4218 Engelsflügel
12:14. Beim Kaffee. Der eine trägt den Qualtinger am Bauch, ich den Geisterfahrer auf der Brust. Heute ist hier herinnen viel los und die Laube draußen leer. Es regnet immer wieder und es ist kalt. Die burgunderrotähnliche Farbe meines Pilotstiftes und die ähnliche meines Notizbuchdeckels schlagen sich mit dem helleren, ins Pinke changierende Rot des Kaffeehaustisches.
Pause.
Aus einem überraschenden, kurzen, intensiven Gespräch fällt es mir schwer, ins Schreiben zurückzufinden. Dabei stößt mir mein Eifer im Gespräch auf, dem etwas Übertriebenes anhaftet; das Zukurzgekommene läßt mich kindlich drauflosquasseln (kannst dich noch an den Quasselkasper aus Wasserburg erinnern? - der innere Spötter). Mein Blick aber fixiert sich nun an den Licht-Engelsflügeln, die die Lampen dort in der Fensternische an die Wand werfen; und dieser Anblick ist tatsächlich beruhigend und heilsam. Ein kurzer Moment der Stille hier, jemand klatscht ein Mal, jemand klopft, dann kommt die Musik wieder. Es ist alles gut. Der Lichtengel erfreut und beschützt mich wirklich. Mein innerer Spötter möchte deswegen gleich loslegen, aber er beherrscht sich, weil er doch spürt, dass das jetzt lebensnotwendig ist und keinen Spott verträgt. Später vielleicht.
Ach du himmlischer Lampenengel! Danke dass sie jetzt Aldous Harding spielen! Danke für diese Intervention (ich höre sie hier zum ersten Mal). Regnet es? Ich frage wegen meiner Weiterwanderung. Die Lichtkugeln der zwei Kristallglasdeckenlampen stehen im Raum unter dem Plafond wie angehaltene außerirdische Flugobjekte. Sicher transportieren auch sie eine Botschaft. Ich vertraue darauf, dass sie eine gute, lebensfördernde ist und dass sie langsam – so wie es unsere verdummten Bewußtseine nötig haben – einsickert. Ich starre länger auf sie, vielleicht etwas zu gierig nach existentieller Erkenntnis. Der Ventilator dreht sich heute nicht; ist auch nicht notwendig. Ich sehne mich so nach Erlösung! (Vorsicht! Bald fange ich wieder zu spotten an! - der innere Spötter.) Ich traue mir nicht zu, es selbst zu schaffen. Ich denke, es ist Zeit auszutrinken, zu zahlen und zu gehen. Gehen!
(25.9.2025)
Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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