Montag, 2. November 2026

4666 Gepölster

 



8:29 a.m.  Mein Gott! Ist das manchmal kompliziert und umständlich, bis man die Pölster im Rücken so platziert und zurechtgerückt hat, dass es einigermaßen bequem ist! Genau genommen passt es immer noch nicht und ich hocke ein wenig verkrampft und unbequem da und muß meinen Rücken an die Wand pressen, damit mir mein Gepölster nicht wegrutscht. Aus der Küche kommt Barockmusik und das Gesprudel siedenden Wassers. Mein Magen knurrt. Unser dreifaltiger Wohnzimmerbaum kommt mir heute etwas mager vor, obwohl sich an ihm sicherlich nichts verändert hat. Jetzt dominiert in der Küche das Geräusch der handbetriebenen Kaffeemühle, in der die gerösteten Embryos der Kaffeepflanze zermahlen werden. Ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich heute meiner Frau nicht angeboten habe, diese Arbeit zu erledigen, aber ich bin noch so verschlafen und müde im Kopf und außerdem müßte ich nachher die Polsterung im Rücken neu aufbauen, die garantiert umgestürzt wäre. Nein, es ist schon besser so!

Aber als mir das Schüsselchen mit der Frühstücksvorspeise gebracht wird und ich mich, um es zu ergreifen, nach vorne beugen muß, wären mir die Pölster im Rücken beinahe wieder verrutscht und abgestürzt, aber in einer flinken Rückwärtsbewegung konnte ich den Zusammenfall stoppen.

Nun bearbeite ich mit der Zunge meine Zähne, um die Orangen-, Salat- und Fenchelreste aus den Zahnspalten zu bekommen. Ich nehme dabei den warmen Zitronensaft zu Hilfe – beim Vorbeugen, um das Glas zu derlangen wird es wieder gefährlich – indem ich mit jedem Schluck, bevor ich ihn hinunterschlucke, die Mundhöhle sozusagen ausspüle, aber irgendein Salatstückchen hängt immer noch zwischen zwei Zähnen fest.

Jetzt ist das Müsli da und die Szenerie hat sich grundlegend verändert. Und was mir noch aufgefallen ist: wenn ich die Tropfen des Vitamin-D-Präparates auf den Löffel fallend (es sind natürlich die Tropfen, die fallen! - der innere Spötter) zähle, müssen meine Kaubewegungen mit den fallenden Tropfen synchron sein, sonst verzähle ich mich, weil mein eigenartiges Bewußtsein sofort die Kaubewegungen zu zählen beginnt. Sehr interessant! Wo könnte ich diese wissenschaftliche Entdeckung veröffentlichen?


(30.10.2026)


©Peter Alois Rumpf    Oktober 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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