

 



11:28 a.m.  Ich sitze mit meiner lieben Frau heraußen im Café im Unteren Belvedere und überlege kurz, ob ich schreiben soll, aber dann merke ich, es fällt mir nichts ein und verwerfe den Gedanken und sitze nur so da und denke nichts weiter. Als jedoch meine Frau zu mir „Du kannst ruhig schreiben!“ sagt, nehme ich das sofort (man könnte auch sagen: z’fleiß – der innere Spötter) als Aufforderung und hole Notizbuch und Pilotstift heraus – Brille brauche ich nur mehr bei schlechtem Licht – und was? Was jetzt?

Der Cappuccino ist erwartungsgemäß teuer und etwas schal im Häferl, aber als erste Drogendosis des Tages wird’s reichen. Ich betrachte das barocke Eingangstor in den Vorhof sozusagen von hinten und denke, dieses grandiose Bauwerk – ich meine das ganze Belvedere – verdiente (Konjunktiv!) den originalen Umraum, auf dass es richtig ausschwingen kann. Also reißen wir das ganze Neunzehntes-Jahrhundert-und-später-Zeugs der Umgebung ab! Auch für das stalinistisch-kitschige Denkmal der Roten Armee wäre es höchste Zeit. Den Hochstrahlbrunnen können sie meinetwegen lassen (nachdem du deinem Größenwahn ohne Größe freien Lauf gelassen hast, wäre es an der Zeit, dich anderem zu widmen. Wie wäre es mit der Ausstellung von Anni Albers? - der innere Spötter).


(13.8.2026)


©Peter Alois Rumpf    August 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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