4534 Plauderton
16:01. Heute ist der Wind stark und warm. An sich nicht unangenehm, wie der so um die nackten Beine und Arme streicht, aber Unruhe bringt er schon: das ständige Gerüttel und Geflatter an Vorhängen & Co. Ich starre vor mich hin und das heißt - so wie ich hier im Lokal sitze – ich starre durch den offenen Mittelteil der Besteckstellage in den Bereich hinter die Budl, die offiziell natürlich einen besseren Namen haben dürfte. Aber manchmal reizt es mich, veraltete, aussortierte, als dialektal empfundene und bestenfalls rustikal geduldete Begriffe zu verwenden, vor allem, wenn mir das Ambiente etwas gehoben vorkommt, was im Prinzip ja kein Nachteil ist – für mich allerdings genügt für so eine Kategorisierung, wenn in einem Lokal erwartet wird, dass man sich den Platz zuweisen läßt, was ich gerne mich blöd stellend unterlaufe (oder betont unterwürfig - und das ist nicht gespielt – indem du untertänigst fragst, ob du dich dort hinsetzen darfst – der innere Spötter) – (Mir geht dein schnüffelnder und süffelnder Plauderton schon gehörig auch die Nerven! Und warum kannst du nicht einfach süffisant schreiben? - der innere Spötter.) Aber vermutlich ist das alles sowieso nur in meinem Kopf.
Interessant ist es, dass es unter den Gästen immer wieder eine Person gibt, die die Atmosphäre des Gastraums zur Gänze dominiert. Diese Person muß gar nicht besonders laut reden – eine gewisse Lautstärke gehört allerdings schon dazu – ich kann es auch nicht an dem festmachen, was sie sagt – obwohl: ganz wurscht ist das auch nicht – eher ist es der Tonfall. Und die Selbstverständlichkeit einer übertriebenen Anwesenheit. Die deutet freilich doch auf Unsicherheit im Tieferen hin, oder? Ich frage meine LeserInnen.
Die Musik ist auch angenehm und schön wehmütig (nein, nein! Noch heult er nicht! - der innere Spötter). Der Wind hat alle Wolken verblasen und die Sonne erzeugt so schöne Lichtflecken in den Fensternischen, die von so schönen, tiefen, scharfen Schatten begleitet werden, aber schon etwas von der Trauer des Abends und des Untergangs mitbringen. Ich bin schon anfällig für gefälligen Pop, nur traurig muß er sein und gut ist auch eine gezogene E-Gitarre (wegen der Nabelschnur wahrscheinlich – der innere Spötter). (Das mit der Nabelschnur meint der innere Spötter so: die Saiten der Gitarre als Symbol für die Nabelschnur, besonders wenn sie elektrisch verstärkt wird. Sozusagen ein Schwächlings und Muttersöhnchen Gejaule und Gejammer. Das dürfte er dem bajuwarischen Affenarsch abgeschaut haben. Ich selber habe mir versprochen, von diesem Typen nichts mehr zu übernehmen und ihn in meinen Texten nicht mehr zu zitieren oder zu erwähnen. Der hat genug angerichtet! - der Autor.)
Der Wind zerrt an der EU-Fahne draußen vorm Eich- und Vermessungsamt; die aber hängt fest. Und ebenso reißt der Wind am Sonnensegel des kleinen Schanigartens. Mein Gleichgewicht ist schon fragil. Und zur E-Gitarre ist noch zu sagen: auch wenn sie ordentlich „schweißt“, die Nabelschnur ist gebunden und nicht frei und der Gitarrist spielt Mamas wilden Liebling (ah! Jetzt kommt der Oberlehrer durch. Und hast du nicht bemerkt, dass du, ja du damit wieder dem bajuwarischen Affenarsch voll auf den Leim gegangen bist? - der innere Spötter).
Vermutlich ist das alles nur in meinem Kopf.
Der Schatten eines Firmensymbols vermutlich, auf der Glasscheibe des Fensters – nehme ich an – den ich an der Nischenwand da vorne langsam mit der absteigenden Sonne versinken und verschwinden sehe, zerreißt mir fast das Herz. Jetzt (16:59) ist er weg, und der Ort, wo er stand, er hat ihn vergessen (ich will jetzt wirklich nicht spotten; ich will nur wissen, ob du hier das Bibelzitat wirklich ernst meinst? - der innere Spötter).
(3.7.2026)
©Peter Alois Rumpf Juli 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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