Donnerstag, 2. Oktober 2025

4228 Ein Tag im Leben

 



14:45.  Wie schon seit Jahren nicht mehr habe ich mir zwei Kunstbände (Max Weiler, Der Zeichner und Alois Neuhold, Du mußt dir …) aus dem verstaubten Bücherregal geholt, abgewischt und bin damit in das Musikzimmer marschiert, habe alles auf den Schreibtisch vorm Fenster abgelegt und zu blättern begonnen. Ich bin so hingerissen! Mehr als ein Fünftel des Weilerkatalogs habe ich nicht geschafft. Eine solche Wehmut, ein solcher Schmerz steigen in mir auf. Diese Bilder: was für eine Offenbarung! Unten werden die Tageskinder abgeholt, ich kann mir aber diesen Raum hier erstehlen. Was schlägt das für Saiten in mir an? Was ist das?


15:29.  Jetzt habe ich mir sogar Bruckner aufgelegt, aber der Plattenspieler funktioniert nicht. Ich blättere weiter im Weilerkataklog. Ich drehe den Plattenspieler nach ein paar weiteren Versuchen ab. Und nehme einen Schluck vom zu über 98% unechten Kaffee.


17:39.  Au weh! Ich sehe am Handy einen Maileingang. Mein Antrag auf Aufnahme in die Grazer Autorinnen Autorenversammlung wurde abgelehnt.


18:11.  Ich habe auf Sand gebaut. Offensichtlich habe ich auf Sand gebaut. Meine Schreiberei fällt ins Leere. Weder hat sie Gewicht, noch schwebt sie. Ich bin ganz einsam. Viel einsamer als ich je gedacht habe. Es geht dabei nicht um Menschen um mich, sondern um Resonanz. Werde ich das durchhalten? Die Schreiberei aufgeben? Wie der Verzweiflung Herr werden, wenn sie kommt? Mir ist kalt. Dabei muß es im Zimmer um die zwanzig Grad haben und ich bin warm angezogen.


23:44.  Ich bin durch. Alle Hoffnungen begraben. Blödle ich hald (sic!) so vor mich hin. Wie so oft in Ratlosigkeit schaue ich dem Staub beim Umherschweben zu. Ich darf einfach keine Lebensbilanz ziehen, das würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Und wenn mir dann der Boden unter den Füßen weggezogen werden wird, werde ich für die Lebensbilanz bereit sein werden (geht doch! - der innere Spötter). Im Regal beginnen die Bücher und abgestellten Dinge einzusinken ohne zu verschwinden. Das kennen wir schon. Mein Magen knurrt, aber nicht von Hunger. Einzelne, separate Momente aus meinem Leben fallen mir ein; darunter durchaus lustige (er wollte sich in Selbstmitleid suhlen, aber seine Erinnerungen haben nicht mitgespielt – der innere Spötter).


(1.10.2025)


8:59 a.m.  Zufällig fällt mir ein vergessenes Kärtchen aus einem Stapel im Kästchen neben dem Bett, auf dem ich irgendwann notiert hatte: „Schreiben als Schwimmbewegungen, um sich oben zu halten, um nicht abzusaufen, um nicht unter zu gehen.“ (na, dann Prost! - der innere Spötter).


(2.10.2025)


Peter Alois Rumpf Oktober 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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