Dienstag, 29. Juli 2025

4141 Endorphin

 



17:49.  Whow! Ein Endorphinschub stört nachhaltig meinen Wirklichkeitssinn. Erinnerungen und Szenen schieben sich in mein Bewußtsein, von denen ich nicht weiß, ob ich sie wirklich erlebt habe, und wenn doch: wann? Und in welcher Realität? Gerade vor drei Sekunden war doch was, aber was?

Ich kenne solche Verschiebungen zur Genüge, manchmal finde ich sie interessant, aber heute nerven sie mich: ich weiß nicht mehr, was ich wirklich erlebt habe. Außer Atorvastatin habe ich heute kein Medikament genommen. Und Drogen: nur eine Tasse Cappuccino. Ich liege unschlüssig im Bett (mein linkes Knie schmerzt) und finde mich mehr schlecht als recht in dieser simplen Wirklichkeit zurecht (vielleicht retten mich Wortspiele und Wortwiederholungen). Die „Wirklichkeit“ ist nur ein verschlissenes Kleid über etwas Unvorstellbarem. Ich will meine Ruhe haben. Ich will nicht abrutschen. Ich blicke mich in meinem Zimmer um, ob die Dinge halten oder nachgeben und zu rutschen beginnen. Ich weiß, dass die Dinge nur schlechte Skizzen über dem Abgrund sind, aber heute kann ich mir diese Erkenntnis nicht leisten. Ich muß die Illusion dieser „realen“ Welt stabilisieren, sonst bin ich weg und ich bin nicht lauter und stark genug, eine solche Reise zu überstehen. Kühle Abendluft kommt vom offenen Fenster im Vorzimmer herein. Ich atme tief und stockend durch. Ein Flugzeug lärmt sich durch die relative Stille; nur in meinen Ohren surrt es wie verrückt. Soll ich es mit Weihwasser probieren? Ich bin zu faul zum Aufstehen; und ich habe auch keine Lust, mich mit den Weihwasserimplikationen herumzuschlagen und all die dortigen Weihwasserimplikationen .. jetzt habe ich mich verirrt und vergessen, was ich Wichtiges sagen wollte; von einer Sekunde auf die andere ist mein Satz weg. Nur so viel: am Weihwasser mag ja auch alles Mögliche Zeugs hängen, mit dem ich nichts zu tun haben will. Einsam bist du! Geistig sehr einsam! Die kühle Luft vom offenen Fenster tut mir gut. Wenn ich nur einigermaßen im Gleichgewicht bin, werde ich versuchen zu schlafen.


18:56.  Ich war ein wenig eingeschlafen und bin eines Telefonats einen Stock tiefer wegen aufgewacht. Ich fühle mich besser, aber dann habe ich mich gefragt – warum auch immer – wie alt ich bin und habe mir die Frage nicht beantworten können. Ich wußte ja auch nicht mehr, welches Jahr wir haben. Mein Geburtsjahr kannte ich noch, aber die Herumrechnerei hat zu nichts geführt. Geduldig habe ich nachzurechnen versucht: von 1954 bis 2000 – das sind wie viele Jahre? 46. Okay. Und weiter? Dann habe ich es mit Alter und Geburtsjahren meiner Töchter probiert – aber ich weiß ja nicht, welches Jahr wir jetzt haben! Bin ich wirklich über siebzig? Das gibt es nicht! Allmählich … ich blättere im Notizbuch, denn ich hatte die Idee, bei den Datumsangaben nachzuschauen. 2025! Tatsächlich! Ich bin über 71 und mein nächster runder ist 80. Ich bin schockiert! Das soll es gewesen sein? Wo ist mein Leben? Ich habe von meinen Träumen und Hoffnungen doch kaum etwas verwirklicht! Wo ist meine „große Tat“? Ich denke an meine Töchter und beruhige mich wieder. Ich sollte runtergehen und nachschauen, ob die zweite Wäsche schon fertig ist.


(28.7.2025)


Peter Alois Rumpf Juli 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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