Montag, 28. April 2025

4037 Der Anblick der „Natur“

 



13:20.  Im dichten Schatten einer blühenden Rosskastanie auf einer Bank in Hof 3. „Vielleicht hilft mir der Anblick der `Natur´ gegen mein schweres Herz“, dachte ich mir. Ich hätte es besser wissen können: das Aufblühen und Sich-Entfalten rundherum beschämt mich, auch die – anscheinend? scheinbar? - lauten oder dezenteren Zukunftshoffnungen der StudentInnen, die da die Wege beschreiten. Nur der Wind ist sanft. Warum „nur“? Rutsche ich in völlig falsche Bilder und Geschichten ab? Der Geruch einer Zigarette von irgendwo her. Drei Arbeiter gehen vorbei. Eine Frau spielt mit ihrem Hund und schaut mich misstrauisch an. Eine Mutter mit Tochter am Rücksitz des Fahrrades. Das Grün ist überall stark und gerade noch jung. Die Wiesen – gottseidank – noch ungemäht und üppig. Die Frau mit der Tochter breitet eine Decke aus, während das Kind Ameisen beobachtet (ich habe gehört, worüber sie sprechen). Der obligatorische Hubschrauber, der für mich als im mittleren Ennstal Aufgewachsenen wie selbstverständlich zu den Sommergeräuschen gehört. Noch eine Frau mit Decke, sie zieht ihre Bluse aus. Der Wind fächelt vor allem mit den großen Kastanienblättern und wird gerade recht lebhaft, leb-haft. Die Leb-Haft - „über das Leben hinweg sich sehne“ … . Komm! Lass die blöden Wortspiele (und die Zitate, derer du nicht würdig bist – der innere Spötter). Ja stimmt, ich fühle mich auch dieses Frühlings nicht würdig (hast du immer noch nicht genug von deiner weinerlichen Lamentiererei? - der innere Spötter). Doch, allmählich schon. Wie kratz ich die Kurve? (als wärest du ein rasanter Autofahrer! Dabei hast du keinen Führerschein und kannst gar nicht Autofahren. Und mit der Selbststeuerung ist es auch nicht weit her – der innere Spötter). Der Wind wird neuerlich heftiger, hoffentlich weht er mir neue Bilder und Gedanken zu. Ich merke: ich sitze schief und kippe leicht nach links. Das Aufrechthalten meines Oberkörpers habe ich längst aufgegeben. Die Frau auf der Decke macht Ansätze zum Sonnengruß und zieht ihre Socken aus. Sie setzt die sonnengrußartigen Bewegungen fort. Fasziniert schaue ich ihr zu (gestehe! Nicht ohne Hintergedanken! Sie trägt ein Kleid mit großem Ausschnitt! - der innere Korrektor, der korrekt, wahrheitsgemäß und erbarmungslos sein muß). Das lenkt mich von meinem Selbstmitleid etwas ab. Immerhin fühle ich mich jetzt vom Frühling nicht mehr provoziert. Dafür spüre ich wieder die Schmerzen im Rücken. Eine laute Gruppe ist im Anmarsch. Obwohl in der Gruppe nur zwei Männer sind, hört man vor allem diese heraus. Die ausgeblühten Löwenzähne zittern im Wind, aber ihre Flugsamen halten weitgehend noch die Kugelform. Beim Aufstehen schmerzen mich meine Muskeln.




(28.4.2025)




Peter Alois Rumpf April 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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