Donnerstag, 5. Februar 2026

4351 Zwei

 



12:12.  (geschwindelt: genaugenommen ist es 12:11) Im Lieblingscafé. (Neben mir schreibt auch einer einen längeren Text in ein Notizbüchlein.) [Ihn habe ich wegen der Zuckerdose angeredet: weil ich nämlich nach dem Hereinkommen und der Platzwahl die Zuckerdose am Tisch, die ich nicht brauche und mir nur Raum, den ich fürs Frühstückstablett und die Kaffeetasse verwenden will, verstellt, an einen der Nebentische ohne Zuckerdose deponieren wollte, mußte ich mich entscheiden, ob auf den linken leeren Tisch oder auf den rechten leeren Tisch (das Leben besteht nur aus Entscheidungen – der innere Spötter). Ich habe mich für den linken Tisch entschieden. Dann ist der dann auch schreibende Mann hereingekommen und hat sich an den rechten Nachbartisch gesetzt. Und als ihm sein Kaffee serviert wurde (du hast tatsächlich versiert geschrieben – der innere Spötter) ist jener Mann aufgestanden und hat sich die Zuckerdose vom Tisch links von mir geholt. Da habe ich ihn angesprochen und gesagt: „Dann hätte ich den Zucker doch rechts abstellen sollen!“ Worauf er geantwortet hat: „Bewegung ist immer gesund!“]

Auch am Weg hierher war es lustig: bei unserem Zugang zur U2/4 gibt es zwei Lifte, von denen mindestens alle zwei Wochen einer außer Betrieb ist und lange so bleibt, bis er repariert wird. Heute waren alle beide kaputt und man mußte die wirklich vielen Stockwerke zu den U-Bahngeleisen hinuntersteigen. Zwei Karawanen bewegten sich über die Stiegen, eine eher mühsam hinauf, eine hinunter. Es kommen ein Herr und eine Frau heraufgestapft, die über die häufigen Ausfälle der Lifte hier reden. Ich schalte mich gleich ungefragt ins Gespräch ein - immerhin ist mir diese Liftgeschichte als ein mich ständig ärgerndes ein Lieblingsthema – und sage: “Ja, das stimmt! Mindestens alle zwei Wochen fällt ein Lift aus. Die Reparaturfirma ist entweder unfähig oder sie reparieren absichtlich schlecht, um Aufträge zu requirieren!“ (Naja, so gut hatte ich das live nicht formuliert, in Aufregung und Ärger ist mir das schöne Wort requirieren nicht eingefallen). Der aufsteigende Mann und ich absteigender haben uns ein wenig und ganz lustig zu diesem Thema unterhalten und uns beim Abschied freundlich, fröhlich, ja, fast liebevoll einen schönen Tag gewünscht. Das hat meiner Seele gut getan! Übrigens: bevor ich die Treppen runtergegangen bin, bin ich zu den Liftreparaturarbeitern gegangen, die im Liftschacht auf einem der Lifte gestanden sind und fleißig auf Metall geklopft haben (ich nehme schon an sinnvoll und nicht zum Spaß), von denen ich aber nur die Beine sehen konnte, bin also vor die Glaswand und habe ihnen (aber eben nicht ins Gesicht) „Pfuscher!“ zugerufen. Erst im hinuntersteigen ist mir eingefallen, ich hätte das genauer und ausführlicher ausführen sollen. Leise Zweifel, ob ich wirklich verstehe, was sich hier abspielt, sind mir auch gekommen, ganz leise.

Noch etwas Lustiges ist passiert, aber das habe ich schon vergessen (Liebe LeserInnen: macht euch nichts draus! Wenn das da oben die zwei lustigsten Ereignisse sind, wird das dritte noch weniger lustig gewesen sein – der innere Spötter).

Nun sitze ich also in dem sich immer stärker füllenden Espresso Burggasse (ich sitze schon zu lange beim zweiten Cappuccino; ich muß, um meine ausufernde Anwesenheit zu rechtfertigen, schnell noch den dritten bestellen) und genieße das Ganze und viele seiner Teile (zum Beispiel: wie sich die Frau ganz links, soeben hereingekommen, aus ihrer Winterjacke schüttelt, oder wie die zwei jungen Frauen ganz rechts von ihren (Psycho)Therapien reden – da fühlt sich unsereiner gleich ganz wohl und weniger fremd).

Jetzt ist es schon 13:19, aber nein, nach Hause gehen wir nicht, bis dass der Tag abbricht! Das Leben ist so lustig, ich blicke nur aus Gewohnheit auf meinen „Lichtengel“ in der Fensternische. Sittin on the dock of the bay aus den Boxen. Und schon jetzt, erst beim ersten Schluck des dritten Cappuccino … ich werde um einen Platzwechsel gebeten und habe gern zugestimmt. Ein ganzer Schwarm junger Frauen kommt herein und setzt sich an die für sie freigewordenen und zusammengeschobenen Tische unter dem fetten, großen, roten Bild an der Wand, auf das jetzt mein Blick geht. Das Licht/Schattenspiel der zwei Doppellampen an der Wand dort ist auch nicht schlecht; es entstehen jedoch wegen der netzartigen Struktur der metallenen Lampenschirme keine Engelsflügel, sondern … nun, andere, karierte Muster.

Von hier aus ist die alte, nicht übertünchte rudimentäre Wand- und Deckenbemalung wirklich recht schön. Es ist nun richtig voll hier und das macht mich etwas nervös. Ein Verlegenheitsblick rauf zum Hirschgeweih links (weiht es dich, das Hischgeweih? Zu was? - der innere Spötter). Es wird voller und voller, langsam krieg ich Koller (jetzt bist du auf deinem wirklichen Niveau! - der innere Spötter). Ich spiele – auch aus Verlegenheit – mit dem grauen Lesezeichenbändchen meines Notizbuches auf der hier grauen Tischplatte (beim vorigen Notizbuch war das Bändchen rot und bei meinem Stammplatz ist es die Tischplatte ebenfalls). Es ist einfach Zeit zu gehen.


(3.2.2026)


©Peter Alois Rumpf Februar 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite