4049 Major Tom, völlig ...
10:24 a.m. Ach bin ich glücklich, wenn ich in meine Lieblingscafé einmarschiere! (mit viel Schwung freudig vom 49iger heruntergeeilt), auch wenn heute im vorderen Raum kein Platz frei war. Der Kellner bringt mir schon den Cappuccino, bevor ich ihn bestellen konnte: sie wissen schon, wonach mich verlangt (das hat er davon: jetzt weiß er nicht mir oder mich, ob 3. oder 4. Fall – der innere Spötter). Ich schaue auf die drei hoch hängenden Hohl …, nein, Hohlspiegel sind die nicht, sondern ganz normale. Einer der Spiegel ist rund mit Sonnenstrahlenrahmen, zwei sind rechteckig, ebenfalls mit prächtiger Umrandung. Mich kann ich Sitzender in keinem sehen, und das ist gut so. Wunderschöne E-Gitarrenmusik!
Mittelgrau gestrichene Ziegelwand gegenüber, dort wo die egofeindlichen Spiegel sind. Im Inneren der schönen Spiegelsonne schimmert die weiß gestrichene Holzdecke. Die Nische mit dem Fenster zum Hof. Die Elegie der leer stehenden Sessel (bei melancholischer E-Gitarrenmusik). Übrigens: ein wirklicher Glücksritter ist auch in der Schwermut glücklich. Ein Schluck vom köstlichen Kaffee. Eine Trompete überhöht jetzt die Gitarrenmusik. Oder ist es eine Posaune? Oder war es vorhin eine Trompete und ist es jetzt eine Posaune? Oder ein anderes Blasinstrument? Ich horche nur sporadisch mit voller Aufmerksamkeit hin. Das jetzt Harfe? Oder ein harfiniertes Piano? (die Boxen befinden sich im vorderen Raum.) Egal!
Zufällig fällt mein Blick auf den Feuerlöscher in der Ecke. Daneben ein Plakat einer lesenden Frau. Die liest ja gar nicht, sondern sitzt am Klo! (Passend neben der Tür mit der Aufschrift D – handgeschrieben.) Ich stehe auf und schaue mir das Poster näher an. Achso: es ist die Queen – Gott hab sie selig – und sie sitzt dort mit heruntergelassenem Höschen und liest in einer Zeitschrift. Ein Bettler kommt ganz schüchtern – gespielt oder ernst - an meinen Tisch und knöpft mir, der ich hochkoffeiniert in euphoristischem Größenwahn bin, fünf Euro ab. Zuerst glaube ich, er will mir einen Augustin verkaufen und die zwei Euro wären Draufgabe gewesen, aber dann bemerke ich erst, dass er nur ein einziges verwutzeltes Exemplar – vielleicht als Staffage – mit hat, das ich ihm lasse. Egal! Gott segne dich! (Er hat mich ja auch gesegnet.)
Aber was wichtiger ist: am Weg zum Queenposter – gemeint ist die Ex von England – komme ich an einem der drei Spiegel vorbei und endlich kann ich mich und mein schönes Gesicht sehen. Na gut, sooo wichtig ist das auch wieder nicht. Aber was ist wichtig? Was ist wirklich wichtig?
Immer noch wunderbare Gitarrenmusik. Das Hinterzimmer hat sich geleert und es sitzen nur mehr meine Wenigkeit herinnen und eine hochschwangere Frau beim Holzofen, der jetzt im Mai natürlich nicht mehr angeheizt ist. Diese Leere im Umraum, die mir die Illusion, in einem abstrakten, unpersönlichen Universum schwebend zu reisen, (sagen wir lieber: Major Tom, völlig losgelöst … Peter Schilling – der innere Spötter) läßt, hindert mich daran, nach Hause aufzubrechen. Apropos Peter und Schilling: dafür, dass ich wenig Einkommen habe, lebe ich wie Gott in Frankreich (oder sagen wir lieber: wie die Made im Speck (englisches Frühstück!) - der innere Spötter)!
Warum liebe ich die E-Gitarrenmusik so? Hat das etwas mit angezupften, aber nicht durchgeschnittenen Nabelschnüren zu tun, deren Wehlaute (oder die des Babys) akustisch verstärkt endlich hörbar werden? Wollen wir es nicht übertreiben. Aufbruch!
(8.5.2025)
Peter Alois Rumpf Mai 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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