Dienstag, 30. September 2025

4224 Gelähmt vor Angst

 



8:31 a.m.  Gelähmt vor Angst liege ich gefühlte hundert Jahre am rechten Rand des Bettes an die Wand gedrückt und kann mich nicht bewegen. Dabei hatte ich vor, in mein Lieblingscafé zu fahren, worauf ich mich schon die ganze Woche freue, und kein unangenehmer Termin oder Ähnliches bedroht den Tag. Ist es die Angst um die Existenz? Oder vor dem Leben? Oder vor den kürzer werdenden Tagen, dem heranschleichenden Winter, der unvermeidlichen Finsternis und Kälte? Oder dem immer näher kommenden Tod? Ich weiß es nicht, auch mein Empfinden ist blockiert, weil die Angst alles stumm niederschreit. Endlich gelingt es mir, mich zu bewegen und schließlich mich im Bett aufzusetzen, immer noch warm zugedeckt, ich friere nicht. Und allmählich fließt diese horrende Angst ab. Ich verweile noch hockend im Bett, bis sich meine eingeschüchterte Seele ganz beruhigt haben wird, und fange an, die Stille hier, die Wärme unter der Bettdecke und mein Zimmer zu genießen. Ich bemerke ein leises Zittern in meinen Gliedern bis herauf in mein Unterkiefer, das sogar kurz sehr stark wird und mein Gebiß, mein Kinn zittern läßt. Der Eindruck taucht auf, dass diese Angst sehr alt ist und aus meiner ersten Zeit hier auf Erden stammt, aber mit Sicherheit spüre und weiß ich das nicht. Endlich löst ein unwillkürlicher, tiefer Atemzug den harten Ring um meine Brust; nicht zur Gänze, aber die Atmung wird lockerer und mehrere freie, unwillkürliche Atemzüge können folgen, die auch die Verspannungen im Bauch lockern. Ich werde bald bereit sein, hinaus zu gehen und mich der Welt und dem Leben – auf meine schüchterne Art – zu stellen.


(30.9.2025)


Peter Alois Rumpf September 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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