Donnerstag, 20. August 2026

4585 Scheiß Scham

 



16:42.  Eigentlich fühle ich mich schon schuldig, weil ich bei bloß einem Cappuccino schon zu lange da hocke und Zeitung gelesen habe (Standard; übrigens viel mehr Artikel als üblich). Aber gerade deswegen – nämlich des schlechten Gewissens wegen – habe ich das Notizbuch hervorgeholt, um mich von den inneren Aufbruchsforderungen abzulenken, mich und meinen Platz hier ein wenig zu festigen und Kaffee und Wasser in gefährdeter, aber nicht völlig vertriebener Ruhe langsam auszutrinken. Leute, ich sag’s euch! Ich habe dieses ewige Schuldgefühl bis oben satt! Und diese verschissene, geschissene, beschissene Scheiß Scham über ja, worüber eigentlich? Über meinen geringen Sozialstatus? Über meine finanzielle Impotenz? Oder einfach über mein gescheitertes Leben? So klar ist das gar nicht. Meine Scham ist älter als meine Sprache und sitzt tiefer, als ich denken kann. Meine Scham ist älter und sitzt tiefer als meine Gedanken und Erklärungen dazu … ich meine, diese Scham ist älter, mächtiger, nachhaltiger und tiefgreifender als alle meine gedanklichen Bebilderungen dazu; und sie ist ursprünglich wortlos. Deswegen komme ich trotz jahrelanger Therapien auch nicht an ihre Wurzeln heran und werde sie wohl nicht mehr los. So wie einem Amputierten zum Beispiel sein fehlender Arm nicht mehr nachwächst. Meine Psyche ist ein Krüppel – um es einmal überdeutlich zu sagen. (Ich habe bewußt Psyche und nicht Seele geschrieben!)

Und wie die da ein paar Tische weiter bedeutungsaufgedreht reden, halte ich auch nicht aus (das hat er immer, wenn er mit sich selbst unglücklich ist – der innere Spötter).


(19.8.2026)


©Peter Alois Rumpf    August 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

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