4157 Irgendsoein Update
11:30 a.m. Es gibt Tage, da so auf Anhieb gar nichts gelingen will. Man hat wirklich den Eindruck, mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein und so beim Eintritt in die Welt dem Ganzen ein falsches Drehmoment verpasst zu haben. Fängt bei der Morgentoilette an – ich habe ja schon vergessen, was alles war. Das Handy wollte irgendsoein Update und schwach und wehrlos wie ich war, stimme ich dem zu. Das dauert aber endlos, dabei wollte ich gleich ins Zwanzgerhaus losstarten. Es wird mir zu blöd, ich stecke das herumladende Handy ein – das noch dazu sehr wenig Saft hat, weil ich gestern vergessen hatte, es über Nacht aufzuladen (da hat es angefangen!) - und gehe los. Beim Umsteigen am Praterstern eile ich auf den vorübergehend falschen Bahnsteig und renne wieder retour und zum anderen Aufgang. Erst im Belvedere 21 (früher: Museum der Zwanzigsten Jahrhunderts) fällt mir auf, dass mein Smartphone nicht hochgefahren ist und alle meine Schritte nicht gezählt hat! Ich brauche aber mindestens 6.000 Schritte am Tag! Was mache ich jetzt? Wertvolle Schritte sind verloren! Gut, ich nehme das in Demut hin und starte jetzt bei 0 (hahaha! Demut! Meintest du nicht einen Zustand wie den kleinen Bruder von Scheiße? - der innere Spötter) Außerdem bin ich zu früh beim Belvedere 21; es öffnet erst um 11h. Ich spaziere in den Schweizergarten, weiß nicht recht wohin, die Bänke sind entweder besetzt oder noch vom Regen in der Nacht nass. Zehn vor elf sehe ich, dass das Tor zum Skulpturengarten geöffnet wird. Ich gehe hinein, schlendere umher und betrachte die Skulpturen. Ich will die Wellenmaschine von Thomas Baumann einschalten, drücke – sehr unsicher, ob ich damit nicht einen Alarm auslöse – einen großen Knopf. Nichts passiert. Gott-oder-wem-oder-was-auch-immer-sei-dank fällt mir ein – weil ich am Schaltkasten ein tosisches – glaube ich - Schloss sehe – dass sie möglicherweise erst ab 11h in Betrieb genommen wird. Ich gehe von Skulptur zu Skulptur. Richtig! Da kommt eine junge Frau in Belvedere-21-Berufskleidung mit einem Schlüssel in der Hand daher und ich frage sie, ob sie die Wellenmaschine einschaltet. „Ja“ sagt sie. Ich frage noch – völlig überflüssig, wie sich herausstellen wird – ob man als Besucher noch etwas drücken muß, um den Mechanismus ad hoc auszulösen. Sie versteht gar nicht, was ich gemeint habe, denn ihr ist es selbstverständlich, dass das Ganze automatisch abläuft. Okay! Okay! Eine Zeit lang schaue ich den Wellen zu und freue mich wie ein Kind daran, wie sie sich aufbauen, kulminieren, interferieren, hin und her laufen, rauschen und wieder verflachen. Und wie ein Zweig, der ins Wasserbecken gefallen ist, sich an den Barrieren aus Ziegeln verfängt, wie dahinter kleine Strudel entstehen uns so weiter und so fort. Aber wie einem zappeligen Kind wird mir das schnell fade (nichts mit ausdauerndem und geduldigem Betrachten, nichts mit großartiger Meditation, nichts mit Eintauchen in die Tiefe der Wirklichkeit! Schmink dir dein Erleuchtungsgetue und deine Weisheitsphantasien ab! - der innere Spötter) und ich gehe zu den Ausstellungen ins Haus (das mir übrigens architektonisch sehr gefällt) und in dem heute auffällig viele Besucher sind. Vor allem geht es mir um die Wotruba-Ausstellung, die ich empfehle (wem eigentlich? Deine vielen LeserInnen? - der innere Spötter). Ich freue mich, wieder einmal eine klassische Ausstellung zu sehen, trotzdem ich stärker zur Malerei neige, als zur Bildhauerei. Nun aber sitze ich in der geliebten Lucy-Bar, genieße den Kaffee, und jetzt, erst jetzt schaltet der Typ an der Bar (Oberkellner?) die Musik ein. Klar: der typische Bar-Jazz. Ich lehne mich zurück und nehme einen Schluck. Ich schaue aufs Handy und finde eine Mahnung. Ich ärgere mich maßlos, denn ich habe die Rechnung nie erhalten. Diese scheiß Post ist nicht mehr in der Lage, ordentlich zuzustellen. Gilt auch für alle anderen Dienste.
Phhh! Ausatmen! Einatmen! Ausatmen! Einatmen! Ausatmen! … hilft nichts. Ich muß sofort nach Hause um das zu erledigen. Ich halte es sonst nicht aus. Und spottet nicht, dass ich nicht alles vom Handy aus machen kann!
(6.8.2025)
Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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