4154 Verrenken
13:14. Liebe LeserInnen, wo raste ich auf dem Weg von meinem Lieblingscafé nach Hause? Kommt ihr drauf? Richtig! Am Gestade gegenüber den frühneuzeitlichen Häusern, deren Proportionen mir so gefallen. Im Schatten einer Linde und beim Geplätscher des Brunnens des betrügerischen Baders am unteren Ende der breiten, großen, eindrucksvollen Stiege zur Marienkirche hinauf. Am Herweg bin ich auch beim Weilerbild in der Auslage von Wienerroither & Kohlbacher stehen geblieben und habe eine kurze (sehr kurze! - der innere Spötter) Andacht mit Foto abgehalten. Alles wie gehabt und trotzdem alles ganz anders: auf Am Gestade 3 putzt jemand (eine ältere Frau – ich konnte es in der relativen Dunkelheit ihres Raumes von außen nicht gleich erkennen) die Fenster (Wiener Fensterstock: das heißt: die äußeren Fensterflügel gehen nach außen auf. Das hat den Vorteil, dass der Wind sie zudrückt und damit das Fenster abdichtet. Die Scheiben außen zu putzen kann eine kleine kletter- und verrenkungstechnische Herausforderung sein). Der sanfte Wind schaukelt die kleinen Fahnen beim Hotel-Hostel-Luka (das scheint ja der Sinn von Fahnen zu sein). Übrigens: Österreich und Europäische Union, je zwei. Ich nehme an, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis die Früchte des Lindenbaumes herunter gesegelt kommen werden (laut google im September. Also das wird noch etwas dauern – der Korrektor). Eine ältere Dame klappert extrem laut, aber gekonnt die Stiegen von Maria-am-Gestade herunter. Die Fenster putzende Dame muß sich sehr anstrengen, das sehe ich. Ich sehe auch eine junge Frau in wirklich sehr kurzem Rock, die zur Stiege hinauf geht. Gottseidank habe ich gerade über mein Notizbuch gebeugt geschrieben und nicht so hingeschaut. So brauch ich mir nicht allzu viel vorwerfen (oder?). Kurz taucht der Gedanke auf, zur Kirche hinauf zu gehen und einzutreten – ich war schon Jahrzehnte nicht mehr drinnen. Aber ich verwerfe den Plan, denn ich erinnere mich an den Gestank innen und die scheußliche Reliquie (stimmt die Erinnerung? Mein innerer Wahrheitsfanatiker will jetzt hinaufsteigen und meine Erinnerung überprüfen. Ich scheiß drauf!). (Das war schon klar, dass der keine Ruh gibt!)
Ich habe zwei junge Frauen, die hüftschwingend die Stiege hinauf sind als „Lift“ benutzt, bin ihnen in gehörigem Abstand gefolgt und habe dann wirklich die Kirche Maria-am-Gestade betreten (keine Sorge, die Frauen hatten ein anderes Ziel). Das Tor ist weit offen, die Luft drinnen nicht so schlecht. Ich sehe zunächst kein Weihwasserbecken, was mich irritiert, denn ich will die Spielregeln einhalten und mich beim Eintritt mit Weihwasser bekreuzigen. Ah! Die Weihwasserbecken sind ein Stück weiter vorn im Kirchenschiff und – typisch – das eine ist leer und das andere fast leer – was sie jetzt überall haben: im Weihwasserbecken eine kleines Kompottschälchen aus Glas mit einem kleinen Lackerl drin, kaum dass man die Finger benetzen kann. Warum haben die so Angst vorm Wasser? Wo bleibt die Symbolik von Fülle, Segen und Reinigung? Die Becken gehören bis zum Rand voll mit Weihwasser - mit echtem! - gefüllt. Geizig, ängstlich wirkt das; nur ja nicht zu viel pritscheln!
Normalerweise zünde ich immer auch eine oder mehrere „Opfer“kerzen an, wenn ich in einer Kirche bin; ich bezahle sie korrekt und bete dann wirklich. Hier nicht. Hier gibt es nur diese gottlosen Gaskerzen zum Wiederbefüllen, die nichts anderes sind als Kerzen imitierende, kitschige Gasfeuerzeuge. Pfui!
Ah, und die Reliquie vom heiligen Klemens Maria Hofbauer ist zwar trotz Glasfenster im Reliquienschrein besser verstellt und versteckt, als ich es in Erinnerung hatte, aber dieses Ausstellen von Knochen- und Leichenteilen empfinde ich als durch und durch morbid, obsessiv und scheußlich. Nein, das reicht! Ich gehe wieder.
Der Werbeaufspann für den European Congress of Radiology am alten frühneuzeitlichen Haus in Höhe und gegenüber der Kirche empfinde ich als hässlichen, geistlosen, erbärmlichen und unrettbaren Kitsch. Die Pallas-Athene-Statue mit Eule als Darstellung des Wachstums des wissenschaftlichen Wissens ebenso. Arme Wissenschaft! So heruntergekommen! So können die Erkenntnisse auch nicht viel wert sein. Da ist mir die Kirche gegenüber mit ihrer äußerst fragwürdigen Ästhetik noch lieber (er wollte schreiben: beim Arsch lieber, aber das hat er dann zensuriert – der innere Spötter). Die Kirchturmuhr schlägt Viertel. Ich gehe. (Naja, da hat er sich wieder weit aus dem Fenster gelehnt! - der innere Spötter.)
(5.8.2025)
Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com
Ah, und die Reliquie vom heiligen Klemens Maria Hofbauer ist zwar trotz Glasfenster im Reliquienschrein besser verstellt und versteckt, als ich es in Erinnerung hatte, aber dieses Ausstellen von Knochen- und Leichenteilen empfinde ich als durch und durch morbid, obsessiv und scheußlich. Nein, das reicht! Ich gehe wieder.
Der Werbeaufspann für den European Congress of Radiology am alten frühneuzeitlichen Haus in Höhe und gegenüber der Kirche empfinde ich als hässlichen, geistlosen, erbärmlichen und unrettbaren Kitsch. Die Pallas-Athene-Statue mit Eule als Darstellung des Wachstums des wissenschaftlichen Wissens ebenso. Arme Wissenschaft! So heruntergekommen! So können die Erkenntnisse auch nicht viel wert sein. Da ist mir die Kirche gegenüber mit ihrer äußerst fragwürdigen Ästhetik noch lieber (er wollte schreiben: beim Arsch lieber, aber das hat er dann zensuriert – der innere Spötter). Die Kirchturmuhr schlägt Viertel. Ich gehe. (Naja, da hat er sich wieder weit aus dem Fenster gelehnt! - der innere Spötter.)
(5.8.2025)
Peter Alois Rumpf August 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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