4237 In den Nischen
9:56 a.m. Beim Weggehen heute ins Lieblingscafé hatte ich plötzlich die Eingebung, meinen Schmuck anzulegen, was ich seit Monaten, wenn nicht Jahren nicht mehr gemacht habe; die drei Ringe und das Zeug, das ich mir um den Hals hänge und das unsichtbar bleibt (und dass er jetzt so schnell zu schreiben begonnen hat, obwohl er nach dem großen Wiener Frühstück noch gar nicht zu seiner Lektüre gekommen ist, hat damit zu tun, dass am Nebentisch ein älterer bis alter Herr gesessen ist, der sehr professionell in seinen Notizen geblättert und sie handschriftlich ergänzt hat – vielleicht ein Schriftsteller? Vielleicht von einem Verlag? - und der offensichtlich am Aufbrechen war und schon gezahlt hat und den unser Autor noch irgendwie beeindrucken wollte, indem er blitzschnell Notizbuch und Schreibzeug herausgeholt und auf den Tisch geschmissen und sofort zu schreiben angefangen hat. Und Lektüre ist auch übertrieben: er blättert im Standard und in der Kleinen Zeitung herum; das ist es. Das arme Würstchen will entdeckt werden! - der innere Spötter).
Jetzt kommt Maestro Manfredu Schu herein, mit dem ich mich verabredet habe und mit dem ich dann lange über Fitness und Dehnen und Selbstverlegen von Texten geplaudert habe.
12:04. Heute sitze ich 354° N und schaue direkt zum Fenster auf Straße und Laube hinaus, in der auch ein paar Tapfere (Raucherinnen) sitzen, während der Wind die Äste der großen Platane über ihren Häuptern schaukelt (Stimmt nicht ganz: direkt über ihren Köpfen befindet sich die Dachplane, darüber und davor wippen die Platanenzweige - der innere Korrektor). Über der Glasfront zur Straße, die hier Burggasse heißt, blickte mich, wenn er noch Augen hätte, aus einer der Nischen ein Hirsch an, genauer gesagt: sein Schädel mit einem zwölfer Geweih (ein siebentes Spitzerl scheint sich an seinem linken Geweihast vor seinem Tod gerade erst gebildet zu haben). Nun der zum Ritus gewordener Blick auf den Lichtengel (sprich: auf die Lichtstrahlen aus den zwei Lampen mit durchlöcherten Metallschirmen in der Nische beim linken Fenster). Viel ist es heute nicht, aber ich will, muß, kann, darf gehen.
(7.10.2025)
Peter Alois Rumpf Oktober 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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