4163 Auf der Halbinsel
15:08. Das majestätische Rauschen des Windes jetzt in den herrlichen Pappeln übertönt sogar das kostenintensive Dröhnen der Linienflugzeuge von Schwechat und den elenden Verkehrslärm der Straßen an den anderen Ufern. Ich wache dabei ergriffen und mit erhobenem Herzen aus meinem Dösen auf der Decke auf der ruhigen Halbinsel der Nackten im Gänsehäufel auf. Fast im Kreis glitzert das Wasser durch die Bäume und das Gesträuch rundum. Der Wind hat sich nun zu einem Lüftchen zurückgenommen und so hört man sogar das Kindergeschrei bei der Rutsche in der anderen Abteilung, gut hundert Meter von hier. Auch das Tuckern eines Motors ist zu hören. Und das Schlagzeug vermutlich aus einem überdrehten Auto. Dem folgt aus der selben Quelle ein monotoner, elektrischer Singsang, der fast verzweifelt rauf und runter geht, als würde er vergeblich einen Ausweg suchen. Durchaus traurig und schön. Ich blicke in das Glitzern auf der Wasserfläche gut zwanzig Meter vor mir: dieses Unruhige und Flüchtige im ansonsten einigermaßen stabilen Ambiente. Jetzt legt der Wind zu und sein Rauschen in den Bäumen wird stärker, wie auch die Bewegungen im Geäst. Das vorbeifahrende Boot hinterläßt eine lange, glitzernde Leuchtspur, die sich jedoch schnell auflöst. Vielleicht kommt die Musik auch von einem Boot. Der Wind blättert in meinem Notizbuch nach vor – wenn eines den Buchanfang mit vorne bezeichnet, oder nach hinten, wenn eines mit hinten die Vergangenheit und mit vorne die Zukunft meint. Meint der Wind, ich solle die Texte der letzten Tage überarbeiten? Immerhin weht der Wind, wo er will, wie der Geist.
18:16. Im Wasser schwimme ich dann am Rücken mich im Glitzerband der hinunter gehenden Sonne, das auf dem Wasser liegt, haltend, aber von ihr weg. Ja, die Schatten sind schon lange, das Licht weich und mild, viele Badegäste brechen auf. Boote und Stehpaddler fahren auf dem Wasser (das Glitzern im Wasser ist ganz nach rechts gewandert). Das Stehpaddeln schaut so schön und elegant aus. Fast wie eine Idylle, wenn meine Gedanken nicht wären.
(13.8.2025)
Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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